Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1925)
- Date
- 1925-11-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5. November 1925 Der Israelit Nr. 45 Teile 5 liefernwir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen Orthozentriscke Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz* Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben Lgudas Iisroel und es wird beschlossen, die Verhandlungen auf. der bisherigen Basis fortzusetzen. Eine lebhafte'Debatte entwickelte sich um die Krimfrage, die zu keinem einheitlichen Beschlüsse führt. Die meisten A. C.-Mitglieder zeigen positive Einstellung zu ihr. Dienstagabend wurde die Tagung des A. C. mit Schlußreden des Präsidenten der A. C. Leo M o tz k i n, des Präsidenten der Exekutive Rachum S o.k o l o w und des Senators R u b i n st e i n-Wilna geschlossen. Polen. Die Rabbiner in Polen gegen die Verweltlichung der Gemeinden. W a r s ch a u , 23. Oktober. Eine Rabbinerabordnung unter Führung des Rabbiners Perlmutter besuchte den Kultusminister St. G r a b s k i und üb Erreichte ihm ein Memorandum gegen das seinerzeit vom jüdischen Parlamentsklub eingcbrachte Statut der Jüdischen Gemeinden. In dem Memorandum wird ausgesührt, das Statut sehe eine Verweltlichung der jüdischen Gemeinden vor, die Rabbiner j aber wünschen rein religiöse Gemeinden und einen grö-! Heren Einfluß der Rabbiner auf die Leitung der Ge-! meinden. Steiger — Olszanski. Lemberg, 29. Oktober. Einige der im Steiger-Prozeß in Frage kommenden Zeugen glauben, daß sie den wirklichen Attentäter rekognoszieren könnten, wenn sie ihn sehen würden. Es sind das solche Zeugen, die mit Sicherheit bekunden, daß der Student Steiger der Attentäter nicht ist. Da bisher! der Aufenthalt des Studenten Theophil Olszanski nicht festzustellen war, hat sich auf Veranlassung der Verteidigung der Berliner Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee an die Berliner Behörden gewandt mit dem Anträge, ihm eine Photographie Olszanskis zu überlassen, die eventuell den oben charakterisierten Zeugen vorgelegt werden soll.! Man nimmt an, daß eine solche Photographie bei dem \ Fremdenamt der Berliner Polizeibehörden vorhanden sein, Muß. Die Verteidigung beantragte die Ladung einer Reihe Zeugen, die bekunden sollen, daß die Hauptbelastungszeugin Pasternak in Kreisen ihrer Theaterkollegen als Gewohnheitslügnerin bekannt ist. Vor kurzem hatte sich ein Ehrengericht polnischer Artisten mit ehrenrührigen , Aeußerungen der Pasternak gegen Kollegen zu beschäftigen; dieses Ehrengericht stellte in einem Urteil fest, daß die Behauptungen der Pasternak erlogen waren. , Die Verteidigung beantragte die Ladung der Braut und der engeren Freunde und Bürokollegen Steigers, die bekunden sollen, in welcher Sphäre Steiger gelebt hat. Auch wurde die Ladung der Professoren jener Anstalten, an denen Steiger studiert hat, beantragt. Der Lemberger Hilfsrabbiner Dr. Freund soll aussagen, daß Eisiger stets ein tief religiöser Mensch und zu keiner Gewalttat fähig war. Der Staatsanwalt äußerte sich zu den Anträgen der Verteidigung und sagte u. a., auch wenn die Frage nach Steigers Schuld bejaht wird, droht dem Angeklagten keine Todesstrafe. ' ■ _ ' Reue günstige Wendung. Lemberg, 30. Oktober. Der Prozeß gegen Steiger hat aufs neue eine dem Angeklagten günstige Wendung genommen. Der Gerichtshof beschloß, die Dokumente, die von Olszanskis Täterschaft sprechen, anzufordern. Der Gerichtshof hat weitere Beschlüsse gefaßt, aus denen heroorgeht, daß er ernstlich wir der Möglichkeit rechnet, daß das Attentat durch die ukrainische militäriscye Organisation ausgeführt worden >si. So wurde u. a. beschlossen, die Aussage Mikietins im Prozeß Jäger zu verlesen, wo von den ukrainischen'Vorbereitungen zum Attentat die Rede ist, ferner die Briefe der