Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Seite 3 29i Oktober 1925 Herz trotz aller. Enttäuschungen unverdrossen seines Amtes waltete. : So war. es von diesem Gesichtspunkt aus begrüßenswert, als die Stabilisierung der Mark dem Taumel ein Ende machte. Was von uns in dieser Zeit nun weiter versucht wurde, sagt. Ihnen kurz unser Geschäftsbericht., Was aber unser. Wille , ist, was auch der Wille der von Ihnen zu wählenden OrganissationsleituNg sein mutz, ist mit einem Satz zum Ausdruck gebracht: Es mutz bis in das kleinste Dorf Deutschlands dafür Sorge getragen werden, daß kein jüdisches Kind, das selbst, oder dessen Eltern laurohbegierig sind,, ohne Tauroh bleibt; denn wie auch immer alle sonstigen notwendigen Bestrebungen der Agudas Jisroel heitzen mögen, für die Jugend darf und kann es keine wichtigere Aufgabe geben als daß die Erde, das Land, sich fülle mit Gotteserkenntnis, wie das Wasser das Meer bedeckt. Zwar sehen wir nicht, wie sich dieser wichtige Gedanke rasch verwi.wichen wird. Unsere Gruppen haben selbst die kleinste Beitragszahlung, die wir ihnen auferlegen mutzten — Mk. 0.50 pro Quartal, also ÜÜJtt 2.— für das ganze Jahr — nur zum geringsten Teil entrichtet.; Wir waren < daher genötigt, nur den Gruppen für .den heutigen Tag Stimmrecht zu verleihen, die wenigstens 2 Quartale dieses Jahres an uns bezahlt haben, und mutzten wir zum grötzten Teil auf unsere. Veitragsforderungen für das vorige Jahr verzichten. Nicht nur, datz wir von einer ganzen Reihe gut. geleiteter süddeutscher Gruppen zu Gunsten der Bestrebungen der Verbandsleitung in Nürnberg keinen Beitrag bekommen, sondern wir haben aus den uns nur karg zur Verfügung stehenden Mitteln an diese Verbands lei tung regelmäßig Gelder abgeführt. Wir mutzten, um überhaupt unseren Bestrebungen, in die „Wüste" Wege zu bahnen, darauf verzichten, datz die Gruppen Beiträge an uns zahlen, und haben wir erst in Ostfriesland, wo Herr Boley in rühmlichster Weise sich ganz aufopfernd in fernem Beruf, für uns arbeitet, einige kleinere Summen dem Keren Hatauroh zurückerstatten können, während wir in dem ganzen vorigen Jahr von keiner Gruppe -- Emden ausgenommen — auch nur einen Betrag, erhielten. .Um unserem in Baden- Württemberg arbeitenden Sekretär, Herrn Posen, die Tätigkeit überhaupt zu ermöglichen, haben wir dort vorläufig auf Geldeingänge ganz verzichten müssen, und hätten nicht edle Männer, . die die. Größe unserer Aufgabe erkannten, uns durch teils regelmäßige, teils größere einmalige Summen unterstützt, wir hätten das Gebäude bis. heute nicht -aufrecht erhalten können. Auch ..heute stehen wir wiederum vor der großen Frage: Läßt sich das bisher Erhaltene weiter erhalten? Läßt sich-weiter bauen? Man kann nun mit Recht die Frage aufwerfen, wie habt Ihr organisatorisch gearbeitet? -Hättet Ihr nicht besser getan, Eure Arbeit 'auf die vorhandenen Gruppen zu Beschränken, um diese durch ständige Rundschreiben, Besuchezu-' -sammenzuhalten,, um dort den -Zusammenhang und den Zusammenhalt, das'Band für die Agudas Jisroel enger zu knüpfen? Wir haben diese Aufgabe nie aus den Augen verloren, und wir, hätten uns nach dieser Richtung gern betätigt, wenn es uns möglich gewesen wäre, eine Persönlichkeit zu finden, die als Generalsekretär dauernd durch persönliche Besuche im Könner mit den einzelnen Gruppen — namentlich den Grotzstadtgruppen — geblieben wäre. Diese fand sich nicht. Für die Großstädte selbst zu sorgen, erschien uns weder unsere Aufgabe, noch war die Möglichkeit dazu vorhanden. Die Großstädte haben das Glück, in ihrem Kreise Männer zu