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Der Israelit · 1925-11-05 · Heft 45 (5.11.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 45 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Nr 45 beigewohnt hatte, kam der einmütige Wunsch der litauisch-jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck, die Zentralbank, die der Hauptnerv von mehr als 80 jüdischen Volksbanken ist, mit allen ihren Gliedern in der Aktivität zu erhalten. (I. T. A.) LseheehssSLsrVakei. Massenmord an jüdischen Kriegsflüchtlingen vor Gericht. Prag, 23. Oktober. Am 32. Oktober begann vor dem Schwurgericht in I g l a u der Prozeß gegen sieben Männer und eine Frau, die beschuldigt werden, in den Jahren 1918 und 1919 jüdische Kriegsflüchtlinge aus Galizien unter Vorspiegelungen nach der sogenannten „Kohn-Mühle", die schon Jahrzehnte nicht in Betrieb ist, gelockt, sie dort grausam getötet und ausgeraubt zu haben. Auch Nichtjuden sind dieser Mördergesellschaft zum Opfer gefallen. Einige der Angeklagten haben sich auch wegen Leichenschändung zu verantworten, da der Verdacht besteht, daß sie Menschenfleisch in den Handel gebracht haben. Die Hauptangeklagten sind der Flickschuster Karl Dworacek samt Frau, Johann F e j t a, Vater und Sohn, die Brüder Policky und der Vandenhauptmann Jaroslaw Kunst. Als Menschensleischhändler kommt der Häusler Km ent in Frage. Zuerst wurde die Anna Dooracek vernommen, die allgemein als die Haupträdelsführerin, als der „böse Geist in der Mordmühle" bezeichnet wird. Sie ist ein derbes Weib und Mutter von 21 Kindern. Der Vorsitzende hält ihr vor, daß sie selbst an der Ermordung der Juden mitgewirkt habe. Der Mitangeklagte Joses F e j t a schildert aus Befragen des Vorsitzenden ausführlich ihre Rolle bei dem Morde, sie aber bleibt dabei, nicht schuldig zu sein. Auch der Angeklagte Josef Kunz behauptet, nicht dabei gewesen zu sein und zieht seine Geständnisse, die er in der Voruntersuchung gemacht und protokollarisch unterzeichnet hatte, zurück. Auch der Fleischhauer M a s e k, der in der Voruntersuchung geständig war, leugnet jetzt. Der Vorsitzende liest Protokolle vor, aus denen zur Evidenz heroorgeht, daß Masek drei galizische Juden ermordet hatte. Auch der Angeklagte Km ent leugnet, an den Morden beteiligt gewesen zu sein. Aus der Verlesung der Protokolle, die von der Abschlachtung der jüdischen Flüchtlinge handeln, erfährt man entsetzliche, nicht wiederzugebende Einzelheiten. Die Namen der einzelnen gemordeten Flüchtlinge lassen sich nicht genau feststellen, da die Flüchtlingslager, von denen sie seinerzeit als abgängig gemeldet wurden, längst nicht mehr existieren. — Oberlandesgerichtsrat N e p o l i ck a sagt als Zeuge aus, daß die Untersuchung vollkommen einwandfrei geführt worden ist. Karl D v o r a c e k hat ausdrücklich zugegeben, daß in der „Kohn-Mühle" acht Morde geschehen sind. Bei der Einvernahme von Zeugen, namentlich des Sohnes der ermordeten Matheus Policky, verwickeln sich die Angeklagten in verschiedene Widersprüche und überführen sich zum Teil selbst. — Das Zeugenverhör wird fortgesetzt. Prag, 31. Oktober. Am 30. Oktober wurde in Jglau das Urteil gesprochen. Das Ehepaar Dooracek und Josef Fejta wurden wegen des Mordes an den Brüdern Policky zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Von der Anklage wegen Ermordung jüdischer Flüchtlinge aus Polen wurden sämtliche 8 Angeklagte mit 12 Stimmen Nein freigesprochen. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt der Verteidigung und nahm die Morde an den Flüchtlingen als unerwiefen an, da damals keine Abgängigkeitsanzeigen erstattet und die Leichen der Ermordeten nicht gesunden wurden. Die Geständnisse der Angeklagten, obwohl sie unabhängig voneinander und übereinstimmend gemacht wurden, sah das Gericht als nicht beweiskräftig an. Seh»ve»z. Schluß der Tagung der Mandatskommission. — Günstige Aufnahme der Petition des „Waad hoir aschkenafi." Genf, 1. November. Am 31. Oktober ging die Session der Mandatskommission des Völkerbundes zu Ende. Die von der Exekutive des Syrisch-Palästinensischen Araberkongresses eingereichte Petition, in welcher die Zurückberufung der britischen und französischen Militärbehörden aus Palästina und Syrien, die Annullierung der Balfour-Deklaration und die Erklärung der Unabhängigkeit und Einheit der arabischen Länder gefordert wird, wurde von der Kommission einer Prüfung unterzogen. Wie der I. T. A.