Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-01-01 · Heft 1 (1.1.1926) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 1 (1.1.1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450389--72791-2530164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Sette 6 SRc. 1 Der I sc a e l1t 1. Januar 1816 rotes mitteilt. Mr. d'Avigdor Goldsmid erklärte, das Joint Foreign Committee werde für den Fall, daß die ungarische Regierung das Gesetz nicht in nächster Zukunft laut Wunsch des Völkerbundsrats abändern sollte, die Frage wieder zur Erörterung stellen. Mr. N. Lazarus wünschte, daß das Joint Foreign Committee die Angelegenheit der Judenverfolgungen in Rumänien mit mehr Energie betreibe. Der Freispruch des Massenmörders Morarescu und die Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten am Tage des Jubiläums des Numerus claufus-Kampfes sind Symptome, die der Versicherung des Außenministers Herrn D u c a in seinem Telegramm an das Joint Foreign Committee mit Bezug auf die absolute Glaubensfreiheit und Rechtsgleichheit in Rumänien entgegenstehen. JtaJSftina. Der höchste palästinensische Gerichkshof für die freie Schechita. Jerusalem, 15. Dez. Eine Entscheidung von größter Tragweite hat der oberste Gerichtshof soeben gefällt. Eine Anzahl von Metzgern in Jaffa hatten, offenbar um sich der Fleifchsteuer durch die Gemeinde zu entziehen, eine eigene Schechita eingerichtet, wogegen auf Antrag des Oberrabbinats der Gouverneur des Distrikts Jerusalem—Jaffa durch Polizeigewalt eingeschritten war. Gegen diese polizeiliche Inhibierung der freien Schechita hatten die betroffenen Metzger bei der ersten Instanz erfolgreich Beschwerde eingelegt — das Gericht verbot der Polizei, die Ausübung der Schechita durch private Schächter zu behindern. Der Generalstaatsanwalt B e n t w i ch wurde nunmehr von der Verwaltungsbehörde beauftragt, die Frage beim obersten Gericht zur Entscheidung zu bringen. Dieses hat aber die Berufung des Regierungsvertreters, die sich im wesentlichen auf die Befugnisse des Chacham-Baschi nach türkischem Rechte stützt urtb bas Qberrabbinat als beffert Rechtsnachfolger betrachtet, restlos ofrroorfefi NNffstMstNNg' liche Gerichtsurteil bestätigt. Es fehle an jeder gesetzlichen Unterlage dafür, dem Oberrrabbinat das Recht zur Einmischung in das Schechitawesen zuzubilligen: das Vorgehen der Polizei war daher gesetzwidrig. Durch diese Entscheidung ist in einigermaßen überraschender Weise die zwischen der Sonnenfeldschen Gemeinde und dem W a a d l e u m i strittige Schechita- Frage für Jerusalem zunächst einmal zu Gunsten des Waad hoir aschkenasi gelöst. Dieser wird wohl nicht zögern, sich die ihm lange gewaltsam vorenthaltene eigene Schechita einzurichten und sich so von dem herrschenden Gewissensdruck zu befreien. Ist dies geschehen, dann werden allerdings beide Parteien dahin zu wirken suchen müssen, daß die Materie irgendwie gesetzlich geregelt wird und nur solche Schächter zugelassen werden, die von dem Rabbinat irgend einer organisierten Gemeinde autorisiert sind.' Daß jeder Metzger sich einen eigenen um? dingt, ist natürlich ein unerträglicher Zustand, den auch die orthodoxe Gemeinde nicht wünscht. Jedenfalls herrscht in Jerusalemer Aguda-Kreisen ob dieses nach Genf und den Wahlen ganz unverhofften neuen Erfolges in dem großen Befreiungskämpfe der Orthodoxie gehobene Stimmung. lichen die Herren Hamburger und Rosner im gleichen Blatte eine