Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-12-10 · Heft 50 (10.12.1925) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 50 (10.12.1925)
Date
1925-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450385--72734-2530105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sl'r \ Nr. 50 y e t Israelit jl\j ii/wim'ti xe^u Jude, zugleich einer der Gsmeindegewaltigen,!äßi es sich nichi nehmen, mich zu begleiten und dem' Lehrerkol.ecium vo:z-lstellcn. Die Schule zerfällt in eine Knaben- und Mädchenabteilung und wird von über zwei ausend ändern besucht. Die Ilnlerrichtssprache ist Französisch für die profanen. Hebräisch für die jüdischen Fächer. Man lehrt Hebrälsch, Arabi ch und Französ.sch, außerdem das Programm einer höheren Volksschule. „Wie ist es mit Bibel. Mifchna und Talmud?" „M'at. m'at," sagt der Direktor resigniert. „Mah naasse?" (Fortsetzung folgt.) Tierschutz im Judentum. Bon Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. Mit erneuter Kraft taucht in T erschutzver-- einen die n cht verstummen wollende Behauptung auf, das vom jüdischen Gesetz vorgeschriebene Schachen sei eine T erquälerei. Aus ihr lei et diese Bewegung die Berechtigung, ja sogar die Verpflich.ung her, gegen den Schächtschnitt anzukämpsen und dessen Besei igung zu erstreben. In zahlreichen Schns en ist berei s von jüdischer und m'ch.'jüdischer Seite der Beweis geführt worden, daß diese Ansicht jeder Grundlage entbehrt. Daß das Schäch en aber keine.Tierquälerei sein kann, weil eine solche vom' Gesetz und Geist des Judentums verbo'en und verworfen wird, weil das Iudentum den Schutz und die Rücksich'nahme auf das Tier in jeder Hinsicht befürwortet und gebietet, sol en nachstehende Ausführungen zu erweisen versuchen. ' Im Gegensatz zur Pflanzenwelt, die auf Gottes Geheiß aus der Erde sproßte, geht die Tierwelt aus Gottes schöpferischer Hand hervor (I. B. M. 1, 20, 25). Sie erhält vom Menschen Namen und Bestimmung. Gleich dem Menschen wird auch (1, 19) ihr nur Pflanzenkost zur Nahrung - angewiesen (1, 30): Erst als mit der Flut durch der Menschen Sünde die Harmonie der Welt zerstört ward, wird das Tölen der Tiere und der Genuß ihes Fleisches dem Menschen erlaubt (9, 3), da nunmehr die Psanzenarmut der gestraften Erde, zur Nahrung der Menschheit nicht h'nreichend^var. Doch nicht uneingeschränkt ist der Genuß des T'eres gestattet. Ueber den Kreis des jüdischen Voltes hinaus ist gl len Nachkommen Noahs das lebende Glied, das vom Tierkörper getrennt, wenn er noch lebt, verboten, ^9^ 4) obschon dem Nichtjuden Blut, das dem lebenden Tierkörper en nommen, nicht verboten ist. H-lfsbereile L bung und Erquickung auch des Tieres ist Prüfstein für eine von Gott erwä. l'e Lebensgefährtin (2\t .14).' An er der persönlichen Feindschaft der Menschen darf das Tier nicht leiden. Ein verirrtes Tierselbst wenn es dem Feinde gehört, muß zurückgefül)rt werden (HB. M. 23, 4). Sink! es nieder unter der zu großen Last, muß diese vermindert werden unter Hintansetzung al.es Ande.en^ selbst wenn der Besitzer rech swidrig dem Tiere nicht hilft und