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Der Israelit · 1925-11-05 · Heft 45 (5.11.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 45 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 N?. 43 wird einwerstn, der Vergleich hinke. Der Sckmtzjude war unfrei, er mußte froh sein, ein. Dach über dem Kopse und eine Mauer um sein Ghetto zu haben, das konservative Mitglied einer, heutigen Einheitsgemeinde dagegen besäße völlige Bewegungsfreiheit. Dem ist nicht so. Es ist nicht jedem gegeben, Generationen alte Erinnerungen auszulöschen, es ist heute nicht möglich, seine Existenz abzubrechen und nach einer anderen Stadt überzusiedeln, wo man freier, ehrenvoller als gesetzestreuer Jude leben kann, als unter dem Schutzjudensystem der sogenannten Einheitsgroßgemeinde, die in Wirklichkeit nur eine Einheit kennt, nämlich den Willen ihres Vorstandes. Dies sollten sich einmal die Männer vor Augen halten, die in einer Gemeinde nach Breslauer Statut ihr Ideal erblicken und ängstlich allen Versuchen zur Verselbständigung der gesetzestreuen Judenheit und Wiedereinsetzung der Thora in ihre autoritativen Rechte erbitterten Widerstand entgegensetzen, welche die Männer herabzuziehen, versuchen, denen es ihr ©emiffen und ihre Thoraliebe verbietet, sich mit den Zuständen einer solchen deutschen Einheitsgemeinde abzufinden. Eine psychologische Frage bleibt nach unserer Betrachtung noch^ offen. Wie,.ist es zu erklären, daß diejenigen Männer, die in ihrem privaten und beruflichen Leben unbestrittene Ehrenmänner sind, mitunter sogar verantwortliche hohe Stellen im Berufsleben bekleiden, in denen sie das Ansehen und den Besitz ihrer Nebenmenschen zu wahren haben, so vollkommen versagen, sobald es sich um einen Konflikt mit ihren jüdischen Parteidogmen handelt, mit anderen Worten: wie ist es zu verstehen, daß die dem liberalen Lager angehörigen Gemeindebeherrscher jegliche Forderung des thoratreuen Judentums ablehnen, die ihren neologen Varteiansichten zu widerstreiten scheint? Man hört und liest heute so viel von Psycho-Analyse, und die heutige schlagwortbedürstige Jugend ist von „Freud" fast so begeistert, wie man vor 30 Jahren von „Häckel" war. Betrachten wir also nach der kulturgeschichtlichen Studie die Haltung des neologen Gemeindevorstandes von der psychologischen Seite her. Als vorzügliches Demonstrationsobjekt diene wieder eine Tatsache aus der jüngsten Vergangenheit. Da beantragte ein kühner Neuerer in der Breslauer Repräsentantenversammlung vor einigen Monaten, es möge den beiden Gemeinderabbinern, dem konservativen wie dem neologen Sitz und Stimme im Vorstand gewährt werden. Der Antrag fällt infolge der ablehnenden Haltung des Vorstandes, dessen Vorsitzender erklärt, „Rabbiner sind weltfremd und daher ungeeignet zur Mitwirkung an der Führung der Gemeindegeschäfte." Selbstverständlich meinte der Herr Gemeinschaft in Amerika nennt — gesammelt hat. Der -Staatsanwalt führte aus, die Neger könnten nicht Juden sein, weshalb die Miller kein Recht gehabt, für jüdische Institutionen zu sammeln. Die Angeklagte und die erschienenen Zeugen, lauter Neger-Rabbis, betonten leidenschaftlich, sie seien Juden nach Geist und Religion, und wenn die weißen Juden sie als Juden nicht anerkennen wollen, so sei das „Schuld und Schande" für die weißen Hebräer, nicht für sie, die schwarzen. Die Miller erklärte, sie sei in Mississipi als Kind schwarzer jüdischer