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Der Israelit · 1925-12-10 · Heft 50 (10.12.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 50 (10.12.1925)
Date
1925-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 80 Teile 6 10. Dezember 1925_ ficht sogar bei Speisen und Ledergewändern das un erdrücken, was man sonst einem Mitmenschen zum Ausdruck bringt, wenn dieser e n neues Gewand trägt, den Wunsch: „Du mögst dies abtracen und ein neues erhalten." Denn man mütz e, so lautet die Begründung, ein T:er töten, um das Leder zu gewinnen, und dies zu wünschen, ist nicht im Sinne Gottes, dessen Erbarmen sich auf al)e seine Geschöpfe erstreckt. (Aurach chajim 223, 16). Auf diesem Zartgefühl beruht auch das Verbot, auf die Iagd zu gehen, die Freude des Menschen am Waidwert mit dem Schmerz des Tieres zu erkaufen (vgl. L"' '•> '’o iuv 'n 'r\ In welch taunz zu übertreffenden Grade das Judentum das Mitleid mit dem Tiere gebietet,, zeigt ein Talmudwort, durch das noch weitere Belege, die s'ch anführen liehen, sich erübrigen und das den Schluß dieser Ausführungen bilden möge,' es besagt, daß das Erbarmen Gottes mit dem Menschen bedingt wird durch das Erbarmen des Menschen mit dem Tier. Ein Kalb, so berichtet der Talmud (Babli Baba mezia 85 a), das zum Schlachten gefü'-rt. such e seinen Kopf unter den Gewändern Rab¬ bis zu bergen und schrie jämmerl'ch: doch dieser sprach: „Geh weiter, dazu, wardst du erschaffen." Da sprach man in der Hö -e: „Weil er kein Mitleid hat, sollen Le den über ihn kommen." Dies trat auch ein. C'nes Tages dann kehrte die Magd Rabbis das Haus, da lagen junge Wiesel im W'nkel, die wollte sie fortkehren, da sprach Rabbi zu ihr, laß s e liegen, denn es leiht: „Sein Erbarmen erstreckt sich aus alte seine Geschöpfe." Da sprach man in der Höhe: „Weil er Mitleid hat, so wollen wir mit ihm Mi.leid haben", und Rabbi wurde gesund. Korrespondenzen « ßacbricbten. Die treue Wendung im Steigerprozeh. Lemberg, 1. Dezember. Zur gleichen Zeit, da in Lemberg ein Entlastungszeuge nach dem andern für Steiger auftritt, fo daß der Gerichtspräsident Franke seine liebe Not hat, die Grundlagen für die weitere Verhandlung noch einigermaßen aufrecht zu erhalten, kommen von Berlin die Nachrichten über das erneute detaillierte Geständnis Olszanskis und sie rufen hier größten Eindruck hervor. Vor Gericht ist es von allen Belastungszeugen nur noch der Unterkommissar K a j d a n, der bekannte Peiniger Steigers, der seine Aussagen ausrecht zu erhalten sucht und die Pasternak in Schutz nimmt. Seine Aussagen erwecken in Anbetracht der ganzen Sachlage allgemeines Lachen. Als weitere Entlchrungszeugen, die genau schildern, unter, welchen lächerlichen Umstänüen die Pasternak, selber unsicher, die Polizei auf Steiger gehetzt hatte, treten auf der Gutsbesitzer Franz P i g s e ck i und ein bekannter Stanislawer Advokat Dr. David Jonas, ferner ein Ukrainer namens Sterlewski. Die Schwester Steigers', eine junge Studentin, bestäligt, was man bereits von allen Seiten gehört hatte, daß Steiger niemals mit Kommunisten und revolutionären Umtrieben etwas zu tun gehabt hätte. Das zweite Geständnis Olszanskis brachte am 28. November während der Verhandlung der Verteidiger Dr. ©red! zur Sprache und stellte diese nun unwiderlegliche Tar;ache den unsicheren, konfusen Aussagen der einzig noch verbliebenen zwei Belastungszeugen, der Pasternak und der Frau Ledl gegenüber. Ein Prozeß, wie dieser sage er, kommt nur einmal während zweier Menschenalter vor. Er verlangt die Einholung und Verlesung der neuen Akten von Berlin. Der Staatsanwalt erwidert, Olszanski habe das erste Geständnis in Beuthen nur mangelhaft gemacht und sicher nur zu dem Zwecke, um als politischer Flüchtling in Deutschland Asylrecht zu