müßig dabei steht, so daß die Verpf ich'ung gegen den Menschen hierdurch in For.fal! käme, gebietet die Rücksicht nähme auf das Tier, diesem zu helfen (23, 5) (Ehoschen mischpat 272, 19). und es vor übermäßiger Anstrengung zu schützen. Die ersten sieben Tage nach der Geburt bleibe das junge Tier bei selner Mutter und werde nicht als Opfer gebracht (III. V. M. 22, 27). Ein Mutterier und ihr Junges dürfen nlcht am gleichen Tage geschlcch et werden (22, 23), Vogelmutter und ihre Jungen nicht zuglech ungeeignet werden (V. B. M. 22, 6). Wenngleich bei diesen drei Vorschrif en noch ändere Motive wirksam sein dü.f.en, so sind sie doch geeignet, bei dem denkenden Menschen Gefü.le des Tierschutzes zu wecken und zu fördern. Nur gemeinsam mit dem Tier auf dem Felde steht dem Menschen und dem Tiere im Hause das.Genußrecht der Früch'e des siebenten Jahres zu, als Ausdruck der Rückgabe des Bodens an1 Gott, der dem Tiere das gleiche Anrecht gewährt, wie dem Bes tzer des Feldes (Hl, 25, 19) Nahrung für das Tier, dessen Dünger gestillt werden soll, bevor noch der Mensch sich sättigt, verheißt Gott als Zeichen Seines Segens (V. B. M. 11, 15). „Ganz so, wie ich dir besohlen," sollst du den Schäch schnitt ausführen. (12. 12) gebietet der Schöpfer der Tiere, der am besten ev weiß, .wo und wie am geringsten der Schmerz ist, der dem Leben des Tieres ein Ende setzt. W e selbst beim Verbrecher, der zum Tod buch Erwürgen verurteilt, ein doppelter Gurt hierzu benutzt .wurde; aus weichem Leder ein innerer, auf daß er des Halses Haut nicht verletze und ein äußerer starker, auf daß er nicht reiße und des Todes Qualm verlängeret " so sucht eine Fül e von Vorschriflen auch des Tieres Qual zu besei izen. Mit haarscharfem Messer, bei dem die geringste Scharte unzulässig ist, muß es ein Schnitt ohne Unterbrechung sein, — die geringste Säumnis ist un'erfagt —: nicht Druck darf es sein und nicht Roßen, mit unbedecktem Messer an genau umschriebener Stelle"—, nicht höher, nicht tiefer, die am schnel len das Blut den Träger des Lebens und Bewuß seins/ ausströmen läßt und ausschaltettMe Unsinnig wäre es, nach dem bisher Ausgeführten aünetzmen zu wol en; daß eine Fü le von Vorfchriflm beim', Schäch en nur erlassen "fein'sollte, um, ivie-'es' oon gegnerischer Sei.p behauptet w.rd, 'eine Tierquälerei zu erzietett! AM dqs Verbot mit Ochs und Esel zusammen zu pf.ügen (22, 10) und den Unterschied im Kräfteverl'ältns der verschiedenen Tierarten außer Acht zu lassen, erzieht, wenn es auch wohl im M schungsverbot begründet liegt, den Menschen zur Rücklichtnahme auf das Tier. Äm ganz besonderen Maße wicd diese geweckt durch das Verbot, dem Ochsen beim Dreschen den Genuß zu unlerbinden (35, 4) auf den er durch seine Hilfeleistung ein Anrecht hat, in gleicher Welse, wie der Mensch, der, wenn auch für Lohn, in Feld und Weinberg hilft. (29, 25, 23). Prophetenmund vergißt nicht der Liebe des Tieres, vergleicht Israel, wie es von Gott gelei et, mit dem Tiere, das der Hirte führt (Jes. 63, 14). mit den Vögeln aus Aegypten, mit den Tauben aus Assyrien. (Hosea 11, 11). Das hungernde Tier entlockt dem Propheten der Klage Wort (Ioel 1, 18> auch um des Tieres willen erbarmt sch Gott; (Jona 4, 11) Vögel und Tiere werden zum Gastmahl geladen, das Gott bereitst (Jecheskel 39, 17). Der Tiere Klage fühlt nach der Prophet (Jes. 38, 14), nachzittert in des königlichen Sängers Herz des Täubchens Gefühl, das im ^Felfengek üft. geduckt 'im- Winkel, und Abhänge (Hohel. 