Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450379--72618-2530023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2 Nr. 44 D er I s r a e l t t 29. Oktober 1925 diesem Erfolg unseres Verbandes auf dem Berliner Verbandstage zufrieden sein. Wir' hoffen, daß schon diese Situation den religiösen Gesinnungsgenossen im andern Verbände allmählich die Augen öffnet, wie nötig unser Verband für den Schutz der gesetzestreuen Interessen oder der Gewissensfreiheit überhaupt ist. Was wir wollen, ist nichts anderes als ein friedliches Nebeneinander der beiden Verbände, wie es dem Wohle und den Interessen der jüdischen Gesamtheit dient. Mögen die ruhig Denkenden und von religiösen und politischen Vorurteilen unbefangenen Führer im andern Verbände ihren Verbano zur Arbeit in gleicher Tendenz führen! Mochenrundschau. Symptome der religiösen Assimilation. Die zionistischen Blätter haben in den letzten Wochen wieder eine ganze Reihe von Meldungen gebrach! über Sitzungen und Beschlüsse der die hebräische Universität in Jerusalem leitenden Körperschaften und über neue Männer, wie z. V. den radikalen Bibelkritiker Joseph Klausner und den konservativer gerichteten David D e l l i n,' die an die Universität berufen wurden. Das „Iudaistische Institut" wird hierbei, wie natürlich, am stärksten weiter entwickelt, wobei die schmerzliche Tatsache zu konstatieren ist, datz, soweit wir blicken können, die vom Zionistenkongretz angenommene Resolution über die unbeschränkte Lehrfreiheit in der misrachistischen Presse nicht den leisesten Widerspruch mehr findet. Was unbeschränkte Lehrfreiheit bedeutet, ist klar. Sie bedeutet das unbeschränkte Recht für die Forscher und Lehrer der Universität, die Göttlichkeit der Thora, die Offenbarungstatsache wie den Offenbarungscharakter der schriftlichen und mündlichen Lehre kraft ihrer Erkenntnis und Einsicht in das Bereich der Ammenmärchen zu verweisen, die Jugend Jerusalems zur Anbetung der Göttin Vernunft zu erziehen und den Gott Israels, je nach den Ergebnissen des souveränen Denkens, in der Stadt seines zerstörten Heiligtums auch in den Herzen des jungen Geschlechtes zu entthronen. Ob diese akademische Lehrfreiheit, die mit dem Begriffe der Universität auch «Das Geheimnis der jvdh.“ Zu ib 's von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. Vp -[1121 pxi o’ntr mp p’W bpb mm "p-a -tromm •■p’3 i'iL p» “ipk Er segnete ihn und sprach: Gesegnet Abram dem höchsten Gotte, dem Eigner von Himmel und Erde, und gesegnet der höchste Gott, der Deine Feinde in Deine Hand gegeben'. Ein tiefes Wort des -vm dürfte uns den Sinn dieser schwierigen Verse deuten.'P’tjx-t naa maK-pna sip ’sm D^wn -pa ,prri D’aw mp m'p!>« 't bpb~ n« -pia •xrvb «b'y» v>bv bp piai nb'yb xflna ma-n’i vrx pmaa sn „Gesegnet sei Awrom, das ist wie wir sagen: „Gesegnet seist Du", — dem höchsten Gotte — „Ewiger unser Gott" — Eigner von Himmel und Erde — „König der Welt" und dieser Vers enthält das Geheimnis der Segnungen. „Und er segnete ihn" von unten nach oben „und gesegnet fei der höchste Gott" von oben nach unten!" (Ich verweise aus einen Erklärungsversuch dieser Soharstelle meines unvergeßlichen Lehrers r-27 in seinem Werke ,m ia mir, der wohl geistreich ist, aber mir doch die Schwierigkeiten nicht zu lösen scheint.) Die größten Lehrer des Judentums versuchten schon das Geheimnis der niaia zu ergründen, besonders das Geheimnis derjenigen rvn-n, mit denen mir nach göttlichem Gebot unseren Gott segnen. Wie können wir, so ruft schon K"aw* aus, Gott den Urquell des Segens, von dessen Segen unser ganzes Sein abhängt, dessen Segen unserer Meinung nach untrennbar verknüpft ist, nun gleich heute bis zu dieser äutzersten Grenze der Leugnung ausgenützt wird, oder ob man sich aus. taktischen Gründen oder aus der religiösen Zeitstimmung heraus einstweilen auf die Negierung der „Verbalinspiralion" beschränkt und „konservativ gerichtete" historische Bibelkritik im Breslauer Geiste betreibt, gilt gleich. Das jüdische Religionsgesetz unterscheidet