Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1925)
- Date
- 1925-11-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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19. November 1925 ,’W$ Seite 2 Nr. 23 usw. nicht mit der modernen Kultur vertraut gemacht werden, so daß es gilt, dieser oft schädlichen Beeinflussung jenen jüdischen Geist, wie er uns entgegenleuchtet, entgegenzustellen und dadurch zu ermöglichen M nb mnn mabw nwrr Daß das notwendig ist, Haben ja auch unsere Großen im Osten erkannt, wenn sie der npsp r>'2-Bewegung, die für die Mädchen des Ostens ja ein gleiches Ziel anstrebt, ihren Schutz und ihre Förderung gewähren. Daß es sich bei den Mädchen um eine Ausbildung des jüdischen Gemütes in erster Reihe handelt, und daß das Judentum uns hiefü als unnachahmliches Mittel vor allem weist, braucht nur angedeutet zu werden. Daß mit den Mädchen später bw* speziell die für die jüdische Führung des Hauses notwendigen, durch geeignete Lehrkräfte gelernt werden, daß ein Besprechen der imo ober der jvqx 'piv' eine Lektüre der historischen Schriften empfehlenswert ist, sind auch Selbstverständlichkeiten. Daß man in den Hamburger Mädchenkreisen auf das Studium der hebräischen Grammatik, mit dem Ziel, die Mädchen zu selbständiger Lektüre zu befähigen, besondern Wert legt, soll hier noch registriert werden. Daß auch Kurse in jüdischer Geschichte und Literatur, von besonders sorgfältig ausgesuchten Lehrkräften abgehalien, in den Mädchengruppen nur nützen können, sei mit dem ausdrücklichen Hinweis konstatiert, daß 'für die Knaben alle diese oft gewiß interessanten und lehrreichen Darbietungen das gründliche „Lernen vom Blatt" nicht ersetzen können. (Fortsetzung folgt.) Die Arbeit auf dem Lande. Referat, dem Würzburger Bundestag der A. I. I. O. Deutschlands erstattet am 4. August 1925. Von Max Gukmann in Nürnberg. (Schluß.) War es vielleicht auch möglich, daß z. B. den Taneisickl eine mehr als untergeordnete Bedeutung eingeräumt wird und dadurch der Jugend auch der historische Sinn des Verwachsenseins des jüdischen Volkes mit seinem Gott verloren geht? Ist etwa das jüdisches Leben, wenn Schabbos und Jomtow sich nur im Essen und Trinken zeigen, wenn man z. B. an den Freitagabenden im Winter den wundervollen Zauber dieser Stunden nicht mehr mitfühlen kann, weil der heutige Geist im Elternhaus nicht mehr jüdisch genug ist, um die Kinder fesseln zu können, so daß sie vielfach lieber in nichtjüdischer Gesellschaft am Biertisch ihre Unterhaltung suchen, anstatt nach alter, schöner Sitte z. B. aus dem Zeeno ureno vorzulesen, ein Stückchen zu lernen und gemeinsam Semiraus zu singen? — Will man denn wirklich so wenig darauf bedacht sein, daß man an den Jomim nauroim, die doch selbst die Gleichgültigen in ihren Bann zaubern, heute so häufig ohne Sargenes sich zur Tefilloh versammelt; gab und gäbe dies nicht diesen Tagen auch in der Gemeinde erst den würdigen, der hohen Heiligkeit entsprechenden Ausdruck? Durfte im jüdischen Hause etwa die Suttoh fehlen und es mag ein. bezauberndes Bild gewesen sein, wenn an den Straßen, in den Höfen die hölzernen- Hütten auch der Außenwelt Kunde brachten, daß hier eine glaubensstolzh jüdische Gemeinde ihr Sukkosfest feiert? War das nicht kidusch haschem — Heiligung des göttlichen Namens vor der breitesten Öffentlichkeit? Der I s r a e l1 t __ Blätter_ Fürwahr, m. D. u. H., unsereländlichen Gemeinden sind arm, bitter arm geworden an jüdischen Werten, wenn wir den jüdischen Wert einer