2/ 14)." Der;"FrütftritS kennt die Seele seines T'eres, er weiß, wie ihm zu Mu'e ist. (Sprüche 12, 10). Aus diesen Sätzen klingt Mi gefühl in des Wortes reinster Bedeutung. Ties empfundenen Ausdruck findet es in den Psalmen. Die Sehnsucht Israels nach den Al ären seines Gottes gleicht der Sehnsucht des Vogels nach seinem Häus, der Schwache nach ihrem Nest; dasihre Jungen birgt (M, 4). Dem' Wüstenoogeh der Trümmereule, dem aufgescheuch en Vogel, der einsani auf dem Dach, vergleicht sich der Psälmist in seinem'Lnd (102, 7, 8). Rettung ward Israel zuteil wie dem Vogeh und der Falle entronnen, da die Falle zerbrach (124, 7); denn dem Menschen und dem Tier ist Gottes Hilfe nah (36, 7), auch dem Tier gibt Gott feine Nahrung, den jungen Raben, wonach sie rufen (147, 9). Ihn lobt auch das Tier und alles Meh» Gewürm und beschwingter Vogel (146. 10).; > ,,So sehr gilt das Thoraverbot, einem Tier einen Schmerz, zuzufügen, daß - das. Kastrieren verboten ist, daß gesetzestreue Juden sich schwer der Veierinärheilkunde widmen können,? daß Vor- 'chrifen der Weisen, de die Sabbatheiliguns schützend umgaben,, -zurück reten vor diesem Verbot. (Talm, Bab i Tr. Sabbat, :128 h.) (Schulchyn. oruch Äurach chajim 305; .19, 20):, ■ Das Zartgefühl für diie T'ere läßt nach, einer Än^ als Pflichtmahlzeit. Aus ethischen. Motiven verpönt es der Arzt Mordechai Levyson aus Upsala, Sehr scharf drückt sich Aron Worms, aus, der sagt, das Lied stamme von einem Schalk her, her sich damit einen Spaß machen wollte. Auf sein Betreiben , wurde es dann wohl, auch, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, aus dem Gebetbuchs wieder entfernt. Dr. Selka, Darmsiädt. Wandlung in der jüdischen Wirtschaftslage in DeukMavd. Herr Dr. Kurt Zielenziger weist in der „G. D.- Zeitung" durch Ziffern nach, daß mit dem Untergang des jüdischen Mittelstandes in Deutschland das jüdische Proletariat wächst. Der Prozentsatz der jüdischen Arbeitnehmer hat sich gegenüber-dem der jüdischen Arbeitgeber erheblich vergrößert. Viele früher selbständige Kaüfleute sind heute als Angestellte tätig. Nach der Berufszählung des Jahres 1907, der letzten in Deutschland, gab es unter der. jüdischen Bevölkerung 104 93lMbständige, diese Zahl hatte sich gegenüber der der vorlektHi Zählung von 1895' bei der 105 319 Selbständige gezählt wurden, verringert Dagegen hat sich.die Zahl der Angestellten von 1895 bi- 1907 fast verdo«»»slt. Seither hat sich laut den Veob achtungen die Zahl der Selbständigen weiter verkleinert die-der Angestellten-vergrößert. 