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Der Israelit · 1925-12-10 · Heft 50 (10.12.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 50 (10.12.1925)
Date
1925-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. SO Der Israelit 10. Dezember ISA» Nation ist, kann nimmermehr eine Rechtsquelle für uns suchend am Scheidewege stehen, wissend nur, daß die alten Wege und Werte im Nichts sich verlieren, aber noch nicht wissend, welches der neue, richtige Weg sei. Und an diesem Scheide- und Wendepunkte ist die Lock- und Werbearbeit derer, die das Volljudentum der Thora nicht kennen, grotz und nicht ohne Erfolg. Denken wir daran und kommen wir den Suchenden mit dem, wonach ihr junges Herz, unbewußt vielleicht, lechzt, schon auf halbem Wege entgegen. Zur Makkabäerzeit gab es nur ein Entweder-oder. Hier Judentum im Vollichte der Menorah, in der Reinheilssphäre von Tempel und Altar, dort Fremdtult des Hellenismus, gleichbedeutend mit religiösem Nihilismus. Heute ist die Sache verworrener, durch die vielen Zwischenwege, durch die schwachen Brücken, die man über den Abgrund zwischen der einen und der anderen Seite geschlagen, durch die vielen Halb- und Stückwerke, die sich als Ganzes, Volles und Alleiniges geben. Danach mutz der friedliche Kampf der Gotteswahrheit mit der ihr innewohnenden Werbekraft doppelt und nach allen Richtungen hin einsetzen. Das Wunder, das leise auf dem Wege ist, wird in seiner vollen Kraft nicht ausbleiben, das ewige Wunder des *pn ixu p inxv lVochenrundfchau. Ein Jubiläumswunsch nach Budapest. (£s ist paradox und nicht ohne Tragik, ein Jubiläumsfest der Emanzipation mit einer Resolution gegen bürgerliche Entrechtung begehen zu müssen. Aus der Festversammlung der neologen Gemeinde zu Budapest zur Feier ihres 125jährigen Bestehens und des 30. Jahrestages der jüdischen Gleichberechtigung in Ungarn wurde aber folgende Enlsch ietzung angenommen: „Die zur Feier der dreißigsten Jahreswende der jüdischen Rezeption versammelten Ungarn jüdischen Glaubens erklären: Die Gleichberechtigung unserer Glaubensgemeinschaft ist ein Teil der ungarischen Verfassung. ... In unserem Kampfe gegen den Numerus clausus stützen wir uns eben deshalb lediglich auf die ungarische Verfassung; auf den die konfessionelle Gleichberechtigung fördernden Artikel des Friedensoertrages haben wir uns niemals berufen und werden es auch in Hinkunft niemals tun. Wir sind Ungarn, fühlen uns als ein Teil des Ungartums, und der Vertrag von Trianon, der eine Trauer unserer sein. . . . Auf der Grundlage der ungarischen Verfassung stehend, den Sieg unserer Gleichberechtigung von der Auferstehung der edlen ungarischen Tradition erwartend, wünschen wir die Angelegenheit des Numerus clausus auf heimatlichem Boden mit der Regierung und der Gesetzgebung unseres ungarischen Vaterlandes auszutragen. Aus diesem Grunde riefen und rufen wir den Beistand von keinerlei ausländischen Faktoren an und wir lehnen solchen Beistand ab, auch wenn er guten Absichten entsprungen sein, mag." Ungarns Juden haben ein gutes Recht darauf, von Ungarn zu verlangen undsich Hilfe von außen zu verbitten. Aber der Blick sollte auch in anderem Sinne bei diesem Jubiläumsfest, nach innen gerichtet bleiben. So gründlich war in den zwanzig Jahren bis zum Kriegsausbrüche in Ungarn die Emanzipation durchgeführt — und die Amalgamierung, daß Budapest als „Stadt der Taufe und Mischehe" zu einigem Ruhm in der Welt gelangte. Die gebildete Jugend war es, die, wie überall, mit Siebenmeilenstiefeln auf diesem Wege voranging, Die gebildete Jugend steht heute, nach drei Jahrzehnten Emanzipation, vor den geschlossenen Türen der A'ma mater und protestiert. Sie sollte aber auch stille Einkehr halten und überlegen, ob der hohe und höchste Preis nicht umsonst eingesetzt war. Als in Deutschland nach viel längerem Freihei straum