Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 46 Teile 3 I 12. Nooemoer 1825__ Iheit der religiösen Gesinnung I ruhende freie jüdische Einzetgemeinde wird in I der Zeiten Not die Zuflucht der Thora auf I heiligem Boden und der Keim ewiger Wjeder- I erueuerung werden. — — [ Und der Misrachi? Wir gestehen, daß uns I fein Verhalten nicht minder rätselhaft erscheint | olö dasjenige des Oberrabbinats. Seine poli- I tischen Vertreter in Erez Jisroel können unmög- I lich im Sinne des immerhin beträchtlichen Teiles I ihrer Parteigenossen in Deutschland und Holland gehandelt haben, deren aufrichtige Gesetzestreue feinem Zweifel unterliegt. Diese Misrachi-Polittfer waren von allen guten Geistern verlassen, als sie, gerade sie — zur größten Heber* rnschungihrerlinksradikalenGegjicr sogar — die ultimative Forderung des Volksreferendums stellten, eine Forderung, die doch offensichtlich gänzlich aus der Linie des äußersten religiösen Liberalismus liegt! Für die fadenscheinige Behauptung, es handle sich beim Frauenwahlrecht überhaupt nicht um eine religiöse Angelegenheit, stand dem „Misrachi", wie bereits erwähnt, keine im jüdischen Volke irgend- I wie anerkannte rabbinische Größe zur Seite, nicht einmal auf das ihm sonst doch gewiß wohlgeneigte Oberrabbinat konnte er sich in diesem Falle stützen. So scheinen es also in der Tat die r e i - nen Politiker gewesen zu sein, die den gescheiten Gedanken des "vvn bKWS" erfanden und als willkommene Augenblickslösung ergriffen, um einen taktischen Sieg über die Linke des „Waad leumi" zu erfechten. Dieser hat selbstverständlich — innerlich hocherfreut — „n achgegeben" und gerade damit dem religiösen Prinzip der Gesetzesautorität, für das einzutreten Aufgabe des „Misrachi" gewesen wäre, die furchtbarste Niederlage bereitet. Selbst wenn die Linke ihre Leute abkommandieren und gegen das Frauenwahlrecht stimmen lassen wollte, —- die Tatsache der Abstimmung selber ist es, die an Bedeutung jedes Ergebnis weit in den Schatten stellt. Als vor zwei Jahren die „Kenefsio Gedaulo" vor aller Welt den Lebenswillen der thoratreuen Judenheit in überwältigender (^röße offenbarte, fühlte sich Herr Oberrabbiner Dr. C h a j e s in Wien als Sprecher des pseudonationalen Radikalismus gedrängt, von seiner Kanzel herab einen Protest gegen die Kenessio gedaulo zu verkünden/ der in dem Gedanken. gipfelte, nicht d i e Thora, sondern der Volkswille sei souverän im jüdischen Kreise. Diese scharf zugespitzte Kampfparole gegen i 3. Ande e Handschriften haben sich ebenfalls die I richtige Ansicht des Onkelos in der Form von vsn I zu eigen gemacht. I 4. Die Angaben des chald. Wörterbuchs von | Dr. I. Leoy. welches nur gestützt auf das zwei- I malige Vorkommen des oerb. vsn für rr’nD im Je- I Nlfgl. Targ " dem verb. VON außer der feststehenden I Bedeutung auffuchen" n> ch die Bedeutung VVN I »graben unterlegen will, bedürfen einer Revision. I 6. Die meisten, sich an den Ausdruck nsn anlehnenden Erklärungen der neuen Erklärer, welche isn ..graben" auffassen, werden logischerweise durch obige Ergebnisse aufgehoben Die Kunst des Alterns. Zu,-nty "N 's. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. Vn . anaas . rs “pn "n . awa «a pr aaaasa „Und | Abraham war alt geworden, war in die Tage gekommen und Gott hatte Abraham in allem gesegnet." Unsere Weisen im Midrasch unterstreichen die Worte annarr, indem sie hinzusügen, :ro 'an nb amas ay. dc:ß bis Abraham an niemanden Zeichen und Spuren d^s Alterns sichtbar wurden.. Abraham war'der erste P' . und unsere Weisen meinen, daß er diese Krone des Alters durch seine besondere Güte und Rechtschaffenheit si-h erworben hat. •Kxnn npax *]Tn na't? mxsn navy r~nn Wir findenin^ unfern heiligen Schriften über das After diametral entgegengesetzte Äeußerungen. Der Weifte der Menschen nennt einmal an der eben angeführten Crelle das Alter eine „Krone der Pracht" tvährpM sr atz' einer anderen Stelle das,Alter als „Unglück" bezeichnet Der Israelit_ den zentralen Grundgedanken des überlieferten Judentums, sie ist es, die nun in der Volksabstimmung auf dem Boden Palästinas ihre symbolische Auswirkung findet und die uns ahnen