Geheimorganisation an den früheren Präsidenten des Feldgerichts Hawel und an den Metropoliten Szepticki Zu verlesen und den Wojwoden Szymni, sowie den Me- .tropolittzn' Vilecki darüber zu chefragen, ob die geheime' ukrainische Organisation das Attentat hätte ausführen können. Auch Frau Harnisch wurde geladen, um ihre Aussage, daß die Bombtz vom zweiten Stockwerk eines Hauses geworfen wurde, zu bekräftigen. Eine Reihe anderer Zeugen wurde geladen. Neue Momente erbrachte das Verhör mit dem Zeugen Roman Werchola, der in der ukrainischen kommunistischen Organisation tätig ist. Er erklärte, Stsiger sei nicht schuldig, das Attentat wurde von der ukrainischen militärischen Organisation unternommen und durchgesühri. Ein gewisser Olinski, der Mitglied der Geheimorganisation ist, erzählte ihm, die Polizei habe einen unschuldigen Juden festgenommen und spiele mit seinem Leben, obwohl der Polizei selbst die Vorbereitung des Attentats nicht unbekannt gewesen ist. Das haben auch andere Freunde, die mit der ukrainischen Geheimorganisation zu tun haben, gesagt. Der Zeuge erklärt aber auch, daß Steiger mit ukrainischen Kommunisten verkehrt hätte. Das wird von Steiger bestritten. Der Zeuge kannte Steiger nicht. Der Verteidigung gelingt es, nachzuweisen, daß die Behauptung des Zeugen, er habe Steiger in Gesellschaft vön Komunisten gesehen, von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Um die feldständise orthodore Gemeinde. Lodz, 18. Oktober. Mittwoch fand im englischen Saale eine große Massenversammlung statt, die scharfen Protest einlegte gegen die diktatorische Politik in der jüdischen Gemeindeverwaltung und für den Fall, daß alle Verständigungsversuche scheitern, eine selbständige orthodoxe Kehillah für Lodz verlangte. Die Massenversammlung eröffnete der Präsident der Lodzer Kehillaverwaltung, Herr H. Berger, und erteilte das Wort dem Sejmdeputierten M. Münzberg. Redner schildert die Bemühungen der „Schlome Emune Jisroel" zur Schaffung einer religiösen Mehrheit in der Kehillahverwaltung zur Abwehr des geplanten Kehillohgesetzes, und die Störungen, die diese Bemühungen gefunden haben. Cs hat sich bei jener Gelegenheit gezeigt, daß die Gruppe orthodoxer Juden auf Gnade und Ungnade den Andern ausgeliefert ist. Alle Hoffnungen, daß die Mehrheit der Gemeinderäte dennoch Verständnis für die orthodoxen Interessen zeigen würden, täuschten. Redner.geißelt das Verhalten der Auchorthodoxen, die, statt mit den Gesinnungsgenossen gemeinsam für die heiligen Interessen zu kämpfen, mit der anderen Seite praktieren und die Aguda bekämpfen. Es feytt in verschiedenen Stadtteilen Mikwoh und andere Institutionen. Die Eruwfrage bleibt ungelöst. Man lehnt alle Vorschläge ab aus dem einzigen Grunde, weil sie von der Aguda ausgehen. Man macht sogar die Aguda für das große Defizit verantwortlich. Im Gegensätze zu allen anderen Gemeinden Polens wird in die Lodzer Kultusstube kein rabbinifches Mitglied berufen. Auch die sog. „Unparteiischen" stemmen sich dagegen. Man mußte sich gefallen lassen, daß vom B u n d eine Resolution eingebracht wurde, in der die Agudatätigkeit als „eine verräterische" (das Wort wurde später durch „höchst schädliche" ersetzt) bezeichnet wird. Cs ist klar, daß unter solchen Umständen die AgudaoektkÄer für den Etat nicht stimmen konnten, und nun soll die Aguda den Zusammenbruch des Budget verschuldet haben. Im Pietrikow wagt es die Gemeindeverwaltung, unter Mitwirkung des Bundes, über den. Kopf des zuständigen Rabbiners Beschlüsse in Schächtangelegenheiten zu fassen In Lodz wird es nicht besser kommen, wenn die selbständige orthodoxe Kehilla nicht bald geschaffen wird. Münzberg schließt: „Es ist zwar schmerzlich, aber es muß geschehen. Können wir uns nicht selbst aus dem großen Golus bei den Völkern erlösen, so können wir