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Der Israelit · 1926-01-07 · Heft 2 (7.1.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 2 (7.1.1926)
Date
1926-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. Al., den 7. Januar 1926 21. Tebeth 6686 Nr. 2 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum |((ö| Jll Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. \\\ | Abonnement ab Januar 1884: Deutschland'1 Taldmar! monatlich; Ausland; Mertel» jahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Ver» fandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika l Dollar; England t sh.; Frankreich IS Fr.; Belgien 18 Fr.: Holland 2fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Di».; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien 200 Lei; Pole« 4 deutsche Golvmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn80000Kronen; Dänemark 8Krone»; Norwegen 8 Krone»; Schwede» 8.80 Kronen. . Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40' Goldpf. für die stebengespaltene Ronparetlle-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80 Pf. Die^ mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Texlsette 2.— SRI.; Ehiffregebühr ln Höhe eine» dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgeu tariftn. Preiserhöhung jeder«. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit E.m. b. H.. Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 88, Tel. Hansa 8842 8w. durch fämtl. Annoncen-Exped. des In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks, eschäftsanzeigen; Jul. Schmidt, Langestraße 7, ll. 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Als vor etwa einem Vierteljahrhundert aus Anlaß eines der ersten Kongresse in Basel ein dem Zionismus mißtrauisch gegenüberstehender Berichterstatter von direkten Beziehungen zwischen zionistischen Führern und Vertretern der Mission in gegnerischen Blättern" sprach, erhob sich ein Sturm der Entrüstung in der zionistischen Welt, der auch dem Zionismus fernstehende Kreise ergriff. Die Sache führte sogar damals zu einem Prozeß und einer prinzipiellen Verurteilung des Berichterstatters, da Beziehungen der behaupteten Art selbstverständlich nicht vorhanden waren. Äber es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen den gewollten, bereits ins Bewußtsein der redenden und handelnden Menschen getretenen „Beziehungen" zwischen zwei geistigen Welten und der in der Sache liegenden, oft erst in langem geschichtlichen Prozeß sich durchringenden geistigen Verwandtschaft. Die feinen Fäden, die eine undogmatische uationaljüdische Ideologie mit dem modern erfaßten Nazareth verbinden, sind seit Bub er und K l ü us n e r dem für geistige Affinitäten -einigermaßen geschulten Auge.schon ziemlich deutlich sichtbar. ( Sperrt ber amerif «rü^djen Qionij'terij dein NrsvrmravbMer Stephen Wise, blieves Vorbehalten, die direkte Brücke nach dem jenseitigen User zu schlagen, worüber heute all diejenigen in Ekstase geraten, die die Sache in ihrem Entwicklungsgänge nicht verfolgt haben und daher nicht kommen sahen. Der bekannte Hofprediger Stöcker nannte gelegentlich das Reformjüdentum das leere B l a t t zwischen dem alten und neuen Testatnente: Dieses leere Blatt würde aber in den folgenden Jahrzehnten mit n a t i o n a l e m Texte ausgefüllt, der an Stelle der alten Inhalte die leere Form des Raffentums predigt. So scheint manch einem die Kluft überbrückt, der Sprung von der einen in die andere Welt gar nicht mehr sonderlich gewagt. Die Geschichte dieses Brückenbaues ist kurz ungefähr so: Martin Buber gewann sein Verständnis für Nazareth auf dem Weg über den Chaffid i smus, der für ihn nur mit seinem tiefen Legendengehalte von Wert und Bedeutung ist, als Synthese von Mystik, worunter er die Kabbala versteht, und Legende, womit er die talmudische Agada bezeichnet. Buber vergißt oder übersieht, — vielleicht darf man heute von ihm sagen: vergaß oder übersah —, daß Kabbala schon mit dieser Bezeichnung weit von der Mystik abrückt und sich selbst in einer