Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Ofaffet* fiegausgegeBen von dep fondesopganifation deP flgiidos-Jlspoef iw Dcuffcfitand )U. Jahrgang Frankfurt a. N., 29. Oktober \<j)2bl\\. Marcheschwan 5686 Hummer 2\ Die Mandak-Lommission und die palästinensische Orthodoxie. Genf, 27. Oktober <TeI.>. Die Mandatkommission besatzte sich heute mit der im Oktober 1924 emgereichten Beschwerde der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem wegen der ihr vom zionistischen „Waad leumi" mit Unterstützung der Verwaltungsbehörde zugefügten Rechtsverkürzungen. Die Beschwerde ist durch eine Eingabe des Geschäftsführenden Ausschusses der „Agudas Iisroel" unterstützt. Wie ich höre, stellte sich der Vertreter der Mandatarmacht, Ormsby-Eore, auf den Standpunkt, datz die Kommission gut daran tue, die Entscheidung zu vertagen, bis der vom Colonial Office vorbereitete neue Gesetzentwurf über die Rechtsverhältnisse der Konfessionen in Palästina vorliege, der eine neue Grundlage auch für die jüdische Gemeinschaft schaffe, nachdem der von der Orthodoxie stark bekämpfte frühere Gesetzentwurf endgültig zurückgezogen sei. Die Kommission, auf welche die Beschwerden der unterdrückten orthodoxen Minderheit einen starken Eindruck machten, soll beschlossen haben, das Ergebnis ihrer Beratungen nicht zu veröffentlichen, sondern es zuerst dem Völkerbund- Nat für die Dezember-Sitzung zu unterbreiten. Die Festwoche in Jerusalem. Die Sukkoswoche in den gesetzestreuen Kreisen Jerusalems stand ganz im Zeichen der Agudatätigtett. Am Sonntag, dem ersten Chol Hamoed-Tage (dem zweiten Feiertage in der Diaspora) fand in den herrlichen neuen Räumen der „Agudas Iisroel" die öffentliche Prüfung der über 400 Schüler '"2 zählenden Talmud Thora „Bn e Zion" statt. Es war ein herzerhebender Anblick, wie die 83 Schüler ihr Wissen auspackten in Gegenwart von Oberrabbiner Sonnenfeld, des Lubliner Raw, der Mitglieder des Agudakomitses und vieler Ehrengäste. Die tiefe Vertrautheit der, Schüler mit der heiligen Materie frappierte die Zuhörer, und wenn man daran denken mutzte, datz diese 83 Schüler, die heute Proben ihres Könnens ablegten, ohne die Talmud Thora die Schulen der Thoraleugnung gefüllt hätten, kamen einem unwillkürlich Tränen der Freude in die Augen und das Wort auf dir Lippen kVk N83 «f? •irn nt b'awa Es handelt sich zumeist um Kinder unwissender Kreise, die zum Teile auch eine gewisse Gleichgültigkeit bekunden, und nun mutz Man das Glück auch dieser einfachen Leute ermessen, ihre Kinder als werdende Talmide Chachomim zu sehen. Es gibt unter ihnen welche, die bereits einige „Ordnungen" der Mischnajoth auswendig beherrschen, jeder von ihnen ist vertraut mit dem gesamten Tanach und imstande, ein Stück Gemoro selbständig zu .lernen. Von einer Prüfung nach Art moderner Schulen, wo die Sache gründlich eingelernt und eingeübt wird, konnte hier nicht die Rede sein. Die Fragesteller waren die Gäste und insbesondere der Lubliner Raw führte eine Aussprache mit den Kindern, der beide Teile fast kein Ende machen wollten. Der Greis sagte nur immer und immer wieder, er habe so etwas noch nicht gesehen. Auch Oberrabbiner Svnnenfekd, dem das Bild nicht mehr neu war, bekundete seine hohe Freude über die Erfolge. Beide ehrwürdigen Rabbis segneten in warmen Worten die Kinder, die die Ansprachen stehend und gerührt anhörten. Der Eindruck auf die Versammelten war gewaltig. Es wurden dann von den Rabbinern eigenhändig die Preise verteilt, die die Palästinazentrale zur Verfügung gestellt hatte. In Reih und Glied marschierte die Jugend ab, strahlenden Gesichtes ob der erhaltenen Anerkennung, die aber mehr als verdient war. Am Montag tagten die „ Zeire Agudas Iisroel" im Agudalokale. An der anregenden Aussprachen beteiligten sich alle Mitglieder mit grötztem Interesse. Es gab auch einen kleinen Wahlkampf, der aber mit der Berufung eines neuen Vorstandes friedlichen Ausgang nahm. Die Agudajugend nimmt nach diesen Beratungen neuen Anlauf. Die Arbeit geht darauf hinaus, auch sephardische junge Leute für die Aguda zu gewinnen. Nachdem nun Sephardim aus Damaskus eingetreten sind, hofft man, durch sie nach und nach die gesamte thoratreue, sephardische Jugend mit der askenasischen um das Programm der Aguda zu sammeln. Der Höhepunkt der Freude erreichte das Fest der ntwnwn rva nnnw am Montag Abend. Da die Sukkoh des Oberrabbiner Sonnenfeld für die grotze Festversammlung nicht ausreichte, mutzte sich das Fest zum Teile im grohen Hofe abspielen, und das ganze Viertel vor der Synagoge war vom Festtrubel beherrscht. Die Jerusalemer und auswärtigen