Gemeinde immer noch nach ihrer Beziehung züm jüdischen Gesetz, zur Tauroh, bemessen. Und diese Tauroh — trotz aller Neformbestrebüngen — wieder zum Herzstück allen jüdischen Lebens zu machen, das, m. w. D. u. H., ist nicht etwa eine Aufgabe des Zeitvertreibs, die sich die gesetzestreue Jugend stellt, sondern vielmehr der Ausdruck höchsten Verantwortungsbewußtseins für die Zukunft, der Beweis einer nach göttlicher Wahrheit und menschlicher Pflichterfüllung hinstredenden jungen jüdischen Generation. Wenn wir daher, trotz unserer eigenen unzulänglichen Kräfte es wagen, in die Gemeinden hinauszutreten um dort fiir Tauroh und Emuno zu wirken: um dort die jüdischen Menschen zu gemeinsamem Schaffen im Dienste Gottes zu ermuntern: um das Band der Zusammengehörigkeit enger zu schließen; um in ihnen den Glauben an die unversiegbare Kraft des unserem Volke für alle Zeiten gegebenen Sinaigesetzes zu stärken, dann sind wir uns sehr wohl bewußt, daß wir zunächst nur als Pioniere das Gelände draußen erkunden können, auf dem die Saat altjüdischen, unverfälschten Lebens ausgehen soll: daß wir dem Ganzen vorläufig nur eine greifbare äußere Form und Hülle geben können, in die der Inhalt sich später ergießen soll und daß wir dabei nur beobachten wollen, ob diese Hülle, diese Schale auch fest genug sei, den Kern zu umschließen und zu schützen. Und diese Arbeit erblicken wir in der organisatorischen Zusammenfassung der Jugend in Orts- und Ing endgruppen. Wer den Sinn und Zweck einer solchen Gruppe so aufsatzt, daß sie nichts anderes darstellen soll und darf als den organisierten Willen junger jüdischer Menschen zu wahrer jüdischer Arbeit, daß diese Gruppen kein anderes Ziel verfolgen sollen und dürfen als das abgestorbene Gemeindeleben auf dem Lande mit neuen Säften zu durchtränken, um es zu neuer Blüte zu entfalten, der wird unsere Beobachtung freudig zu Notiz nehmen, daß mit der Gründung solcher Gruppen in vielen Fällen ein geradezu glücklicher Wendepunkt in der Geschichte dieser Gemeinden eingetreten ist. Und es wäre ein Akt der Selbstüberhebung, würden wir nicht auch bei dieser Gelegenheit der treuen Mitarbeit vieler Rabbiner, Lehrer und Vorstände gedenken; denn diese drei Faktoren sind es ja, die kraft ihrer Stellung und Einwirkung ein ersprießliches und dauerndes Schaffen fördern und erst ermöglichen können. Meine Damen und Herren, es nützen alle feierlichen Gruppengründungen nichts, wenn der Gruppenführer fehlt; es nützen alle Hilfsmittel nichts, wenn der Lehrer als der geistige Führer seiner Dorfgemeinde uns seine Unterstützung nicht gewährt. Wer soll denn sonst unser Lernprogramm ausnehmen und durchführen; wer soll unseren Freunden draußen und den übrigen interessierten Gemeindeangehörigen z. B. die wöchentliche Sidroh mit Raschi durchnehmen. wer soll ihnen die besonders dringenden Dinim erklären (für Jungens über Tefillin, Schabbos und Jomtow, über die Bestimmungen beim Handel ufw. .für Mädels über die besonderen Vorschriften der jüdischen Frau in Küche und Haus usw.); wer soll ihnen die Bedeutung der Piutim und Tefillaus fürdie Jomim tauwim zergliedern; wer soll ihr Interesse 'für die jüdische Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart erwecken, wenn nicht in den meisten Fällen der Gemeindelehrer die Gruppe in diesem Sinne leitet und erzieht? Und wenn auch die in der Umcjegend gelegenen Städtegruppen die Pflicht haben, die Arbeit auf dem Lande durch häufigen Besuchs durch Veranstaltung von Vortrags- und Diskussiönsabenden, durch