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Der Israelit · 1925-11-12 · Heft 46 (12.11.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 46 (12.11.1925)
Date
1925-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Teste 4 Nr. 16 der Welt als berufene Interpreten der jüdischen Lehre aufzuspielen? Und wer hat sie ferner dazu ermächtigt, die Judenheit der beschämenden Verlegenheit auszusetzen, sich zum Teil von recht respektabeln, zum Teil aber höchst anrüchigen Persönlichkeiten der offenen oder verkappten Judenmission öffentlich Moral predigen lassen zu müssen? Wir glauben, daß Rabbi Mattuck und die Seinen ihrem Betätigungsdrang doch lieber innerhalb ihrer prunkvoll ausgestatteten Tempel und Lehrhäuser freien Lauf lassen, nach außen hin aber ein größeres Maß von Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Gesamtheit zeigen sollten. Talmudische Mrkschafkslehre. Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Es ist eine immer noch oft gehörte Redensart, die Wissenschaft angeblich der min entgegenzusetzen, als bestände ein Widerspruch unter ihnen, während es nur H a l b w i s s e n s ch a f t sein kann, die sich in Gegensatz zur ewigen Wahrheit stellen kann, wahre Tatsachen dagegen nur diese bestätigen. Ein Historiker der Philosophie führt irgendwo den Nachweis, daß die meisten derer, die durch ihre Spekulation die Wahrheit der Bibel verließen, am Ende ihres Forschens wieder den Weg zu ihr z u r ü ck f a n d e n. So dürfte das Wort Mutter Rahels 'n-nsz 'X ^waa eine tiefere Deutung finden. „Die Kämpfe, die wir für Gott gekämpft 'nrnx ny mit der uns wahrhaft vertrauten Wissenschaft — DK ’riinx nöSrV 112X das unsere b"m bekanntlich deuten ininxv mm *f? ‘im ax nur was uns so klar ist, wie unser Verhältnis zur eigenen Schwester, sollen wir für Wissenschaft ausgeben — in diesem Kampfe oa haben wir auch stets gesiegt." Kein Wort unserer nmpn mm ist von einem als Wissenschaft bewährten Satz widerlegt worden. So enthält auch der Talmud Sätze, die dem oberflächlichen Leser vielleicht merkwürdig klingen mögen, die aber gerade in klarstem Lichte erscheinen mit den Fortschritten der Wissenschaft, die manche dunklen Zusammenhänge im Menschenleben aufdeckt und in kleinsten Keimen die Quellen großer Wirkungen konstatiert. Eines der gesürchtetsten Uebel des irdischen Daseins, das man mit allen Mitteln fernhalten müsse, war von je ni'2p-Armut. Wie ist sie zu vermeiden? Daß etwa Trägheit, Verschwendung, Zügellosigkeit im Genuß ihr die Tore öffnen, das ist eine so banale Binsenwahrheit, daß es die Weisheit unserer Weisen wahrlich nicht auszusprechen , .. . braucht. Die YinVnn '»an suchen den Keim in der ersten „Zelle", -irris^ pvp pna -B r o - s a m e n w e g z u w e r f e n fördert die Armut". Wieso wohl? Daß der gar nicht nennenswerte Verlust solch winzigen Besitzes wirklich unsere Schatulle beeinträchtigt, kann doch wahrlich nicht behauptet werden. Jedoch: S p a r s a m k e i t, Ordnung, Reinlichkeit, muß im Kl e i n st e n geübt werden. Wer h e u t e kein Bedenken trägt, ein par Krumen, und könnten sie auch nur den Hungereines Vögleins stillen, achtungslos zusammenzutreten, der wird morgen vielleicht schon ein größeres Stück verachten und der W e r t d e r kleinsten Dinge für das Ganze wird ihm immer mehr aus dem Bewußtsein kommen. Wie oft hört man in unserer Zeit, da man unmöglich große Summen sparen kann, nur durch zielbewußtes Zusammenhalten auch nur kleinster Ersparnisse könne man wieder nationales Gut sammeln, anm DTia Fehler an Häusern und Gewändern fangen auch im Kleinen an und vernichten bei Mißachtung das Ganze. Auch Verschwendung und unökonomisches Wirtschaften beginnt im Kleinsten ni^yV ppp put. Brosamen, die übrigens auch Ungeziefer herbeiziehen und in raschem Tempo die Vorräte vernichten lassen können, sind die Pforten, durch die rrr Armut einziehen kann. Aehnlich ist wohl auch der Ausspruch:[n"omw] zu verstehen: b»t n^am „Wer die Vorschrift des Händewaschens geringschätzt, setzt sich der Gefahr der Armut aus". Wohl hat Retilas Jodajim seine symbolische, religiöse Bedeutung/doch wer wollte ihm deshalb seine ästhetischhygienische