läßt, was dort für die Zukunft des nVttö vy auf dem Spiele steht. lVochenrundschau. Die Lage in Syrien. Nach den neuesten Nachrichten, die der Vertreter der I. T. A. von einem Besuche in Damaskus mitgebracht hat, scheint es, daß die ersten Berichte über eine Beschießung des Juden- Viertels übertrieben waren, daß vielmehr nur einige Bomben in dieses Viertel Hineinsielen, mehrere Menschen töteten und verwundeten und einige Häuser zerstörten. Allein, es ist schlimm genug, was die französische Presse in Syrien selber zugesteht: Die Beschießung einer volkreichen offenen Stadt durch ein 48stündiges Bombardement, durch Artillerie, Flieger, Tanks und Maschinengewehre. Die nach vielen Tausenden, vielleicht Zehntausenden zählenden Opfer dieses furchtbaren Blutbades werden eine Saat unbezähmbaren Haffes und Generationen hindurch fortwirkender Rachegefühle gegen Europa in die Seelen der ganzen arabischen Welt hineinstreuen, und die Folgen für die nächste und fernere Zukunft sind unberechenbar. Ist ja Damaskus kein beliebiges arabisches Dorf, sondern einer der ragendsten religiösen und kulturellen Mittelpunkte des Arabertums, dessen Trümmer die. Kunde von dem Schreckensgericht der französischen Mandatarmacht wie ein Lauffeuer durch die asiatischen und afrikanischen Völkermassen verbreiten werden. Aufhorchen wird vor allem England, das befahr läuft, um die Früchte seiner ungleich weiseren vorsichtigen Politik gegenüber den arabischen Gebieten gebracht zu werden, sofern es die Solidarität mit dem französischen Mandats-Nachbar aufrecht erhält, und das doch andererseits in jedem schwächlichen Zurückweichen der europäischen gepanzerten Faust vor den bevormundeten asiatischen Nationen eine Gefährdung der eigenen Autorität erblicken muß. Als Juden haben wir ein besonderes Interesse daran, daß Syrien, der unmittelbare Nachbar Erez Jisroels, nicht zu einem Herd arabischer Revolutionsstimmungen wird, die sehr leicht nach und den Jüngling ermahnt, seines Schöpfers in den Tagen der Jugend eingedenk zu sein i«a-> avrr ay fsn am. r« avx dme? lypna njnn „bis nicht kommen die Tage des Unglücks und die Jahre nahen, von denen du sprichst, sie gefallen mir nicht." Der erstangeführte Midrasch dürfte vielleicht den Schlüssel zur Lösung der Schwierigkeiten liefern. Warum wird' Alter als Last, als Unglück oder sogar nach einem berühmten Sprichwort als Krankheit empfunden? Weil die Menschen die Kunst des Alterns nicht verstehen, weil sie es nicht wahr haben wollen, daß sie in vorgerückten Jahren nicht mehr so erwerben und'so genießen können und dürfen wie in ihrer Jugend. Man will auch in den Tagen des Alters genau so arbeiten, genau so erwerben, genau so genießen wie in der Vollkraft der Jugend, der vom Alter geschwächte Körper versagt sich aber diesen törichten Wünschen, und dieses Mißverhältnis zwischen Wunsch und Vermögen, zwischen Wollen und Können läßt das Alter als Last, als Unglück, als Krankheit, — als das Böse schlechthin erscheinen. Darum warnt der Weiseste der Menschen: Denke stets an deinen Schöpfer in deiner Jugend, betrachte dein ganzes Leben als Gottesdienst so sehr nyan aw rr^ at?x ay daß niemals Tage des Unglücks kommen, daß dein Alter für dich keine Last, keine Krankheit und nicht böse sei a->m aynna und wenn die Jahre auch kommen ysn ana prr ansn avrr dann sage eben, ich habe in ihnen keinen Wunsch mehr. Ich habe genug gelebt und erlebt, genügend erworben und genossen, ich will mich bescheiden und Hott für alles danken, was er mir bisher, gewährt, dann sind diese Jahre keine Insan mehr. ]j?i ama«. Und Abraham war alt geworden mpr 'in r b anaas ay bis zu den Tagen Abrahams verstanden die Menschen nicht alt zu.werhen, Abraham, lehrte erst dH MenWert die Kunst de^ Alternslehrte sie, wie man sich Auch des Alters freuen könnte, er zeigte erst die Süden übergreisen und — von allen weiteren Konsequenzen abgesehen — vor allem im Emek, dem jetzt bevorzugtesten jüdischen Kolonisationsgebiete, Verwicklungen heraufbeschwören könnten. Hoffen wir, daß England sein Mandatgebiet nicht nur mit starken Kräften zu schützen imstande sein, sondern auch durch gute Ratschläge und vermittelnde