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Der Israelit · 1925-11-19 · Heft 47 (19.11.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 47 (19.11.1925)
Date
1925-11-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«Sette 6 Nr. 47 Der 5 * t o e l t t 19. November ly^ kehrten ist sehr schlimm. Bemerkenswert ist die große Bewegung für Landansiedlung der Juden, die von der Jca und dem Joint unterstützt wird. Die Jea hat ihre Tätigkeit wieder ausgenommen und in den Distrikten Cherson, Jekaterinoslaw und Mariupol neuen Familien zur Ansiedlung auf dem Lande verholfen. Der Bericht schließt: Seit dem Waffenstillstand beschränkt sich das Erziehungswerk der Alliance in Persien auf 3 Schulen in Teheran, Jspahan und Hamadan. Im vorigen Jahre wurde eine neue Schule in Kirmandschah, in diesem Jahre in Seneh eröffnet. Die Fachschulen in Damaskus, Aleppo, Haifa und Smyrna, die während des Krieges geschlossen waren, sind jetzt wieder in Tätigkeit. Ebenso die Fachschule in Tunis. Im vorigen Jahre leistete die Alliance den Juden in Rußland Hilfe, in Ungarn und Polen wurden philanrropische Institute errichtet. Luigi Luzzatti Ehrenvorsitzender des Kongresses zur Bekämpfung der Religionsläsierung. Rom, 3. November. Unter dem Patronat der italienischen Königin und unter Billigung des Papstes findet gegenwärtig in Rom ein Kongreß zur Bekämpfung von Religionslästerung statt, welchem Vertreter fast aller europäischen Staaten beiwohnen. Zum Ehrenvorsitzenden des Kongresses wurde Senator Luigi Luzzatti gewählt, der seit Jahren in Italien eine Kampagne zur Vertiefung des religiösen und ethischen Gefühls unter den breiten Massen der Bevölkerung führt.. Von den drei anderen Vorsitzenden sind zwei Juden: Senator Montresor und Commandatore Leoi. Amerika. Vereinigte Front der orthodoren Juden Amerikas. N e w y o r k, 28. Okt. Auf der 27. Jahresversammlung der Union der orthodoxen jüdischen Kongregationen Amerikas, der mehrere hundert Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten beiwohnten, wurde die Vereinigung der orthodoxen Kongregationen mit der Union der orthodoxen Rabbiner (Agudas Harabonim) vollzogen und insbesondere eine Zusammenarbeit zwecks Wahrung der jüdischen religiösen Interessen mit Bezug auf rituelle Aufsicht in der Fleische und Lebensmittelbranche ufw. beschlossen. Anläßlich des Jubiläums des 150jährigen Bestehens der amerikanischen Unabhängigkeit schenkte die Union der Stadt New Dort eine „Freiheitsglocke", die die hebräische Inschrift trägt: „U'krathem Dror Baaretz l'chal Ioschweah". (Verkündet die Freiheit im Lande für alle seine Einwohner.) — Dr. Goldstein hielt ein Referat über die Sicherung der Sabbatruhe für die gesetzestreuen Juden und berichtete, daß mit mehreren Privatfirmen bereits Verträge betreffs einer fünftägigen Arbeitswoche abgeschlossen wurden. Er beantragte die Erlassung eines Aufrufs an die jüdischen Mitbürger, an den Sabbattagen keine Einkäufe zu machen. Zum Schluß wurde die schon telegraphisch mitgeteilte Resolution angenommen, in welcher die 15 Millionen Dollar-Kampagne des Joint begrüßt und gefordert wird, daß man es bei der russischen Regierung durchsetzen möge, daß die jüdisch-religiösen Einrichtungen und Schulen nicht angetastet werden. Der amerikanisch-jüdische Kongreß. Philadelphia, 26. Okt. Ueber die Tagung des Kongresses der amerikanischen Juden, der am 26. Oktober in Philadelphia begann, ist zu berichten: Der Präsident des Kongresses, Rabbiner Dr. Stephen S. W i s e, leitete die Tagung mit einer Ansprache ein, in der er die Lage der Juden in den einzelnen Ländern schilderte. Der Präsident des jüdischen Klubs in Polen, Abg. Dr. Leon Reich, gab einen Ueberblick über die Lage der Juden in Polen und sagte, die polnische Verfassung sei eine freiheitliche und gute, nur müsse man darauf achten, daß sie befolgt wird. Rabbi Moses R o - s e n b l a t t (Kiew) übermittelte dem Kongreß die Grüße der ukrainischen Juden. Hierauf wurden zahlreiche Begrüßungen von jüdischen