Berechtigung absprechen? Mit Verletzung der Reinlichkeit beginnt der Niedergang der wirtschaftlichen Lage. Mag eine Existenz noch so dürftig sein, solange noch Reinlichkeit und Ordnung ihre Stützen sind, wird sie bei Gott und Menschen Halt finden. Ist aber diese erst geschwunden, dann ist der Absturz unaufhaltsam. Es dürste wohl Beachtung verdienen, daß das Wasser das einzige konkrete Objekt ist, das dem Menschen-aus dem, größten Teil der Erde wenigstens — unentgeltlich zur Verfügung steht. Sollte damit nicht gesagt sein: Auf Reinlichkeit kann und muß jeder Mensch ohne Unterschied des Standes und der wirtschaftlichen Lage halten! Ja, es ist das erste und bei uns Jehudim auch das letzte Liebeswerk, das wir am Menschen erfüllen, ihm im Reinigungsbad gleichsam seine Menschenwürde zu vergegenwärtigen, mit rrppi beginnt und en d et d as Le b e n. ai*p Wer den Grundsatz des zu beglücken und damit Segnung und Krönung des Lebens erreicht >22 mras ns pa '11 - (Aus meinem hebr. Werke nVm ds nasn.) Meines Feuilleton. Wirkschaftsbeihilfe. Die Wirtschaftsbeihilfe in der Langestraße lud mich ein, ihre Räume und ihren Betrieb zu besichtigen, und ich folgte der Einladung. Ich gelange über schmale Treppen und durch enge Gänge in ein großes sauberes Gemach. Es ist Freitagmittag und es wird, wie es sich für ein jüdisches Büro gehört, „durchgearbeitet". Freundliche Mädchen empfangen mich, unterbrechen ihre Arbeit an Maschine-und Büchern und weihen mich in die Mysterien des reichlich komplizierten Betriebes ein. An einer Ecke ist ein Tischchen hübsch und sauber gedeckt. Sogar ein paar hübsche Blumen stehen in kleiner Vase mitten in der Gruppe der Kaffeetassen und Butterbrote, die der jungen Damen frugales Freitagsmittagsmahl bilden wird. Ich habe sie vielleicht gestört. Aber sie freuen sich aus vollem Herzen, mir von all den Leistungen des Betriebes erzählen Zu dürfen. An der Wand hängt ein. gutes OelgeMälde, vielleicht von Hans Thoma: eine Frau, das sorgenvolle schöne Haupt in die Hand gestützt, ausschauend in die Ferne, in die Zukunft. „Wo kommt mir Hilfe her?", steht in edlen weiblichen Gesichtszügen geschrieben. „Gehört einem Vereine, der hier abends ferne Räume hat", sagt mir das Fräulein, als müßte es sich für den Luxus entschuldigen. Das Bild dünkt mir aber viel eher passend für die Wirtschaftsbeihilfe, die -hier tag s ü b e r ihr Heim: hat. und die ich mir hier anfehen wollte. Wir haben, wie unseren Lesern allbekannt ist, über die „Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege" und den Geist, der dieser Zentralisierung zu Grunde liegt/ unsere eigene Meinung. Aber das schließt doch nicht aus, daß wir für diese Wirts cyaftsbeihilfeein gutes Wort finden müssend Es ist eine Institution, die in der Hauptsache für den Mittelstand geschaffen ist und auch wirkt; ein weiter, weiter Begriff in der. heutigen Zeit der schweren Krisen. Die Wirtschastsbeihilse versteht es wunderbar, scharfe Grenzen zu ziehen zwischen Armen, die sich einmal damit abgefunden, ihre Armut sich und Anderen einzugestehen und von dem ihnen zukommenden Rechte auf Mlfe und Unterstützung offen Gebrauch zu machen, und solchen, die es selber noch nicht reckt wissen, „wie es gekommen ist" und die Welt: nichts davon wissen lassen wollen, noch dürfen, wenn die vielleicht vorübergehende, leicht zu überwindende Stockung nicht zu einem Elende in Permanenz auswachsen soll. Erstere kommen in Hellen Scharen, bitten, fordern, was ihr gutes Recht ist, verhandeln, paktieren, zeigen Zufriedenheit und Unzufriedenheit, - wie es echte, alte . Kunden mit Recht machen dürfen. . Letztere sind anonyme Wesen, keine Namen, sondern: nur Buchnummern, mysteriös und nichtssagend auch für das. Personal, selbst für die Verwaltung. Irgend, e i n Mitglied oder eine nahestehende Institution,. eine zuverlässige Familie kennt „einen Fall" und behält das. Geheimnis für sich. In den Büchern der Wirstchaftsbeihilfe ist aber nur eine Nummer eingetragen und der Name des fürsorglichen Angebers. So bekommt eines Morgens eine kinderreiche Witwe oder die Mutter einer momentan in Schwierigkeit geratenen Familie ein Schreiben