1907 war die Zähl de jüdischen Handwerker in Deutschland, also jener'Kreise die Len Uebergang r»om Proletariat zum Mittelstand bllUm, 400Ä>, pfflt'hwQv sab es damals ,1? M, selb stärÄige HandwekkL?,^'5795 Ängestellte und .13 332 Ar beiter. Unter den 'Handwerkern zählte man allein 144 ' jüdische. Schneider, 1818 jüdische Schuhmacher,' 7000 jü dische Fleischer und 1AN jüdische . Bäcker.. Schon da mals lebten H 000 jüdiW Seelen allein vomHandwert:. <iis. j ar ' rr ,, Nach den Ermittlungen der Verwaltung'der Jüdischen Gemeinde in Berlin Leträgt die Gesamtzahl der Steuerzahler in Berlin 41000 Zensiten und 48 YOsi Lohnempfänger. Gegenüber' der Berufszählung von 1907^.hat also in Berlin die Zahl der Arbeitnehmer die der Arbeitgeber unter den Juden erheblich überflügelt. ' (Der Opfecsinn jüdischer Schülerinnen.) Unter der Ueberschrkft „Antisemitismus" berichtet Erich Leopold.in Nki 40 der Zeitschrist „Die Weltbühne^, das folgende Erlebnis: „Ich kenne eine evangelische Dbtzrlehrerin an einer. Höheren Mädchenschule , im Westen. Berlins:- Die erzählte: Seit etwa , einem Jahr ist in unserer Schuleeingeführt, dckß die Mädchen für ekr\e'benadfbarte ßemejnbe* schule Frühstück sammeln. Die Frühstücksportidnest werden morgens beim Schuldiener eingeliefert lind' von 'einem kind der Gemeindefchule zu bestimmter - Zeit abgehokt.?s wurden im Durchschnitt. täglich. 30^40- Portionen gezählt. Am jüdischen Feierläg stellte sich heraus, baß, 'eim ^Schuldiener nur ein einziges Frühstück, nämlich 'as meine, abgegeben war. Ich befragte meine Schule- -innen, warum heute weiter kein Frühstück abgeliefert ei. und "erhielt die einstimmige Antwort: Dafür sorgen 5Ö' immer die jüdischen Schülerinnen.' l Diese jüdischen Schülerinnen bilden den dritten Teil ^er Schule und sind vom den anderen zwei'Dritteln gemieden. (Wie lange wohnest Juden in Ungarn?) Der- Präsi- ' ent der Pester JsräelNschen Gememde, Dr. .Alexander, l s d e re r osköffsntlicht aus An7aß "des 125jährigen .ubiläums der Pester Gemeinde einen Artikel im „Pester loyd", in welchem er nachweist, daß die ungarischen uden seit mehr als 1000 Jahren, „als iyteorierender Bestandteil der ungarischen Nation" in Ungarn leben, 5chon im Gefolge Arpads ckämeu Juden mach Ungarn. Doch, schon läntze' vor der Landnahme, schon im viertens Jahrhundert, ülso vor mehr als 1500 Jahren, . lebtest, Juden, in Ungarn.-Das beweisen die Grabsteine) die teils im. Nationalmuseum.- teils im erzbischöflichen Palais aufbewahrt werden,. - . (Radio-vortrag Sir herberl Samuel» über paläst!»«^ Der frühere - Oberkommisfar^ für PaMtinst,-Skr Hel ' hert Samuet,, sprach dieser Tage von^der-Lv'stLdon er Padiost^atio n aus über. Äriege"; schloß mit zukünstßxeichM Htzrfp/efssven,; WMstGMchrichM.; ‘L i Gehst ri.en. Eine Tochter: Julius Weingartens Lehrer, Hanstü. Auhe1merweg Hs. . : Wochenkalenlher i vom 13.-19. Dezember 19sti.. vom 38. Kislew bis.8, Tew.eth SSM-^ Samstag > Dez. 12 25 i^oa 9 Sonntag' :■ 13 26 Montag U 27 Dienstag 15 28 L' Mittwoch - ' U 29 Donnerstao: 17 : ^T». 30 Freitag 1 ■ 1 nae '-Samstag 1< 'ami | 52 r/. v v tl ^r. « nsun na» as . -; - 0I‘, Z> 1. Tag Rcmsch'Thaud^ 8 Tag Rausch-ChauU». ' naun sta» ' "

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.