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Der Israelit · 1925-12-17 · Heft 51 (17.12.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 51 (17.12.1925)
Date
1925-12-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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17. Dezember 1925 Der Israelit Nr. 51 «-eile 5 Für Sieben Mk. 40 Pfg liefern wn einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der .eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplaftz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk, an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben 42 und 43. Für Rabbiner, deren Aufsicht Baderestaüran's unterstehen, ist Nr. 44 von großer Bedeutung. Nr. 46—50 beschäftigen sich mit Fragen des Gas- und elektrischen Lichtes am i£V-- In Nr. 54 wird darüber gesprochen, ob mair am Sabbat bei Gericht schwören darf. Ueber den Schulbesuch am Sabbat und über die vielfach eingerissene Gepf.ogenheit, daß Binder am Sabbat ihre Schulbücher tragen, handelt Nr. 58. Das Auslöschen des Gasherdes aM ruv wird in Nr. 60 besprochen. Ueber verschiedene Eruwsragen geben uns Nr. 65—72 wertvolle Belehrungen. Die Zulässigkeit von Sesamöl am Pesach wird in Nr. 87 und 88 erörtert. Bekanntlich bestehen hierüber unter den hervorragendsten Rabbinern Palästinas Meinungsverschiedenheiten. Ein hier abgedruck er Brief des bekannten Jerusalemer Gelehrten. Rabbiner Dr. G ünhut Vst dürfte deshalb von besonderem Interesse sein. Ob man am Pesach .Ak ten von Unternehmungen besitzen darf, in denen Chomez bearbeitet wird, untersucht Nr. LI. Von großem Werte ist die Zusammenstellung vieler Einzeldinim in Nr. 113. Ganz besonders sei auf die Präzisierung von iw*» v"ni'3 vis hingewiesen. Zum Schlüsse sei auch die in diesem Jahre doppelt aktuelle Frage erwähnt, die in der letz ten raivm behandelt wird, ob man am nviina p'ana zuerst nb'nn oder «ip>V*Tn machen soll. Die Druckegung der mmvr\ erfüllt eineni vielfach ausgesprochenen Wunsch zahlreicher Schüler des dahingegangenen Meisters Aus den manrn spricht so ganz das Wesen des Verfassers. Für alle Lagen des Lebens hatte er Verständnis. Soweit es irgend möglich war, suchte er Erleichterungen oder wenigstens Entschuldigungen. Aber ehern bleibt ihm die Grenze des von unseren Weisen uns überlieferten Goitesgesctzes. Mit umfassendstem Wissen und staunenswerter Klarheit wird untersucht, was dem strengen Din und was dem Minhag entspricht, wofür sich im halach'schen Sch ifttum ein Analogon findet, und wie weit dieses heranzuzlehen ist. Cs gibt kein Gebiet des menschl.'chen Lebens, das nicht dem Thoragesetze untersteht. Zu alten Neuerungen der Technik, alten Ve änderungen der poli ischen, soz'a en und wirtschaftlichen Verhältnisse mutz die Halacha Stellung nehmen. Es kann hierin ketnen Saltstand geben. Jeder Eenera.ion werden neue Probleme zur Lösung gestellt. Die Aufgabe der großen Führer ist es, den Weg zu weisen, um unter allen Sehens* formen der tho atreue Jude zu sein, dessen Denken und Tun der Ve ätigung des Gottesgesetzes geweiht ist. Solch etn Führer war R. David Hofffmann V'st der Lrhrer und Meister Hunderter von Rabbinem, de en Lebensziel ist: TiöbS Wenn heu e Tausende von jüdilchen Kindern unter Leitung seiner un-ri telbaren und mitte baren Schüler Thora lernen, *npn nmn rmnDtp* Korrespondenz*« « ilacDrlcdien Bef et». Staatshilfe für Synagogen2emcinden. Berlin, 16. Dezember. Aus dem Berliner Büro des Landesverbandes Gesetzestreuer Synagogengemeinden wird uns gemeldet: Von der Deutschen Volkspartei, den Demokraten, dem Zentrum und der Wirtschaftlichen Vereinigung wurde im Landtag.beantragt, die bei der zweiten Lesung gestrichenen Staatsbeihilfen für Synagogengemeinden wieder in den Haushalt des Kultusministeriums hineinzufetzen. Der Antrag ist am Dienstag, den 15. Dezember, mit Mehrheit angenommen