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Der Israelit · 1925-11-05 · Heft 45 (5.11.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 45 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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5 Nooemoer 1925 (0nö an der mangelnden materiellen Konsolidierung. Man müßte meinen, daß die Großgemeinde, angeblich paritätisch beiden Richtungen dienend, ihr diese gern verschaffen würde, zumal der Fehlbetrag im Etat der Anstalten dank ihrer guten wirtschaftlichen Organisation nicht erheblich jsi und im Budget einer Großgemeinde kaum eine giolle spielt. In den ersten Jahren ihres Bestehens konnten sich die Anstalten selbst erhalten, glletn im Gegensatz zum Dichterwort wachsen veder leider die Räume, noch dehnt sich das Haus der Jüdischen Schule mit der zunehmenden Schülerzahl. Die Synagogengemeinde verfügt über geeignete Klassenräume in ihrem dem ge- Isetzestreuen Religionsunterricht erbauten Hause, »die am Vormittag unbenutzt stehen. Rach vielem ■Bitten hatte sie sich vor zwei Jahren auch er- Ilve'chen lassen, der Jüdischen Schule mehrere »Klassenzimmer gegen Bezahlung zur Verfügung jju stellen, allerdings von vornherein nur als Pro- »vislirium mit dem Rechte jederzeitiger Kündigung. »Von diesem Rechte hat vor einigen Monaten die Isogenannte paritätische Einheitsgemeinde Gelbrauch gemacht.' Alle Bitten, wohlbegründete Ein- Igaben, Entsendung von Deputationen zu den IGemeindegewaltigen, blieben ohne Erfolg. Das Illrteil war gesprochendie Jüdische Schule mußte Idie drei Klassen räumen, die man ihr kurze Zeit Iüberlassen hatte, und die die Gemeindeverwaltung , I während des Krieges christlichen Volksschulen be- [reitwillig zur Verfügung gestellt hatte. Sie hätte [mit ihren Schülern auf der Straße gelegen, würde [nicht die Stadtverwaltung, nicht zuletzt infolge [der Intervention des Bürgermeisters, der als [Zentrumsführer besonders Verständnis für die [Nöte der jüdischen Mitbürger besitzt, ihr im letzten [Augenblick Räume in einer städtischen Schule zu- I gewiesen haben. Aber außer den Räumen braucht die Schule auch Geld. Im Beginn ihres Entstehens wagte [man nicht, an die Gemeindeverwaltung heranzu-!treten, man wollte erst Erfolge zeitigen, die Frequenz der Anstalten abwarten. Als im Laufe der Jahre die Schülerzahl auf etwa 250 —aus allen jüdischen Lagern stammend — angewachsen war, suhlte man die Zeit gekommen, der Gemeindeverwaltung die Beteiligung an dem Werke anzutragen. Man richtet erneute Eingaben an den! Vorstand um Wiederüberlassung der Klassenräume; man wiederholt die Bitte um Subvention, begründet sie ausführlich mit der geistigen Strömung in den nichtjüdischen Anstalten, deren ausgesprochen christlicher Charakter durch die neuen Erlasse des Bildungsministeriums noch verstärkt werden soll, man überreicht eine Denkschrift von etwa 200 Eltern, man läßt private Beziehungen zu den maßgebenden Persön- und die Uebersetzung lautet nach Onaelos: „Die sieden Frühlämmer" sollst du nehmen aus meiner Hand, damit dieses mir zum Zeichen fei, datz ich am frühesten (*iBn**pn) diesen Brunnen entdeckt habe." Die häufige Umstellung und Verwechselnng aer einzelnen Konsonanten im Aramäischen ist begannt. Vgl. jedoch Gesenius und Professor Dr. Fleischer im Anhang zum chaldäischen Wörterbuch über die Targumim von Pros. Dr. I. Levy, welche beide tpn mit Reißen, Rupfen übersetzen, was Prof.' Dr. Levy mit Recht als ' „gezwungen"' bezeichnet. Die eigentliche Bedeutung von rpn ist tatsächlich von ..jung", „früh sein" zu verstehen! — Wie saßt nun Targum Jonatan ben Usiel die obige Stelle aus? Wenn wir die vielfach zerstreut liegenden Beweisstellen im Pentateuch sammeln, so ergiebt sich die Tatsache, datz Jonatan ben Usiel ein recht abwechselungsliebender, wenig wortgetreuer, deshalb in sprachlicher Hinsicht wenig zuverlässiger Uebersetzer ist. Er solgt in der Regel bezüglich isn dem Targum Onkelos, bez. rna hat er jedoch überhaupt deinen adäquaten Ausdruck. Er vermeidet den Ausdruck ms, sicher aus dem Grunde, weil rna in lleinerZ eit nicht im Sprachgebrauch war. Er stützt auf Schwierigkeit bezüglich des Ausdruckes in dem Satze: 1X2 pnr» nasr na'1. Onkelos übersetzt richtig, um den Gegensatz zu nsn-aufspüren zu markieren "XT2 ,?nr ’ny pn nav*. Targum Jonatan den Usiel übersetzt als Ausweg