Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i- §;: tri. I k WWWWWMM Veite 2 Nr. i Wochenrundschau. Der sanktionierte Numerus clausus. Die GenferEntscheidung in Sachen des ungarischen Rumerusclausus hat in Budapest frenetischen Jubel ausgelöst und wird a.s Sieg des Kultusministers K l e b e l s - b e r g gefeiert. Der Völkerbundsrat, der zur Zeit in wichtigeren Dingen alle Hände voll zu tun hat, billigte den bestehenden Modus in Ungarn, in der Voraussetzung, daß er nur einen Uebergangsz u st a n d bildet und baldimSinne der Gleichberechtigung umgeändert wird. Um so rascher und leichter konnte der Völkerbundsrat zu dieser ausweichenden Entscheidung kommen, als Klebelsberg in Genf eine Vollmacht der ungarischen Juden präsentieren konnte, die ihn ermächtigte, in ihrem Namen jede Einmischung von außen, auch Austrag vor dem Völkerbunde a b z u l e h n e n. Der Kultusminister verdankt mithin seinen Erfolg den Juden. Zum Danke dafür streicht man in Budapest nur den e r st e n Teil der Genfer Entscheidung, das Bestehenlassen der Beschränkung, heraus, und ignoriert den zweiten Teil, der die Hoffnung auf baldige Aenderung ausspricht, vollkommen. Der Kampf der ungarischen Juden um ihre akademischen Rechte beginnt von neuem, und nun mit gesteigerter verzweifelter Anstrengung, denn der Numerus clausus hat eine eminent starke Position gewonnen, mit der Genfer Entscheidung in der Budapester Auslegung. Wie sehr man in Ungarn nunmehr die akademische Entrechtung der Juden als in P e r m a - nenz bestehend ansieht, erhellt klar aus der Tatsache, daß im Parlamente am 20. Dezember die in der Opposition sich befindenden antisemitischen Gruppen kurzerhand das wochenlang angefochtene Budgetbewilligten, aus Dankbarkeit für die Sicherstellung des Numerusclausus durch Klebelsberg. Die harte Probe, auf die nun die politischen Führer der ungarischen Judenheit gestellt sind, zeichnet das führende liberale Organ in Ungarn, „Pester Lloyd", mit folgenden zusammenfassenden Worten: „Man weiß, mit welcher Freude das Kabinett die Stellungnahme der ungarischen. Juden gegen Der Isr fl el 1 t jede ausländische Einflußnahme begrüßte. Hat sie doch der bekannten Deklaration der ungarischen Judenschaft ihren Erfolg in Genf einzig und allein zu danken. Doch schon in Genf gab der Unterrichtsminister einen sonderbaren Kommentar zu dieser Deklaration, zu welchem er nach seiner Rückkehr einen noch sonderbareren Kommentar sich gestattete. Der Genfer Kommentar war schon illoyal, der Budapester war geradezu unwürdig der Stellung des Ministers. Statt den Männern zu danken, die eine patriotische Tat vollbrachten und auf Anerkennung mit Fug und Recht Anspruch erheben durften, weil sie die Stellungnahme ihrer Glaubensgenossen ermöglichten, hat er ihnen nur eine peinliche Verlegenheit bereitet, denn die große Masse der Juden, die ihre Zustimmung zur Deklaration gab, könnte vielleicht denken, daß ihre Führer der Regierung Liebesdienste leisten wollten, oder sich vom Unterrichtsminister düpieren ließen" Der „milde Osten" und das „strenge Palästina". Es ist eine beliebte Art des Misrachi in Palästina, gegen das Verhalten der Aguda und des Vesdins der Aschkenasim in Jerusalem in der Frage des Gemeindegesetzes wie besonders des Frauen w a h l r e ch t e s die in Litauen und Polen auszuspielen. Letztere wären in ähnlichen Dingen weniger rigoros vorgegangen, hätten sich an einen Beratungstisch mit Andersgesinnten, sogar mit Damen als gewählten Delegierten, gesetzt. Besser können diese Hinweise auf die „guten Rabbiner des Ostens", im Gegensätze zu ihren „bösen Kollegen" in Palästina, nicht ins richtige Licht gerückt werden, als durch das dieser Tage an die Aguda-Zentrale in Wien gerichtete eingetroffene Schreiben Rabbi Chajim Os er Grodzenskis, das wir hier in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben: Verehrte Freunde! Ihr wertes Schreiben gelangte in meine Hand. In der Frage der Mitarbeit der Frauen zusammen mit den Männern als Abgeordnete in der Führung der Gemeinden habe ich unlängst entschieden, daß dieses gegen den Geist der Thora und Tradition verstößt und auch gegen den von jeher üblichen Usus in den Gemeinden. Nun