doch wohl uns aus dem Golus bei den eigenen Brüdern be« freien." Die. Ausführungen Münzbergs ergänzt Herr B. H. Gilb erste in. Man könne nicht Zusammengehen mit Juden, die die Religion bekämpfen. Juden sind nicht diejenigen, die hebräisch oder jiddisch reden, sondern die in der Religion mit uns verbunden sind. Darauf hielt Herr M. Kamin e r ein Referat über die Läge in den Kehillaus. Er hält nach vollzogener Trennung in internen religiösen Angelegenheiten ein Zusammenarbeiten in gegebenen Fällen nach außen erst recht für möglich. Unsere Spaltung hängt nicht von uns, sondern von der anderen Seite ab, und sie ist für die Trennung verantwortlich. Herr I. E. O r l e a n spricht für die Provinz. Sodann wird eine Resolution verlesen und angenommen, in der der Agudafraktion der Dank der Versammlung ausgedrückt wird. Zugleich wird Protest erhoben gegen diejenigen, die in der Kehillaverwaltung die Ehre und Wurde des religiösen Judentums Herabdrücken. Die Resolution fordert die Vorstände der rtguda auf, auf kein Postulat ihrer Forderungen zu verzicyren, den Kampf weiter zu führen für das orthodoxe Judentum und für den Fall, daß eine Einigung nicht möglich ist, eine selbständige orthodoxe Kehilla in Lodz zu schaffen. HttmSnUtt. Von der Organisation der jüdischen Gemeinde in Rumänien. Bukarest, 23. Oktober. Dieser Tage fand im Gebäude des Kultusministeriums zu Bukarest eine Beratung über ein zu schaffendes Statut der jüdischen Gemeinden statt. Vertreter der größeren jüdischen Gemeinden waren anwesend. Minister Anghelescu stellte die Frage, wozu die Juden überhaupt eine organisierte Gemeinde nötig haben und wie es kommt, daß die Gemeinden, neben religiösen Bedürfnissen auch soziale Interessen verfolgen. Der Minister teilte mit, er plane, die Gemeinden in zwei Kategorien einzuteilen: konfessionelle und weltliche. Ein diesbezügliches Gesetz wird demnächst dem Parlament vorgelegt werden. Die Vertreter der Gemeinden protestieren gegen einen solchen Plan. Pogromterror in Bulgarien. S o f i a, 25. Oktober. In der Stodt Lom fanden pogromartige Ausschreitungen statt. Mitglieder des Verbandes „Rodna Zachtita" (Heimatschutz) mißhandelten jüdische Passanten, drangen auch in jüdische Wohnungen ein und demolierten u. a. das Büro der lokalen zionistischen Organisation. Die Regierung macht wohl Versuche, die Ordnung zu erhalten, unternimmt aber nichts Ernstliches, um die Pogromleute, die den Behörden gut bekannt sind, wirklich zu fassen. Der Verband „Rodna Zachtita" ist die rechte Hand der jetzigen Regierung. Mitglieder des Verbandes „Rodna Zachtita" mißhandelten und beschimpften die Juden auf den Straßen. Aehnliche Vorfälle ereigneten sich-in Sliven, Pambol und in anderen Orten vor den Augen der Behörden. In Dupnitza wurde der Jude Schekerdjiski ermordet. (I. T. A.) Die Krisis der litauisch-jüdischen Zentralbank. K o w n o , 27. Oktober. Die Schwierigkeiten, in die die Zentralbank der jüdischen Kooperativen Litauens infolge der Bargeldknappheit geraten ist, und die dazu geführt haben, daß die Bank ihren augenblicklichen Verpflichtungen nicht Nachkommen konnte, sind in der Lösung begriffen. Das Komitee der Kaufleute hat bereits eine Million Lit. (100 -000 Dollar) für die Zentralbank aufgebracht. Auch aus dem Ausland wurde Kredithilfe avisiert. Die Panik, die sich bemerkbar zu machen begonnen hatte, hat sich gelegt, nachdem klar geworden ist, daß die Bank in jedem Falle aktiv ist und daß die Schwierigkeiten geldtechnischer Natur sind. In der Versammlung der Kaufleute, der auch der Vorsitzende der jüdischen Sejmsraktion, Dr. I. Robinson, lVochenkalender. vom 7. bis 14. Nov. 1995. I vom 80. bis 27. MorLosLw. 5686. Samstag Nov. 7 rr-m 20 Sonntag 8 21 Nontag 9 22 Dienstag 10 23 Mittwoch 11 ]24 Donnerstag 12 25 Freitag 13 26 Samstag 14 n*w "n27 1