Organisationen Amerikas und Europas verlesen. Nach einem Referat von Frau Anita Müller- Cohen (Wien) über die allgemeine Lage der Juden in Europa referierte. Mr. Vernarb G. Richards über die Arbeit des Kongresses zur Sicherung der jüdischen Rechts in verschiedenen Ländern der Welt. In Deutschland, Rumänien, Griechenland, Litauen, Ungarn und Polen hat sich der Kongreß in den letzten zwei Jahren für jüdische Interessen eingesetzt. In den Vereinigten Staaten hat die Leitung des Kongresses viel zur Bekämpfung der antisemitischen Propaganda getan. —- Mr. Marvin L o e w e nt h a l, der Vertreter des amerikanisch-jüdischen Kongresses in Genf, hielt ein Referat über die Minderheitsrechte der Juden in verschiedenen Ländern Europas. In elf europäischen Staaten sind die Rechte der Juden in Minderheitsverträgen wahrgenommen, aber der wirkliche Schutz dieser Rechte hängt vom Einfluß des Völkerbundes ab. — Dr. Manley O. Hudson, Professor des Internationalen Rechtes an der Harvard-Universität, sagte in seiner Ansprache auf dem Kongreß, die jüdische Frage in Osteuropa sei eines der großen Friedensprobleme und der Völkerbund muß und wird die jüdischen Minderheitsrechte schützen Die Zukunft des Weltfriedens hängt von der gerechten Behandlung der Minderheiten ab. Zum Schluß der Tagung nahm der Kongreß mehrere Beschlüsse an. ftalSftftm. Araberstreik in Palästina am Valsour-Tag. Jerusalem, 3. November. Für den 2. November, den achten Jahrestag der Verkündigung der Balfour-Deklaration, hatte die palästinensisch-arabische Exekutive für ganz Palästina den Generalstreik proklamiert. In Jerusalem und in allen Teilen des Landes wurden Proklamationen verbreitet, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde. an biejem Tage die Arbeit ruhen zu lassen, die Geschäfte zu schließen und sich in den Moscheen und Kirchen zu versammeln. Diese Proklamation der arabischen Exekutive wurde nur zu einem kleinen Teil befolgt. In Jerusalem waren, am 2. November nur wenige arabische Geschäfte geschlossen, der Großteil der Araber ging seinen gewöhnlichen Beschäftigung nach. In den Kirchen und Moscheen waren mohammedanische und christliche Araber versammelt; dort wurden Gebete um die Annullierung der Balfour-Deklaration verrichtet. Sonst verlief der Tag im ganzen Lande ruhig; es ereigneten sich keinerlei Zwischenfälle. Die jüdischen Verluste in Damaskus. Jerusalem, 5. November. Ueber die jüdischen Verluste während des Aufstandes und des Bombardements von Damaskus sind hier authentische Mitteilungen eingetroffen. Etwa zehn jüdische Häuser wurden während der Kämpfe niedergebrannt oder durch Flugzeugbomben zerstört, wodurch ungefähr 30 Familien obdachlos wurden. Das jüdische Viertel mutz 00 Gewehre abliefern, außerdem müssen die Einwohner im Shagourviertel, wo die Unruhen begonnen hatten, 30 Gewehre abliefern. Es verlautet, daß die jüdische Gemeinde in Damaskus einen erheblichen Teil der der Stadt Damaskus auferlegten Kontribution von 100 000 Pfund wird leisten müssen. Oberrabbiner Tajir hat eine Eingabe an die Behörden gerichtet, in der er die Erlassung des der jüdischen Gemeinde aufzuerlegenden Teils der Kontributionssumme fordert, da erwiesen ist, daß die Juden keinerlei Schuld an der Organisierung des Aufstandes tragen. Die syrisch-französischen Kämpfe und Palästina. Jerusalem, 6. November. Die syrischen Rebellen gingen in der Nähe der Palästina-Grenze zum Angriff auf die französischen Truppen über. Es fanden erbitterte Kämpfe an den Abhängen der Berge Hermon und El Kuncitra statt. Die Rebellen zerstörten das Geleise der Hedschas-Ersenbahn, die vom Süden nach Damaskus führt. Offenbar planen die Drusen einen neuen Ueberfall auf Damaskus. Die Franzosen holten Verstärkungen aus Beirut nach Damaskus heran. (Der in der Bibel oft erwähnte Berg Hermon bildete einen nördlichen Grenzpunkt des alten Israel und ist gleich El Kuneitra nur ein paar Meilen von Metullah, der nördlichsten Siedlung Palästinas, gelegen.) Weiter wird berichtet: Die syrischen Rebellen