Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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AeKe.4 Nr. 44 .. - - leichten Plquderton besonders geeignet sind, der Jugend ein Bild zu geben vom Leben der Juden, von einem Ende der Welt bis zum anderen, in Vergangenheit und Gegenwart. Das ist. um so bedeutsamer, als der junge Mensch in diesem Alter, zur Erkenntnis seines „Ich" auch in jüdischem Sinne gelangen mutz. War die Phantasie bisher nur eine Zwiesprache mit den Dingen, so wird sie jetzt ein Monolog, der Jugendliche sucht solche Stoffe, in denen er sich selbst erleben kann. Da müssen wir doppelt dankbar sein für solche Lektüre, wie sie Gut in 2 Bänden „Für unsere Jugend" sammelt. Rothschilds „Bausteine" sind leider vergriffen. Für die nächsten Jahrgänge gibt es schon eine ganze Menge Bücher: Die Biographien von Mendelssohn (von Herzberg und von Laiserling), von G. Metzer (Feiner) und von Herzl (v. Friedemann und Kellner) sind zwar nicht durchwegs dem jugendlichen Fühlen und Denken entsprechend, auch nicht frei von Parteigeist, aber solange wir nicht andere Biographien haben, müssen wir mit ihnen vorlieb nehmen. Don den Lehrbüchern der Geschichte ist leider nur Müllers „Jüdische Geschichte" in Charakterbildern anregend geschrieben. Burgs „Geschichte meines Dienstlebens" ist nichts Besonderes. In der erzählenden Literatur stehen an erster Stelle S. Lohn» M. Lehmann und die verschiedenen Verfasser der Sippurim. Lehmanns „Die Familie B Aquilar" und Rabbi Ioselmann. von Rosheim erscheinen in neuer Aufmachung, die anderen Bücher folgen noch. Zunächst sollten die historischen Erzählungen herausgegeben werden. Unter den anderen ist manches, was nicht-zur Iugendlektüre zählt, wie z. B. „Zwei Schwestern" und Lessings „Nathan der Weise", das eine, weil es zu erotisch, das andere, weil es zu literarisch ist. S. Lohns „Alte und. neue Erzählungen aus dem böhmischen Ghetto" sind einzigartig. Die Sippurim in der Ausgabe von Loewit stellen einen Anfang dar, die vielen verstreut erschienenen Geschichten nach Sprache und Inhalt für die Jugend zu sammeln. S. Schachnowitz hat seinem ersten historischen Roman: „Im Reiche der Chasaren" zwei weitere folgen lassen: „Salomo der Falascha" und „Die Messiasbraut", in denen er die stärksten Seiten seiner Lunst, ein allumfassendes geschichtliches Wissen und spannende Darstellung offenbart. Besonders das zweite Buch bringt glänzende Schilderungen von den Strömungen, die das Volk in jener Zeit in seinen tiefsten Tiefen aufwü'Zen und die Leidenschaften aufeinanderplatzen lassen. „Aus einer vergangenen Welt" von Palästina oder Erez Israel? Die Araber tonnen es nicht verwinden, daß die Palästinamarken neben dem Worte Palästina auch noch die zwei Buchstaben was für den Eingeweihten „Erez Israel" bedeuten' soll, (es bleibt ihnen ja überlassen, „Erez Jismoel" zu lesen, sägt Asmuth im „Doar Hajom"), tragen. Eie führen darüber Prozesse und an einem der letzten Sonntage kam die Sache zum so und sovielten Male vor dem Obergericht in Jerusalem zum Austrag. Beschwerdeführer ist der Sekretär des arabischen A. C., Effendi Gamal Chüssini, den die zwei ominöse Buchstaben nicht schlafen lassen. Er und sein Rechtsanwalt machten geltend, daß nach dem Gesetz die Bezeichnungen in gleichem Sinne in englisch, arabisch und hebräisch angebracht sein müssen, „Erez Israel" fei aber keU-; Uebersetzung des Wortes Palästina, weder dem Worte noch dem Sinne nach. Darauf der Vorsitzende: „Somit müßten wir auch auf englisch wie auf arabisch statt Palästina „Erez Israel" schreiben, damit die Bezeichnungen in allen drei Sprachen übereinstimmen." „Dann," antworteten die Araber betroffen, „werden wir an höhere, und an höchste Stelle appellieren." „Wie aber," sucht der Richter den Anklägern klar zu machen, „wenn die Post erklärt, daß es im Hebräischen keine andere Bezeichnung für Palästina als „Erez Israel" mbt? Griechenland wird beispielsweise von dem Lateiner Hellas genannt, dürften wir darum nicht das Wort mit „Griechenland" wiedergeben?" Die arabischen Vertreter bestehen darauf, daß Palästina Palästina bleiben muß oder höchstens mit „Südsyrien" zu bezeichnen sei. Da mit den Herren nicht fertig zu werden ist, fragt sie der. Richter, in wessen Namen und Auftrag sie eigentlich die Klage eingereicht Iudäüs und das kleine Bändchen„Skizzen aus.