worden. Auch die Regierung ist für ihn eingetreten. Cs ist nunmehr beschlossen worden, eine Summe von 250 000 Mark den beiden Landesverbänden für Zwecke des Religionsunterrichtes in leistungsschwachen Synagogengemeinden zur Verfügung zu stellen. Die andere Summe von 200 000 Mark ist bestimmt als Zuschuß für Besoldung der Rabbiner und wird gemäß Anträgen der beiden Landesverbände von ^.all zu Fall durch die Regierung selbst zur Verteilung gebracht. Vom antisemitischen Schul iederbuch. Königsberg, 10. Dezember. Nach einer Meldung der I. T. A. hatte der Gauvörsitzende des Reichsbanners in Königsberg beim zuständigen Provinzial-Schulkollegium Beschwerde gegen die Verwendung des völkischen Liederbuches in Königsberger Schulen erhoben. Dis Beschwerde hatte Erfolg. Oberpräsident Siehr erwiderte persönlich auf die Beschwerde wie folgt: „Was den Tatbestand betrifft, so erklärt der Direktor, die Bücher seien, ohne daß das Vorhandensein parteipolitischer Lieder bemerkt worden sei, vier- oder fünfmal in der Turnstunde den Schülern in die Hand gegeben worden, um daraus ein Marschlied zu singen. Einmal, im Juni, sei das Buch auch auf einer Wanderfahrt benutzt worden; bei dieser Gelegenheit habe ein Lied bei einem jüdischen Schüler Anstoß erregt. Der Lehrer hat den Vorfall dem Direktor unmittelbar berichtet, und dieser habe sofort die Einziehung der Bücher angeordnet. Hätten die Schüler der Anordnung gemäß alle Bücher zurückgegeben, so wäre keins in den Händen derselben geblieben. Müssen wir also auch die Eingabe in wesentlichen Punkten richtig stellen, so bleibt doch bestehen, daß den Schülern von einem Lehrer Bücher mit offenbarer Parteieinstellung übergeben sind. Das hätte unter keinen Umständen geschehen dürfen; wir haben daher das Erforderliche veranlaßt." Ztngavit. Die Jubiläumsfeier ichleiten in Budapest. Budapest, 2. Dezember. Am Sonntag, den 22. November, waren 30 Jahre verflossen seit der Proklamierung der Judenemanzipation in Ungarn, nud es sind nun auch 525 Jahre her, daß die erste israelitische Religionsgemeinde in Pest begründet wurde. Zur Feier des Tages waren am Sonntag alle Prominenten des jüdischen Ungarn, aber auch Vertreter der höchsten Regierungs-Instanzen in der festlich geschmückten „Redoute" versammelt. Die Tempelchöre sangen und der Präsident der Pester Israelitischen Religionsgemeinde, Dr. Alexander Lederer, hielt eine großangelegte Festrede, in der er einen historischen Rückblick auf den Hergang der Gemeinde warf. Begrüßungsansprachen hielten der Kultusminister, Graf K l e b e l s - b e r g und andere hochstehende Persönlichkeiten. Wilhelm V a z s o n y i hielt eine zweite Festrede, in der er die Verdienste der ungarischen Juden für das ungarische Vaterland in Zeiten von Kampf und Rot hervorhob. Starken Eindruck machten seine letzten Worte, die Juden Ungarns würden auch aus ihre Gleichberechtigung verzichten, wenn dadurch die ungarische Nation von ihrem Leiden erlöst werden könnte. Es sei aber so, daß der Name Ungarns dadurch in der Welt entweiht wird und sich die Leiden noch vergrößern. Nach dem Kultusminister sprach auch der Oberbürgermiester von Budapest, Dr. R y p k a , sodann die Oberrabbiner Dr. Julius Fischer für das Rabbinatskollegium und Dr. H e v e s i für den I Ungar!,a)en Rabb'rnerverband. Die Wiener Kultusgemeinde hatte es abgelehnt, offizielle Delegierte zu schicken, aber eine Minderheit der Israelitischen Kultusgemeinde schickte dennoch ihre Vertreter, die das Wort zur Begrüßung ergriffen. Im Namen der Berliner Israelitischen Gemeinde überbrachte Herr K a r e s k i, Berlin, einen Gruß der deutschen Juden. Tags vorauf begann die Tagung des L a n desto ng res ses der Israelitischen Gemeinde n, auf dessen Tagesordnung zwei wichtige Fragen standen: der Numerus clausus und die jüdische Vertretung im Oberhaus. In der ersten