Weise charakterisiert, die mit dem Okkultismus und der balkenlosen Theosophie alter und neuer Observanz nichts zu tun hat. Mystik bewegt sich frei und losgelassen vom Boden des Gegebenen und verliert sich in den Sphären über dem menschlichen Denken, Erkennen und Tun. Kabbala ist „Ueberlseferung", herausgewachfen aus festem Boden alter Erkenntnisse und Erfahrungen von Generationen. Nichts ist dafür bezeichnender als die Tatsache, daß der S o h a r, das Grundbuch der Kabbala, nach den einzelnen Thoraabschnitten geordnet ist, also kein weglos in Wolkenhöhen schwebender Freiballon ist, sondern ein F e s s e l - ballon, vom Schriftsatz ausgehend, in höchster Sphärenhöhe noch an ihn gebunden und sich zuletzt wieder zu ihm zurückfindend. So sieht die Kabbala aus, die der Chassidismus zur Seele seiner Weltanschauung gewählt hat, ohne um ein Jota wom Boden des Gesetzes abzuweichen. Buber bestieg die Gondel, riß aber schon auf halber Höhe die Stricke'unter sich ab und fand sich eines Tages, ohne daß er sich selber dessen versah, von den Winden in die Luftlinie nach Nazareth getrieben. Mk WkMM romanMAm mmt Bcgaüt, mehr in realistischer Auswertung der seelischen Erkenntnisse im Buberkreise, kam Joseph K l a u s n e r und verfaßte sein großes, 466 Seiten starkes, hebräisches Werk über das Leben des Stifters und erwarb sich. damit, nachdem das Werk vom Kanonikus der St.. Georg-Kathedrale Dr^ Danby ms Englische übertragen worden ist, einen Lehrstuhl an der Jerusalemer Universitär. ° Die l e tz t e Phase ist bestimmt durch Dr. Stephen S. Wise, der das Klausnersche Buch nicht allein als Quellenwerk für die Hebräische Universität hoch einschätzt, sondern es auch zu einem Lehrbuch für die jüdische Kanzel erhebt. Unter Zugrundelegung der Klausnerschen Thesen — das ist der Tatbestand der ganzen etwas verwickelten Geschichte — lehrte der genannte Rabbi an einem der letzten Samstage auf der Kanzel, die er als Rabbiner seines Tempels beherrscht, die Juden müßten den Stifter als einen der hervorragendsten jüdischen Lehrer anerkennen und seinem ethischen Kodex zustimmen. Diese ethischen Ideen in der Welt zu verbreiten und in die Wirklichkeit umzusetzen, sei viel mehr Sache der Juden als der Christen. So weit Wise. Die „Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas" erließ nun einen flammenden Protest gegen diese Kanzelpredigt aus dem Munde eines jüdischen Lehrers und Politikers und fordert zunächst, daß Stephen Wise, der neue Apostel auf einer jüdischen Kanzel, von seinem Amt als Präsident des „Komitees für Aufbringung der 5 Millionen Dollar für den Palästinaaufbau" zurücktrete, andernfalls die gesamte Orthodoxie Amerikas diese Aktion boykottieren und aufs schärfste bekämpfen würde. Stephen Wise gibt Erklärungen ab, kann die Aufregung nicht begreifen und spielt die gekränkte Unschuld. Auch Klausner gibt Erklärungen ab und behauptet, Stephen Wise sei weit über seine Forderungen im genannten Buche hinausgegangen. E r habe nur die Ethik des Stifters als eine jüdische Ethik erkannt und anerkannt, nicht aber verlangt, daß man die Person des Stifters in die Ehrenhalle jüdischer Heroen aufnehme. Auch sein englischer Uebersetzer Danby gibt Erklärungen ab. Und je mehr sich die Erklärungen und Gegenerklärungen häufen, um so unerklärlicher wird die Sache für den Uneingeweihten. Wer aber mit sehenden Augen die Entwicklung von Anfang an verfolgt hat, dem kann hierbei nichts unerklärlich, nichts überslMpk skMi Wer das Buch Klausners, wie Schreiber dieses, mit Interesse studiert hat, weiß genau, wie sehr zu Unrecht Klausner seine legitime Vaterschaft an dem jüngsten Kinde der amerikanischen Kanzelweisheit ableugnet. Klausner, der in der Schilderung der Persönlichkeit und des Werkes des Stifters strikte Objektivität zu wahren sich redlich bemüht, kann doch der Fesseln nicht ledig werden, die anderthalb Jahrtausende paulinisches Christentum unserem Denken und unserem Urteil über diese Dinge auferlegt haben. Er hat

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