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Der Israelit · 1925-10-22 · Heft 43 (22.10.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 43 (22.10.1925)
Date
1925-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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©eite 4 Nr. 43 (Berdi.schewsky) Erzählungen, Märchen und Geschichten wiedergeben,' die sich im jüdischen Schrifttum vorfinden, so wie es auch in der nichtjüdischen Literatur Mythen, Märchen und Legenden gibt, die in 1001 Nacht und ähnlichen Sammlungen enthalten sind. Nun werden zwar die Märchen und Legenden der nichtjüdischen Literatur, wie z. B. 1001 Nacht, vielfach der Jugend zur Lektüre vorgelegt, aber durchaus nicht allseitig empfohlen, vielmehr gerade von pädagogischen Autoritäten, z. B. Paul Barth, aus gewichtigen G.ünden als ungeeignet für die Iugend abgelehnt. Der Vergleich mit 1001 Nacht ist un- «bweisbar, wenn man den ersten Band „Von Liebe und Treue" liest. Vielen hier gebrachten Legenden, die zum Teil, fremden Ursprungs sind, liegt keine sittliche Tendenz, manchen sogar unsittliche zu Grunde. Von Untreue ist mehr die Rede als von Treue. Erotik und Sexualität spielen in vielen Stücken die Hauptrolle oder sie kommen in Terminis zum Ausdruck, die das ganze Stück für die Jugend ungeeignet machen. Daß einige Stücke wegen ihrer abergläubischen Tendenz, einige für religiöse Ellern wegen ihres Gegensatzes zum Pentateuch nicht ohne Kommentar zu lesen sind, sei nur nebenbei bemerkt. An dieser Ablehnung kann auch der Vergleich mit der griechischen und römischen Mythologie, die den Jugendlichen gereicht wird, nichts ändern. Erstens erhält unsere Jugend sie gewöhnlich in einer für sie hergestellten Auswahl und dann wird sie ihr so nahegebracht, daß sie sich bewußt bleibt, daß die Erzählungen Verirrungen des Geistes und Volkes einer alten Zeit darstellen. Aber die „Mythen" des Bornes Judas knüpfen an Namen und Schriftstellen an, die uns und unseren Bindern heilig sind. Darum soll der literarische Wert des Werkes in keiner ÄVeise bestritten werden', nur mutz zu unserem Thema gesagt werden, daß die Märchen und Legenden des ersten Bandes dem sittlichen Zweck der Jugendlektüre widersprechen, für die ästhetische Geschmacksbildung ebenso gefährlich sind wie für die Bildung des jüdischen Geistes. Der zweite, besonders aber der dritte Band find wesentlich wertvoller als Iugendlektüre. Zwar enthalten auch sie Stücke, die ungeeignet sind und Ausdrücke,' die unpassend für unsere Iugend sind, aber sie nehmen lange nicht den breiten Raum ein wie im ersten Band. Was übrig bleibt, ist sowohl zum Vorlesen als auch zur selbständigen Lektüre (z. T. schon für 12jährige, meistens für 14- bis 15 jährige) empfehlenswert. Nun kann man natürlich nicht solche Bücher in die Hände der Jugend geben und sie auf das gißt, bald sich mäßigt und dämmt in dem klaren und unverrückbaren Bewußtsein, unter keinen Umständen einen Schritt vom Weg der Thauro weichen zu dürfen. Konzentrischer Mittelpunkt ist der falsche Messias Sabbatai Zewi, der vortrefflich geschaut und meisterlrch hingestellt ist. Eine von Natur aus rege, reiche, zur Ueberfpannung und Besonderheit neigende Phantasie wird mit überlegtem Bedacht genährt und angeseuert durch die Sendlinge Rabbi Nathan und Jachini, die halb Jago, halb Mephisto sind. Sie stacheln den schon in jugendlichem Alter mit unverstandener und unverdauter Kabbala Gefütterten mit erdichteten Vorstellungen, mir erlogenen „Gesichtern", mit gefälschten Schriftstücken m eine Wertschätzung und Glorifizierung des eigenen Jchs hinein, die den des sittlich festen Kerns und Halts Entbehrenden in eine Machtsphäre hineinlangen läßt, für die ihm außer dem äußeren Glanz seiner Persönlichkeit alles fehlt. Aber die Not der Heit ist ihr und fein Helfershelfer, erweckt für das kunstvoll ausgedachte und ausgearbeitete Gaukelspiel Interesse, Wärme, Glauben, ja Hingabe bis zum Aeußersten. Wunder werden präpariert, um die Ueberzeugung von der Echtheit und