Eltern geboren worden und habe von jeher Spenden für die „Chewra kol Israel chawerim", die arme Neger- Juden unterstützt und eist Spital erhält, gesammelt. Ich bin Jüdin, rief sie aus, auch wenn die weißen Hebräer mich nicht anerkennen wollen. Ihr Verteidiger, ebenfalls ein Neger-Jude, erklärte, das Judentum fei ein religiöser, kein Rassenbegrisf. Das Gericht sprach die Miller ftei. # c a r « i r ♦ nicht den neologen Geistlichen, der gerade diesen Vorwurf nicht , perdient, und — sancta simplicitas! — auch der konservative Vorstandsvertreter tritt diesem -Argument bei. Man Muß sicherlich schon ein ungewöhnlich geheimer Justizrat sein, um sich solchen klären Rechtsforderungen gegenüber wie derjenigen, daß der Rabbiner, der der geistige Führet einer' jüdischen Gemeinschaft sein sott', auch in deren leitenden Körperschaft mitbeftimmend sein möge, verschließen zu können. Und m der Begründung der Ablehnung liegt unseres Erachtens die Lösung des Rätsels überhaupt. Daß man das thoratreue Judentum zum Schutzjudentum degradiert hat, seine Wünsche mißachtet oder sich abringen läßt, daß man den Rabbiner aus den führenden Körperschaften aüsschließen will, alles dieses wurzelt darin: der Thorajude ist weltfremd, die Thora i st w e l tfre m d., ihre Forderungen sind weltfremd, deswegen darf man diesen Forderungen nicht nachgeben, denn ihre Erfüllung würde die bisherige glorreiche Entwicklung im deutschen Judentum aufhalten, die Jüdische Schule könnte wieder jüdisches Wissen und jüdische Gesinnung in jüdische Seelen einpflanzen, der freiwirkende Rabbiner könnte wieder jüdische Institutionen nach seinem Herzen öhne Rücksicht ' auf die( gottgewöllteN' Abhängigkeiten vom neologen Vorstand fordern und damit eine Rückkehr zu den finsteren Zeiten des Mittelalters (wörtliches Zitat des Vorsitzenden der liberalen Vereinigung in öffentlicher Versammlung mit brausendem Beifall und durchschlagendem Abstimmungserfolge) anbahnen. Das darf nicht sein, denn das Leben fordert den Fortschritt — vom Judentum. Dem bewußten Neologen, der genau den Weg kennt, den er zielbewußt verfolgt, chm grollen wir nicht, wir betrauern ihn nur. Aber wie will der sich konservativ nennen, d. h. für die Erhaltung des Ueberlieferten eintretend, der sich zum Vorkämpfer und Verteidiger eines solchen Systems macht? (Biblische Taktik bei der Eroberung Palästinas.) Ein amerikanisches Militärblatt berichtet über den Einfluß der Bibel auf die englische Strategie bei dem letzten Palästinafeldzuge. Eswar in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht M'Jericho. Der Osfensivplan war «n allen Einzelheiten fertig ausgearbeitet. .Im Hauptquarrier saßen ein englischer Offizier und las in der Bibel die Stelle aus Samuel I., wv erzählt wird, wie sich Jonathan mit einigen seiner Leute über die Felsen und Schluchten schlich, die Philister von einer Stelle aus überfiel, von der. sie keine Gefahr ahnten und damit das Kriegsglück zu Gunsten des. jüdischen Heeres wendete. Der Offizier gab seine Meinung kund, daß die gleiche Taktik heute noch gegen die Türken mit Glück anQewenbet werden könnte. Seine .Ansichten fundenim! Generalkommando Beachtung. Man schickte Pioniere aus uni)1 stellte fest, daß die. Bepge und Schluchten in dieser Gegend noch genau so geartet sind, wie' zur Zeit der Bibel. M'lG'-:) . >' l Korrespondenzen « nacbricMtti Statifd?