-Vertreter erfährt, hat die Mandatskommission über diesen Schritt der Araber einen Bericht an den Völkerbundsral abgefaßt, der sich sehr wenig wohlwollend über diese Stellungnahme der Araber ausspricht. Ueber die Lage in Palästina fand innerhalb der Plandatskommission eine eingehende Aussprache statt. .In ihrem Bericht hierüber drückt die Mandatskommission die Ansicht aus, daß die jüdische Arbeit in Palästina der arabischen Bevölkerung bessere Arbeitsbedingungen geschaffen hat. Die Kommission gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Erfolg des jüdischen Aufbauwerkes die arabische Bevölkerung veranlassen wird, sich zu der Frage der jüdischen Einwanderung günstiger als bisher zu stellen. Die Mandatskommission spricht ihre Zufriedenheit mit der Arbeit der Mandatarmacht aus, die bestrebt ist, die Beziehungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung freundlicher zu gestalten. — Die Mandatskommission befaßte sich auch mit der Petition der Afchkenasim-Gemeinde in Jerusalem. In dieser Petition wird darüber geklagt, daß die geplante palästinensisch-jüdische Gemeindeordnung eine Einmischung in das religiöse Leben der in den aschkenasifchen Gemeinden organisierten orthodoxen Juden vorsieht. Die Mandatskommission sprach aus, daß manche Einwendung der Afchkenafim gerechtfertigt ist und empfahl, denAschkenasim bas Recht auf Ernennung eigener ritueller Schächter zu gewähren. (I. T. A.) <£n$lan&. Sitzung des Board of Deputies. London, 20. Oktober. Am 18. Oktober wurde in London die erste Sitzung des Deputiertenrates der Britischen Juden (Jewish Board of Deputies) nach den Ferien abgehalten. Mr. Bertram Jacobs unterbreitete eine Resolution, in der empfohlen wird, Methoden zur Verteidigung des jüdischen Volkes gegen antisemitische Anwürfe festzustellen. Lord Rothschild unterstützte diese Resolution. Mr. H. I. Landa beantragte, ein Archiv antisemitischer Entstellungen und Verleumdungen anzulegen und zu diesem Zwecke ein Komitee einzusetzen. Die Angelegenheit wurde dem Presse-Ausschuß überwiesen. Es wurde hierauf der Bericht des Joint Foreign Eommittee (Ausschuß für Angelegenheiten der Juden im Ausland) verlesen. Das Komitee hat am 6. August und am 14. Oktober Sitzungen abgehalten. In der Sitzung vom 14. Oktober lag ein Bericht über die Behandlung jüdischer Fragen während der sechsten Session des Völkerbundes in Genf vor. Der Schutz der Minderheiten hat weitere Fortschritte gemacht. Der Kampf gegen den Numerus clausus wurde erfolgreich fortgeführt. Die Beschwerden der Juden in Polen, Rumänien und Griechenland wurden mit den Vertretern dieser Staaten durchgesprochen. Die rumänische Regierung hat die Deportierung der jüdischen Flüchtlinge aus Bessarabien eingestellt und eine Lösung der Nationalitätenfrage in Aussicht gestellt. Mit Bezug auf die Milderung der Zwangssonntagruhe und die Ermöglichung der Einhaltung der Sabbatruhe in Saloniki wurden gewisse Versprechungen gegeben. Die Klagen der litauischen Juden wurden vor den Völkerbundsrat gebracht. Der Vertreter Litauens beim Völkerbund, der frühere Premierminister Galvanauskas gab die Versicherung ab, daß die Rechte der Minoritäten hinfort geschützt werden würden. Zum Teil sind Einrichtungen, über die sich die Minderheiten beschwerten, bereits ausgehoben worden. Mr. Lucien Wolf berichtete auch über die Schaffung einer ständigen Konferenz privater Enngrationsgeseu,chaften, die zu dem Internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes einen ständigen Kontakt unterhalten wird. Das Komitee nahm den Bericht über die erstarkte antisemitische Bewegung in Rumänien zur Kenntnis. Die rumänische Regierung wurde darauf hingewiesen, daß die Ausschreitungen der rumänischen Antisemiten im Auslande einen schlechten Eindruck hervorgerufen haben. Herr I. Landau, ein Mitglied des Board of Deputies, hat in der Sitzung des Joint Foreign Committees seiner Ansicht Ausdruck gegeben, daß die neue palästinensische Einwanderungsordnung dem Oberkommissar zu große Machtmittel mit Bezug auf die Deportation unerwünschter Einwanderer verleiht. Das Komitee hielt es für wünschenswert, vom Oberkommissar