erhielt ich den Ausschnitt eines Artikels von Rabbi Jaob Beermann im „Dor Hajom", der gegen die Entscheidung der Rabbinen und Gaonim, der Größen der heiligen Stadt Jerusalem, Beschwerde führt und zur Widerlegung ihrer Ansichten Aeußerungen vieler Größen Israels, Fürsten der Thora und Gottesfurcht in Rußland und der Ukraine, anführt. Diese hätten auf Sitzungen in Moskau und Kiew beschlossen, sich an der Versammlung der Vertreter der gesamten russischen Judenhe». in Petersburg und Kiew zu beteiligen, obwohl die linksstehenden Wähler Frauen in die Versammlung gewählt hatten. Den Rabbinern sei gar kein Zweifel 1. Januar 1926 darüber aufgekommen. Der Artikelschreiber sieht nun in dem Verbot der beiden Gerichtskollegien und der Großen der heiligen Stadt eine Beleidigung und Herabsetzung der Rabbinen in der Diaspora. Und da er in diesem Zusamenhang wiederholt auch meinen Namen nennt, dieweil ich an der Kiewer Versammlung beteiligt war und dort unter den Wahlkandidaten fungierte, erachte ich es als meine Pflicht, auf diese Anklage zu erwidern: Es ist äußerst naiv von meinem verehrten Freunde, Rabbi Beermann, die Rabbiner der Diaspora gegen „Beleidigung" vonseiten der Größen der heiligen, Stadt in Schutz zu nehmen. Sicherlich weiß er, daß die Beleidigung der rabbinischen Größen von anderer Seite äusgeht. Die Vergleiche mit Rußland sind hinfällig, Zur Zeit der Umwälzung in Rußland unter dem Regime Kerenskis, da die Linksradikalen an höherer Stelle sich um die Einberufung einer Versammlung aus Vertretern der Gesamtjudenheit Rußlands in Petersburg bemühten, die alle Angelegenheiten des Judentums und der Judenheit zu beraten yutte, damals in den Tagen des Freiheits- Taumels konnten die gesetzestreuen Juden mit Rücksicht auf das ungewohnte blendende Licht mit Recht fürchten, daß die Linken die Oberhand gewinnen in Dingen, die tief in das religiöse Leben einschneiden, wie z. B. in der Frage der Verehelichung, der Ehescheidung, der Gemeindegründung und dergleichen mehr. Gab es doch welche, die sogar den Getauften das passive Wahlrecht zusprachen. Nachdem aber die Linksstehenden gut organisiert waren, war die Aufregung im jüdischen Lager nur zu begreiflich, und so entstanden zur Abwehr die gesetzestreuen Organisationen unter den -verschiedenen Namen, wie Agudas Jisroel, Adah Jisroel, Nezach Jisroel, Mefforah Wecheruth, die alle den Zweck hatten, Thora und . Religion zu stärken und das gemeinsame Ziel verfolgten, eine Einheitsfront zu bilden gegen alle Anstürme der Abgefallenen in Fragen, die die Grundpfeiler des Judentums betreffen. Es ergab sich von selbst, daß nach dem von der R e g i e r u n g genehmigten Regulativ die Frauen das Recht hatten, zu wählen. Konnten damals die treugebliebenen Juden abseits stehen, der provisorischen Versammlung fernbleiben und ruhig zusehen, wie die Freigesinnten mit erdrückender Majorität religiöse Gesetze nach Willkür und Gutdünken statuierten? Wenn es schon in Einzelfällen, da nur eine jüdische Seele in Gefahr ist, als unverantwortliche Narrheit bezeichnet wird, aus religiösen Rücksichten die, Lebensrettung zu unterlassen, um wieviel mehr in Sachen, die den Klal angehen, und bei denen so und soviele' Millionen jüdischer Menschen Gefahr laufen, geistig zu versinken und das heilige Gesetz schweren Fährnissen von außen und innen ausgesetzt ist? In diesem Falle mußte es gelten imm nsn 'ib nwvb ..In der Stunde, die get-ietet, für Gott zu arbeiten, tritt das Thoragesetz zurück." Ueberhaupt ziehe man aus Ereignissen, die sich in Tagen der revolutionären Umwälzung, der geistigen Not und der Gefahr abspielten und einmaligen, rein provisorischen Charakter hatten, keine Schlüsse auf die Zukunst. Bereits vor einigen Jahren teilten mir Freunde aus der hiesigen Stadt mit, daß ein geschätzter Schriftsteller von dort einen Protest gegen die dortigen Rabbinen erhob unter Berufung aus die erste- Wilnaer Versammlung, die unter Beteiligung von Frauen zusammengetreten war. Ich erwiderte damals: „Jerusalem in seinem Aufbau möge nicht lernen von Jerusalem in Litauen, das sich in Zerstörung befindet." Denn in Wahrheit waren wir damals im Zeichen der Zerstörung und Auflösung, im materiellen, wie