«* Reich. Tagung des 21. C. der zionistischen Organisation. Berlin, 1. November. Die Tagung des A. C. der zionistischen Organisation, die am Mittwoch, den 21. Oktober, im Büro-, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland begonnen hatte. Es wurde nun ein ganz neuer Feldzugsplan nach den biblischen Anweisungen ausgearbeitet. Genau an gleicher Stelle, wo vor 3000 Jahren Jonathan und seine Freunde auf der Lauer lagen, postierten sich jetztim Schutze der Berge kleine englische Abteilungen, die Morgens, auf ein gegebenes Signal losschlugen. Durch den konzentrischen Angriff von allen Seiten überrascht, flohen die Türken in vollster Verwirrung -über den Jordan. Jericho und damit Palästina überhaupt, fiel in die Hände der Engländer. So. beeinflußte, die Bibel Ne, -.englische: Kriegsführung in Palästmp und bedingte ihren Sieg. . (Das Schicksal jüdischer Heldengräber.) Dieser Tage fand die Ueberführung von 13 in der Schlacht bei Toporutz im Jahre 1915 gefallenen 13 jüdischen Soldaten nach dem jüdischen Heldenfriedhof in Czernowitz statt. Dies gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung der jüdischen Bevölkerung von Czernowitz. Auch die Spitzen, der kirchlichen und weltlichen Behörden nahmen an der Zeremonie teil. Ueberführt wurden die Ueberreste von acht unbekannten und fünf mit Namen bekannten jüdischen Soldaten. Die Kriegsgräber waren im Dorfe Toporutz verstreut. Zwei der jüdischen Gräber waren auf dem christlichen Friedhose, zwei direkt hinter der Kirche, sieben auf einem verwahrlosten christlichen Friedhof außerhalb des Dorfes und zwei direkt an der Landstraße. Der 80jährige Jude Herfch Rittberg aus Toporutz kannte alle Stellen, wo jüdische Soldaten begraben wurden und bemühte sichdaß das Komitee für jüdische Heldengräber den gefallenen Soldaten eine würdige Grabstätte' schafft. Die Leichen war nur sehr notdürftig, zum Teil in sitzender Stellung, bestattet. Bei der Leiche des Landsturmmannes Mendel Tuttmynn, der von christlichen Kameraden'im Schlachtgetümmel bestattet worden war,' fand man unter dem Arm ein dickes Gebetbuch, auf dessen Umschlag mit Bleistift hebräische Worte aufge- 8. November Mg .ging Sonntag zu. Ende. Im Mittelpunkts der ersten Sitzungen stand einReferat Weizmianns über die seit dem letzten Kongreß geleistete politische. Arbeit. Es gab inzwischen Besprechungen in-. Lonhyn und Genf, insbesondere in Sachen der Immigration. Die politgche Debatte drehte sich zunächst um die Vertretung des Waäd leumi in 'bei- Zionistischen Exekutive, ferner uber SchOelfrageN und das ^ud^M^MydZsts«. Hxskutiy«. Die. größte iSchwierigkeit machte öle^ Bildung .der Exekutive. Bekanntlich hatte der 14. Kongreß das Präsidium mit.der Bildung der Exekutive betraut. Die von Weizmann und Sokolow ausgestellte Liste fand aber nicht die Billigung der Parteien und) wurde fallen gelassen. Es zeigte sich in der Debatte, daß. eine aus der Linken und Rechten-zusammengesetzte Exekutive unmöglich sei und wurden daher die Zentrumsgruppen, die zwar keine Mehrheit besitzen, aber auf die Unterstützung der Linken rechnen dürfen, gebeten, die Exekutive zu stellen. Das Zentrum erklärte sich aber nach mehrmaligen Versuchen außerstande, den ihn gewordenen Auftrag auszuführen. Darauf brachte Leo M o tz k t tt als, Vorsitzenderin der Sonntagssitzung den Antrag ein, die alte Exekutive, die vom 13: Kongreß gewählt wurde, bis züni nächsten Kongreß in ihrem Amte zu belasten. Grünbaüm von den radikalen Zionisten