Gruppen der palästinensischen Agudas 3isroel marschierten nacheinander auf, zum Teil mit eigener Musik und unter Absingen von eigens verfatzten Liedern. Auch aus Tel-Awiw kam eine Delegation. „Machane Iisroel" war vollzählig vertreten. Aus Haifa und Jaffa kamen Mitglieder und Arbeiter der Agudaverbände. Nur der Agudagedanke konnte dieses Sammelwerk, wie wir es bisher nie gesehen, vollbringen. Am Dienstag war wiederum eine grotze Versammlung der Agudas Iisroel angesetzt, auf der Rabbi Mosche Blau in einem zweistündigen Referat genauen Bericht über die Agudaarbeit des Jahres erstattete. Cs sprachen noch die Herren S e n e w i tz und Breit st ein im Namen der Arbeiter der Agudas Iisroel (Poale Agudas Iisroel). Herr L i w a s e r er-, stattete Bericht über die Entwicklung von „Machane Iisroel", der grötztes Interesse erweckte. Für die Agudas Iisroel in Tel-Awiw sprach Herr Jakob Malchow. Nach fünfstündiger Versammlung ging man in gehobener Stimmung auseinander. „Machane Israel" war noch bis in die späte Nachtstunde im Hause von Rabbi Mosche Blau zu einer „Simchath beth Haschoewo" vereinigt. Mittwoch Mittag waren die jungen Kolonisten von „Machane Israel" Gäste im Hause des Rabbi M. P o r u s ch, wo wiederum die Festfreude zur vollen Geltung kam. Der Donnerstag versammelte alle verschiedenen Komitees der Aguda, wobei Generalberichte und Gesamtüberblick über die.ganze Tätigkeit und den Stand der Bewegung gegeben wurden. Den Simchas-Thoratag verlebten die Arbeiter der Agudas Iisroel im Hause des Rabbi Mosche Blau, wo die Freude an der Thora und der jüdischen Arbeit im heiligen Lande nach den Gesetzen der Thora hohe Wellen schlug. cdlm Die nTUK'Strbett in der Stadt. (Würzburger Referat.) Von Wolf S. Jakobson in Hamburg. Der Stadt und ihrem Einflutz auf den Menschen gibt die Ott an mannigfachen Stellen eine gar schlechte Note. Sie sieht in ihr — und besonders in der Grotzstadt — eine Stätte mannigfacher Lasten und Gefahren, sie lätzt toott» noaD' die jüdische Gemeinschaft, zu Gott sprechen: nsnaizn ninsn bn jnn vnv ü'2*i2 wvo 'aaiin iptp nyiatpi «irr» „Beurteile mich nicht wie die Bewohner der Grotzstadt, die voll ist von Raub und Unzucht und falschem und unnötigem Schwur.(«"2 pan»)* und sie preist den Inügling laut, der sich im Chaos der Grotzstadt die Reinheit der Seele und des Körpers bewahrt. Von drei Menschen, deren Lob Gott alltäglich kündet, ist der erste: xum U’Ki 1*123 in.*! j?ii*i (mp cpnvv) Und aus dem Satz in Nechemjo 11: ap.3 I233'i V^V13'3 nnt^ D’33jna,3 o’tmn bab „XTnb es segnete das Volk die, welche sich freiwillig erboten in Jerusalem, also der Grotzstadt, zu wohnen" folgert wan nn 'vi' 'lin rnnina (110.) datz das Wohnen in der Grotzstadt auch schädlich, und unbehaglich ist . . .. D’232 na'w'V nmw n^p-Neben solchen Thesen allgemeinen Inhalts finden wir in der an vielen Stellen spezielle Vorschläge. Hinweise und Mahnungen:. In (m) na® heitzt es: nann «po1? nvaan w2» n'niaav tsi ba „Jede Stadt, in der die Dächer der einzelnen Häuser höher ragen als die Synagoge, wird schlietzlich zerstört werden." In paiiv an einer Stelle (:n"2) .33 mb w rrn pn pr na m ba „In einer Stadt, in der es kein billiges Gemüse gibt, darf einn"n nicht wohnen" und an einer anderen Stelle nvniai mbaa nn tzrw y>sf ^2 (•ra) orra* '2N3 wa'pm naw nanai enu „In einer Stadt, die viele Treppen und Terrassen hat, altern die Menschen früh." Datz eine Stadt, wo keine jüdische Jugend ist, keinen Bestand hat, datz sie zerstört wird, panno |23 rrn bw mpipn .32 s'Xi? m ba mw) nmx verstehen wir, rätselhaft scheint dagegen der Rat des K2*>py '3 an seinen Sohn: (•mp v'nvtz) rrn rrowni® ma nnn bx „Wohne nicht in einer Stadt, deren Verwaltung aus irn besteht. Und so Netze sich noch eine ganze Reihe von Worten anführen, die uns über die Stadt und was damit im Zusammenhang steht, berichten. — Wir lassen es aber vorläufig hiermit bewenden und fügen nur hinzu, datz das Land, das Dorf, wo der Bauer die Scholle bearbeitet, dem Talmud der Boden ist, wo die min blüht und ihre schönsten Früchte trägt: 'Tnbrh i«*i«i aa mwn asa :.33wn asa '313 nab (;K"2 partt) pmn iw» w»2n „Aufs Feld wollen wir gehen, dort will ich dir rrn zeigen, die min lernen trotz all der Anstrengung, die sie durch die Bearbeitung ihrer Felder haben". Meine s. g. D. u. H-! Wenn wir die Entwicklung des Judentums im letzten Jahrhundert beobachten, dann machen wir die Feststellung. datz, neben anderen Ursachen, der Rückgang in jüdisch-religiöser Beziehung auch ganz wesentlich auf einen Umstand zurückzuführen ist: auf die Landflucht der Juden! Anstelle grotzer