Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1925)
- Date
- 1925-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19. Novemver 1925 digung der Gottesebenbildlichkeit Der ganzen Welt" und seine Unterscheidung Zwischen Erbsünde und Erbschuld Cr"’ -vm bp 1’öj?> Auch zu der ältesten Frage der Soziologie, ob nämlich der Mensch ursprünglich eine „vernünftige Bestie" gewesen, greift die Thora nach Klein entscheidend ein, indem sie uns ha 'N'i nnx nsp pxn von der Einheit der Menschen berichtet, die solange bestanden habe, bis nv/ uh sie von der Ruhmsucht Einzelner zerstört wurde. (h"d)- Dieses leider nur zu aktuelle Problem von der Einigung der Menschheit sehen wir unter der Ueberschrift nanhan nanha „Krieg dem Kriege!" von Klein nochmals zu Psalm 45-46 abgehandelt (a"aa)- Was dort gesagt ist, genügt allein, um die. wirkliche Stellung des Judentums zum Militarismus besser zu beleuchten als . alle hämischen Anwürfe, die wir, für die falsche Begeisterung der Kriegshomileten gestraft, sonst von allen Seiten erdulden. Selten ist die unantastbare Würde des nur geistig bewehrten Volkes in klareres Licht gerückt worden.. Kennzeichnend für dieses. Kabinettstück Kieinscher Auslegungskunst im besten Sinne ist der Satz: hx“w nianha hai rmiK hip pi 'vt jsua 'aha tui ’-naxi prra tü anay nnn nxyai inp “pna zm ,i2wrri.n nanha ayh .'ohiy uv'X O'ajrn pa np oyh mpa jnr übv m«in ha n^ui ntppaah sh iwrri 'aa pi jraru ."h'N iirx a'hVa^i v'n.n a'iia^ nwp" larrn Tr Zum .vielbenutzten und oft mißdeuteten Ausspruche/iai'hniV ipph« n na hnnv nn^i sehen wir einen ebenso neuen wie lebenswahren Kommentar in Kleins Heranziehung des Gedankens von (V'bp) '1 NUN' n-218— Die vielen Schönheiten und Erhabenheiten des anschließenden Kommentars zu den Psalmen, den wir schon zitierten, müssen, um den Rahmen der Besprechung nicht zu überschreiten, einer besonderen Abhandlung Vorbehalten bleiben; dagegen muß hervorgehoben werden, daß die im Dauresch tauw 1918 erschienene und im vorliegenden Werke wiederholte „Einführung zu Job" die einzige vbn jüdisch-orthodoxer Seite biher verfaßte'ist, zugleich überhaupt als einzige das Kernproblem des Buches Job behandelt. Was in diesem Zusammenhänge über den letzten, den halachischen Teil des Werkes geäußert werden darf, kann selbstredend nicht sich auf die Inhalte der Themen, sondern nur auf die Weise ihrer Darbietung beziehen. Und diese kennzeichnet sich wohl am besten, wenn wir sie als sowohl zugänglich für den laienhaften Amateurtalmudisten wie auch aufschlußreich und anregend für N"N bezeichnen. Dgs Urteil einiger von den letzteren hatte ich die Ehre einzuholen. Dies alles bezieht Der Israelit sich vor allem auf die Themen all und Duna p'V 'Mhv (a"ö*i und Es drängt sich, zum Schluffe dieser ganzen Lektüre, dem Leser ein Vergleich des Kleinschen Buches mit gewissen, immer noch in Massen erscheinenden Erzeugnissen modern sein sollender Exegese auf. In jener zünftig gelehrten Literatur ist es Methode, mit langen Sachregistern, breiten arabistischen und syristischen Exkursionen, sechsfachem Typensatze mehrerer Sprachen und vagen Hypothesen zu jonglieren, um am Ende zu Resultaten zu kommen, die dem Bibeltexte nicht gerechter werden als irgend ein Drasch wandernder Chevromaggidim; hier aber ist die Form der populärsten Homilie gewählt, um aus dem Gottesworte Gedanken erhabener Größe zu schöpfen und seinem Texte Rüancen abzulauschen, die uns erst den wahren Sinn der Thora ahnen lassen. Dort sehen wir gelehrtenmantelbehangene Gedankenarmut; hier anspruchslose, doch ästhetische Macht und Weihe des Geistes. Dr. B. C. Wochenrundschau. Die Volksabstimmung in Erez Jisroel. Bereits im Nachrichtenteil der letzten Nummer konnten wir die überraschende Mitteilung veröffentlichen, daß der palästinensische Misrachi unmittelbar vor dem Tage, an dem die von ihm gebieterisch verlangte Volksabstimmung