Erklärung, in der sie sich gegen dieses Dementi verwahren und bezeugen: „Wir haben mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberrabbiners, die in Gegenwart mehrerer Rabbinen und Vertrauenspersonen erteilt wurde, den Beschluß der palästinensischen Rabbinerversammlung von 5680 (gegen das Frauenwahlrecht. Red.) sowie das Schreiben des Oberrabbiners vom gleichen Jahre an den „Misrachi" (das im „Israelit" Nr. 33 erneut abgedruckt war. Red.) in Druck gelegt, und an die Stadtverwaltungen und Kolonien versandt." Die Redaktion des „Doar hajom" knüpft daran folgende, wegen ihres Tones gewiß tadelnswerte, aber für die Lage charakteristische Bemerkung: „Wir möchten an den Herrn Oberrabbiner persönlich die Frage richten, ob er nicht endlich sein Schweigen brechen und furchtlos kundgeben will, wer nun recht hat, die „Misrachi-Zentrale", die behauptet, Rabbiner Kuk habe nicht verboten oder die beiden einfachen Männer, die öffentlich bezeugen, Rabbiner Kuk habe ihnen die Drucklegung und Verbreitung des Jsfurs befohlen? Wie lange soll diese »'-nyon mr? bv nmos auf Seiten Rabbiner Kuks währen? Wie lange wird es ihm an dem Mute gebrechen, offen zu sagen, was er denkt?" Soweit „Doar hajom". Die Antwort bleibt abzu warten. Nach den Wahlen. ' Jerusalem, 15. Dez. Die Betrachtungen der Presse über das Ergebnis der Wahlen zur Delegiertenversammlung geben ziemlich unverblümt zu, daß das Ganze eine vernichtende Niederlage des „Waad leumi" bedeutet, der jetzt weniger als je das Recht für sich beanspruchen kann, die legitime Vertretung der Juden Palästinas zu sein. Soll die Stimmung der Bevölkerung in geordneten Vertretungskörpern zum Ausdruck kommen, so muß die Regierung dafür sorgen, daß auch die orthodoxe Majorität der jüdischen Votksmasse in Palästina ihre parlamentarische Vertretung erhält. Die Frage, welche Stellung Oberrabbiner Kuk zu dem zentralen Problem des Wahlkampfes, dem Frauenwahlrecht, einnimmt, beschäftigt die Zeitungen auch jetzt noch. Am Tage vor der Wahl hieß es, der Oberrabbiner habe sich dem iiorr angefchlossen, worauf „Doar hajom" energisch dementierte. Nun verösfent- Prolest der Aguda gegen die „Asiephat haniwcharim" in Palästina. Jerusalem, 22. Dez Die Agudas Jisroel hat an den Oberkommissar von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, ein Schreiben gerichtet, in welchem dargelegt wird, daß die bei den letzten Wahlen gewählten Delegierten in die jüdische Nationalversammlung Palästinas (Asiefath Haniwcharim) die jüdische Bevölkerung Palästinas nicht repräsentieren, da die jüdische Orthodoxie sich infolge der Verleihung des Wahlrechtes an die Frauen an den Wayten JßMiQtß. (Ein WaWmemamlMm gegen öio SüL gle': tcr Wechten mürbe aud) telegpcrphifch an das Londoner Kolonialamt, den Völkerbund, dis britische konservativ Partei und die englische Presse abgefandt. Es wird darin dargelegt, daß die konservativen Kreise sich tm einer Wahl. die den jüdischen religiösen Vorschriften nicht erttsvricht, nicht beteiligen konnten und daß deshalb die Asiefath Haniwcharim die Judenschaft Pal-'sitino« nicht repräsentiert Sfmevifa. Einschränkung des Gebrauchs von Kidusch-Wein in Amerika. Washington, 12. Dezember. Die Behörden, die das Prohibition-Gesetz zu überwachen haben, haben eine weitere Einschränkung des Gebrauchs von Wein für jeden rituellen Gebrauch der Juden angeordnet. Jeder Rabbiner erhält für jedes erwachsene Mitglied seiner Gemeinde vier Liter Wein jährlich. Die