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Der Israelit · 1926-01-07 · Heft 2 (7.1.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 2 (7.1.1926)
Date
1926-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 2 Jk recht, daß er die früh- und spättalmudischen spärlichen Angaben über diesen Punkt nicht als erschöpfendes historisches Material nimmt, sie waren auch nie als solches gedacht.' Dann sollte er aber erst recht rricht die (Eocmgelten unb besonders die Botschaft des Paulus, bei allem kritischen Verhalten zu ihren Wundererzählungen, im gangen als Hauptquelle benutzen. Mindestens ebenso verfehlt ist es, die nachgewiesenermaßen in Iosephus hineingefälschten Angaben über den Stifter und seine Religion als historische Dokumente heranzuziehen. (Darüber machte jüngsthin in der „Frankfurter Zeitung" Prof. Haupt beachtenswerte Mitteilungen.) Auch Klausner verfällt dem Fehler all seiner Vorarbeiter, einen Namen, an den später geschichtliche Entwicklungen und Verwicklungen eine Weltbewegung knüpfen,, mit einem Inhalte auszufüllen, der aus diesen geschichtlichen Entwicklungen erst gewonnen ist, statt ihn im engen Rahmen seiner Zeit zu sehen, da man von einer weltumfassenden christlichen Religion noch nicht einmal träumte. Auch im jüdischen Kreise, der damals ohnehin vom Parteikampfe genügsam zerklüftet war, wird die kleine ethische Nuance, die der jüdische junge Mann in Galiläa der angeblichen Strenge des Wortes und Starre des Buchstabens entgegensetzte, wenig Eindruck gemacht haben. Uebrigens ergibt sich auch diese Nuance, diese Lehre von der sog. „Verinnerlichung und Vergeistigung auf Kosten des Zeremonialgesetzes" aus Aeußerungen, die erst später ihm in den Mund gelegt worden, von denen wir aber nicht wissen, ob, in welcher Form und in welchem Sinne sie von ihm gesprochen wurden. Aber nicht das ist von Belang. Von Bedeutung ist, daß Klausner im letzten Teile seines Buches, der sich ausschließlich mit der christlichen Lehre befaßt, immer und immer wieder betont und unterstreicht, daß der Stifter (natürlich wie ihn das Neue Testament sieht) n o ch I u d e ist und bleibt, ja sogar „glühender Nationaljude, wie er nur auf heiligem Erez I i s r o e l- B o d en in der Sphäre jüdischer Reinkultur, die keine fremde Mischung kennt, blühen kann." Er besaß den nationalen Stolz und Adel, die national abgegrenzte Einstellung ln'Qirr^n mronn). die im Mittelalter und auch jetzt noch von den Christen den Juden so sehr zum Vorwurf gemacht wird. Wie aber erklärt es sich, daß sich trotzdem die Juden ablehnend, feindlich zu ihm verhielten? Klausner sieht den Grund dafür in der leichten Art, in der er das praktische Religionsgesetz auszudeuten beliebte, und in der schon vielleicht der Grundkern für das spätere, vom Judentum gänzlich losgetrennte Christentum lag. Für diese Ab- Der Israelit 7. Januar'1926' kehr vom praktischen Religionsgesetz hat Klausner keinen Tadel. Der Stifter erscheint im hellsten Lichterglanze der höchsten jüdischen Ethik. Sie kann zwar auf Hillel zurückgeführt werden, aber sie rrxrr dcrrnals nur <Siu£?ent>eIeucfjimig joir bas Höhenleben einiger sittlich ihrer Zeit vorauseilenden Männer. Erst der „Menschensohn" war nach Klausner der große Lichtspender, der das Oberlicht auf die offene Bühne des Weltenlebens geleitet hat.- Warum, fragen wir, soll nun, nach Klausner, der Rabbi auf der Reformkanzel, der die Bindung an das praktische Religionsgesetz so wenig kennt wie der Stifter in der paulinischen Darstellung, warum soll dieser Rabbi nicht nach dem Texte aus dem Evangelium Klausners predigen, dürfen: „Huldigt dem großen Lichtspender, er ist unser?.