diese feinen Nüan:en der nvjo gar nicht voneinanderihm ist svi^> mmo jnan ebenso göttlich wie fj^rr 'n 'vix bedeutet die kritische Entheiligung des einen wie des anderen einen dem heidnischen Götzendienste gleichstehenden Abfall vom Judentum und eine Lossagung von der jüdischen Gesetzesnalion. Datz der Zionismus mit der Universität die Konsequenz seiner uniüdischen Grundlehre von der Verweltlichung des jüdischen Volkes rücksichtslos zieht, bietet keinen Anlaß zur Verwunderung oder zur Klage. Erschüttert stehen wir nur vor der furchtbaren Tatsache, datz diejenigen unsrer religiösen Gesinnungsgenossen, die aus den edelsten und reinsten Motiven einst geglaubt hatten, ungestraft in eine organisatorische Gemeinschaft mit dem religionslosen Zionismus treten zu dürfen, die in Selbstüberschätzung und falsch angewandtem sinv2 glaubten, die der entgöttlichten Kultur verfallenen Brüder kurzerhand bekehren zu können — datz diese Kreise, deren Kern der Misrachi bildet, die Sprache nun völlig verloren zu haben scheinen und widerstandslos sich mit sortreitzen lassen zu dem entsetzlichsten ni'2v '12V 'i' sn’O» das die jüdische Geschichte, je gekannt hat. Die Errichtung einer jüdischen Universität durch die modernen jüdischen Nationaliuden an sich zu bekämpfen, ist ebenso sinnlos, wie es ein Versuch wäre, die moderne wissenschaftliche Kultur wegen.ihrer oft gefährlichen Konsequenzen für das religiöse Bewußtsein aus der Welt zu schaffen. Aber diese Universität nun mit zu fördern, sieinunfatzbarem Selbstbetrug einzusegnen und zu verherrlichen, die geistigen Grenzpfähle ei nzureißen, die die eindeutige Wahrheit der jüdischenTradition,. die vbv mia» n-nrw des Rambam, von den Irrungen der „Wissenschaft" trennen, so immer tiefer und tiefer in die Verschlingungen dieses Irrwahns selber zu versinken, und damit endlich auch die geistige Solidarität mit den die Welt ins Dasein rief und sie bis heute erhält, segnen? Klingt es nicht wie Blasphemie, wenn wir staubgeborene Wesen uns anmaßen, unseren Gott zu segnen? Und doch wünscht Gott unseren Segen! Eine ganze Reihe von Erklärungen wurde versucht. (Wer sich näher informieren will, dem empfehlen wir im arvnn des nps’ t»j in rvraaa zu der Stelle ■aa-n;aa nachzuschlagen.) Vielleicht dürfte folgende Erklärung uns den Sinn der Soharstelle erschließen und uns ein Teilchen des Geheimnisses, das über den nma schwebt, verraten. Alle Erklärer scheinen darin einig zu sein, daß das Wort -pa nur eine Bedeutung, nur einen Sinn, haben kann, einerlei ob es auf den Menschen oder auf Gott sich bezieht. Was bedeutet nun m->a für den Menschen, was wünscht der Mensch, wenn er seinen Schöpfer und Eigner umnana bittet, wenn er um sin nsna he> a-w, um ein gesegnetes Leben den Spender feines Lebens angefyt? So zahlreich und mannigfaltig auch die Wünsche sind, die das Herz des Menschen während des Gebetes hegt, so haben allo diese Wünsche nur ein Ziel und bewegen sich nach einer Richtung, daß Gott durch die Gewährung der Bitten und Erfüllung der Wünsche uns unseres Daseins Ziel und Lebens Zweck erreichen lasse. Unser Leben ist nur dann ein gesegnetes, wenn wir nicht umsonst gelebt haben, wenn es uns mit Gottes Hilfe und durch seinen Beistand gelungen ist, diejenigen Ziele zu erreichen, die uns unser Leben erst lebenswert erscheinen ließen und die uns durch unser ganzes Sern als leuchtende Sterne vorschwebten. Mit einem Worte, nana auf den Menschen angewandt bedeutet: die Erfüllung und Verwirklichung seiner Lebensziele und seines Daseinszweckes. Und nichts anderes bedeutet mna auf n-apn angewandt. JT3pn hat eine Welt erschaffen nrria min rH nicht sinnlos und planlos und nicht ohne bestimmte Zwecke. Wir kennen nicht die Ziele und Zwecke, für die Gott feine Welt erschaffen, aber daß mit der Erschaffung Vkw'ttntt. 