Rabbiner sind für die gerechte Verteilung verantwortlich; jeder Mißbrauch wird strenge bestraft. Die Rabbiner sind verpflichtet, über die Ein- und Ausgänge des Ritualweines genau Buch zu führen. Personalien. koschman Wreschner Breslau, 20. Dezember. Unsere bw sind von einem schweren Verlust betroffen worden. Koschman Wreschner ist — nachdem er gerade aus der Synagoge gekommen war und noch wenige Stunden vorher anläßlich eines mm schöne ’-m mm hören ließ — plötzlich im Alter von 69 Jahren verschieden. Er hatte bis vor 6 Jahren in Obornik gewohnt, wo er, der Führer der Kehillo, gleichzeitig Jahrzehnte lang als Magistratsmitglied wirkte und andere hohe Ehrenämter bekleidete. Seine Tätigkeit hierin sowie sein lauterer Charakter in seinem Beruf waren ein wahrer nwn ffi-rp, Von seinem dritten Lebensjahre an saß er zu Füßen seines Großvaters H. Schneidemühl, der 43 Jahre in Obornik als Raw wirkte, und dessen Werk er herausgab. Er wurde in seiner Heimat und auch hier, wohin die politischen Umwälzungen ihn brachten, als großer p»> geschätzt. Vom Raw in Znin hatte er früh die 's»*n» bekommen. So ist es auch verständlich, daß Wreschner an der Begründung der Agudas Jisroel in Kattowitz den lebhaftesten Anteil nahm und bis zuletzt im Vorstand des Deutschen Gruppenverbandes sowie der hiesigen Ortsgruppe mit Rat und Tat mitwirkte. Auch bei jeder sonstigen Gelegenheit kam eine unerschütterliche Charakterfestigkeit zum Ausdruck, die keine Kompromisse kannte. So lehnte er z. B. die Mitarbeit in der Ritualkommission der hiesigen Synagogen-Gemeinde ab, weil dort auch der neologe Rabbiner mitwirkte. Seiner Liebe zum Lernen ist vor. allem das Entstehen des hiesigen Beth Hamidrafch-Vereins zu verdanken, für dessen Gründung und Erhaltung er seine ganze Person einsetzte - und erhebliche materielle Opfer brachte. Bei der aus deren großer Beteiligung man die ihm entgegengebrachte Verehrung entnehmen konnte, schilderte Rabbiner Dr. Simonsohn den Lebenslauf des Verblichenen, während Rabbiner 2r. Hamburger seinen seltenen Charakter als Jehudi und zugleich im Namen der Agudas Jisroel die vorbildliche Tätigkeit des langjährig bewährten Vorstandsmitgliedes rühmend hervorhob. . ’n-BJun. Frau Irene Fränkel-Guggenheim. Basel, im Tewes. •m tpE? “ie?k nmem ns 122' nm bs Wir müssen es glauben, was wir alle nicht wahrhaben wollte. Irene Fränkel-Guggenheim ist nicht mehr die unsre. In der Blüte ihrer Jahre hat -erm sie in py p gepflanzt, hat sie, deren Leben eine aufsteigende Kette von nix» und mm» d"e?j?» bildete, aus unserer Mitte empor in heilige Gottesnähe gehoben. Er nahm den Eltern die einzige Tochter, dem Gatten die Vm nvs, den Kindern die geliebte Mutter. Und wir alle, die ihr je nahegestanden, wissen, was uns in Irene Fränkel verloren ging. Eine mm» n»tw, ein Sonnenstrahl inmitten n-iu -Gewölks, der all die erwärmt, die in ihrem weitesten und engeren Umkreis weilen durften, mit der heiteren Güte ihres Herzen, mit der wunderbaren Klarheit ihres Geistes, mit ihrem lauteren Charakter und nicht zuletzt mit dem staunenswerten Reichtum an jüdischem Wissen. Gerade dies letztere verdient eine besondere Würdigung auch an dieser Stelle. Gibt es doch wenig Frauen, die eine solch vielseitige und tieiiehende Kenntnis aller Zweige unseres heiligen Schrifttums besitzen, wie sie Irene Fränkel eigen war. Schon von zartester Jugend an wachten liebende Eltern über die heransprießende Blume, die sich, unter