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Der Israelit · 1925-10-29 · Heft 44 (29.10.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 44 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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29. Oktober 1925 ' Konferenz gebildete Kommission für Iugend-- schristen möge baldmöglichst ein nach : Altersklassen und 'Inhalt geordnetes -Verzeichnis-der für unsere Jugend geeigneten Bücher an alle jüdischen Buchhandlungen versenden, vor allem aber an die jüdischen Schulen, deren Lehrer diese Bücher als Prioatlektüre empfehlen sollen. 2. Die Verleger mögen von jedem Jugendbuch je ein Eremplar gratis an. die wenigen jüdischen Schulen für ihre Schülerbibliothek einschicken. Dadurch dienen sie nicht nur der Ge; samtheit, sondern auch am besten der Verbreikung ihrer Werke. Denn die Schüler kaufen gern ein Buch, das in der Bibliothek steht und gefällt, um es noch ein- oder mehreremal zu lesen. 3. Durch enges Zusammenarbeiten der jüdischen Lehrer mit den Buchhandlungen soll eine auch äußerlich sichtbare Sonderung zwischen Iugendschriften und anderen Büchern herbeigesührt werden. * * * (Im Artikel „Was lesen unsere Kinder?" in der letzten Nummer muß es richtig heißen: Bibel und Talmudschatz ist zu lehrhaft (nicht zu lebhaft) für ein Unterhaltungsbuch.) . Korrespondenzen « nacbricMen Rsietz. Die Ostjudenfrase im Preutzischen Landtag. Berlin, 26. Oktober. Obwohl die Attacke der Rechtsparteien gegen den preußischen Innenminister Seoering als abgeschlagen gelten kann, weil sich für das Mißtrauensvotum keine Mehrheit gefunden hat, werden die Angriffe gegen den Minister im Landtage fortgesetzt. Zu der Rede des völkischen Abgeordneten Dr. Körner ist noch nachzutragen: Der Redner führte aus: Wir fordern energisches Vorgehen gegen die Ostjuden und Bekämpfung des jüdischen Geistes. Die Sozialdemokratie aber ist geradezu eine Judenschutztruppe. Wir haben gesehen und sehen noch, daß überall,, nicht nur in Preußen, sondern auch in Bayern, Baden, Württemberg, Sachsen und den übrigen Ländern, Juden Minister sind und gewesen sind. Dies sollen die Vertreter der Arbeiterschaft sein. In der Sitzung vom 16. Oktober führte der bekannte Antisemit Schlange-Schöningen (deutschnationale Fraktion) Klage gegen den Minister Severing, der sich angeblich gegen die Einwanderung der Ostjuden nicht gewehrt hat, diese sogar begünstige. Auch heute, sagte Schlange, finde ein Zustrom raffgieriger Elemente aus dein Osten statt. Der Abgeordnete erging sich in scharfen Angriffen gegen den Abgeordneten Heilmann. Die Antwort Heilmanns fiel nichtminder scharf aus. Unabhängiger israelitischer Lehrerverem im Freistaate Hessen. A l S f e l d , 23. Oktober. Die von 22 Mitgliedern besuchte Generalversammlung wurde vom Vorsitzenden, Kahn -Alsfeld eröffnet. Nach herzlichen Begrüßungsworten zeichnete er die Aufgabe des jüdischen Lehrers, zu arbeiten und ur leiden für das Judentum. Er betonte, daß Hessen bezüglich der Lehrerverhältnisse das rückschrittlichste Land Deutschlands fei, in welchem für Organisation und Zentralisation noch kein Feld zu finden wäre. Bayern hat Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehUchen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ZUCKERKRANKE Aleuronal - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Rodenbach^ Grahambrot NAHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermes weg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen .der Järotn. Keksfabrik Osthafen G. m. b. H. _ DerIsraelit_ den Landesverband, Paden und Württemberg gesetzliche Organisation, Preußen ebenfalls Landesverbände, nur unsere hessischen Gemeinden verharren im