'ölVw zu zerreißen, das! ist die! wahrhaft tragische Schuld, mit der - sich „ Msxachi" belastet und zu der zu schweigen uns die elementarste Brüderlichkeit verbietet. Man sehe sich das nette Aufsätzchen an, mit denen ein, soviel uns bekannt, misrachistischer Rabbiner, Dr. Emil Levy in Berlin — ernennt sich selbst „konservativ gerichtet'/ — den Beschluß des Kongresses in der „Rundschau" begrüß:. Wer hat denn, verehrter Herr Rabbiner, in der Diskussion um das Universitäts- Problem verlangt, datz man „den lieben Gott wie einen irdischen König durch polizeiliche Matz-| nahmen und Absperrung vor Schaden zu bewahren sucht?" Wir jedenfalls nicht. Oder wer zweifelt denn — wenn er wirklich fromm U — daran, datz „die göttliche Wahrheit über alle Irrungen und Wirrungen triumphieren wird?" Nicht um Gott und seine Wahrheit braucht uns zu bangest — wohl aber um die Uebereinstimmung unsres Handelns und Dulde ns, unsres Denkens, Re-! dens und — Schweigens mit b e m g ö t {= | lichen Willen, der nun. einmal durch Menschentat und Menschenleben verwirklicht werden will und der den Juden verantwortlich m a ch t für jeden Schritt seiner Wirksamkeit. Für Herrn Rabbiner Dr. Levy scheint nun allerdings die „Verbalmspiralion", d. h. die Ueberzeugung von dem Offenbarungscharakter jedes Wortes und Buchstabens der schriftlichen Gotteslehre ein1 überwundener Standpunkt zu fein. Er bemerkt in seinem Plaidoyer für die Lehrfreiheit der Universität entschuldigend: „Wenn man dies (nämlich das Versagen der Wellhausenscheir Kritik) konstatiert, braucht man noch nicht Anhänger der Verb alinspir ation zu sein". „Anhänger der Verbalinspiration!" Als ob es sich hier um irgend eine Sette von Sonderlingen mit einer neu erfundenen Theorie handelte und nicht vielmehr um die gemeinsame Ueberzeugung aller jüdischen Geschlechter seit dreitausend Jahren, um das dogmatische Fund ament des Judentums, mit dem es steht imii fällt. Der Zufall will es, daß gleichzeitig auch der „Jewish Chronicle", von dem man zwar keine tiefere Kenntnis der jüdischen Lehre erwarten kann, der aber praktisch gleich dem Berliner Rabbiner „konservativ gerichtet" zu sein pflegt, mit einer geradezu grotesk wirkenden Selbstverständlichkeit der Welt verkünde!, das Judentum habe ja nie den Anspruch erhoben, datz man die Erzählungen der Genesis als buchstäbliche Wahrheit betrachte. drr Wett bestimmte Ziele und Zwecke dieser Welt von ihrem Schöpfer gesetzt wurden, ahnen und wissen wir. Alle Gebote, und Befehle hätten sonst keinen Sinn. Durch die Erfüllung der Gebote sollen sicherlich die Weltenpläne und Schöpfungsziele Gottes der Verwirklichung entgegengeführt werden. Wir kennen den Zusammenhang nicht, da wir ja nicht die Geheimnisse Gottes ergründen können, aber es genügt ja, wenn wir begreifen, daß ein solcher Zusammenhang besteht und daß wir durch Erfüllung der Gebote an der Verwirklichung der göttlichen Wettenzwecke Mitarbeiten und so rroyna u’srw rrrnna werden. Gottes na-n besteht nun darin, daß seine Ziele und Pläne, seine Zwecke und Absichten Verwirklichung finden, daß er nicht genötigt sei a^>isn im:i rnn», wie er es ja für den galt der Nichteinhaltung feines Gesetzes androht. Und es ist sicherlich höchst Glück für den Menschen, daß er für Gottes Ziele feine Kraft einfetzen darf, daß er Gott segnen kann. Der Mensch sollte gar kein anderes Lebensziel kennen als an dieser na->a Gottes mitzuarbeiten, als mitzuhelfen, datz Gottes Pläne reisen und seine Weltenzwecke verwirklicht werden. Der Mensch sollte es als seine als Krönung seines Lebenswerkes begreifen, wenn er zur va-ia Gottes ein Körnchen beigetragen, wenn es ihn! durch ein Leben der treuesten Pflichterfüllung gelungen ist, die Verwirklichung der göttlichen Pläne in etwas ju fördern. Unser Stammvater o-ok hatte teinen anderen Qebevszweck, sein Leben keinen anderen Inhalt als^n am sr-'"’ als Herold Gottes auf Erden zu sein. In ihm lebte und herrschte mit heiliger Gewalt der eine Gedanke, Gottes Herrschaft auf Erden zu begründen, Gottes Ziele ihrer Verwirklichung entgegenzuführon. Er baute Altäre seinem Gotte und rief an den Namen des Ewigen. Wohin er gelangt auf seiner Wanderschaft, da gründet er Altäre und zeugt laut und freudig für den, der ihn ausge-