^ Litauen" von S.- Schächüowitz, „ Joel Gern", in dem Dr/- PinchaS Lohn das Leben eines frommen Juden in seiner Entwicklung, „Selke",. in dem Treu einen Mortarä des 16. Jahr-' Hunderts begeisternd zeichnet, bilden einen Schatz' jüdischer. Iugendlektüre. Auch die jüdischen Jugendbücher, besonders „Der Soldat des Zaren", und „Ioab, ein Heldenleben", geben in 8 Bändchen gute Iugendlektüre. „Vom polnischen Juden" ist nicht für die Jugend geschrieben. Der Jugendliche erfährt dann die grausamste Rot des Alltags. Der. dumme Leib, den sein Weib rechtzeitig in geziemender Weise mit einem tüchtigen Schüttet Linder versorgt hatte und der dann durch den ewigen Lampf mit dem Hunger zu jeder Betätigung untauglich geworden ist, ist kein Held für unsere Jugend, wenn er auch „in seinem kindlichen Unverstand" dje gefundene Geldbörse auf. Be-, fragen zurückgibt., Ebensowenig darf ihr aber „die ausgedörrte Jüdin" ideal erscheinen, die bei jedem Verkauf die feierlichen Gewissensbeschwörungen vom. Stapel läßt, wie da sind: sie möge auf der Stelle erblinden. Arme und Beine brechen, des Todes sein und dergl. : Da mutz der jugendliche Leser an allem irre werden, was er glaubt, hofft und strebt, wenn er sich schlietzlich fragt: „Was ist das für eine Lraft und was ist das für ein Sinn, der diesem Leben zu Gründe liegt?" Und er soll doch so etwas wie einen Sinn des Lebens nahe gebracht bekommen. Des Dichters „unabwendbares Geschick" ist ein schlechter Erziehungsfaktor. Oder kann „Simson der Starkes soll er irgend einem unserer Linder als Ideal vorschweben? Die erbarmungslose, unerbittliche Not, in bi'e er durch sein Nichtstun und seine durch den Lampf ums tägliche Brot halb wahnsinnig gewordene Zippe geraten ist,' wird nach der bis ins einzelne gehenden Schilderung dadurch nicht weniger verzweifelt und unverständlich, datz er und sie sich glücklich fühlen. „Mvische' Mautle" ist wenigstens geeignet, Bewunderung zu erwecken, während Mendel Guesner wieder die ganze Wucht eines unentrinnbaren, unverschuldeten Geschickes spüren läßt, so daß jedes optimistische Vertrauen erstirbt und wie „In der Verbannung" in die verzweifelte Frage münden mutz: „Warum? bist. du . so unbarmherzig ' gegen einen deiner gläubigsten Söhne?" Die erschütternde Tragödie „vom polnischen Juden", wie sie „Chawe Rubin", „Esther", „Ein Abraham" und „Der Schaute" erleben, und die nur durch einige wenige Stücke eine kleine Atempause der Erholung gestattet, ist, keine Iugendlektüre. Für hätten. Gamal al Chüssini meldet sich als Privat k l ä g e r. Jeder einzelne habe das Recht, Klage zu führen, wenn etwas gegen die Gesetze geschieht. Der Vorsitzende: „Es ist wahr, daß jeder, der sich geschädigt fühlt, Klage führen kann. Nun frage ich, von welcher Art die Gamal al Chüssini zugefügte Schädigung, ist? Besteht sie etwa darin, daß er dadurch verhindert ist, Briefe zu befördern, um nicht das Wort „Erez Israel" in die Welt hinauszuschicken?" Der Rechtsanwalt wiederholt die Klage und deren Begründung. Die Klageführung richte sich gegen Verletzung des L a n d e s g e s e tz e s ufwj. Aufgabe des' hohen Gerichtes sei, die Landesgesetze zu schützen. Das Gericht beschloß, zuerst über die Kompetenzfrage zu beraten und vertagte die Verhandlung aus unbestimmte Zeit. Man kann auf den Ausgang dieses wirklich vom Zaun gebrochenen Konfliktes sehr gespannt sein. (Die Klage ist inzwischen abgewiesen worden. Red.) sCin jiddisches wissenschaftliches Institut.) Aus einem Aufrufe zur Errichtung eines Instituts für jiddische Wissenschaften erfährt man folgendes: Die Voxkonferenz von Vertretern verschiedener Länder, die in der Frage des Instituts vom 7. bis 12. August in Berlin tagte, ist zu einer einmütigen Auffassung über die zu leistenden wissenschaftlichen Vorarbeiten gelangt. Der Plan gipfelt in folgenden Maßnahmen: Es werden vier wissenschaftliche Sektionen gegründet, und zwar für „Jiddische Philologie" (Zentralstelle Wilna); „Jiddische Pädagogik" (Zentralstelle Warschau): „Jüdische Geschichte" (Zentralstelle Berlin) und „Sozial-' wirtschaftliche Wissenschaften" (Zentralstelle Berlin). Die Sekttonen verfolgen den Zweck, unsere Wissenschaftler zur kollekttven Arbeit heranzuziehen und Stoff für wissenschaftliche Arbeit überhaupt vorzubereiten. In der philologischen Sektion wird eine Zentrale für ■ m eine’ Auswahl käme „Das Bindeglieds, .