jedoch das Wort frn mit ivsni"' Was heißt dies nun? Die meisten ubesretzen noam mit „und es gruben" und legen dsn den doppelten Sinn von „graben" und „suchen" unter. Auch das Wörterbuch von Dr. I. Levy urmmt diese Doppelb edeutung an, bemerkt Der Israelit lichtesten spielen, alles vergebens: der Vorstand lehnt „aus prinzipiellen Gründen" jede Subvention einer Jüdischen Schule und jede weitere Ueberlassung von Gemeinderäumen auch gegen Bezahlung ab. Wir sind auf diese Affäre deswegen etwas ausführlich eingegangen, weil sie für die geistige Verfassung unserer Großgemeinden typisch ist, und weil an ihr gezeigt werden kann, welche Stellung in Wahrheit das thoratreue Judentum, ja nicht nur das thoratreue, sondern jedes nicht links radikal eingestellte Judentum in einer Großgemeinde einnimmt. Steht doch hinter der Jüdischen Schule in Breslau heute nicht nur die dortige gesamte gesetzestreue Judenheit, nicht nur fast ausnahmslos die national eingestellte Richtung, sondern bis weit hinein in die liberalen Kreise erstreckt sich heute das Interesse an der positiv jüdischen Erziehung der künftigen Generation in einer jüdischen Schule. Dieser Fall dient zur Charakterisierung der Verfassung der Großgemeinde, oder besser ihres rein parteimäßig kulturkämpferisch eingestellten Vorstandes, in dem die sogenannten konservativen Mitglieder eine höchst bedeutungslose Rolle spielen und ja auch nur, um den Schein der Parität nach außen hin zu wahren, zugelassen sind. Es fehlt nicht an weiteren Beispielen: die unzureichende Besoldung I und Gruppierung der Ritualbeamten, der Kampf, der um jede kleinste Forderung im Rltualwesen, sei es eine Reparatur der Mikwah, sei es die notwendige Einrichtung irgendeiner Aufsicht, geführt werden muß, gibt davon Zeugnis, wenngleich die Oeffentstchkeit nur selten etwas davon erfährt, wie z. B. in dem berüchtigten Falle Ster, der ein erschreckendes Schlaglicht aus die Zustände im Ritualwesen warf, und der anstelle der alleinschuldigen Kommissions- und Vorstandsmitglieder den sozial und gesellschaftlich schwächeren kleinen Beamten als Opfer forderte. Welche Rolle spielt also das überlieferte Judentum heute in einer Großgememde, die nach der Ansicht einzelner unentwegter Gemeindekonservativer als Mustergemeinde gelten soll? Allen Kennern der jüdischen Geschichte des Mittelalters ist das Verhältnis von Reichsstädten oder reichsfreien Herren zu ihren Juden bekannt. Man hätte sie gerne vertrieben, mochte sie andererseits aber in seinen Gebieten nicht missen, denn sie zahlten Steuern, belebten den Handel und leisteten oft ganz wertvolle Dienste, also nahm man sie mitunter sogar ganz gern auf, brauchte man doch ihnen an Rechten nicht mehr gewähren als einem selbst gut erschien; sie waren ja nur geduldet, Schutzjuden bestenfalls. Rechtsansprüche besaßen sie nicht, hatten sie Wünsche, so stand es ihnen frei, sie in ehrerbietiger Weife vorzutragen. Diese aber ganz zutreffend: van in der Bedeutung von „graben" kommt nur im Ieruschalmi-Targum Genes. 26. 25. 32 und Exodus 21. 33 vor. (Schluß folgt.) Uleines Feuilleton. Hat Spaniens Judenauslreibungs- Editt von 1492 noch Geltung? Senator Angel Pulido, der bekannte Judenfreund, richtete an eine Reihe führender spanischer Persönlichkeiten die folgenden drei Fragen: 1. .Betrachten Sie das Edikt von 1492 betreffend die Austreibung der Juden aus Spanien als ein zeitliches und also jetzt bereits ungültiges, oder glauben Sie, datz es heute noch Geltung hat?" 2- „Glauben Sie, datz die spanische Regierung es nötig hätte, durch eine feierliche und öffentliche Deklaration, bestimmt für die ganze Welt, dieses Edikt zu widerrufen, oder glauben Sie. datz das Edikt durch die im 19. Jahrhundert proklamierten nationalen Konstitutionen bereits erledigt ist?" 3. Glauben Sie, daß es nötig wäre, das spanische Parlament um eine ähnliche Deklaration zu ersuchen, damit die noch immer bestehenden Zweifel des sephardisch-jüdischen Volkes endgültig zerstreut werden, oder glauben Sie, datz das Parlament ein solches Ersuchen zurückweisen wird?" Von den eingelausenen Antworten sind die folgenden von den prominenten spanischen Führern Augusto Barcia, A. Goicoeches und Gimeno stam- _S>r. 45 Seile 3 Wünsche konnte man gewähren, ablehnen, je nach dem man gelaunt war, oder das Wohl der Stadt dadurch gefördert oder