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Der Israelit · 1925-11-05 · Heft 45 (5.11.1925) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 45 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Israe l'i 1 November 1925 j|7n Nach Schätzung des Herrn Dr. Kahn wird das Joint Distribution Comittee in den nächsten drei Jahren etwa 4 fy/0 000 Dollars für das Landansiedlungswerk zu leisten haben. Ferner 900 000 Dollars für Unterstützung der bereits angesiedelten Familien, 600 000 Dollars für Darlehen an Handwerker, 600 000 Dollars für Darlehen an Gewerbetreibende, 450 000 Dollars für medizinische Arfoeh und 900 000 .Dollars für Kinderfürsorge und allgenreine Hilfsarbeit, sowie Hilfe an Flüchtlinge. Insgesamt werben 'für das Werk in Rußland 8 400000 Dollars notwendig sein. Wenn man diese Summe in den nächsten drei Jahren in Rußland ausgeben wird, schließt Dr. Kahn, so wird die russische Judenheit dadurch in eine Lage gebracht werden, die Selbsthilfe in großem Maßstabe durchzuführen. Amerikanische Kongresse. New Pork, 28. Oktober. Der soeben zu einer Tagung zusammengetretene Amerikanisch-jüdische Kongreß nahm eine Resolution an, in der bedauert wird, daß das. Joint Distribution Committee in dem gegenwärtig in der Durchführung begriffenen 15 Millionen-Drive das Palästinawerk unberücksichtigt läßt, obwohl in dem Abkommen von Philadelphia auch Palästina erwähnt ist. In der Resolution wird gefordert, daß das Abkommen von Philadelphia aufrecht erhalten werden solle und daß die russischjüdische Kolonisation nicht zum Hauptziel der Kampagne gemacht werde. In einem weiteren Beschluß billigt der Kongreß den Entschluß der Zionistischen Organisation, ihrerseits eine 5 Millionen Dollar-Kampagne für Zwecke des Palästina- Aufbaus durchzuführen und verspricht Unterstützung. Der Kongreß beschäftigte sich auch mit der Lage der Juden in der Alten Welt und nahm u. a. einen Beschluß an, in welchem gefordert wird, daß Polen dazu angehalten werden soll, die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten, die im Versailler Vertrag vorgesehen sind, zu verwirklichen. Der gegenwärtig in New Park tagende Kongreß der jüdisch-orthodoxen Kongregationen Amerikas nahm eine Resolution an, in der die Kampagne des Joint Distribution Committee zwecks Hilfe an die notleidenden Juden Osteuropas begrüßt wird. Es wird der Wunsch ausgedrückt, man möge sich bei der Sowjetregierung bemühen, daß sie sich in das religiöse Leben der russischen Judenheit nicht einmischt. Um Dr. Ruppin. Jerusalem, 28. Oktober. Dr. Arthur Ruppin, der von dem Beschluß der Berliner A. C.-Tagung verständigt wurde, wonach die Amts-- dauer der vom 14. Kongreß gewählten Exekutive bis zum 15. Kongreß verlängert wird, hat die Erklärung abgegeben, daß er für seine Person es ablehnt, in der Zionistischen Exekutive in Palästina länger zu verbleiben. Am 26. Oktober begann vor dem Jerusalemer Gericht die Verhandlung über die Klage des Mitglieds der palästinensisch-zionistischen Exekutive Dr.' Arthur Ruppin zegen den verantwortlichen Redakteur der Jerusalemer Hebräischen Zeitung „Doar Hajom". Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Im Oktober und November 1923, sowie auch im Februar 1924 erschienen im „Doar Hajom" Artikel, in denen Dr. Ruppin vorgeworsen wurde, er habe in Konstantinopel während des Krieges gewisse Manipulationen mit palästinensischen Geldern durchgesührt. Die Zionistische Exekutive hat die Behauptungen des „Doar Hajom" dementiert und die Vorwürfe gegen Dr. Ruppin mit Entrüstung zurückgewiesen. Nach einer längeren Auseinandersetzung zwischen diu beiderseitigen Rechtsvertretern beschloß das Gericht, im weitere Verhandlung bis zum 12. November zu vertagen. Verzögerung der Herausgabe von Staatsbürgerpässen. Jerusalem, 20. Oktober. Gemäß der palästinensischen Verordnung betreffend di: Staatsbürgerschaft, die am 1. August d. I. verkündigt worden ist, sollte mit der Herausgabe der Staatsbürgersckaftspapiere sofort begonnen werden. Diese Herausgabe hcu sich jedoch verzögert, was zu verschiedenen Auffassungen Anlaß gab. Wie die Pal. Tel.-Ag. erfährt, liegt der Grund der Verzögerung darin, daß die Herausgabe der Pässe eine im Budget nicht vorgesehene Ausgabe verursachen würde. Sobald im Nachtragsbudget ein entsprechender Posten eingesetzt sein wird, wird mit der H?.- ausgabe der Pässe begonnen werden. Rabbi Mosche Zinket .Jerusalem, 29. Oktober. Am dritten Sukkostag starb nach kurzer Krankheit Rabbi Mosche - F i n k e l, Sohn des „alten Finkel", des Begründers der Slöbotkoer Jeschiwa und Schwiegersohn des ersten Leiters der Jeschiwa, Rabbi M. M. Epstein. Der Verstorbene hattc fern Leben und feine ganze ^raft dem Lebenswerke Peines Vaters und Schwiegervaters gewidmet, und er übersiedelte nach Verlegung eines Teiles der Jeschiwa nach Hebron mit seinem Vater dorthin, wo er bis zu den letzten Tagen mit den besten Hoffnungen für die Zukunft der Lehrstätte im t)eiligen Sanbe wirkte. Der Tod dieses großen Gelehrten und seuenen Menschen bedeutet einen außerordentlichen Verlust für die Jeschiwa sowie für das Thorajudentum überhaupt. Die Bestattung fand unter außerordentlicher Beteiligung statt. Ein staatliches Rabbmergericht in Tanger. Tunis, 25. Oktober. In Tanger wird ein Rabbinergerichtshof auf Staatskosten errichtet. Es wird dies das erste staatliche jüdische Gericht in den französisch-sprachigen Ländern sein. Das Gerichtsgebäude wird in der Nähe des Parlaments und des Obersten Gerichtshofes errichtet. Personalien. Rabbi Ephraim Lapp von Wirballen Kowno, 27. Oktober. In feinem Veth-Hamidrasch über einem Buche gebeugt ist der Rabbi von Wirballen, Ephraim Dow Lapp — wie aus Wirballen der I. T. A. gemeldet wird — plötzlich vom Tode ereilt worden. Der Rabbi von Wirballen hatte einen Ruf als scharfsinniger Gelehrter und hatte eine Anzahl vielbeachteter Exegese-Schriften veröffentlicht. Auch in den weltlichen Wissenschaften war er bewandert, insbesondere war er umfassender Sprachenkenner; deutsche Gelehrte bezeichneten ihn in dieser Beziehung als ein Phänomen. Rabbi Ephraim Lapp, der als der Verfasser des Werkes „Siwchej Ephraim" populär geworden ist, und einige Jahrzehnt!- Stadtrabbiner von Wirballen war, tat sich auch in der Misrachi-Bewegung hervor. London, 28. Oktober. Ein Sohn des aus Frankfurt a. M. stammenden Bankiers Jacob Schwarzschild hat sich mit einer Nichte Herbert Samuels verlobt. Vermischtes. Berlin, 1. November. Die Agudas Jisroel — Ortsgruppe Berlin — veranstaltet am Sonntag, den 8. November, abends 8 Uhr, in den Sophien-Sälen (Parterresaal), N. 54, Svphienstraße 17-18, eine öffentliche Versammlung, in der Zahnarzt Dr. S. Ehrmann über: „Jüngste Erfolge unserer Palästina-Arbeit" sprechen wird. Freie Aussprache. Gäste sind herzlich willkommen. Breslau, 23. Oktober. Am 19. Oktober fand hier ein Festabend der beiden jüdischen Schulen, Volks- und höhere Schule, statt. Nach einer einleitenden Rede des Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann, der die Tendenz