der Rückschlag einsetzte, gab es neben berechtigter Abwehr auch so etwas wie ein Erwachen, Selbstbesinnen, eine Rückbewegung zum posi.ioen Judentum unter einem guten Teil der akademischen Jugend. Diese Lehre sollten Ungarns Juden doch wohl von außen annehmen, ohne falsche Scheu vor Einmischung. Not in Polen. Mit erschütternder Drastik ergibt sich die schwere Lage der Juden in Polen aus der Deklaration des jüdischen Klubs im polnischen Sejm, die nach der 'Verlesung des Exposees der neuen Regierung durch den Premier. Graf Skrzynski der Präsident des Jüdischen Parlamen'sklubs, Dr. Leon Reich, zum Ausdruck brachte. Leon Reich sagte u. a.: „Wir sind uns klar über die schwere Lage des Staates, die eine Ursache war zur Bildung der Koalitionsregierung. So katastrophal die allgemeine Wirtschaftslage in Polen ist, die Lage der jüdischen Bevölkerung in diesem Lande ist noch katastrophaler. Die ständig wachsende Zahl der Selbstmorde unter der jüdischen Kaufmannschaft ist eine deutl'che Illustration hierzu. Die jüdischen Handwerkerstätten sind verödet, die Schornsteine der jüdischen Fabriken rauchen nichts große Massen der jüdischen Arbeiterschaft und der Intelligenz sind arbeitslos und in unsagbarer Rot. Der "Mängel an Kredit macht jede wirtschaftliche Tätigier? unmöglich, 'die ungeheuren Steuerlasten Untergraben den Rest der jüdischen Existenz. Dazu kommen die Ungerechtigkeiten gegen das jüdische Element auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet. Der jüdischen Jugend ist der Zugang zu den Hochschulen zu einem großen Teil verwehrt." Nachdem der Vorsitzende des Jüdischen Klubs noch sein Bedauern ausgedrückt hat, datz die Regierung Grabski bei gelegentlich bekundetem guten Willen den Bedingungen des jüdischen Abkommens im Ganzen nicht nachgekommen ist, sagte er bezüglich der neuen Regierung: * „Die neue politische Konstellation gibt uns Hoffnung, daß die jüdischen Fragen endl ch loyal enörtert werden und daß die Ungerechtigkeiten gegen die jüdische Bevölkerung, so insbesondere der Numerus clausus, die Zwangssonntagsruhe, die übrigen konstitutionellen Beschränkungen der Juden aufhören werden. Leider war die Stelle» berteffend die Judenfrage im Exposee des Premiers nicht klar genug, daß wir die Gedanken der Regierung nach dieser R'chtung beurteilen können. Wir haben deshalb nicht die Möglichkeit, uns schon jetzt darüber zu entscheiden, ob wir die Regierung stützen sollen oder nicht." Reich erwartet, daß in kurzem Taten beweisen werden, daß die Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetze bewahrt wird. Ob die wirtschaftliche Lage, wie sie Reich mit den grellsten Farben und leider wahrheitsgemäß schildert, bei einigen politischen Zugeständnissen eine Erleichterung erfährt, ist mehr wie fraglich. Der Schmerz der Massen kommt aus der inneren Wunde, die der „Joint" in Amerika nach den neuesten Berichten erkannt zu haben scheint. Hoffentlich gelingt es ihm. diese zu schließen. Paläskinafahrk. Von Max Landau in Berlin. (Fortsetzung.) Freilich gibt es auch viel Elend unter den ägyptischen Juden, aber das betrifft mehr die einheimischen, arabischen; die mitteleuropäischen und Valkanjuden, die aufgeweckter und mit Imitative begabt sind, pflegen es zumeist zu etwas zu bringen. Schwierige Schrifkstellen. Erwiderung auf den Artikel des Herrn Fuld in Nr. 42 und 43 des „Israelit", zu Genesis 6,3, zugleich ein Versuch zur Popularisierung des S. R. Hirfchfchen Kommentars für die Verse Gen. 6, 1—4 und 8, 20—22. Von Dr. Galewski in Posen. (Schluß.) Für den scheinbaren Rechenfehler der Zahl 120, den Herr F. zu seinen Gunsten auslegt, gibt übrigens Raschi eine ansreichende Erklärung mit dem p* mim nmxm D'pa nämlich min ami hjvm im m *p\nw otip nw o- Am gewichtigsten jedoch sieht Herrn F's Auffassung dieser 120 Jahre als hiermit ausgesprochener Verkürzung der menschlichen Lebensdauer H.'s umfassende Beweisführung 0. 