persönliche Anfreundung zu fördern und neuen Stoff zur Anregung mit hinauszubringen, so kann die einheitliche und stetige Zielverfolgung nur dadurch wirklich gewährleistet werden, wenn unsere Iugendorganisalion in V e z i r k s v e r b ä n d e eingeteilt wird. und wenn jeder Bezirk feinen hauptamtlich angestellten Bezirkssekretär erhält. — Wir müssen dafür sorgen, daß die vielen Zrverggemeinden Wan der l e h r e r erhalten; denn es mag uns trostlos genug erscheinen, wenn wir von entlegenen Orten Nachrichten erhalten, Abhilfe zu schaffen; daß seit' Jahren jüdische Kinder ohne jeglichen Religionsunterricht aufwachsen, daß die Beschaffung von Koscherfleisch wenn nicht ganz unmöglich, so doch mit den allergrößten Schwierigkeiten verbunden ist, ganz zu schweigen von einem geregelten gemeinsamen Gottesdienst usf. — Wir sehen es auch als eine Ehrenpflicht an, den Landgemeinden für Rausch haschonoh und Jomkippur unter sachkundiger Leitung ausgebildete H i l f s ch ä s o n i m zur Verfügung zu stellen (so war es uns in Bayern beispielsweise im vorigen Jahr möglich 13 solche Hilfskräfte auf 9 Gemeinden zu verteilen). — Um den äußeren Zusammenhang und die Fühlungnahme unter den Gruppen zu ermöglichen, brauchen wir eine geschickt redigierte Presse, schon deswegen, um für jüdische Vorgänge innerhalb und außerhalb Deutschlands das Interesse zu heben und zwar in einer Form, wie es der schlichte und einfache Sinn der jüdischen Landbevölkerung erfordert. Diese Presse muß auch durch Aufnahme von Berichten den Wetteifer unter den Gruppen fördern, und der gesamten jüdischen Außenwelt Kunde geben, daß die gesetzestreue Judenheit Deutschlands in Stadt und Land noch lebt, und den unbeugsamen Willen durch Tatbereitschaft erneut bekundet, für ihr altes Ideal mit allen Kräften zu wirken. (Vielleicht darf ich dabei als Musterbeispiel den „Jüdischen Volksboten" in Erinnerung bringen, der vor dem Kriege von der „Freien Vereinigung" zur Pflege ländlicher Wohlfahrt herausgegeben wurde und natürlich entsprechend den heutigen Verhältnissen erweitert und ausgestaltet werden müßte). Und wenn ich schließlich noch ein letztes erwähnen darf, das ganz bestimmt geeignet erscheint und absolut nicht überflüssig ist als eines der wichtigsten Hilfsmittel zur Hebung jüdischen Lebens genannt zu werden, so ist es m. E. die Geselligkeit, die Pflege einer gediegenen Geselligkeit. Sie muß 'die Vermittlerin treuester Kameradschaft werden und wahrhaft ehrliche Freundesgesinnung zum Ausdruck bringen. Was nützt es. wenn zu diesem Zwecke Wanderungen, Bezirkstrefsahrten veranstaltet werden und beispielsweise 10 Gruppen daran teilnehmen und jede Gruppe dann für sich bleibt, ohne eine nähere Anfreundung zu den anderen gefunden zu haben, aus Gründen,, die oft mancherlei Art sind. Aber eines müssen wir besonders betonen: es gibt bei uns keinen Posischeck-Konlen: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg Nr. 24753 (P. Sch, A. Hamburg). Keren Hatorah-Kdmmissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a. M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch.,A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr. 50131 (P. ScU. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat -Leipzig Nr. 7014? {?. Sek. A. Leipzig) -; Keren Hatoraih-Koinmissariat Berlin, P. Schl A. Berlin Nr. 12594 für Abraham Rzeszewski. . , Keren Hatörah-Kommssariat Breslau, P. Sch. A. Brejslau Nr. 60510 für Iwan Möller. Keren Hamburg;?. Sch. Ai1 Nr. 40953 für Dr. Julius Baer