besitzen, die Taurohart kennen, und es ist die Aufgabe einer jeden Grotzstadtgruppe, sich diese Männer zu ihren Führern zu erwählen, und unter der Leitung dieser Männer ihren jüdischen Weg zu gehen. Dazu bedarf es nicht 'der Organisation. Die Organisation -hat' ui C.: die doppelte Ausgabe: 1. Tauroh hinzüträgen,' wo Tauroh - ohne^ sie nicht hingebracht wükde < ©.e r* 3 s r a e i i t L tltzr und 2. auch die'-organisatorische Zusammenfassung, den Zusammenhang der Gruppen untereinander zu fördern! Wir betonen aber, daß die erste Aufgabe für uns die war, die auch der Prophet uns zeigt, wenn er uns lehren will, wie das im Schutt liegende Heilige, wie das Heiligtum wiederum zu einem lebenspendenden Gebäude sich entwickeln kann.. Da es uns nicht möglich war, beide Aufgaben zu erfüllen, so versuchten wir wenigstens, zum grötzten Teil der ersten Aufgabe gerecht zu werden. Wohl der Jugendorganisation, wenn es ihr gelingt, durch Menschen und Mittel so stark zu werden, datz beide Aufgaben bis zürn Ausmaß alles Möglichen erfüllt werden können. Solange dies nicht ist, erscheint es uns wichtiger, eine Aufgabe, und zwar die, die für uns die erste ist, einigermaßen gründlich zu erfüllen, als zwei oder mehrere halb. Allerdings ersehnen wir noch ein anderes Ziel. Es gibt in Deutschland eine systematisch für die Tauroh erzogene Jugend, deren Führer zum größten Teil uns nahe stehen, organisatorisch aber bisher den Anschluß an uns noch nicht gefunden hat. Wir wissen sehr genau, datz es nicht Starrsinn ist, und daß die. Mitglieder dieser Organisation in einer anderen Weise vorgebildet werden müssen, als die Jugendorganisation es in ihrer Tätigkeit 1 f 1 1 1 | Sie fioßen nocfi keine 1 | darum j | schreiben Sie sofort an die j | Deutsche Palästina-Zentrale der Agudas | | Jisroel, Frankfurt a. M., Escftenh. Anlage 3t | ^/lllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllilllllllllllillllllllillllllilllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllll^ übt. Das Verhältnis des Führers zu den Esräern ist ein anderes 'als das Verhältnis des Vorstands einer Iugendgruppe zu der Gruppe. Der Vorstand einer Gruppe hat lediglich die Geschäfte zu führen. Der Führer einer Esragruppö mutz Vorbild, Stütze sein. Es müßte aber durch gemeinsame Beratung ein'Weg gesucht und gefunden werden, der es erlaubt, die Jugendbewegung des Esra als ein Glied und Teil unserer Organisation zu betrachten, bei vollkommen selbständiger, unabhängiger, freier Führung - der -Bundesleitung des 'Esra, und wäre dieser Weg nur darin zu finden, daß gemeinschaftliche Beratungen in regelmäßigen Zeitabschnitten die Leitungen einander näher bringendatz durch Austausch der Sitzungsprotokolle die Leitungen gegenseitig über die einzuschlagenden Wege orientiert bleiben. Wir wissen, daß wir hier nur anregen, andeuten können, und daß auf der Esra-Tagung darüber Beschluß zu fassen ist. Wir glaubten aber, bei der Wichtigkeit dieser Frage, der jüdischen Oeffentlichkeit unsere Ideen hierüber nicht verschweigen zu sollen. Wir wollen hier davon absehen, die Arbeit, die von einem grotzen Teil unserer Gruppen und teils auch 'von der Leitung als solcher in sozialer Hinsicht geübt worden ist, zu spezialisieren. Wir verweisen nur auf das große Gebiet der Stellenvermittlungszentrale, auf die zeitweiligen Be-, mühungen in Sachen 'l MazzauS/^Arbct - Minim', i Ritualien. Diese Fragen könEtt evtl.' 