Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-11-12 · Heft 46 (12.11.1925) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 46 (12.11.1925)
Date
1925-11-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450381--72671-2530078
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

12. November 1925 DerIsraelit Nr. 46 Seite 15 Im Jahre 1146 gelingt es den Almohaden, sich Marokkos zu bemächtigen? womit eine Aera schlimmer Judenverfolgungen anhebt. •. Während ihrer hundertjährigen Herrschaft duldeten sie keinen Juden auf dem marokkanischen Boden. „Entweder Bekenntnis zum Islam oder .Tod!" Viele wählten den letzteren und vielen gelang es, über die Grenze zu flüchten. Viele aber nahmen den Islam nur zum Scheine an und lebten^ wie später die Marannen in Spanien. Von dieser Zeit stammt der bekannte „Trostbrief" und m*K des Maimonides an die bedrückten jüdischen Gemeinden in Marokko, in denen er sie von Fez aus, wo er damals seinen Wohnsitz hatte, aufforderte, treu bei den jüdischen Geboten zu verharren. Eine große Anzahl folgte, dieser Weisung unter mohammedanischem Deckmantel. Dieser Kurs gegen die Juden blieb in Marokko noch später als die Almohaden von Der Hat« Mamre. Marokko ist alles voll unbändiger Freude über den Erlöser, der ihrer Meinung nach gekommen sei. Cs herrschen Jubel und Ausgelassenheit, und alles wartet auf die Enderlösung." Die Lage war eben so verzweifelt, daß ein schwacher trügerischer Sonnenstrahl genügte, um die Aermsten zu blenden. pfercht, die in der Nacht geschlossen bleiben. Landerwerb ist ihnen verboten und Handel dürfen sie nur betreiben mit spezieller Erlaubnis, die ein Ver- ^4 mögen tostet. Zwar ist es 1663 Moses Mont ef i o r e gelungen, Erleichterungen für die Juden Marokkos zu erhalten, doch blieben alle vom Sultan gemachen Versprechungen auf dem Papier. Gesetze von oben sind vollkommen wirkungslos,, da dis Marokkaner bei ihren alten Tradi ionen bleiben. Feststellungen ergaben, daß im Jahre 1880, siebzehn Jahre nach dem von Monlesiore errungenen Toleran.edik^ 307 Juden in Fez den Tod erhielten, weil sie es gewagt hatten, in Schuhen die Straße außerhalb des Ghettos zu betreten. Eine Besserung trat erst ein, seitdem Spanien und Frankreich ihre Hand auf Marokko legten. Leider beschränkt sich aber dieser europäische Einfluß nur auf die paar großen Hafen- Anr Toten Meer. Der Jordan bei der Brücke Dschisr el Mudschaim. den Mohammedanern wieder abgelöst wurden. Der Jude durfte nicht die Rechte des Bürgers für sich in Anspruch nehmen, keine Waffen tragen, kein Pferd besteigen und sich nicht in Schuhen auf der Straße zeigen. Es kamen noch hinzu, nach damaliger europäischer Art,. Kopfzoll und gelber Fleck. Zum Teil sind diese Verordnungen heute noch in Marokko in Kraft. Als zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts die große Austreibung^ aus Spanien erfolgte, emigrierten viele Juden von dort nach Marokko, wo all dis Verfolgungen im Vergleich zu der Lage in Spanien noch erträglich schienen. Die Juden aus Spanien und Portugal brachten einiges Leben in den jüdischen Handel, aber auch in die geistige Kultur Marokkos. Wie gedrückt aber die Lage auch noch in den späteren Jahrhunderten blieb, beweist die rückhaltlose Begeisterung, mit der fast die gesamte marokkanische Iudenheit um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts Sabbatai Zewi zujubelt. Ein französischer Reisender, der Marokko 1670 besuchte, erzählte: „In Im neunzehnten Jahrhundert hatte sich an der Lage in Marokko wenig geändert. Die Juden können vor Gericht keine Zeugenschaft ablegen, der Jude muß jedem begegnenden Mohammedaner demütig seine Reverenz bezeigen, und jener kann ungestraft den Juden in schlimmster Art beleidigen. Die Juden sind in Ghettos eingestädte. Im weiten Hinterlande bleibt alles beim Alten. Und gerade dort wohnt das Gros der marokkanischen Iudenheit, in Elend und tiefster Verachtung. Ob und wie sich der europäische Einfluß nach Beendigung des jetzigen Feldzuges geltend macht, bleibt abzuwarten. Die Steininschriften von Sinai. Mosesdokumente? Während einer Tagung des Hauptvorstands des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt der bekannte semitische Philologe Unioersitätsprofessor Dr. Grimme aus Münster eine aufsehenerregende Rede über die Methoden der Entzifferung des Uralphabets, aus dem sich die Schriftlichen aller Sprachen des Altertums entwickelt haben, und bezog sich hierbei auf die zufäl.ige Entdeckung des englischen Gelehrten Flinders Petrie. Dieser hat während einer Expedition im Sinaigebirge in den Jahren 1904/05 mehrere steinerne Tafeln mit seltsamen Safed. jT&'wSv ‘ ISS -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.