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Der Israelit · 1925-12-10 · Heft 50 (10.12.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 50 (10.12.1925)
Date
1925-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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VWf o w ^1IV Frankfurt a. M., den 10. Dezember 1925 2-1. Uislew 5086 Nr. 5« kii> Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. -tibunnemeiu ab Januar i)eutjd)lanO 1 l > rauet moaalltch; Anslaudi Bterlel» tahrvreise (entsprechend de« deutsche» Julandspiei; zuzüglich Kosten des Streifband-Berkandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.-.; Amerka 1 Dollar; England i sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 15 Fr.; Holland * ft.; Italien iO Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.50 Ltt.; Rumänien 800 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 5 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 85 Kronen; Ungarn 50000Kronen; Dänemark 5 Krone«; Norwegen 6 Kronen; Schweden 8.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Noldpfenntge $>ci Jötaelti erjdjetn |tOe ßoni.ecsta« liileiult li> iSolDpl. tu. >ti rtetun .ctvalune Nonoaretlle,Zeile Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Fqmtltenanzeigen nur 80 Pf. Die 75 mm breite Rekla«ezeile. legte Teruein l.8» M!.. vorletzt' Lerrsette i— Mt.; Ehiffregebühr in tzöbe. eineoopp. Fernbrief; ortos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm Preiserhöhung jeder». Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Berlag des Israeli» L. m b. Franks, a. M.. Tr. Eschenheimer Straße W. Tel. Hansa 5848 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped des In» und Auslands Alleinige Inseratenann. für Franks. >»»k»8ft«-an,eiaen Nu» S«bm dt Lang« st'ab- 7. ll. Platzvorschriften ohne Berbindlick ke üaylungen orrr" än ven Berlar auf Postjchechtont», Frankfar» »Maln- $U ltzdUN - Autzrrd» 'boMpurkaiU äim. »d. 7»^ «i ' '»oarlaNeuaart ivuvapen tztr lvutt Pofticheckkonro Warschau Nr1l0l57. — Postsch«ckami Zürich Nr. Vllr?454 — N-eaNn,Rant Roit«rd<rw PnOk^e^^m» 'NmNerNum Nr. Uni ndn-'Hmo ft-,-na U' 'n Bukarell — Fi ia r des Wiener Bankvereins in Aaram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpllibtungen ist Frankfurt a. M. An die Leser des «Israelit". Wiederholt iß aus uufexem ausländischen Leserkreis die Anregung ge'gcöe« worden, de» „Israelit" künftig nicht mehr in der deutschen Kraktur-Schrist, sondern in Antiqua (lateinische Schrift) zu setze«, damit es der zahlreichen, zwar der deutschen Sprache, aber nicht der deutschen Schrift kundigen jüngeren Generation in den außerdentschen Ländern leichter möglich ist, das Wlatt zu lesen. Wir möchten uns zu diesem an sich zeitgemäßen und notwendigen Schritt nur dann entschließen, wenn unsere deutschen Leser zum überwiegenden Ueil in dem Ilevergarrg von der ihnen lieb gewordenen Schrift zu der etwas kühler wirkenden Antiqua keine allzn schwere Gefühlsbelastung erblicken. Wir haben daher eine Aenilleton-Seite der heutigen Wummer in Antiqua Herstellen lasten und bitten hierdurch alle diejenigen Leser» die den Meöergang zur Antiqua entschieden mißbilligen, nns ihre Meinung durch Postkarte oder ILrief zu übermitteln. Je nach dem Ergebnis dieser Kolks «6stimmung werden wir dann nufere Entschließungen fasten. Irankfurt am Main. Schriftteitung und Merlag des „Israelit". «And nachher kamen Deine Söhne". P Was Ms Zentrum des Chanukkawunders auch sein nDg, ob es der Sieg der jüdischen ^Helden bei Modin oder das Wachsen des Lichtes im Tempel ist, wir sehen das Wunder aller Wunder in der im kurzen Chanukagebet berich e en Tatsache: „Und nachher kamen Deine ^Söhye —- —". v Seit hundert Jahren bald hatte eine fremde Kultur Eingang in jüdisches Gebiet und in jüdischen Geist gefunden. Mit dem hellenischen kleide, in das die Septuaginta zum erstenmal die jüdische Thora hüllte, f ng es an. Und das äußere Gewand wurde in der Folge innerer Lebensgehalt, schimmernd und bestrickend, in den hel.sten Farben leuch end. Wer anders als die vom Reiz der Neuheit und Schönheit immer geblendete Jugend sollte