genießen. Wenn nun sein zweites Geständnis ger cuer gehalten ist, so habe sich eben Olszanski inzwischen durch Zeitungsberichte über den Gang der Verhandlungen über die Einzelheiten besser orientiert. Er werde für den Fall, daß den neuen Akten Beachtung geschenkt wird, durch Zeugen beweisen lassen, daß Olsz mski am Tage des Attentats nicht einmal in Lemberg sich befunden hätte. Die Verteidiger Dr. Ringel und Dr. Landau schließen sich den Worten Grecks an. brach einer kurzen Pause teilt der Vorptzende mit, daß er. nach telephonischer Besprechung mit dem Justizminister in Warschau, Schritte zur Erlangung der neuen Akten aus Berlin unternommen hätte. Die Protokolle sind inzwischen hier angelangt. Eine religionsfeindliche Verordnung der Warschauer Knlti sgemeinde. Warschau, 28. Dezember. Die Warschauer Kultusgemeinde hat eine befremdende Verordnung erlassen, in der es heißt) daß es den jungen Leuten, welche sich an den Handwerkskursen beteiligen, verboten sei, während der Arbeitszeit ihr Haupt in üblicher Weise bedeckt zu halten. Diese religionsfeindliche Verordnung hatte zur Folge, daß sämtliche religiösen Arbeiter sofort demonstrativ die Kurse verließen. Die Tätigkeit des Chofez Chajim in Wilna. Wilna, 17. November. Seit mehr als Monatsfrist hält sich der Chofez Chaim in Wilna auf und hat sich die Ausgabe gestellt, systematisch gegen die Sabbatentweihung vorzugehen.' Er hat bereits in drei großen Versammlungen öffentlich über die grundlegende Wichtigkeit der Sabbatheiligung gesprochen. Er berief eine allgemeine Volksversammlung ein, die von mehr als zweitausend Juden besucht war. In Begleitung des Chofez Chaim waren Rabbi v-.yaim Ofer Grodzenfki und Rabbi Menachem Krakowski sowie zahlreiche Würdenträger der Stadt erschienen. Weiter sprachen über Einladung des Vereines „Mafhirei Sabbat" der Chofez Chaim und Rabbi Chaim Ofer Grodzenfki gleichfalls in einer Massenversammlung über dasselbe Thema. Die Mitglieder dieses Vereins haben es sich zur Pflicht gemacht, unausgesetzt mit größter Energie persönlich für Sabbatheiligung zu agitieren und es ist interessant zu beobachten, mit welchem Eifer diese an allen Freitag-^oenden die Säumigen zur Einstellung der Arbeit ermahnen. Eine spezielle Versammlung aller kaufmännischen und industriellen Verbände nahm zur Frage der Sabbatheiligung Stellung, zu welchem Zwecke der Chofez Chaim und das Wilnaer Nabbinat eingeladen wurde, die Wichtigkeit von Schmirath Schabboth durch eingehende Referate zu würdigen. Diese systematische Pro-Sabbatarbeit des großen Gaon erzielte größte Wirkung auf sämtliche jüdische Einwohner Wilnas. fitautit. Das neue Gemeinde,irsetz in Litauen. K o w N o, 30. November. Der litauische Innenminister hat soeben die neuen Instruktionen über die Rechte und Funkttionen der jüdischen Gemeinden in Litauen bestätigt. Anfang 1926 werden die Wahlen stattfinden, so daß zum 1. Februar 1926 die neugewählten Gemeinderäte zu funktionieren beginnen werden. Laut dem Gesetz haben je 50 Juden das Recht, eine eigene Gemeinde zu gründen. Der Zentralrat der jüdischen Gemeinden hat jedes Jahr dem Innenminister die Vorlage über System und Höhe der Gemeindesteuer zu überreichen; der Innenminister kann die Vorlage bestätigen oder ablehnen, sowie überhaupt nach Gutdünken verfahren. Mindestens 40 Gemeinden haben das Recht, sich zu einem Verband zu vereinigen und Vertreterkonferenzen einzuberufen. Solche Konferenzen haben alljährlich zusammenzutreten und einen Zentralrat zu wählen, der die Arbeit der Gemeinden leitet und inspiziert. Das Statut des Zentralrats unterliegt der Bestätigung durch den Innenminister. Die Gemeinden sind keineswegs verpflichtet, sich dem Gemeindeverband anzuschließen und im Zentralrat vertreten zu lassen. Diejenigen