Tätigkeit zu einer wirklichen Befriedung der syrischen Länder wird beitragen können. Vom englischen Reform judmtum. Die unter Führung Glaube Montefiores und Robbt M a t t u ck s stehenden englischen Nesormjudekt entfalten entschieden größere Aktivität als unsere deutschen Liberalen, die seit dem grandiosen Mißerfolg ihrer „Richtlinien" doch ziemlich still geworden sind und nur selten ihre spezifischen religiösen Ideale hervorkehren. Freilich rührt das zum Teil daher, daß der englische „Liberalismus" noch immer eine Art Märtyrer- Rolle spielt und dadurch zu einer gewissen Kraftanstrengung gezwungen ist. Das Martyrium besteht darin, daß feine geistlichen Vertreter vom Chief-Rabbi nicht als gleichberechtigt anerkannt und zum englischen Prediger- und Rabbiner-Verband nicht zugelassen werden. In dieser Hinsicht weiß man vorläufig in England, dem sonst ganz und gar undoktrinären Lande der Praxis, das Prinzip merkwürdigerweise relativ besser zu wahren, als in dem klassischen Lande der Theorie, in Deutschland, wo ein großer Teil der Rabbinen der Orthodoxie kein Bedenken trägt, die Herren „Kollegen" von der liberalen — d. h. doch nach traditioneller Auffassung völlig unjüdischen — Fakultät als rabbinische Verbandsgenossen anzuerkennen. Jedenfalls bemüht sich Rabbi M a t t u ck, mangels offizieller Anerkennung, durch eigene Initiative die Aufmerksamkeit der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit aus sich zu lenken. So hat er jetzt zusammen mit Herrn Montesivre wieder eine jüdisch-christliche Konferenz berufen, in der etwa 600 Vertreter christlicher Kirchen und Gemeinschaften mit etwa 300 jüdischen Vertretern über „Rasse und Religion" Aussprache pflogen. Man darf gewiß annehmen, daß es die redliche Absicht der liberalen Führer ist, durch eine solche Konferenz für das Judentum ihrer Konzeption Verständnis und Liebe in außerjüdischen Kreisen zu wecken, Vorurteile zu zerstreuen und charitative Zusammenarbeit anzuregen. Aber dennoch muß gegen eine derartige Veranstaltung entschieden protestiert werden. Wer gibt den liberalen Herren das sittliche Recht, sich mit ihrer isolierten und geschichtslosen Auffassung von Thora und Judentum vor Mittel, wie man in Schönheit alt wird und alt bleibt. Und dieses Mittel? awa sa er ging mit seinen Tagen mit, er blieb mit seinen Wünschen nicht jung während die Tage und die Jahre vorwärts schritten, er erkannte, daß nun andere Pflichten an ihn herantreten als in seiner Jugend und daß in der Erfüllung dieser Pflichten unendliche Schönheit liegt, die das Alter mit reizvllem Schimmer umgibt und verklärt und es zu einer Krone der Pracht gestaltet. Die Jugend ist selbstsüchtig und die Tätigkeit der Jugend hat naturgemäß das eigene Interesse zum Ziele. Ist aber dieses Ziel, das. man nicht zu hoch stecken soll, erreicht, so soll man den Rest der Jahre, die Gott einem schenkt, den Rest der Kräfte, über die man verfügt, die Erfahrung, die man durch ein langes tätiges Leben erworben hat, dem Wohle seiner Mitmenschen weihen, an ihrem Glücke arbeiten und so das schönste und reichste Gluck, das dem Alter geziemt, das Glück des Beglückens als Prachtkrone auf das weiße Haupt sich setzen, nran sa ipi omaRa Abraham wird alt, geht mit seinen Jahren mit -paa na'w mvoa nasy rrn Rsan npas weil er begreift, daß die Prachtkrone des Alters nur auf dem Wege des Wohltuns erworben wird. Der wohltätige, hilfsbereite Mensch wird sein Alter nicht als Last empfinden, wird nicht sich selbst zur Last werden, denn ein unendlich reiches und beglückendes Tätigkeitsfeld liegt vor ihm, auf dem die Blumen des reinsten und reichsten Glückes auch für ihn blühen, die Arbeit für die anderen, jüngeren Mitmenschen, um ihnen Wegweiser und liebevoller Berater zu sein, eine Arbeit, zu der allein dllS Alter befähigt mian n'a' naaaa naan wo alle selbstsüchtigen Regungen und Wünsche schweigen und man ausschließlich das Wohl der anderen im Auge hat. In der Jugend ist das Urteil nicht klar, eigene Wünsche und Interessen bestechen und beeinflussen es, die Wunschlosigkeit des Alters führt zur Abgeklärtheit und zu jener Güte, die gär kein anderes Glück mehr kennen will, als andere