geschädigt erschien. Nicht immer war der Bürgermeister oder der Herzog frei in seinen Entschlüssen den Juden gegenüber, oft mußte er Rücksicht nehmen auf die Stimmung des Rates, der Gilden, der Zünfte, die des öfteren die Erfüllung der Bittgesuche der Judenschaft als ihren Interessen zuwiderlaufend ansahen; da mußten dann die Bittsteller mit ihren ehrerbietig und säuberlich abgefaßten Bittschriften unverrichteter Sache abziehen, auch wenn sie mitunter die Hofjuden waren, die sonst bei dem Herrn Bischof oder Grafen in höherer Gunst standen, oft mit einem kräftigen Spottverslein begleitet. Was hatte man von ihnen ja auch zu gewärtigen, es waren ja nur Schutzjuden, eine rechtlose nicht zu beachtende Minorität, deren Empörung man nicht zu fürchten hatte. Wenn man an Stelle des edlen Herrn Grafen oder des gestrengen Bürgermeisters den Herrn Vorsitzenden der Synagogengemeinde, an Stelle des hohen Rates die übrigen Herren des Vorstandes, an Stelle der Zünfte und Gilden die liberalen Vereine fetzt, an Stelle der demütigen Bittsteller aber die Vertreter des thoratreuen Judentums, paßt das Bild vom Schutzjuden nicht vortrefflich auf die Verhältnisse einer deutschen Einheitsgemeinde nach Breslauer Muster? Das thoratreue Judentum hat nicht zu fordern, es hat nur zu bitten. Gewiß möchte man feine Anhänger nicht missen in der Einheitsgemeinde, sonst wäre es keine Einheitsgemeinde mehr, aber sie sind nicht Subjekt, sondern nur Objekt der Verwaltungstätigkeit. Auch das Bild vom Hofjuden paßt hier hinein. Im Mittelalter ernannte mitunter der edle Herr bestimmte Persönlichkeiten zu Judenältesten, zu denen er in persönlicher Beziehung stand, und die ihr Ansehen wohl Mehr in den Augen des geldbedürftigen hohen Herren als in den Augen der von ihnen vertretenen Judenschaft genossen. Findet nicht heute die Ernennung der sogenannten konservativen Konzessionsvorstandsmitglieder unter ganz ähnlichen Gesichtspunkten statt? Ist es denn anders zu verstehen, wenn seitens der liberalen Majorität fast stets nur solche Leute als Vertreter der „konservativen Richtung" in ihre Gremien hineingewählt werden, die mit ihrer Ernennung zum Vorsteher gleichzeitig ihre Ernennung zum konservativen Judentum erhalten, und die außer dem Vorstand und der neologen Führerschaft niemand als konservativ bezeichnen würde. Konnten doch jahrelang in Breslau Männer den Vorsitz in Ritualkommissionen führen, die weder den Sabbat heiligten, noch auch nur die primitivsten Kenntnisse vom Ritualwesen auswiesen. Man wenden charakteristisch. Senator Barria erwiderte: „Ich betrachte die von den katholischen Monarchen im Jahre 1492 erlaflenen Judenausweisungsedikte als zeitweilige und bereits außer Geltung stehende. Kein Spanier, der über Gesetzeskenntnisse verfügt, wird dieser Ansicht widersprechen wollen. Deshalb glaube ich, datz keine Regierung sich zu einer neuerlichen Deklaration betreffend die Aushebung der Edikte verstehen wird, da durch eine solche Deklaration manifestiert werden würde, datz in Spanien noch heute inhumane Gesetze bestehen.- Ä. Goicoeches erwiderte: 1. .Ich glaube, datz das Judenausweisungsedikt von 1492 gegenwärtig keine gesetzliche Kraft mehr hat. 2. Rach meiner Meinung ist es unnötig, vielleicht sogar schädlich, gegenwärtig irgend eine Erklärung über diese Angelegenheit seitens der spanischen Autoritäten zu erstreben. 3. Die sephardischen Juden brauchen keine Erklärung, um zu wissen, daß die Wiederanknüpsung der geistigen Bande mit ihnen und ihre politische Vereinigung mit unserem Lande als wertvoll betrachtet wird.- Senor Gimeno erwiderte: „Ich betrachte das Edikt von 1492 als absolut gegenstandslos. Es gibt Angelegenheiten, die von »der Zeit der Geschichte und dem Gefühle der Völker abhängig sind und mit der Aenderung von Zeit und Gefühl in die historische Versenkung verschwinden. Eine öffentliche Erklärung von Regierung und Parlament ist ganz überflüssig; die gegenwärtige Verfassung gewährt allen in Spanien Wohnenden gleiche Rechte." . (Neger-Juden in Amerika verteidigen vor Gericht ihre Zugehörigkeit zue jüdischen Gemeinschaft.) Die Negerin Elisabeth Miller in New Uork hatte sich dieser Tage vor Gericht zu verantworten, weil sie Geld für Institutionen der „Schwarzen Juden" — wie sich die jüdische Neger-

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