über das Frauenwahlrecht stattfinden sollte, seine Forderung zurückgezogen und sein Desinteressemerst an der ganzen Volksabstimmung erklärt hat. Weitere Nachrichten aus Erez Jisroel sagen, daß zwei Tage vorher auch die dem Oberrabbinat ungehörigen sechs Dajanim, die Herren Rabbiner Frank, Hurwitz, Rom, Minzberg, Bernstein und R u b i n ft e i n die Politik des Schweigens aufzugeben sich gezwungen sahen und in einem Sonderaufruf sowohl das a k - tive und passive Frauenwahlrecht als die Beteiligung an der Volksabstimmung im Namen des Din Thauro verboten. Somit blieb als zweifelhafter Kronzeuge für den isolierten Standpunkt des Misrachi nur noch das Schweigen der beiden Oberrabbiner selbst, der Herren Rabbiner Kook und Jaakauw Meir übrig. Dieses Schweigen allein scheint nun doch nicht ausgereicht zu haben, um dem Misrachi die Nr. 47 Seile 3 Hoffnung auf irgend einen halbwegs anständigen Stimmenerfolg übrig zu lassen. Nichtsdestoweniger hat der Misrachi noch immer den erstaunlichen Mut aufgebracht, in offener Auflehnung gegen die Entscheidung des von ihm selbst als maßgebende Autorität anerkannten Oberrabbinates, das Frauenwahlrecht selbst auch jetzt wieder als erlaubt und die Beteiligung an der Wahl als empfehlenswert zu erklären. Jeder Kommentar hierzu ist überflüssig. Wenn sich der „Israelit" oder irgend ein anderes auf gleichem Standpunkt stehendes Organ der öffentlichen Meinung gestattet, an der Taktik des Oberrabbinats zu Jerusalem die leiseste Kritik zu üben, pflegt die dem „Misrachi" nahestehende Presse das als nurin aiaaa was hinzustellen. Wie läßt es sich nun rechtfertigen, daß dieselben Leute, die den Oberrabbiner jahraus jahrein als berufenen Führer des ganzen Judentums verherrlichen, diesen selben Oberrabbiner Kook zusammen mit seinen sechs Dajanim als Luft behandeln und über deren religiöse Entscheidungen einfach zur Tagesordnung übergehen? Es scheint, daß man auf den Misrachi nachgerade das Wort anwenden muß, das vor Zeiten die Politik der Preußischen Junker kennzeichnete: „Und der König absolut, wenn er unsern Willen tut." Judenentrechtung und Einmischung. Än Ungarn sind die Anstrengungen des Auslandes zur Abstellung des an den ungarischen Ur.ire.si ä en bestehenden Numerus clausus für Juden nicht gerade mit dankbarer Begeisterung ausgenommen worden. Der Landesverband der ungarischen Juden hat sogar offene Stellung gegen den Board of Deputies in London genommen, der so etwas wie eine diplomatische Ak ion gegen die akademische Entrechtung der Juden in Ungarn einzulci en gedenkt. A:c^ eine öffentliche Protest v e r s a tu nt l u n g t|t von jüdischer . Seite in Budapest gegen dieses Unternehmen geplant oder auch berei s zustande gekommen. Das scheint uns ein wenig zu viel des Eifers. Das formale Recht des Auslandes, in diese Sache einzugreifen, ist durch den Minoritätspakt gegeben, für dessen Einhaltung in Ungarn, wie in den anderen kleinen Staaten, die Alliierten eine gewisse M'tverantwortung übernommen haben. Trotzdem ist das Unbehagen im jüdischen Ungarn begreif ich, solange man dort nicht die Hoffnung aufgegeben hat. sich alle nationalen und religiösen Rechte selbst auf legislativem Wege ohne Hilfe und Zutun von außen zu hatte» der Stein aber mit großer Wucht aus einer gewissen Entfernung geflogen kam» so kann der Jude den Stein nicht gewo-fen haben. Auf der anderen Seite aber steht es fest, daß der Stein nicht dem Auslageenster gegolten hatte, sondern dem Kopse des Juden. Er hatte aber den Kopf jm letzten Momente abgewandt und dadurch den Stein von sich aus das Fenster abgelenkt. Also hat er indirekt den Schaden verursacht und hat ihn zu ersetzen.