8 2 —22) entgegen, daß diese erst nach dem Mabbul eingetreten sein könnte. Nach dem Verlassen der Arche nämlich hatte Noa eine Reihe Opfer dargebracht, nicht nur im Gefühl der Dankbarkeit und Huldigung Gottes gegenüber, sondern zugleich - das liegt im Be riss der iriVu? — Emporopfer (i. Com. zu nunip’ 's) - als Ausdruck des Gelöbnisses pflichtgetreuer Tatenweihe seines ganzen ferneren Lebens — nnn rri - und hatte dtes picht nur für feine Person getan, sondern sich in diesem großen Momente als Vertreter und Vater der gesamten, gegenwärtigen wie zukünftigen Menschheit gefühlt, wie aus dem nur dies eine Mal im ganzen vorkommenden nnnv mit dem Artikel heroorgeht. Und Gott nahm diese sittliche Gcßtat wahr n rm und belohnte sie mit dem Versorechen, nicht wieder alles Lebendige zu schlagen, wie eben geschehen, — xVi •>n Vd nx rvon^ Tis? «px. auch wenn — so übersetzt Hirsch hier das ,2 - das Herzensgebilde des Menschen vm seiner Jugend an schlecht sein sollte. Nie kann isr» Mer der .Trieb' heißen, (ebensowenig wie vorher Vers l, 6, f>) eine Gewalt, die den Menschen zum Bösen ireibt. In der Wurzel m°» liegt nichts Zwingendes, sondern Bildendes, in dem Hauptwort nichts Aktives, sondern Passives; es ist das von uns selbst gestaltete Gebilde, das uns vorschwebende Ideal, das wir selber uns geformt hrben und dem wir nacbflreben — zum Guten, wenn das Ideal der Wahrheit entspricht, und umgekehrt. Wie nun konnte Gott Noah eine solch unverbrüchliche Zusage geben? war doch letzten Endes mich der Mabbul tnxr? TD5?3 im Interesse der Menschen selbst erfolgt? Gott konnte es. s. v. v., in dem Er zualeich mit d eser Zusage eine völlige Aenderung der Lebensdedingungen bewirkte, um dadurch einem etwa wieder drohenden völligen Erlöschen des Göttlichen im Menschen vorzubeugen Gott mußte zu diesem Zwecke des Menschen Lebensdauer verkürzen. Vor dem Mabbul nämlich konnte bei einer Lebensdauer von vielen 100 Jahren, falls ein Geschlecht von Jugend on mit falschen Idealen heranwuchs, eine ihr folgende bessere Jugend nicht zur Geltung kommen. Nunmehr konnte Gott ein solches Geschlecht schnell Hinwegsterben lassen, damit ein besseres es abiisse. Der Vers 1, 8, 22: .Immer sollen alle Erdentage sein; Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht sollen nie feiern"» schildert, wie Gott seinen Plan zur Ausführung brachte. Eine völlige Aenderung der klimatischen sowie geologischen Erdoerhältnisse ging Hand in Hand mit der Verkürzung der menschlichen Lebensdauer, ja war die wesentlichste Ursache mit für ihr automatisches Eintreten. Nach Hirsch besteht nämlich Vers 1, 8. 22 aus 2 eoordtnierten Sätzen, getrennt durch das xfirunx auf pim» Das -7p am Anfang braucht nicht, wie Herr F. annimmt, ein Umstandswort zu fein, steht hier vielmehr als selbständiges Zeitwort, abgeleitet von tij? dauern, immer lein", der zweite Satz ist eine nähere Erläuterung des ersten. Auch die Ueberlieserung saßt die jetzigen. Jahreszeiten als erst nachfündflutliche Ordnung auf: vorher hat ewiger Frühling geherrscht, sodatz Rabbr jnna 12 Vxiöff die Schuld für seine rheumatischen Kopfschmerzen scherzend dem Tn zuschreiben konnie; auch hat es vordem keine Zeiklüftung des Kontinents durch Ozeane, Berge. Wüsteneien gegeben wie heute, sodatz man die Erde in kürzester Frist durchwandern konnte, ijn cftiyn yivv pbna i'N nVp nj?t2?V lüiv. Hiermit decken sich nebenbei auch die Ergebnisse der modernen Geologie. Wir verstehen daher den Vers solgendermotzen: alle Tages- und Jahreszeiten, alle Klima- und Temperaturdifferenzen sollen von nun an unaufhörlich einander ablösen, in den einzelnen Ländern im Nacheinander, und »nie feiern", d. h. gleichzeitig sein aus der ganzen Erde im Beieinander, indem unserem Tag» bei den

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