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Der Israelit · 1925-10-29 · Heft 44 (29.10.1925) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 44 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 2 Nr. 21 » e r 3 ß t öretl rt SB.I fti;l er '.;2& Mtober 1225 Untersuchungen genügen drei Gegenüberstellungen: Das Judentum in Mähren — und Brünn, Das Judentum in Böhmen — und Prag, Das Judentum in der Provinz Posen — und Berlin; drei verschiedene Gebiete und überall die gleichen Erscheinungen: auf dem Lande, in der Provinz zahllose blühende, fromme, lamdonische Kehillaus; 'die in die Stadt Gezogenen beleben zum kleinsten, zum allerkleinsten Teil nur ihr jüdisches Bild — sie gehen, — so traurig wie diese Feststellung ist, so wahr ist sie — dem Judentum verloren. Sehr treffend hat ein Berliner Rabbiner mal diese Situation gekennzeichnet, indem er eine alte Fabel erzählte. König Löwe war krank, alle Tiere kamen, ihn in seiner Höhle zu besuchen. Nur der Fuchs kam nicht. Darüber zur Rede gestellt, antwortete er: „Ich sehe wohl die Spuren der Tiere, die in die Höhle hineingegangen sind, die Spuren aber der Tiere, die wieder hinausgegangen sind, die vermisse ich." Gewaltig große, jüdische Kreise, in denen starke, lebendige Energien wirkten, sind in die Stadt gezogen, die Stadt hat sie verschluckt, sie konnte diese Energien für ihr jüdisches Leben nicht nutzbar machen, konnte sie nicht wieder ausstrahlen, ihr Fluch erfüllte sich: bn ipw 7W12V1 hw nyiatpi ni'ivi' die gelockerte Moral der Großstadt, die Geschäftigkeit ihrer nur-materialist'.schen Einstellung, die falschen Götter, denen man sich in ihr verschwor, all das nagte an den Menschen, die aus der Ruhe, der Solidität, der Gesichertheit der Kleinstadt und des Dorfes kamen. Die Stadt fing die Menschen; die, denen früher das nwan ma die Stätte der Sammlung, der Weihe, der Erhebung gewesen war, vergasten das „Haus der Sammlung", sie stellten ihre eigenen Häuser, die Kreise, in denen sie eigenem Behagen, eigenem Gewinn, eigenen Interessen lebten, höher — und es erfüllte sich: nvLan n > a a p m a a a * m n » b a a na in -pvb es blieb ein "ja-M; wo früher Gottes Lehre blühte, gähnte jetzt innere Leere. Und wo es nicht ganz so schlimm wurde, da erfüllten sich jene anderen Worte: naff nanai a*w nivnai mbya na ww t» ba ranw *xna v^'pra . Die Stadt mit ihrem Jagen und Hasten, mit dem Auf und Ab ihrer Börsen, mit dem Wechsel ihrer Konjunkturen, mit. dem nervenaufreibenden Trubel ihres Verkehrs, mit ihrem atembenehmenden raschen Pulsschlag. liefe die Menschen vor der. Zeit altem. Und der Mann, der auf dem Land die letzten Jahrzehnte seines Lebens es sich in seinem Geschäft leichter machen konnte und die freie Zeit benutzte nabbi mabb fetter fleißig zu lernen, die Jugend 'zu lehren, der .Mann, der so in der Kleinstadt für min und nav wirken konnte und unendlich viel wirkte — wer von Ihnen, m. V. hat noch nichts gehört .von den großen und berühmten mian die in der Provinz Posen in jeder, auch der kleinsten Stadt Tag und Nacht lernten — in der Stadt war er im gleichen Alter schon „aufgebraucht", wie das schöne Wort heißt, unfähig, seinen Kindern jüdische Lehre so vorzuleben, daß sie von ihr erfüllt blieben. . Unsere Weisen, m. V. haben also lein zu schwarzes Bild gemalt, wenn, sie gesagt haben tpaia na’ff’ mtfy'-mie gefährlich vom Standpunkt des Judentums betrachtet, das Wohnen, das dauernde Verweilen in der Stadt, in der Großstadt vor allem, ist. Und dennoch, da der Ruf mwn X25 Hin nab heute, wenn auch nicht tauben, so doch solchen Ohren gepredigt wurde, die angestrengt lauschen müssen, wo immer sich nur eine leise Möglichkeit des EXistierenkönnens bietet, heute gilt für uns, das Problem zu erörtern, das, in der