der Schulen klarlegte und auf die Notwendigkeit hinwies, inmitten der konfessionellen christlichen Schulen, die immer mehr bestrebt sind, die christliche Erziehung auch im Profanunterricht zu vertreten, auch jüdische Schulen zu errichten, die nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch im profanen Unterricht die Kinder mit jüdischen Anschauungen erfüllen, begannen die Vorführungen selbst. Auch der objektive Beobachter mußte zugeben, daß die Leistungen sowohl vom künstlerischen wie auch vom erzieherischen Standpunkt betrachtet, auf der Höhe standen. Auf allen Gebieten boten die Schüler Musterleistungen, ob es sich um die Wiedergabe eines dramatisierten Midrasch — Abraham und die Götzenbilder — im klassischen Hebräisch der Bibel, ob es sich um Vorträge im schlesischen Dialekt, oder die reizend einstudierten Reigen, Tänze und Stabübungen, oder Märchenspiele handelte, überall mußte man die frische natürliche Art der Kinder und ihre Freude an den Vorführungen bewundern. Aus der ganzen Veranstaltung wehte ein Hauch der harmonischen Durchbildung in Charakter, Körper und Geist, der die besten Resultate für die in der Jüdischen Anstalt erzogenen kommenden Geschlechter verspricht. Besonderen Verdienst um das Gelingen des Festes hatte sich Herr Dr. Freyhan, der die Haydn'sche Kindersymphonie einstudiert hatte, erworben, die das helle Entzücken aller Musikkundigen und Laien erregte, sowie Frl. H e i l - born, Frl. Lövy, Herr Dr. Klibansky, Herr Feilchenseld. Aber auch alle nicht erwähnten Lehrer und Förderer der Schulen hatten sich nach Kräften an dem Gelingen des prachtvollen Festabends beteiligt, dessen Nr. 48 Seite 7 materieller Erfolg auch nichts zu wünschen übrig ließ. Der gute Besuch der Veranstaltung zeigte, daß die Anzahl der Freunde der Jüdischen Schule in unserer Gemeinde immer mehr im Wachsen begriffen ist. Bezeichnend ist nur, daß der Vorstand der Gemeinde, den man besonders eingeladen hatte, seine konsequent ablehnende Haltung durch Fernbleiben von der Feier ostentativ bekundete. (Siehe Artikel im Hauptblatt. Red.) Biebrich a. Rh.. 23. Oktober. Die Enthüllung einer Gedenktafel anläßlich der Wiederkehr des 100. Geburtstages des berühmten Hebraisten und Bibelforschers Dr. Seligmann Bär gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung und Ehrung für den großen Gelehrten, woran sich alle Schichten der Bevölkerung Biebrichs, sowie Anverwandte und Freunde des Verstorbenen von nah und fern zahlreich beteiligten. Der Hof vor dem Geburtshause Bars und die daran anstoßende Straße waren dicht von Menschen gefüllt. Der Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde, Herr Js. Kahn, begrüßte namens derselben alle Erschienenen, insbesondere die Vertreter des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums. Sodann ergriff das Wort Herr Lehrer Sulzbacher, der in ausführlicher Rede die unsterblichen Verdienste Bars auf dem Gebiete der Bibelforschung und der Synagogenliturgie schilderte. Des weiteren schilderte Redner die unbegrenzte Bescheidenheit des Großen, der jeder Ehrung aus dem Wege ging und den man hier nur als den bescheidenen Religionslehrer und Vorbeter seiner Gemeinde kannte. Heute wisse man aber, wer und was Bär war und so habe es sich die Stadt- und Kultusgemeinde nicht nehmen lassen, an seinem 100. Geburtstage eine Gedenktafel zu enthüllen, die Jedem sagen soll: „Hier wurde einst ein Großer geboren, dessen Andenken nie untergehen wird!" Hierauf hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Lazarus eine sinnvolle Ansprache. Herr Dr. med. Bär, Sohn des Verstorbenen, sprach namens der Familie der Versammlung Dank aus für die erhebende Feier. Herr Bürgermeister S ch e f f l e r versprach sodann namens der Stadtverwaltung, der Tafel den Schutz der Stadt angeder'hen zu lassen. Mit Worten des Dankes schloß hierauf Herr Iß Kahn die schön verlaufene Enthüllungsfeier. Teplih-Schönau. 