'ist der Generaldebatte Ausführlich Gesprochen - werdest. v \ Nur auf einen Zweig der Tätigkeit, dem wir noch nicht genügend Aufmerksamkeit widmen konnten, müssen wir hierdurch Hinweisen, das ist die Tätigkeit für Erez Jisroel. Allerdings ist unsere ganze Tätigkeit, recht betrachtet, eine solche, die der Wiedergewinnung unseres 'heiligen Landes dient. Denn nur, wenn von Zion aus die Tauroh kommt, kann das Wort Gottes in Ieruscholajim wieder gehört werden. Zion ist die höchste geistige Einstellung zu Gottes Schechino. Ieruscholajim wird uns nur wiedergewonnen, der Mittelpunkt unseres jüdischpolitischen Lebens ist nur dann unser, wenn vorher die Nähe zu Gott in unsere Herzen, in unser Leben, in unser Denken und Wollen gedrungen ist. Unsere Aufgabe war bisher nur geistig. Widrige Zeitverhältnisse verhinderten um, bk praktische Arbeit für Erez hakdauscho zu organisieren. Die Jugend in den Großstädten half, wo sie konnte, das Werk der Palästina-Zentrale zu unterstützen. Die Jugend auf den kleinen Orten kannte kaum den Wert des Wortes „Erez Jisroel". Sie.konnte ihn nicht kennen, da sie ja auch den Wert der Tauroh nicht kannte. Unser Ziel ist es, die Tauroh wiederum zum geistigen Zentrum des Denkens eines jeden jungen Juden zu gestalten, dann wird chibas hoorez die selbstverständliche natürliche Folge sein. Auf dem heiligen Boden hat nur ein heiliges Volk Lebensdauer, nur wo die Tahuro Triebfeder und nicht Matzstab wird, ist Erez Iisroel-Arbeit erfolgreich. Wenn Gott das Haus nicht baut, bemühen sich vergeblich, die es bauen; wenn Gott die tstadt nicht hütet, wacht vergeblich der Wächter. Sobald uns die Möglichkeit gegeben wird, unssere Tätigkeit auch auf die Großstädte auszudehnen, wird es unsere Ausgabe sein müssen, unssere Jugend bereit zu stellen auch für den Dienst am heiligen Lande. Im SchulchanOruch findet sich eine Diskussion der Erklärer, ob man sagen mutz: xai xm *wp:. pK und dann darauf pari' pan oder ob man üVsrV *pa» Kan k,t px sagen mutz. Nach der ersten Auffassung heißt es: Möge sein Name groß werden, dann ist er für alle Zukunft gesegnet. Solange der Kampf mit Amolek nicht beendet ist, ist Gottes Thron nur halb, und unsere Gottessegnung unvollkommen, und unsere Bitte ginge dahin, datz Gottes Namen groß, wird, die Welt erfüllt, dann wird von selbst die Folge sein, datz er in allen Welten für alle Zeiten gesegnet wird. Wir aber haben als na^n akzeptiert: Der große Name Gottes sei gesegnet für alle Welten. Wir betonen also, daß der Name Gottes grob ist. Es ist immer Aufgabe des Menschen, diesen Namen, der grob ist, zu segnen für diese Welt und die Welt aller Welten. Wir haben diese letzte Lesart als Halacha angenommen, weil das Wort scheinetohne jud steht. Würde das Wort schemei mit jud stehen, so würde der Satz 29 Buchstaben haben. Das Kaddischgebet ist aber dasjenige, das sowohl in seiner Wortzahl, als auch in seiner Buchstabenzahl die Zahl 28 hervorheben soll, und es ist uns die Pflicht auferlegt, vor manchem Kaddisch zu sprechen »na max^man UMtt/n.ro r» Vn*» nmn Kraft hat 28 an Zahlenwert. Die Kraft Gottes soll groß werden. Es ist Aufgabe eines jeden Iehudi und noch mehr jedes Klall, wenn er hofft- Erfolg in seinem Wirken zu haben, die Kraft Gottes grob werden zu lassen. Ihnen allen ist bekannt, datz in dem Wort Iigdal das jud groß enthalten ist, bas große jud, das darauf hinweist: Gott hat noch nicht seine volle Wirkung auf Menschenherz und Menschenleben erreicht, Gott wird sie erst erreichen. Unsere Aufgabe soll ein Kaddisch sein für Gott, unser Anfang und unser Ende soll eine Heiligung sein göttlichen Namens, so daß nie mehr der Tag kommen mag, an dem wir trauernd zu Boden sitzen, weil das Heilige zu Boden gerissen ist, weil das Heilige niedergetreten-ist. ' J ' i3r"" ' 3