Sprache des Talmuds ausgedrückt, lautet: rrvin u'*ai. *paa nin pm: Was , können wir tun, daß die Stadt, die Großstadt uns sittliche Persönlichkeiten, jüdische-jN^nMn, thoraerfüllte, hingebungsvollexCharaktere bleiben läßt? Oder auf die Formel der Agudo gebracht: Was Hab die Agudo in der Stadt zu schaffen und zu leisten; daß es Agudisten in des Wortes vollstem.Sinne gibt? Was versteht man, was sollte man unter einem Agüdisten verstehen? Wenn, um die Definition unseres verehrten Führers immer wieder uns ins Herz zu prägen, uns als Höheziel vorschwebt, den überlieferten Begriff desbrnV'bba— Israels Gesamtkörper, erfüllt und getragen von seiner nun als organisierender Seele — durch Agudas Jisroel inmitten der Kulturwelt zu realisieren, dann ergibt sich für den Agudisten aus seiner Mitarbeit an der Verwirklichung dieses Zieles ein doppelter Aufgabenkreis: die Arbeit für den bba und, nach dem Grundsatz msi bbaa> daß na nbx bbaa p» v-waiw die Arbeit an und für sich selbst. Um uns als lebensfähiges. Glied in den Gesamtkörper, in bmE” bba einfügen zu können, bedarf es vor allem der Sorge für uns selbst, für den Einzelnen. Und so wie min die organisierende Seele von brriD' bba ist, so muß auch nun dir treibende Kraft im. Daseinjedes Einzelnen sein. Was nun ist? Mit ihren 365 Verboten jeden Tag des Lebens genau umzirkelnd, formend und bestimmend, mit ihren 248 Geboten jedes. Glied des Körpers in den Dienst des Höheren stellend! ntmia ntpa ub nur nun mp ma r»i2an an narr ■ojk ’in uv nni’aKa nw rruva^a min apsr nbnp y'D y'D maa)-outfaff miaan ’sa *]b .u.u rrbi 613 Pflichten sind es, 611 dem Zahlenwert von nun entsprechend, hat mz?a dem Volk vorgetragen; „Ich bin der Ewige, dein Gott, dir sollen keine anderen Götter sein", diese beiden Grundsätze jüdischen Bekenntnisses hat^ Gottes Majestät uns selber hören lassen! An diese Talmudstelle schließt sich eine interessante, für unser Thema besonders aufschlußreiche an. (Fortsetzung folgt.) Protokoll des Delearertentages der Agudas Jisroel- Jirgendorgamsatiön vom 2. bis 4. August 1925 — 12. bis 14. Aw 56Y5 — jn Würzbms. (Fortsetzung). Leo Munk führt ergänzend aus: . Noch sind erst wenige Tage vergangen, da saßen wir trauernd zu Boden ob der Zerstörung des Heiligtums; denn ,»es ist niedergerissen, es ist niedergetreten" und jedes Jahr bringt der Gedenktag erneute Klage über das Heilige, über das Heiligtum anin m vun *a npan nia pin b?- In diesem Satz, der am Trauerabend und am Trauermorgen unsere Klage durchzieht, wird immer wieder darauf hingewiesen, daß tatsächlich unser Heiligstes und unser Heiligtum niedergetreten ist, es wird nicht darauf hingewiesen, daß einst vor Tausenden von Jahren, einmal der Tempel in Brand gegangen ist, sondern daß tatsächlich mit diesem brennenden Tempel.alles Heilige von uns zu Boden getreten ist, und wenn wir uns nach diesem Trauertag wiederum aus der Umklammerung des schweren Trübsinns, den die drei Trauerwochen auf uns ausüben, lösen, so lesen wir das Prophetenwort Jeschajos: „Eine Stimme ruft, in die Wüste hinein bahnt den Weg Gottes. Macht frei auch in der Einöde einen aufwärts führenden Weg für unseren Gott." Die Trauer des 9. Aw, 'die Trauer, daß unser Heiliges niedergerissen, ist, niedergetreten ist, kann nur gebannt werden, wenn wir den Wegen folgen, die der große Prophet in seiner Nachamu-Haftauro uns weist. .. - . Wir haben hier Rechenschaft abzulegen über die Tätigkeit der Jugendorganisation in den das, was von uns versucht worden ist. Unsere praktischen Versuche haben wir in dem allen zügehenden Geschäftsbericht bereits erörtert. Dagegen haben wir es uns für unseren heutigen Bericht Vorbehalten, Ihnen die Motive unseres Handelns und die Richtschnur unseres Weges hier m