nach dieser Richtung hin Zusicherungen zu erlangen. Demgemäß wurde eine Denkschrift an den britischen Kolonialminister geriryiei. Der Kolonialminister wurde ersucht, die Aufmerksamkeit des Oberkommissars in Palästina darauf zu lenken, dich die neuen Einwanderungsbestimmungen von den Beamten gerecht und weitherzig gehandhabt werden sollten. Der Kolonienminister hat auf dieses Schreiben hin dem Komitee mitgeteilt, er halte solche Zusicherungen seitens des Oberkommijsars nicht für notwendig. Die jüdische Tragödie in Damaskus. London, 30. Or^oer. Die zuletzt aus Damaskus auf dem Wege über Kairo eingetroffenen Nachrichten bringen nähere Einzelheiten über die Vorgänge während der Beschießung von Damaskus durch die Franzosen und über die Folgen dieser Maßnahme. Meist haben die mohammedanischen Viertel der Stadt unter dem Bombardement zu leiden gehabt, man zählt Tausende Tote und Verwundete, unter ihnen auch zahlreiche Christen und Juden, die in den mohammedanischen Teilen der Stadt wohnten. Besonders schwer betroffen wurde aber das jüdische Stadtviertel, welches zwischen'die zwei mohammedanischen Hauptviertel eingebettet liegt. Das jüdische Viertel wurde durch das Bombardement zerstört, einige hundert Juden liegen unter den Trümmern begraben. - „Daily Telegraph" teilt Aeuherungen mohammedanischer Führer aus Damaskus mit, wonach die Beschießung von Damaskus, die zwei bis dreitausend Menschen das Leben kostete, den Beginn eines neuen Krieges des Mohammedanismus gegen die christlichen Mächte in der Gejcyichte bezeichnen wird. Ganz Syrien ist von Empörung erfaßt, und die Führer des Islams predigen den Aufstand von der afrikanischen Mittelmeerküste bis zum Kaukasus. Der Eisenbahnverkehr zwischen Haifa und Damaskus ist schon seit dem 21. Oktober unterbunden. Die Züge von Haifa nach Damaskus werden bei Derea von den französischen Truppen angehalten. Von französischer Seite entschuldigt man das Bombardement damit, daß bewaffnete Drusen in die Stadt eingedrungen waren und daß sich ihnen große Teile der Bevölkerung von Damaskus sofort angefchlossen hätten. Ohne die Maßregel der Beschießung wäre Damaskus in die Hände der Drusen gefallen. Nunmehr aber ist die Rebellion nieöerge>cylagen, die Insurgenten haben die Bedingungen des Abgesandten des Oberkommissars Aubouard angenommen und sich zur Zahlung von Schadenersatz und Auslieferung der Waffen an die französische ' Militärmacht einverstanden erklärt. Jüdisches religiöses Leben in den neuen Kolonien in Rußland. N e w P o r k, 10. Oktober. Der Leiter der Vereinigten jüdischen Kampagne für Aufbringung in Osteuropa, Mr. David 2k. Brown, teilt der Oesfentlichkeit einen an ihn gerichteten Vrief ues europäischen Direktors des Joint Distribution Comulee, Dr. Bernhard Kahn, mit, in welchem festgestellc wird, daß sich in den neugegründeten jüdischen Kolonien in Rußland ein religiöses Leben entwickelt, religiöse Jnstitunonen und Schulen gegründet werden.' „Man merkt eine starke jüdische Tendenz in allen Kolonien," schreibt Dr. Kahn. „Die jüdischen Siedler gehen aufs Land, um Bauern zu werden, sie wollen aber jüdische Bauern sein. Der Sabbat und alle anderen jüdischen Feiertage werden beobachtet. Den Einflüssen des Großstadtlebens entzogen, entwickeln die Kolonisten ein intimes Familienleben. Der Einfluß des Familienhauptes auf die Nachkommensch-n bewirkt es, daß sich in den Kolonien ein tieferes reügiL;es und jüdisches Leben entwickelt, als dies in der Gro߬ oder auch nur Kleinstadt möglich ist. Auf dem Lande ist eine Einmischung der Regierungsstellen nicht fühlbar, die Kolonisten können ihre Schulen und Institutionen nach jüdiichen Richtlinien ausbauen. Agro Joint tut alles Mögliche, daß die Schulen und andere Anstalten nach jüdischen Richtlinien entwickelt werden." Wahrend seines Aufenthaltes in Rußland im J"li d. I. hatte Herr Dr. Kahn Zusammenkünfte mit mehreren Regierungsbeamten, die versicherten, sie wollten aufrichtig an der Verwirklichung des jüdijcyen Kolonisationsplanes Mitarbeiten, sie hätten aber keine Sympathie für den 2 .an einer jüdischen Republik in der Krim. Das russische Kawnisationswerk, schreibt Herr Dr. Kahn, kann in keinem Falle als Konkurrenz für den Zionismus angesehen wer-

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