seitherigen Zustande der Leistungsunwilligkeit und Gleichgültigkeit. Die Folge davon ip eine geistige N o t, die durch den ständigen Rückgang der Lehrerstellen, sind doch in Oberhessen zurzeit 12 Mittelgemeinden unbesetzt, nach außen in Erscheinung tritt. Durch wirtschaftlichen Rückgang der Landgemeinden droht auch vielen.noch im Amte befindlichen Lehrern eine Schmälerung ihres seitherigen, oftmals sehr kärglichen, Einkommens. Durch die neue Ordnung der Leh'rervorbildung wird wohl ohnedies der Zustrom zum Landlehrertum ein sehr mäßiger sein. Allen diesen Gefahren kann nur entgegengetreten werden, wenn auch in Hessen endlich einmal ein Zusammenschluß aller Gemeinden zu einem Verbände erfolgt. Einen vorbereitenden Schritt hierzu erblickt der Vorsitzende in der Bereinigung der bisher in 2 Vereine gespaltenen Lehrerschaft und empfiehlt deshalb den Zusammenschluß, für den bereits seit längerer Zeit wirksam gearbeitet wird, als ein dringendes Gebot der Stunde. In Verhinderung des Rechners, Herrn Sulzbacher-Groß-Bieberau, verlas hierauf der Vorsitzende den schriftlich eingereichten Bericht desselben, nach welchem das derzeitige Vereinsvermögen 611 Mark 50 Pfennig beträgt. Hierzu kommt die Aufwertungssumme aus ca. 246 000 Mark Vorkriegswerten. Die Jakob Lebermann-Stiftung besitzt ein Vermögen von 153 Mark 07 Pfennig, sowie Aufwertungsanspruch aus ca. 35 000 Mark. Die eingereichte Rechnung wurde von Kaufmann-Schotten und Kaufmann-Sprendlingen geprüft und richtig befunden. Dem Rechner wird Entlastung erteilt. Nachdem das Gedächtnis des so frühzeitig aus dem Leben gerissenen Rabbiners Dr Cahn-Darmstadt durch Erheben von den Sitzen geehrt war, wurde ein Antrag Kaufmann-Schotten einstimmig angenommen, welcher besagt: „Die Versammlung wolle beschließen, dem Vorstand das Vertrauen und volle Anerkennung für seine Tätigkeit in Bezug aus die Unterhandlungen mit dem anderen israelitischen Lehrerverein zwecks Gründung eines allgemeinen israelitischen Landeslehrervereins auszusprechen." Weiter wurde einem Anträge Lebermann-Darm st adt zugestimmt, durch welchen die Vereinsstatuten folgende Zusätze erhalten: 1. Der Unabhängige Verein israelitischer Lehrer im Volksstaat Hessen bleibt nach wie vor als selbständiger Verein zur Pflege der gesetzestreuen jüdischen Weltanschauung bestehen. 2. Die Einrichtungen des Vereins, insbesondere die Hilfskasse und die Jakob Lebermann-Stiftung bleiben ihren Zwecken laut Bestimmung der Statuten erhalten und werden der eifrigen Werbetätigkeit der Vereinsmitglieder empfohlen. 3. Alljährlich hat eine Versammlung des Vereins stattzufinden, jedoch nicht am gleichen Tage der Versammlung des zu gründenden israelitischen Lehrervereins. 4. Die Mitgliedschaft zum Verein und der Anspruch auf dessen Einrichtungen bleiben bestehen, auch wenn das betreffende Vereinsmitglied dem Landesverein jüdischer Lehrer in Hessen nicht angehört. Der Jahresbeitrag wurde auf 10 Mark festgesetzt. Außerdem hat jedes Mitglied die Pflicht, mindestens 26 Mark Spenden für den Verein aufzubringen. Als Mitglieder des Vorstandes des Landeslehrervereins werden unsererseits nominiert: ocahn- Alsfeld, Selig-Friedberg, Sulzbacher-Groß-Bieberau und Kahn-Höchst., Mit Dankesworten an die Verwaltung der israelitischen Volksschule für Ueberlassung ihrer Räume schloß nach dreistündiger Dauer der Vorsitzende die Versammlung. (Eine Gemeinde-Organisation ist auch in Hessen nur durchführbar, wenn zwei Verbände geschaffen werden. Red.) Psleir. Das Wiener Rothschild-Haus bietet Pole» eine Anleihe an. Warschau, 16. Oktober. Das Wiener Rothschild-Haus hat der polnischen Regierung das Angebot gemacht, dem polnischen Staate eine Anleihe von 100 