zeichnen. Maßgebend zur Hauptsache war für unsere Tätigkeit ein Bortrag über Erez Jisroel, den Herr Rabbiner Dr. Klein in Nürnberg gelegentlich der in Nürnberg stattgehabten Delegiertentagung 1920 hielt. Dort hätte er den Unterschied zwischen Gohrs- und Erez Jisroel-Arbeit gekennzeichnet, und mit kurzen Worten möchte ich nur skizzieren: Eolusarbeit nimmt die Tauroh als Maßstab, Erez Jisroel- Arbeit erfaßt die Tauroh als Triebfeder des Ganzen, d. h. im Golus wird vielfach Wirtschaft, Studium, Handwerk betrieben, und es wird nachher versucht, die Bestrebungen, die vorher gefaßten Pläne mit der Tauroh in Ueberemstimmung zu bringen. Wie der Matzstab ein Instrument ist, mit dem ich andere, fremde Gegenstände messe, der also mir bestimmt ist, fremden Gegenständen das Maß anzulegen. nicht aber ein Teil des zu Messenden selbst -ist, -so wird im Golus nach vielen Richtungen hin die Tauroh nur als „Maßstab" verwandt. Man errichtet Geschäfte, Fabriken, mit Nichtjuden, und nachher läßt man sich vom Raw Verträge Herstellen, wodurch das Schabbosgesetz der Tauroh nicht verletzt wird. Demgegenüber zeichnete unserer Erinnerung nach Dr. Klein, was es bedeutet, wenn die Tauroh nicht Maßstab, sondern Triebfeder, Richtschnur des ganzen Handelns und Lebens bedeutet, wenn sie an den Anfang der Idee und der Tat gestellt wird, und nicht nach vollendeter Beschlußfassung erst herangezogen wird. Diese Ausführungen über zukünftige Erez Iisroel- Arbeit waren auch uns bei unserer Jugendarbeit Richtschnur; denn was für die im Leben stehenden Männer und Frauen in Erez Jisroel die Tauroh sein soll, das muß für die Erziehung der Jugend in der ganzest Welt die Tauroh sein. Tauroh Muß an Einfluß in der ganzen Welt gewinnen, der Anfang Und das Ende alles Denkens, Fühlens, alles Wüllens, muß Tauroh sein, und die Trauer um das zerstörte Heilige — denn es ist niedergerissen, und es wird immer wieder getreten — kastn nur dann gebannt werden, wenn die Stimme ruft: „In die Wüste hinein, den Weg zu Gott zu bahnen": Die Idee, die uns zwang, unsere Tätigkeit vor allen Dingen in die Wüste und Einöde, da, wo das Judentum verödet war, wo* jüdische Kinder unter Nichtjuden' aufgezogen wurden, einzusetzen, war allerdings mit schweren Hindernissen verbunden. Wir waren in ' einer Zeit zur Führung des Amtes berufen worden, in der nicht nur alle jüdischen Begriffe, sondern zum Teil alle sittlichen Begriffe sich gewandelt hatten. Die Not des Krieges hatte namentlich auf den kleineren. Orten ein Geschlecht erstehen sehen ohne väterliche Zucht und ohne die rechte mütterliche Sorge; die Väter‘ ferst.von der Heimat,- die Mütter mit - den Sorgen - um den Daseinskampf waren nicht in der Lage,. sich ihrer. Kinder anzunehmen, und die verheerenden Folgen dieser mangelnden Erziehung wurden noch durch die Geldentwicklung der Nachkriegsjahre in - unheilvollster Weise vermehrt. Eine Vergnügungssucht ohnegleichen hatte Platz gegriffen. Wie oft mußten wir von unserm Lehrer, Herrn Dr. Herz, hören, daß seine Vorträge, seine Schiurim, wegen nichtiger Tanzvergnügungen abgesagt wurden. Sportfieber hatte die ganze' Welt ergriffen, -und das schlimmste für uns, es fand eine rasende-Abwanderung der geistigen Berufe in materielle statt. Menschen, die sich für ein' festes Gehalt als Lehrer für ein Bezirkssekretariat zur Verfügung stellen wollten, fanden wir nicht. In jenen -Zeiten konnten wir nur durch verschiedene Hezirkstagungen»' bald hier, bald ndortz die Jugend zusammenbringen, nachhaltiger. Erfolg letzten fünf '^Jahren. . Wir -verstehen darunter die Pflicht» Ihnen nachzuweisen, worin wir. den Kern unserM. Arbeit jähen, n.ikch t: nachzuweisen wgp. uns nur-Mf. Hessen möglich, wo Herr Dr.

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