der heiligen Sorgfalt ihrer Lehrer, bald zu einer Prachtblüte am 2"n p? entfaltete. Und so versprach sie, die kaum 18jährig ihrem nun schwergeprüften Gatten eine wahre 11^2 »py geworden war, Kinder heranzuziehen, die zur Zierde Judas werden sollten. Und all die vielen jungen Menschen, denen sie als Vorbild gelebt, denen sie stets uneigennützig mit Rat und Tat zur Seite stand. stk m äfften na® lange im Schauen ihrer Lebens, rlllghcik unb im Siillylenglanz ihres Geistes, sich ihr ebenbürtig, lernend entwickeln zu können. Ach wie hart traf auch sie die Schreckenskunde, während sie alle vereint waren um die leuchtende Chanukahmenauroh. Ungezählte Menschen weinen um dieses »»» »m» »Bin das so früh geknickt ward. Doch sie alle sollen sich ermannen, selbst das edle Werk fortzusetzen, das Irene Fränkel begonnen. Es wird unser schönster Dank sein. Die '^b fand Mittwoch, den 16. Dezember,, in Berlin auf dem Friedhof der Adaß Jisroel statt, wo ihre sterbliche Hülle an der Seite ihrer verewigten Mutter zur letzten Ruhe gebettet wurde. Wegen des rann mußte ein Tson unterbleiben. Doch sprachen am Sonntag, den 20. Dezember, im Trauerhause in Neu Allschwil bei Basel Herr Jacob. Rosenheim (Frankfurt a. M.) sowie Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. Brom (Luzern) und am folgenden Tage Herr Botschko (Montreux) Worte des Gedenkens und des Trostes. Mögen mspn der schwergeprüften Familie die Kraft spenden, in jüdischer Art ihr schweres Leid zu tragen. >I1"2XU1 Bafel, 15. Dezember. Herr Levi E i s e n m a n n -eierte am 26. Kislew im Kreise seiner Familie seinen iebzigsten Geburtstag. Herr Eisenmann, auch in Frankfurt wohlbekannt, genießt als Mensch und Jehudi allseitige Liebe und Achtung. Ein wahrer?*]th mx»n m zählt er zu den Vesten im gesetzestreuen Kreisen der Schweiz. Seit bald 40 Jahren betättgt er ich als t>m» und ist auch sonst überall an vorderster Stelle zu finden,' wo es um Wahrung von nun und mi»rr geht. v"»N!■>»•> n! Vierzig, 20. Dezember. Am zweiten Chanuka-Tage wurde hier im hohen Alter von 94% Jahren die älteste Einwohnerin unserer Stadt, die verwitwete Frau Daniel Weil, zu Grabe getragen. Trotz ihres hohen Alters erfreute sie sich einer selten geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Sie versah ihren religiösen Haushalt in mustergültiger Weise und verstand es durch ihre selbstlose Gastfreundschaft, ihr Haus zum Kulminationspunkt unserer Kehilloh zu machen. Ihr Tod hinterläßt, außer bei ihren Kindern, auch in unserer Gemeinde eine große Lücke. n"2x:n- Hanau» 28. Dezember. Am Freitagabend, am zweiten Sabbat Chanuka, verschied John Joshua. In Hamburg gebürtig, waren in ihm die Kehillo- und Klal-Gedanken verwurzelt. Er war Vorsitzender der Chewroh des Minjanvereins, der Repräsentantenoersammlung, der Loge, und wo er seines Alters wegen nicht mehr selbst Ähren konnte, waren seine Kinder im Vorstand wie in der Aguda und im Esra. Neben diesem Streben für die jüdische Allgemeinheit und die Gemeinde war er treuer Gatte und besorgter Vater. Alle seine Arbeit hatte das Ziel, seine Kinder 'romm zu erziehen und gemütliche Stunden im Kreise der Familie zu haben. So war er der Treffpunkt und Brennpunkt für die Angehörigen. Dorthin gingen Freunde und Bekannte, denn sie fanden offenes Haus, und darinnen jenen hervorragenden Menschen, der durch eine bestrickende Zuvorkommenheit und sein feines Wesen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.