Gemeinden, die außerhalb des Verbandes bleiben wollen, reichen ihre Budget- und Steueroorlage direkt bei dem Selbstverwaltungsdepartement ein. paV*IUma* Dis Wahlen zur Delegierteriversammlriiig. (Telegramm.) Jerusalem, 7. Dezember. Die trotz des Einspruchs der unabhängigen Orthodoxie vom Waad leumi veranstalteten Wahlen zur Delegiertenversammlung erweisen sich als vollendeter Fehlfchlag. Fast die gesamte Orthodoxie Palästinas ist der Wahlurne ferngeblieben. Eine von über siebentausend Familienvätern unterschriebene Protesteingabe, die also etwa dreißigtausend Seelen repräsentiert, ist der palästinensischen Regierung übermittelt worden. Der Völkerbund und das Schicksal der unabhängigen Orlhodorie Palästinas. (Telegramm.) Jerusalem, 7. Dezember. In allen dem Rabbinat der aschkenasischen Gemeinde nahestehenden Synagogen sind anläßlich der bevorstehenden Entscheidung des Völkerbunds über die Unabhängigkeit der orthodoxen Gemeinden feierliche Bittgottesdienste veranstaltet worden. (Wir glauben nicht, daß der Völkerbund die Angelegenheit seinerseits entscheiden wird; das letzte Wort dürfte in jedem Falle die britische Negierung haben. Red.) Personalien. Seckenburg. 29. November. Unser hochverdienter Kantor und Lehrer Herr Herrmann L a p i d a s erreichte dieser Tage in vollster Rüstigkeit das Alter von 75 Jahreu. Herr kapioas ist in 'Honiwesch in Litauen geboren. Einem frommen Gelehrtenhause entstammend, ist er seinem Stamm allezeit treu geblieben. Als Jüngling besuchte er die jüdische Schule und die Jeschiwaus zu Kowno und Wilna. In Kowno lernte er auch im Mussastübel des Reb Jisroel Saalanter ‘vxt- Später verheiratete er sich nach dem Städtchen Georgenburg, wo er bei seinem Schwager, dem berühmten Thoragelehrten „Rebb. Jtzel" noch weiter lernte und sich veroollkommnete. Von Georgenburg zog er nach Libawitz um sich dort als Kultusbeamter auszubilden. Er nahm dann später einige Stellungen in Lettland und Litauen ein. Vor etwa — 35 Jahren kam er nach Deutschland. Auch hier bekleidete er mehrere Stellen. Seit über 30 Jahren waltet er mit größter Gewissenhaftigkeit in unserer Kultusgemeinde Seckenburg-Lappienen seines Amtes. Ost ist er in Sturm und Wetter stundenlang unterwegs, um seine zerstreute Gemeinde mit Koscherfleisch zu versehen. Seine Kinder hat er zu braven Jehudim erzogen und wirken diese auch fast alle als Beamte juöifctjcr Gemeinden. Möge dem Jubilar noch ein langer heiterer Lebensabend derArbeit und des Erfolges beschieden sein. V"W- Ladenburg o. M.. 5. Dezember. Die aus Anlaß des 40jährigen Synagogenratjubiläums des Herrn Julius Kaufmann 11., von der Gemeinde am 12. Kislew veranstaltete Feier nahm einen erhebenden Verlauf. Die Synagoge, in der die Feier stattsand, war überfüllt von eiuheimiicheu und fremden Teilnehmern an dem Festakt, zu dem der Bezirksrabbiner Dr. P i n k u ß -Heidelberg und als Vertreter des Oberrats Herr N. A. Dr. P f ä l - z e r -Weinheim erschienen waren. Die Nachbagemeinden waren fast alle durch Syuagogenratsmitglieder vertrelcu. Nachdem Lehrer Rosenfelder -Ladenburg die Erschienenen begrüßt und seine Glückwünsche übermittelt hakte, sprach der Herr Bezirksrabbiner und wies darauf hin, daß der Jubilar nicht nur ein Verwaltungssynagogenrat und -Vorstand gewesen sei in diesen 40 Jahren, sondern ein rn:n der es verstanden habe, jüdisches Leben zu wecken und zur Blüte zu bringen. Die Glückwünsche des Oberrats überbrachte Herr Dr. Pfälzer; er fand nicht nur für den Jubilar, sondern auch für unsere Gemeinde viele Warte der Anerkennung wegen der vnrbildlicheu Jüdischkeit, die die Gemeinde erfülle. Im Mittelpunkt der Feier stand die Festansprache des Synagogenratmitgliedes Lehramtsassessor Karl Darm-

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