geistigen Sinne. Einzelne, die zu den Leitern und Vätern der Gemeinde gehörten, kehrten sich nicht nach der Meinung der Hüter der Thora und der Rabbinen und handelten nach Herzenslust. Genau so Einblicke in die Adra. „Und es sah Israel die Söhne Josefs und er sagte: wer sind diese? Und es sprach Josef zu seinem Vater: meine Söhne find es. die mir Gott hier gegeben hat-(Sätze 8—9 Kap 48)." Erkannte Jakob seine Enkel nicht, nachdem er sie doch mit dem Sohne selbst ans Sterbebett hat kommen lassen und (S. 5) bereits von ihnen gesprochen hatte? Es ist zu vermuteu, daß Josefs Söhne, in Aegyptens Hauptstadt und im Fürstenhause großgezogen, in Kleidung. Sprache, Allüren und Manieren äußerlich den ägyptischen Prinzen sehr angepaßt waren, im Gegensätze zu ihren Vettern, die im jüdischen Milieu von Goschen auch äußerlich rein jüdisches Gepräge trugen. Vielleicht hatten sie, wie ihr Vater selbst, neben ihrem eigentlichen Namen Efraim und Menasche, auch noch ägyptische Rufnamen. Da erschrak der Alte^ als er sie so sah und fragte: .Wer sind diese?" Sind es noch würdige Nachkommen ihrer großen Ahnen? Beruhigend sagte Joses: an ’ja, es sind meine Kinder, meiner und Deiner würdig, wenn auch ihr Aeußeres anderes vermuten läßt, was sich damit erklärt, 7772 v'vh« wu *wxt daß mir sie Gott hier gegeben hat und nicht in Goschen, wo eine Abschlietzung gegen die Welt möglich und gegeben ist. Jakobs Bedenken waren zerstreut. Aber vün Herzen wünschte er ihnen lSatz 16 Kap. 48), daß sie Uber ihrs Sgnpiifi^ett SRamen bert Jfibi|c^en stellen irnlt> i>tc|en trt (Streit, ijjrer Später lYfi0fTT möchten: 'M2X 0W7 ->DV7 Dill Jakob sammelt seine Söhne und verspricht ihnen, zu verkünden vom Ende der Tage. (Kap. 49). Diese Verkündung bleibt aber aus, stattdesien folgen Strafreden und Segnungen. In der großen Reihe der Erklärungen dieses Zusammenhanges wird wiederholt der Aufschluß im ILVXN und isapn gesucht (Siehe auch Hirsch z. St.). Wenn die Söhne, später die Stämme, alle eines Sinnes und eines Willens um ihre gottgegebene Bestimmung gesammelt sind, dann ist aller Zeiten, aller Leiden und Kämpfe letztes Ende da. > Heidenheim führt u. a. eine Erklärung zum rätselhaften Hillelschen Ausspruche ]X2 ’:x ax an, die den ähnlichen Gedanken der Sammlung als Vorbedingung für die nVixa hat. Zur Zeit des zweiten Tempels war bekanntlich nicht das ganze Volk an heiliger Stätte vereinigt. Diele lebten in Alexandria, viele in Babel. So rief Hillel tröstend den im Tempel beim Feste der Wasserweihe Versammelten zu: Wenn jetzt hier die Schechina nicht wie dermaleinst sich in ihrem ganzen Glanze zeigt, so ist es wahrlich nicht Euere schuld, die Ihr ja da seid, sondern jener, die nicht kommen, um Israels Einheit und seine Vereinigung mit der Schechina zu bewirken. Denn: *>:« qk, wenn Ich 'n hier walten soll, 7X2 ^2,n, mutz erst alles, das ganze Volk, hier um das Heiligtum vereinigt sein. So versteht man auch die Fassung des Paitän im Maarowis zu Schminiazeris: jjo fen JX2 ’ix ax l'^IX am1?. Er sprach es als Trost aus für die mitten in. der Freude vorn bangen Gefühl der Schuld an Der MlÄnnköliuia M SltzsiSinüslsrmL Kzjjiößfe». * 4s * Nach dem Tode Jakobs heißt es: ■»a9 uron. »die Tage seines Beweinens gingen vorüber" Beim Tode Mosis heißt es hingegen: iarm „es gingen zu Ende die Tage der Trauer". Jakob starb und hinterließ seine Kinder an der Schwelle des Golus. Die Aera der Leiden begann erst jetzt. Darum nasn, das Weinen hörte vorübergehend auf und setzte bald in stärkstem Maße wieder ein. Moses hinterlietz fein Volk an der Schwelle des gelobten Landes, dem Ziele vierzigjähriger Wanderung. Die-Trauer ging somit restlos zu Ende, iari'i. unn eine Aera des Glückes konnte beginnen und ungetrübt anhalten — so lange Moses Erbe in Ehren gehalten wird. Uleines Feuilleton. Schulchan Aruch. Mit Illustrationen. Nach pädagogischen Gesichtspunkten bearbeitet. Von Rabbiner Dr. Carlebach in Leipzig. Als vor etwa Jahresfrist der Kizzur Schulchan Aruch von Rabbiner Salomo Ganzsried s. A. in der Bearbeitung des Herrn Rabbiner Feldmann, Leipzig, erschien, habe ich bereits in längeren Ausführungen auf die große Bedeutung dieser neuen Erscheinung hinge-