„Das Wunder vom Iudenfrledhof" und„Gedälia"in Betracht. Sehr häufig sieht Man - - auf drm Büchertisch des BärMizwo ^Ostiüdische Erzähler", eine .Auswahl äüs / * Sen Werken ' Perez, Scholern Alechems, und Schalom Aschs. „Die drei Geschenke" von Perez, „Pessach im Dorse". „Eine Hochzeit ohne Musikanten" von Scholaum Alechem, „Der Dorf-Zaddik^V „Ein Zerwürfnis", „Menschen und Götter" und. sogar das Herzzerreißende „In den Tagen, der Pogrome" mögest noch gehen. Aber „Der' Diamant", der die mündliche Ueberlieferung von. Schalom Asch in der Art der Parabel von den 3 Ringen Ihrer absoluten Geltung beraubt und ironisiert, wird gesetzestreuen Eltern nicht annehmbar erscheinen. Und der „Fasttag", ' ^Verrückte - Leute", „im Monat Elul",„Hodel", „Die verrückte -Mutter" können wegen der grauenhaften Verhältnisse, die zur Darstellung gelangen, und. „Wie ein Porilsch" wegen des erotischen Charakters für die Jugend, nicht verwendet werden. Für das 8. Schuljahr und weiter sind. B. Hauses Novellen „Aus dem jüdischen Leben" (2 Bände), die schönen Romane von Lutz: „Schamsche" und „'Am 20 Guld.en, „Der Väter Schuld", von A. Mann, „Jakob Soloweiziks Jugend", ein Entwicklungsroman von Rabbinowitz, der dM Dornenweg des russischen Ieschiwabachurs vor. unserer Jugend ausrollt, mit der Feder, des Meisters und Lenners die einsame Zeit schildert nach dem Tode des frommen, hellsehenden . Vaters, dann die unruhige . Zeit zwischen Silva, Slonim . und Pinsk, in der Jakob mühe-: und guafvoll nach der Richtung seines Lebens sucht, die er schlietzlich in Deutschland ,zu finden hofft. Schachnomitz^s „Mereleika" und „Jenseits", wurden -bereits gewürdigt.. Für^ die reifere. Jugend behalte ich mir eine Besprechung vor. ' III. ' Ueberblickt man die 80 Nummern der skizzierien, für unsere Jugend 'geeigneten.Bibliothek, so Wunderl 'man sich, so wenig davon m den Schulen und Häusern und — Verkaufsläden ru, finden. Hier, ein Buch,' 'dort ein anderes. Wer oft in Äe Lage versetzt ist, für die Jugend GeschenkbüM oder " Prämien zu laufen, der kennt auch den.' Unfug oder die Unwissenheit vieler Verkäufer und'.Läufer, denen alles für die jüdische Äugend zu sein scheint, was nicht gerade den Titel „Sittenroman^. führt. ' Daruni kann ich diese Zeilen nicht besser schließen .als mit den Forderungen: .DieErziehuyggjiddische Bibliographie, eine Zentrale für jiddische Folklore und eine Zentrale' für Vereinheitlichung jiddischer Orthographie errichtet. Die Sozial-OekonoMische Sektion wird eine Stelle für Statistik gründen und Voraussetzungen für wirtschaftliche Untersuchungen schaffen. Die historische Sektion wird zur Gründung eines Archivs schreiten. Die Publikattonen aller vier Sektionen werden als Schriften des Jiddischen wissenschaftlichen Instituts erscheinen. Für das erste Jahr sind Arbeiten in einem Umfange von 100 Druckbogen vorgesehen: Vyn 1926 an wird ein Bulletin über die jiddischwissenschaftliche Arbeit wie über die ' jiddische Kulturbewegung überhaupt alle zwei Monate herausgegeben. (Die Ausgrabungen in Mesopotamien finden Reste des babylonischen Turmes.). In London berichtete dieser Tage der Leiter der von der englischen archäologischen Gesellschaft in Mesopotamien unternommenen Ausgrabungen, Leonard Wadlr, über das Resultat der Grabarbeiten. Redner zeigte in Lichtbildern die Ruinen eines uralten Tempels, die noch nicht ganz gehoben sind. Die Entstehung des Tempels weist auf fast 3000 vor der üblichen Zeitrechnung zurück. Man sieht die Formen eines ragenden Turmes, der dem Mondgotte gewidmet war und der einige Zeit vor Abraham , erbaut wurde Die Stufen, die zu dem Turm führen, sind vollkommen erhalten. Der Referent führte interessante Vilder aus dem gesellschaftlichen und werktägigen Leben im Zeitalter Abrahams vor. Es wurden auch alte Götzentempel ausgegraben, deren einer her Schwester von Belsazar als Schule und Schatzkammer gedient haben dürfte. Man nimmt an,'daß es sich bei den Turmrumen um Reste des „Turmbau von Babel", handelt.