mit einer sehr höflichen Anfrage, ob sie Interesse hätten an diesem oder jenem Gegenstände des täglichen Bedarfes oder der Haushaltungsnotwendigkeiten. Es sei gelungen, - eine 12. -November 1925 Händewaschens verachtet, verfällt der materiellen und geistigen Armut. Und ebenso an gleicher Stelle: ln^pa irwn i'2S2- „Wenn die Frau den Gatten in seiner Gegenwart schmäht". Die Erläuterung dortselbst dürfte, den Satz eher noch schwieriger als verständlich werden lassen rpö'wan -'pdp Vy wenn es sich um Gewährung von Schmuck handelt f atf xVi n»x* den er sich leisten könnte, und er verweigert es. Man sollte meines die Gewährung könnte ihn eher mit der Zeit in materielle Not bringen! Doch unsere haben wie immer ihre Worte aus der Goldwage gewogen. Würde es sich um einen über die Verhältnisse gehenden Luxus handeln, so wäre freilich ein Nachgeben eher Ursache zur Armut, aber ein standesgemäßer Verbrauch, der abgelehnt wird, bringt Unfrieden ins Haus; und der Mann, der j im eigenen Höime vor der Frau seiner Manness würde beraubt ward, der seine Berufsfragen nicht friedlich mit seiner Lebensgefährtin besprechen kann, ist er nicht mehr als jeder auf der abschüssigen Bahn materiellen Niedergangs? Sagt; die talmudische Weisheit: „Wenn das B r 0 11 m Kasten fehlt, so kommt der Z a n k ins Haus xrnn xma ’w .a^traa —fo giii'j auch ebenso die Umstellung des Satzes: Zieht Unfrieden ins Haus, so -leert sich auch der Brotkasten. — Gleichgültigkeit im Kleinen ohne Sparsinn, Unsauberkeit und Unfrieden sind also vor allem die verborgenen Löcher, durch die Armut rn einziehen kann. NVxrn iw aan Deshalb Augen offen und auf alles achten, nur der wird stets seinen Mann :stellen,-für den es n i chts Geringfügig e s> gibt, der alles nach seinen Folgen absieht ibnan nx nxnn aan im’X* 5o dürften sich manche rätselhaft klingende Worte jüdischer Weisheit deuten und den weiten Blick ihrer großen Autoren erkennen lasten. Wochenkalender. vom 14. bis 21. Nov. 1823.V0M 27. Marcheschw. bis 4. Kislew Samstag Nov. 14 ms? rn 27 ■pwn Sonntag 28 Montag 16 29 Dienstag 17 30 Mittwoch 18 1 lV03 Donnerstag 19 2 Freitag 20 3 Samstag 21 4 Moled Montag früh 5" Ennn p*aa ■w ir>:sn jtjp> ->->22 dt tnn tPXYT x - » n /j größere Partie von diesen und jenen Dingen zu billigem Preise zu erhalten und wäre man froh, aus Platzmangel oder anderen Gründen, es mit kleinem Verdienste wieder abzusetzen. -Der kleine Verdienst besteht darin, daß die W. B. genau die Hälfte des Kaufpreises trägt. lieber das Verdienst dieser „geschäftlichen Manipulation" wollen wir hier nicht reden. Ich werfe Einblick in. die . aufgerollten Bücher, in die Drucksachen, in die Zirkulare und Aufrufe Endlose Reihen von Namen und Nummern. Und die Nummern übertreffen in den letzten! Monaten bei weitem die Nymen. Ein tragisches Zeichen der Zeit. Ich blättere in den -Ausgaben und Verteilungsverzeichnissen. Lebensmittel aller Art. Eier, Milch und Butter für Kranke, aber auch Medizin. Der Vertrauensarzt (es ist dies jeder Arzt, zu dem der Patient auch in solchen Dingen Vertrauen hat), braucht nur das Rezept mibden zwei Buchstaben W. B. zu versehen, und der Vatient bekommt in den bestimmten Apotheken die Medikamente umsonst oder ermäßigt verabreicht. Die Verrechnung des Apothekers. erfolgt mit der Wirischaftsheihilfe. Eine, große.Kartoffelverteilung ist geplant, ja sogar schon v 0 r g e n pm m e n.. Die Kartoffeln sind noch nicht da,, das . Geld dafür auch nicht. Aber die Angebote sind schon in Massen ausgegangen, und-der Termin w>rd eingehalten.werden., So sicher ist. die W: B. ihrer Sache. Ein großes.:Kapitel für, sich innerhalb dieses Wertes der Liebe bilden die S ch u h e - u n d K l e i d e r r e p a - r a t u r e n. In der.Schuhabteilung herrfcht.ein Betrieb, aus den heute, in der Zeit des geschäftlichen Stillstandes, jeder große Schuhladen neidisch Hinsehen könnte. ' Bescha/>- gungslose Schuster und Schneider bekommen überdies eindringliche Heimarbeit durch diese Reparatureinrichtung. - -Esgibt auch Säuglingswäsche, auch Spachte und Oefen. Ein oberflächlicher Blick in die Bücher zeigte

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