Millionen Dollar zu gewähren. Ms Garantie sollen die Einkünfte aus dem Spiritus-Monopol gelten. _Nr. 41 Seite 8 Der polnische Rabbinerverband lehnt den zionistischen Entwarf des polnischen KehiUagesetzes ab. W a r s ch a u, 25. Oktober. Nach einem Referate des Sejmdeputierten Oberrabbiner Lew in hat die Versammlung des polnischen Nabbinerverbandes folgende Resolution gefaßt: „Der polnische Rabbinerverband erklärt mit aller Entschiedenheit, daß die Kultusgemeinde im Sinne des jüdischen Gesetzes eine religiöse Institution sein muß. Ihre Hauptaufgabe ist die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit. Sie muh jedem Einzelnen die Möglichkeit verschaffen, im Geiste der Religion leben zu können. Alle Bemühungen, die darauf gerichtet find, den religiösen Charakter der Kultusgemeinde zu vertuschen oder zu schmälern, sind als den jüdischen Vorschriften zuwiderlausend, als Attentat auf die heiligsten Gefühle der Judenheit zu betrachten. Unerschütterlich aus diesem Standpunkte beharreno. stellt die „Agudas horabbanim" fest, daß die jüdische Kehilla unbedingt im Geiste des jüdischen Religionsgesetzes geführt werden muß und nichts geschehen dürfe, das diesem widerspricht. Im Sinne dieser Anschauung stellt der Rabbinerverband fest, daß der Gemeindegesetzentwurf der zionistischen Sejmfraktion Bestimmungen enthält, die im Widerspruche zu dem religiösen Geiste stehen und welche die Kehilla ihres religiösen Charakters zu entkleiden bezwecken. Das ganze Projekt ist derart abgefaßt, daß es keinerlei Grundlage zu einer Debatte bietet und muß daher in seiner Gänze abgelehnt werden. Der Rabbinerverband wendet sich an die gesetzestreuen Juden des Landes, ihre gesamte Kraft und ihren ganzen Einfluß aufzuwenden, um dieses Attentat abzuwehren. Gleichzeitig appelliert der Rabbinerverband an die hohe Regierung, insbesondere an das Ministerium für Kultus und Bildung, zu den Beratungen über das Gemeindegesetz die Vertreter der Rabbiner heranzuziehen." Es ist bezeichnend, daß diese Resolution auch vom misrachistischen Abgeordneten F a r b st e i n unterzeichnet ist, wodurch er sich mit der einstimmigen Erklärung der „Agudas horabbanim", daß dieser Gesetzentwurf ein Attentat auf das jüdische Volk bedeutet, solidarisch erklärte. Donnerstag, den 4. Marcheschwan wurde diese Resolution dem Minister für Bildungswesen, Grabski, von einer Delegation überreicht, der folgende Herren angehörten: Der Radziner Rebbe, Oberrabbiner Lipschütz aus Kadisch, die Rabbiner Perlmutter und Kahano vom Warschauer Rabbinat und Sejmdeputierter Oberrabbiner Lewin. Die Unterredung trug einen sehr freundlichen Charakter und dauerte über eine Stunde. Olszanski und Steiger. Berlin, 21. Oktober. Der preußische Minister des Innern, Severing, hat die Anfrage des Abgeordneten Dr. Hermann Badt in der Sache Olfzanfki-Steiger gestern schriftlich beantwortet. Es wird darin bestätigt, daß Olszanski bei seiner polizeilichen Vernehmung erklärt und durch eigenhändige Namensunterschrift bekräftigt hat, daß er aus Polen geflüchtet sei, weil er ein Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten Wojciechowski in Lemberg verübt habe. Er habe auf den am Mariatzyplatz in Lemberg oorbeifahrenden Staatspräsidenten eine Bombe geworfen. Den Auftrag hierzu habe er von der ukrainischen Organisation (Ukrainfka-Wkschkowa-Organisatia) erhalten. Gleichzemg machte Olszanski genaue Angaben über eine Reihe Vochenkalender. vom 31. D!t- bis 7, Nov. 1925. / vom 13. bis 20. Marcheschw. 5S8fi. Samstag Ott. ZI 12 pem Sonntag Nov. 1 14 Montag 2 15 Dienstag 3 16 Mittwoch 4 17 Donnerstag 5 18 Freitag 6 19 Samstag 7 8*V>1 20

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