erklärte sich damit einverstanden, falls der nächste Kongreß schon 1926 eitth.er.ufen werde. Ttvtz' Zureden'' LÄetzmüriti? ' geh^,GyrystWnßoy. der hetzten Forderung nicht ab Und weigert sich' im Namen der radikalen Fraktion, die alte Exekutive zu bestätigen, sofern die beschleunigte Einberufung des Kongresses für den kommenden Sommer nicht sofort beschlossen wird. M i s r a ch l erklärt, sich in dieser Sache der Stimme zu enthalten. Hitachduth stimmt dem Vorschlag Motzkins zu unter der Bedingung, daß der Hitachduth mehr Vertretung in der verbleibenden Exekutive gesichert wird. Der Vorschlag wird dann mit 25 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen angenommen. Die Ämtsperiode der alten Exekutive wie des Finanz- und Wirychaftsrats ist somit bis zum nächsten Kongreß verlängert. Die sieben amerikanischen Mitglieder der Exekutive nehmen, wie Richter Rosenblatt mitteilt, die Wiederwahl an. Das holländische Mitglied van V r i e s l a n d macht seine Annahme vom Verbleiben Ruppins und Halperns im Amte abhängig. Wie man aber nachträglich hört, hat Rupprn das weitere Verbleiben a b g e l e h n t, damit dürfte auch van Vriesland ausscheiden. In der' Erziehungsdebatte machte Dr,.. M o s s i nsohn einige Vorschläge. Es sprachen auch Sokolow und David Pellt n. Letzterer wünscht im Namen der Lehrer von Jerusalem die Einsetzung eines provisorstcyen W a a d H a ch i n u ch , in dem auch die Exekutive vertreten sein ' soll, ebenso einer ständigen pädagogycyen Kommission. . Ueber Pas Schulbudget spricht Dr. Alfred Klee. Zu den 70000 Pfund, die die Organisation für Erziehungszwecke auswirst, muß noch ein Züfatzbudgel ays Beiträgen der Gemeinden geschaffen werden. Dr. C h a j e s referiert über die Verhandlungen mit der zeichnet waren, die bedeuteten: „Heute ist für mich ein Tag der Entscheidung, ein heiliger Tag." Das Czernowitzer „Komitee zur Pflege von jüdischen Heldengräbern" hat bereits 87 Denkmäler für Soldaten und 14 für Offiziere errichtet, die alle in der Gegend von Czernowitz notdürftig bestattet worden waren. Demnächst werden die Ueberreste von weiteren 20 jüdischen Kriegsgefallenen, die in den Wäldern von Rarancze und Kamena in einsamem ungepflegten Gräbern beigesetzt sind, nach dem Heldens,rredhof in Czernowitz überführt werden. (Das Jubiläum des Rastenankisemilismus.) Am 9. .September beging in. Bayreuth der Begründer des Rastenantisemitismus H. St. Chamberlain seinen 70. Geburtstag und mit ihm der Rassenantisemitismus selbst, sein Jubiläum. Die Zeitungen stellten fest, daß der Lörm, der seinerzeit beim Erscheinen von Chamberloms Hauptwerk „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" entstanden war, nunmehr verrauscht ist und daß es um diesen Mann, der Europa sein Weltbild aufoktroyieren'wollte, still gewordenist. Sein . ganzes System habesich als --erstiegener Journalismus entpuppt. Die ■ „Vostifche Zeitung" schreibt: „Die Maßlosigkeit dieses, Engländers, der sich 1916 w Bayern naturalisieren ließ und dent alldeutschesten Alldeutschen an Beschränktheit in seinen politischen Einsichten übertraf, hat -manchen Verehrer seiner schwungvollen Darstellungen großer Männer und Epochen abgekühlt. Per. Geist dieses Mannes trug r-on vornherein Scheuklappen, die ihn am sachlichen Se-en hinderten. Die Rasse-Idee verwirrte seinen Kops, er wurde . Germanomastk." . - ' iib lL' ny

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