sich der neuen Bewegung zuwenden; wer anders als sie die alten, grauen Pergamente mit ihrem strengen, sreudeversagenden, lebenhemmenden Inhalte beiseite werfen und vol er Begeisterung nach dem Neuen und Schönen greifen? Kam noch hinzu der Druck von außen, die lln erbindung al er religiösen Lebensmöglichkeiten: Leid und Pein, Knechtung und Tod harrte eines jeden, der dem alten G'auben treu blieb. Jugend aber will leben, hat Anrecht auf Sonne und Freude. Der Hellenismus sammelt die Jünglinge auf fre'en, sonnigen Gefilden, wo sie sich der Schönheit des menschlichen Körpers freuen, die Muskelkraft straffen und steigern dürfen, in Ungebundenheit s'ch ausleben, austoben können. Die alten Rabbis wollen aber die jungen Gemüter in dumpfe Stuben zerren, bei düsteren Lehren und einem sonnenkargen Dasein. Was wäre da natürlicher, a's daß bte gesamte werdende Generation der Freude und der Freiheit nachsteuert und in den Lehrhäusern ein paar der Alten, dem Leben Entsagenden bei den Büchern lassen, die so grau und verstaubt sind wie diese selbst? War dem so? Schon während der schweren inneren Kämpfe vor Ausbruch des offenen Krieges hören wir von einem Greise, der in Modin als erster sich dem Götzenaltare nähert. Junge Kinder aber, Chanas tapfere Söhne, bewähren sich vor dem Königsthrone als Hüter ihres G'aubens und ihrer Treue gegen den einzigen Gott Israels, für die ihnen der Preis des jungen Lebens nicht zu hoch scheint. „Und nachher kamen Deine Söhne." Kaum hatte der unsterbliche Juda das Zeichen zum verzweifelten Kampfe gegeben, so war es die Jugend, die aus allen Verstecken und auf allen Wegen zu dem ebenfalls jugendlichen Heerführer strömte, die das Veste, sich selbst, für die Ehre ihres Gottes und seiner Lehren h'ngab. Wo kam sie her, dirse Jugend?! nt?« ^2 '»? Allein, sie r war da. Der Makkabäersieg war ein Sieg der jüdischen Jugend, der jüdischen Jugend nicht allein von damals. Die Jugend überdauert auch den Maktabäersieg und, eine Generation weiter, auch den Makkabäerruhm. Da hundert Jahre später al es von den Makkabäern mit dem Schwerte Erkämpf e und noch mehr dazu restlos zusammenbricht, ist in stiller Ecke eine neue Generation, mit dem jungen Weine wie aus dem Boden in Jabne gewachsen, die das Heiligste, das Lebenselement des jüdischen Vo.kes im Verborgenen hütet und für die Zukunft rettet, für spätere Jugend, die immer kommen wird nach jedem vermeintlichen Zusammenbruche. Keine Periode der jüdischen Geschichte, in der sich das ■pn i«a p in« 1 nicht vo! zogen hätte! Jüngere jüdische Menschen waren es, die aus der Höl^e der spanischen Inquisition nach Holland, England und anders wohin, gingen, um dort neue blühende Gemeinwesen zu gründen. Jünglinge waren es vorwiegend, die nach der Zerstörung des polnischen Judentums durch den Chmielnickeaufstand, nach seiner inneren Aushöhlung durch die Sabbatai Zwi-Bewegung sich auf der einen Seite in Polen um Rabbi Israel Baal Schein Tow scharten, daß er sie neu zu jüdischen Tiefen führe und auf der anderen Seite-in Litauen mit Wo losch in ein neues Kraftzentrum dem jüdischen Volke gaben. Und Teufe? Das Wunder leuchtet uns mit nie gekannter Kraft entgegen. Wohin wir auch in der jüdischen Welt b icken, überall stößt das Auge auf Jugend, die das jüdische Banner trägt, oder mindestens tragen will. In Deutschland, in Polen, in Palästina, überall sind es die Söhne, die sagen: „So geht es nicht wei'er" und sich dann rührig und rüstig an die Arbeit machen. Hundert Jahre, nachdem von Berlin die Parole ausgegangen ist: „Hie Welt, dort Judentum, hie Wissen dort Glauben!" hundert Jahre, nachdem im Osten die Aufklärung in der Form der Haskala alle alten Bastillen zu stürmen begann, erleben wir hie wie dort das Wunder, daß die Söhne kommen und Wege suchen, die zum al'en Juden'um führen. Suchen! Und darin liegt die Mahnung an unsere Führer und an alle, 'denen es ernst und heilig um die jüdische Zukunft ist. Viele, mehr, als man nach der letzten Entwicklung hoffen durfte, fanden die Wege zu uns. Allein, noch größer ist die Schar derer, die noch

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