20. Oktober. Am Freitag, den 28. August, fand die feierliche Einweihung des alten Tempels in der Badegasse statt, zu welcher sich nebst der offiziellen Vertretung der Teplitzer Kultusgemeinde noch die Vertreter des Tempelvereins, der Beerdigungsbüderschaft, der Kultusgemeinde Soborten, des Volksoereknes, des „Vereines frommer Frauen" und des „Frauen-Unterftützungsvereines" eingefunden hatten. Den Gästen bot sich ein wundersamer Anblick: wo früher Verwüstung und Verfall, erschien durch vornehm wirkende Einfachheit überaus anheimelnde Einrichtung des Ganzen und in blendender Helle strahlte das uralte Gebäude dem zu diesem seltenen Festtage zahlreich erschienenen Publikum die Freude über das Wiedererstehen entgegen. Der Obmann des Vereines „Bnei Emunah", Herr M. U n g e r, und der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Cantor übergaben den Teinpel dem Vereine „Bnei Cmunah" zur Benützung. Letzterer gab in formvollendeter Rede seiner Freude Ausdruck, daß durch die seltene Opferwilligkeit des Vereines, unterstützt durch die Spenden der Teplitzer Gemeindemitglieder, das große, scheinbar unmögliche Werk so gut gelungen ist. Hierauf erörterte Herr M. H. U n g e r, der rührige Obmann des Vereines, in seiner Festrede kurz die Geschichte des Baues unter Erwähnung der jüdischen Gelehrten, die an dieser Stätte durchs Hunderte von Jahren gewirkt halben und schloß mit dem aufrichtigen Dank an seine bewährten Mitarbeiter und die zahlreichen Wohltäter, die durch ihre Spenden das Werk ermöglicht hatten. Herr Dr. Friedrich Weiß, Rabbiner der Kultusgemeinde, verglich in seiner großangelegten Rede den hiesigen Tempelbau mit der Alt- Neu-Synagoge in Prag und bemerkte besonders, daß die Errichtung dieses alten Gotteshauses in einer Zeit der äußeren Not, jedoch der geistigen Blüte des Judentums erfolgt sei. Auf den vermeintlichen Unterschied zwischen Ost und West übergehend, wies Redner nach, daß die verschiedenen Formen das gleiche Wesen umfassen, nämlich die Treue zum gemeinsamen Glauben. An diesen Festakt schloß sich dann der Freitag-Abend-Gottesdienst, den Herr Ch. Kalb, der auch die Einweihungspsalmen sang, nach uraltem Ritus leitete. Briefkasten. Lehrer G. in R. Wie uns nachträglich mitgeteilt wird, erholten Sie das gewünschte Werk mit gutem Kommentar bei der bebr. Buchhandlung B. Grünebaum, Cassel. Bahnhosstraße 7. S. F. i. B. Sie müßten sich brieflich an die indischen Buchhandlungen, vielleicht auch an eine Anzahl jüdischer Gemeinde-Vorstände wenden. Im Uebriqen empfehlen wir Ihnen zu inserieren. S. Sch. in Berlin. Der 8. Marcheschwan 5634. E. A. in K. In Deutschland ist dieser Modu^ nicht gewöhnlich, jedoch nicht ganz unbekannt So werden zum Beisp. in der Berliner v"2,-Lhewra aus diese Weife nnw und am Sabbat verbunden. Im Osten, besonders in chasstdischen Bethäusern. aeschieht das häufig. Familiermachnchken. Barmizwv: Josef, Sohn des Herrn Prof. Dr. M. Schüler. Am Tiergarten 54III. «l'i flttnS). — William Erwin, -sohn des Herrn Dr. S. Oppenheimer, Eschenheimer Anlage 31.

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