Frage wurde eine Resolution angenommen, die die unerwünschte Einmischung auswärtiger Kräfte betont. Bezüglich des zweiten Punktes wird Beschluß gefaßt, die Regierung um ein Gesetz zu ersuchen, wonach^die israelitischen Gemeinden des Landes durch freie Wahl zwei Vertreter in das Oberhaus entsenden können. Ein zur gleichen Zeit tagender Kongreß der I s r a e - litischen Frauenvereine befaßte sich vorwiegend mit der Erhaltung der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen im Lande. peleit. Steiger-Prozeß. Lemberg, 3. Dezember. Gestern teilte der Vorsitzende des Gerichtshofs, Franke, zu Beginn der Verhandlung mit, er habe den Akt über das neue Geständnis dos Ukrainers Theophil Olszanski vor dem Berliner Polizeipräsidium erhalten und brachte ihn sogleich in deutscher und polnischer Sprache zur Verlesung: Das Protokoll schildert die den Lesern bereits bekannten Umstände, unter denen Olszanski sein zweites Geständnis ablegte. Seine Aussagen sind so klar ins Einzelne gehend, daß die Sachlage allen Zuhörern vollkommen geklärt scheint. Rach Schluß der Verlesung führte Verteidiger Dr. Grek aus, man habe jetzt einem wichtigen Akt beigewohnt, dem Geständnis eines Menschen, der sein Gewissen entlasten will. Es wäre gut, wenn auch die höheren Polizeibeamten und der Oberstaatsanwalt Mali n a, die Steiger so viel Böses angetan haben, i h r Gewissen entlasten würden. Dr. Grek stellt eine Reihe Anträge, die dahin gehen, die Untersuchung weiter auszudehnen, um die Wahrheit der von Olszanski genau geschilderten Tatsachen und Umstände zu erweisen. Der Staatsanwalt erklärte, auch jetzt, nach der Verlesung des Geständnisses, halte er die Beschuldigung gegen Stanislaw Steiger aufrecht. Um Olszanfkis Geständnis zu entkräften, teilt der Staatsanwalt mit, er habe genauen Bericht darüber, daß in Oppeln (Oberschlesien), ein gewisser Jean Kuczynski vor deutschen Behörden ebenfalls ein Geständnis abgelegt hat, daß er Mitglied einer revolutionären Organisation ist und eine Bombe erhalten hat, mit der er den Präsidenten Wojichowski in Lemberg ermorden sollte. Das Protokoll hierüber übergibt der Staatsanwalt dem Vorsitzenden zur Verlesung. Inzwischen meldete sich der bekannte Warschauer Rechtsanwalt Dr. Eugen Szmyarowfki beim Gerichtsvorsitzenden als neuer Verteidiger Steigers. Szmyarowfki wurde zu diesem Schritt durch die polnische Liga für Menschenrechte veranlaßt. Die Zahl der Verteidiger Steigers ist damit auf sieben gestiegen. Lemberg, 6. Dezember. Der Vorsitzende, Präsident Franke, verliest den Akt über ein Gerichtsverfahren gegen die Betastungszeugin Pasternak. Aus dem Akt geht hervor, daß die Pasternak am 9. Mai 1923 den in der Wohnung ihres Geliebten, Ingenieur Sczepanski, erschienenen Gerichtsvollzieher tätlich angriss, bespukte und mit schwer beleidigenden Worten beschimpfe. Bei dieser Gelegenheit habe sich die Pasternak, die mit Sczepanski in gemeinsamem Haushalt lebt, als dessen Schwester ausgegeben. Ein andermal sagte sie, sie sei die Frau Sczepanskis. Gegen die Pasternak wurde damals ein Verfahren eingeleitet, sie verantwortete sich aber damit, sie sei damals in einem Zustand der Besinnungslosigkeit gewesen und hätte nicht gewußt, was sie tue. Am 22. November 1925, also vor wenigen Wochen, hat die Statasanwaltschaft das Verfahren gegen die Pasternak eingestellt. (Große Bewegung im Saal.) Die Verteidiger ersuchen um die Protokollierung, daß die Staatsanwaltschaft das Verfahren erst eingestellt hat. als die Rolle der Pasternak als Hauptbelastungszeugin gegen Steiger klar war und die Staatsanwaltschaft gegen Steiger einen wenig belasteten Zeugen brauchte. Verteidiger Dr. Landau hält einen Appell an die Geschworenen, in welchem er auf die entscheidende Bedeutung der Angelegenheit Olszanski hinweist.

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