-" Dieser Prediger ist aber zufällig der Führer der amerikanischen Zionisten, so wie Klausner der Universitäts-Vertreter der intellektuellen Gruppe der Kulturzionisten ist, was ein ungeheures Hochgehen der Erregungswellen verursacht. Erklärlich. Alle, die guten Glaubens und naiven Gemütes der Zionsbotschaft in der Basler Formulierung ihr Ohr liehen und so sehr im Banne dieser Melodie standen, daß sie alle störenden Nebengeräusche überhörten, sie stehen jetzt entsetzt, enttäuscht, erschüttert, da sich aus diesen Nebengeräuschen ein schriller Ton in die Mitte drängt, um als Grundton das ganze Lied zu beherrschen. Die stark misrachistisch orientierte „Union orthodoxer Rabbiner Amerikas", die von den Zionisten oft genug gegen die „unversöhnliche Orthodoxie" Europas ausgespielt wurde, von der man tatsächlich unter Führung Meier Berlins gewöhnt war, Resolutionen zur Mitarbeit am Aufbau, Nationalfond, Keren Hajehod entgegen zu nehmen, diese geistige Spitzenorganisation der nach Hunderttausenden zählenden orthodoxen Massen in Amerika sieht sich nun genötigt, ins Feld zu ziehen gegen eine Giftfrucht, auf einem Boden erwachsen, den man mehr oder weniger selbst mitgepflegt und mitbewässert hatte. Wir aber sagen: Entkleidet man das Judentum seines inneren Gehaltes, des bindenden, in alle Anliegen des Lebens eingreifenden Pflichtgesetzes und macht es zu einem Phantom, zu einem unbestimmten wesenlosen Produkt einer ethischen oder ästhetischen Kultur, sei es auf kosmopolitischliberaler Grundlage, oder aus weltlich nationaler Basis, so ist die Distanz zwischen einem so gearteten Judentum und einem liberalen Christentum, das über das Dogma die Ethik stellt, überwunden. Die amerikanischen Rabbiner aus der assimilatorischen Reformfakultät überlassen gelegentlich an ihrem „heiligen Sonntag" ihre Kanzel dem freireligiösen christlichen Kollegen und predigen in den Kirchen. Der Vertreter der nationale n Reform, Herr Stephen W i's e, bringt seinen jüdischen 45rern rrben MiMn MMr g« Beginn unserer Zeitrechnung", der (nach Klausner) ohne religiöse Bindung der größte Nationaljude aller Zeiten war, in empfehlende Erinnerung:*) Als vor tausend Jahren die ersten Führer der karäischen Partei, an ihrer Spitze Anan selbst, ihre Sympathien zur christlichen Lehre ausspracken und dem Begründer dieser Lehre prophetische Bedeutung beimaßen, in diesem entscheidenden Augenblicke brach in rabbinischen Kreisen die Auseinandersetzung mit den Karäern ab. Es lohnte nicht mehr, denn nun zeigten die Karäer selbst, wohin sie steuerten. Von diesem Augenblicke an waren sie keine Partei im Judentum mehr, sondern eine Sekte außerhalb desJudentum's,da innerhalb der jüdischen Mauern Matz für eine solche nicht vorhanden ist. Die Gefahr war überwunden. Die neueste Entwicklung in der zionistischen Ideologie, .wie sie von einem Teile prominenter Vertreter des Nationalismus heute in Büchern, vom Katheder der leider auch von wenig weitblickenden Orthodoxen eingesegneten Universität zu Jerusalem und von der Kanzel jüdischer Tempel in Amerika herab vertreten, gelehrt und verkündet wird, sollte manchem zu denken geben. Wochenrundschau. tti'J Wanderelend. Vor Vertretern der Berliner Presse referierte Herr W. Latz ki-Bert hold i vom Präsidium des „Jüdischen Emigrationskomitees" über die jüdischen Wanderprobleme und führte u. a. folgendes aus: Die amerikanische These, als ob die Juden in Europa ihre Angelegenheiten, insbesondere die der Emigration, selbst zu lösen in der Lage seien, müsse zerstört werden. Das ist eine gefährliche These. Man ist in Amerika der Meinung, daß *) Siehe die trefflichen Ausführungen Wohlgemut Hs über die inneren Beziehungen der Religiösliberalen auf beiden Setten in seinem »Die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum". (Verlag des Israelit, G. m. b. H.» Frankfurt a. 22t) S. 35. kleine Ursachen, große Wirkungen. Aktuelles zu den laufenden Wochenabschnitten. „Er schickte ihn aus der Tiefebene von Chebron.". So sagt die Schrift von Stammvater Jakob, der seinen Sohn Josef zu seinen Brüdern aufs Feld schickte, und unsere Weisen erklären dazu: Er brachte Josef auf den Weg, den er nach dem tiefen Rate jenes in Chebron bestatteten Abraham zu gehen hatte. . Er bereitete durch diesen unbedeutenden Gang den großen Leidens- und Erlösungsweg Israels in Aegypten vor. Unsere Weisen knüpfen daran im Midrasch die Mahnung: n-nsn ms» /rrm ms» mas? min Eine Wohltat zieht die andere nach sich, eine Untat hat die andere zur Folge. Zu der Bezeichnung n*rra „zieht nach sich" habe ich einmal