- Da der ahnungslose Jude aus der Provin; nicht soviel besaß, um die große teuere Auslngescheibe zu ersetzen, kam er wieder ins Gefängns, und wenn die Bolschewisten bei der großen Revolution nicht, wie anderswo, auch dieses Gefängnis gesprengt haben, dann sitzt er deute noch ... Kommen, solche Geschichten nur in Kiew vor?... (Jüdische Statistik.) Von den in Berlin unter der vchristleitung der Herren: Pros. Brutzkus, Jakob Lestschinsky, Dr. Jakob Segall herausgegebenen Blättern für Demographie, Statistik und Wirtschaftskunde der Juden, ist soeben ein fünftes Heft mit einem sehr reichen und interessanten Inhalt erschienen. Das Heft bringt u. a. folgende Abhandlungen und Notizen: Jakob Leshchinsky: Die Gesamtzahl der Duden auf der Erde. Prof. Brutzkus: Die jüdische Landwirtschaft in Europa. Dr. R. Becker: Das jüdische Rassenproblem. I. Korälnik: Die jüdischen Studenten in Europa in der Nachkriegszeit. Jakob Lestichinfky: Wirtschaftlicher Zerfall des ost-europäischen Judentums, I. Minzin: Jüdische Handel- und Industriebevölkeruya Litauens. Dp. N. I- Gutmann, München: Die Kfaykyeiten der Juden. E. Frenk: Zur Geschichte »er jüdischen Kolonisation in Polen. Jüdische Millionäre m den Bereinigten Staaten; Jüdischer Bodenbesitz in -polen; Anteil de Juden tun Boden Palästinas; Jüdische industrielle Unternehmungen in Lettland; Anteil der Juden an der zaristischen und an der bolschewistischen Wehrmacht; Anteil der Juden an den Sowjeten in der Ukraine und Weißrußland; Jüdische Dozenten an den Hochschulen in Odessa; Die Zahl der Juden in Polen, in Kanada, Wien, Amsterdam, Cernowice, Marokko, Danzig u. a. (Der babylonische und der jüdische Sabbat.) In Nr. 44 unseres Blattes äußerte ein württembergismer Leser seinen Unwillen über einen im Stuttgarer jüdischen Lokalblatt erschienenen Aufsatz des Stadtrabbiners Dr. R i e g e r, worin dieser den Schabbos aus dem babylonischen „Schubtu" hergeleitet, und dabei erklärt habe, die herkömmliche Erklärung der Sabbatseier aus dem Ruhen des Schöpfers am 7. Tage sei abzulehnen. Hierzu schreibt uns Herr Stadtrabbiner Rieger folgendes: „Die Besprechung meines kleinen Aufsatzes über die Sabbatidee in Nr. 44 Ihrer Zeitung geht mir heute zu. Der Aufsatz ist ein Auszug aus einem Vortraae, den ich über die Sabbatidee gehalten habe. Es ist mir ganz und gar nicht eingefallen, den biblischen Sabbat mit dem babylonischen zu vergleichen. Ich habe lediglich das Wort sprachlich mit dem babylonischen schubtu verglichen. Statt der herkömn lichen Erklärung, daß der Sabbat zu feiern ist, „weil" Gort am siebenten Tage geruht hat, bin ich für die Uebersetzung esngetreten, daß er zu feiern sei, „gleich wie" Gott am siebenten Tag geruht hat, indem ich -o für ein erweitertes '= erklärt habe (vergl b statt bx u. dgl.). Ich lege Ihnen den Zeitungsauffatz bei." Wie uns scheint wird durch diese Rickü"vellung an der Sache nicht sehr viel geändert. Die Herleitung der Sabbatwoche aus den Mondphasen widerspricht der biblischen Ueberlieferung, und wenn der Verfasser zwar bemerkt, das Judentum habe die babylonische Einteilung mit ,,eigenem Geiste" zu erfüllen verstanden. so nützt das nicht viel gegenüber der kategorischen Erklärung, die herkömmliche, (d. h. die in der Bibel wiederholt enthaltene) Erklärung der Sabbatwoche sei abzulehnen. Die neue Interpretation, die der Verfasser dem Worte '2 an der einen Stelle in jv'pk'o gibt, ist außerordentlich gewagt, und die Ablehnung der ausdrücklichen Motivierung in der ersten Fassung der 10 Gebote, ebenso wie die Bevorzugung des sozialen Motivs, wie es die nnai rmnns betonen, ist die reinste Willkür. Der ganze Artikel entspricht dem Judentum der Breslauer Schule und es ist daher nicht verwunderlich, daß er in gesetzestreuen Kreisen Befremden und Entrüstung hevorrief. FamMennachrichken. nvsa-aa am nnhw ruHtf naff- Joseph. Sohn des Herxn Dr. med. Auerbach und Frau geb. Kauffmann in Halberstadt. Wochenkalender. vom 21.—28 Nov. 1923. l vom 4.—11. Kislew 8888 Samstag Nov. 21 4 VDD Sonntag 22 5 Montag 23 6 Dienstag 24 / Mittwoch 25 8 Donnerstag 26 9 Freitag 27 10 Samstag 28 rw'i 11