haben in den von ihnen okkupierten Gebieten provisorische Selbstverwaltungen errichtet. Der Aufstand dehnt rapide aus, von Nord und Süd ist jeder Verkehr mit Damaskus unterbunden. Stadt und Distrikt Honig jy, Norden sind ganz in den Händen der Insurgenten. Süden ist der Eisenbahnverkehr zwischen Haifa und Dgmaskus unterbrochen, weil die Rebellen die Hedfchaz- Linie an mehreren Orten zerstört haben. Flüchtlinge, die aus Beirut in Jerusalem emtrasen, teilen mit, daß zwischen Beirut und Damaskus langwierige erbitterte Kämpfe zwischen Rebellen und französischen Truppen stattfinden. — In dem vom Augenverkehr abgeschnittenen Damaskus herrscht. Friedhoß- Ruhe. Die Geschäfte sind geschlossen, die Einwohner flüchten, wo sie Gelegenheit dazu haben. Syrische Rebellen nähern sich dem Grenzgebiet de; Libanon. Die Lage der Landwirtschaft in Palästina. Jerusalem, 1. November. Die Regenoerhältnisse im abgelausenen Jahre waren nicht gerade günstig. Die Feldfrucht verkümmerte an vielen Stellen der Jordanebene und am östlichen Teile von Emek Jsreel. Die Gersteernte war minimal, der Weizen siel etwas besser aus, blieb aber auch hinter dem normalen Stande. Die Mandel- und Weinernte blieb ebenfalls weit hinter den Erwartungen zurück. M Olivenernte verspricht leider noch schlechter zu werde». In den Orangerien ist mit einem Ausfall von 30 bis 40 Prozent gegen das Vorjahr zu rechnen. Trotzdem kan» die Lage der Landwirte nicht als durchaus schlecht geschildert werden, was der Besserung des Marktes in Palästina und des Auslandsmarktes. für Palästinaproduktk zu verdanken ist. Die Lage der Plantagenbesitzer hat sich wesentlich gebessert. Die Marktpreise in England sind gut, und dementsprechend wird in den Orangerien mit Liebe und Sorgfalt gearbeitet, um immer bessere Ausbeute zu erzielen. Es entstehen auch überall neue Plantagen. Auch die Winzer.hatten nach Jahren des Stillstände; guten Absatz. Die Preise von Palästinamandeln besserten sich ebenfalls. Der Wein-k und Mandelbau hat daher eine größere Ausbreitung erfahren. Es fehlt leider an Heu und anderem Futter, worunter die Viehzucht stark leidet. Die Milchwirtschaft kann daher! nicht hoch kommen. Schlecht bestellt ist es mit dem Tabakbau. Die Ernte des vorigen Jahres ist noch nicht verkauft, und mm kommt schon die neue Ernte hinzu, die sogar gut geraten ist. Man hofft, daß hier nur Uebergängsstörungen den Markt beeinflussen und daß sie bald überwunden sein werden. Unter den Kleinbauern klagen sehr die Geflügelzüchter. Besser ist die Lage der Imker, am besten daran sind die Gärtner, die Blumen, Setzlinge oder Edelobst züchten. I Im allgemeinen ergibt sich folgendes Bild: In de»! Kolonien S ü d j u d ä a s hat sich die Lage überall ge-| bessert. Im Norden, wie Petach Tikwah und Uni-I gebung, bessern sich die Verhältnisse mit jedem Jahre.! Die Lage der Kleinkolonisatton ist wenig erfreulich Die! Anstrengungen der Kleinbesitzer (5 bis 10 Dunamjl zwingen uns höchste Anerkennung ab, aber es werde» I noch Jahrzehnte dahingehen, bis Erez Israel für foldiej Kleinunternehmungen rentabel wird.! Weniger gut ist dis Lage in der Umgebung Jerusalems. Jn Samaria dagegen stehen die Dingej recht gut. Chedera dürfte heute die. reichste Kolonie, im ganzen Lande sein, aber auch Sichron Jakob und G a n S ch m u e l haben nicht zu klagen. Im Emek Jsreel ist mit Rücksicht auf die Jugend der Ansiedlungen die Entwicklung befriedigend. Die Leiden der Wrrdejahre sind noch nicht überwunden, aber überall ist guter Fortschritt zu verzeichnen. Am meisten gelitten unter dem Regenmangel haben die Kolonien im Jordantal, aber sie stehen vor einer guten Zukunst. In Untergaliläa hat sich die bis dahin Mchte Lage etwas gebessert. Ob auch das obere Galiläa ,si>m Leben erwachen wird? Es hängt dieses zum guten Teile von der Anlegung guter Wege ab. Alles in allem kann dis Lage als gut und vielversprechend für die Zukunft dahingestellt werden. (Nach „Doar Hajom,,.)

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