ein schönes Gleichnis gehört: — Einst wurde ein hoher Turm gebaut, so hoch, daß man kaum seine Spitze sehen konnte, etwa wie es die Gebäude der modernen Industrie sind. Alls der lurm vollendet mar, freuten sich die Besitzer ferner Höhe unß Schönheit: bas Örinjjtge,. bas not^ ferne Schönheit störte und verbarg, das Gerüst, wurde mit großer Eile beseitigt, zerlegt und seine Teile anderweitig verwendet. Als dies geschehen war, hörte man aus der schwindelnden Höhe des Turmes Hilferufe und bemerkte erschrocken, daß zwei Arbeiter dort oben vergessen worden waren, die bei Abbau des Gerüstes im Inneren zu tun gehabt hatten. Ein Haufen ratloser und neugierig nach oben stierender Menschen sammelte sich V zu Füßen des Turmes. Zwei Frauen brachen sich Bahn durch die Menge. Die eine schrie, zeterte und fluchte fortwährend, und als von der Höhe des Turmes herab ihr Mann ihr zuschrie, sie möchte ihm helfen, da riet sie ihm, er möchte doch seinen Leidensgenossen aller Kleidung berauben, einen Teil davon sich zum Schutze überziehen und den Rest zu einer kurzen Schnur zusammendrehen; er solle dann ein Stück hinabklettern, dann einen Sprung aufs nächste niedere Dach wagen, von dort aufs nächst niedere und dann schließlich durch ein Wohnhaus zur Erde herabsteigen. Der Mut der Verzweiflung trieb ihn an, diesen wahnwitzigen Rat zu befolgen. Schon das zweite Dach erreichte er halb ohnmächtig, das dritte nicht mehr lebend. — Die andere Frau bezwang ihre Erregung, dachte über die Rettung ihres Mannes nach, der der zweite von den oben vergessenen Arbeitern war und rief ihm schließlich folgenden Rat hinauf: „Zieh den Strumpf aus, den dein Genosse dir gelassen; wickle ihn zu einem langen Faden auseinander; binde ein Ziegelklümpchen an sein Ende und laß ihn herunter." Ohne zu wissen, was das solle, befolgte auch er aus Verzweiflung den ihm zugerufenen Rat. Als das Ziegelklümpchen den Boden berührte, rief ihm die Menschenmenge zu, er solle den Faden jetzt langsam wieder nach oben ziehen. So tat er, und statt des Klümpchens kam eine feste Zwirnschnur in seine Hand, die bis zur Erde herabreichte. Als er anck, diese na^ Hurnf seiner |Jraw hinaus gegen, gog er eine feste Hm-fchNUs N«H, «Uth st« sv lang wie die Höhe des Turmes, und als diese bei ihm war, da batte er mit deren Hilfe zugleich ein armstarkes, auch zur Erde reichendes Trossentau zu sich befördert, owie einen mächtigen Mauernagel und einen Hammer. Nun wußte er, daß er gerettet war, schlug den Nagel in die Mauer des Turmes, knotete das Seil daran und klomm langsam und beglückt zur jubelnden Menschenmenge herab. Sein Genosse war schneller herabgelangt, über nicht lebend. E i n Sturz hatte den anderen verschlimmert. Der Raub am Genossen hätte ihn nicht geschützt. So straft der eifervolle Gott bis ins dritte und vierte Geschlecht des Frevlers; das fünfte kommt nicht mehr zur Welt, nachdem schon die vorherigen alle Zeichen der Degeneration an sich gehabt. — Gnade aber erweiset der Allgütige ansteigend bis ins tausendste Geschlecht, denn eine Wohltat mms zieht die andere nach sich. So kam einst, wie es in Josua heißt: i'sv in nrr pxi Csav und sein Volk sehr schnell zu festen Wohnsitzen; dagegen beginnen wir mit den darausfolgenden Worten Josuaseis» m» i'iai aps’i vom Hinabzuge Jakobs und seiner Söhne nach Aegypten, wenn wir sie in der Hagada lesen, die lange, leidersüllte, doch heilbesonnte Geschichte Israels. Esavs Wohnsitze wurden Esavs Gräber; der Name seines Volkes erlosch so schnell, wie es seßhaft geworden. Israel aber zog in ewiger Geduld dem Rettungsanker Gottes an sich und zieht noch heute daran, bis der Tag kommt, an dem sein Gott ihm zuruft: -ivn ivntt» p -pronx üViy nnnx „Ewig war meine Liebe zu dir, Darum ziehe ich dich in Gnade zu mir heran." — Meines Feuilleton. Tel-Aviver Impressionen. Tel-Awiw, 6. Tewes. Zum ersten Mal war beim Gebet wieder ivvi V&- emgeschaltet worden. In Deutschland wußte ich mit dem Wunsch nach Tau und Regen zur Winterszeit nichts- Rechtes anzufangen. Tau braucht man im Winter nicht,'

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