Größe des Messias zu stärken, die von Jachini entdeckte Messiasbraut, eine bestrickende und beherrschende Schönheit echten und — leichtfertigsten Rangs hilft durch ihren Einslutz wacker an seiner Vergötterung mit. Allerorts loht, glaubt, jauchzt die große Maste, selbst Erlesene geraten in den Bannkreis der Schwärmerei, man steinigt fast, wer sich zu widersetzen wagt. Und nur ein kleiner Bruchteil, unter ihnen unser altbewährtes Frankfurts Judentum, bleibt tapfer und beharrlich im Widerstand gegen den, der sich erkühnt, „Bindungen des Gesetzes" aus seiner Machtvollkommenheit zu lösen und zu ersetzen. — Und nun fragen Sie, lieber Freund, wie dieser Sabbatai endet? So plötzlich und niederschmetternd, wie er es verdient. Er, der gewagt hat, seine Herrschaft der Gottes- _©et Israeli t_ für sie Geeignete Hinweisen und ihnen das Ungeeignete verbieten. Wenn wir eine Zusammenstellung der für die Jugend, geeigneten Stücke vornehmen, so kann sie nur den Zweck verfolgen, für eine eventuelle Jugendausgabe oder für die eingangs erwähnten Anhänge zu unseren Lesebüchern' das verdienstvolle Sammelwerk Jbn Gorions nutzbar zu machen. Von demselben Verfasser sind die „Sagen der Juden zur Bibel". Alle Dinge . dieser Welt bergen D'Oito Boten Gottes, Engel in sich. Dieser tiefsittliche Lern legt den Grund zu unserer. Schöpfungs- Agada, in der alle Mächte der Natur personifiziert und die Vorgänge in ihr als Erlebnisse übermenschlich gedachter Wesen erscheinen. Die Schöpfung der Welt und ihr Bestand sind viel mehr, als die einfache b .b Ische Geschichtserzählung ahnen läßt, eine Offenbarung gewesen, der erste Mensch und die ersten Geschlechter sind dem Paradiese näher, hoch über die heutigen menschlichen Maße erhoben gewesen. Was die Götter¬ und Heldensagen der Griechen und Römer nach Plato und Lomenius mit einem gewissen Recht für Unterricht und Erziehung ungeeignet 'macht, das ist die Stellung, die die Götter und Helden zum Sittengesetz einnehmen, die Ebenbürtigkeit des Bösen neben dem Guten. All dies ist bei den „Sagen der Juden zur Bibel" nicht zu finden. Ob sie zur Beseelung der Natur oder zur klareren und anschaulichen Durchführung der sittlichen Wettordnung beitragen oder als Vorbereitung zur Durchnahme des Pentateuchs dienen, in jedem Fall sind sie für unsere Linder, die zu sehr mit der Mythologie der Griechen, Römer und Germanen gefüttert werden, von unendlich größerem pädagogischen und didaktischen Wert, gar nicht zu vergleichen auch mit den deutschen Märchen, denen der Zusammenhang mit der Geschichte und vielfach der sittliche Grundgedanke fehlt, der diesen Produkten der Phantasie die einzige Berechtigung geben könnte. Wenn auch im Titel „Erzählungen" mir lieber wäre wie „Sagen der Juden", wenn an einigen Stellen die Ausdrucksweife bedenklich, an einigen unkindlich ist, so ist dies gegenüber dem eminent bildenden Charakter des ersten Buches für unsere Jugend nicht von Bedeutung. Sie wird an diesen wenigen Stellen einfach darüber hinweglesen. Auch der zweite'Band „Die Erzväter" und der dritte: „Die 12 Stämme" sind zu empfehlen. Bereits in seinem Vorwort hebt der Verfasser einige Momente hervor, die sich durch das Büch hindurchziehen, und eben bte[£ machen es. für die Jugend wertvoll: die gemeinsame Abstamherrsch a'f t überlegen zu erklären, wird aus zitternder menschlicher Todesangst, da ihn sein Schicksal zu ereilen droht, unterwürfiger Knecht des — Islam. Nur in letzter Lehensstunde — und hier fällt ein versöhnlicher Strahl aus die dunkel überhitzte Gestalt, die aus und mit der ganzen dunkel überhitzten Atmosphäre wundervoll geschildert ist — wacht seine jüdische Seele wieder aus. — Soll ich Ihnen nun noch des Längeren und Breiteren von der vornehmen Zurückhaltung erzählen, mit der die nur auf Prunk, Sinnlichkeit und Anbetung eingestellte Natur der Mestiasbraut gezeichnet ist? Oder von der kleinen, in allem Ueberschwang und aller aufgepeitschten Unrast treugebliebenen Elitegarde Gottes, dem edlen, durchgeistigten FranksurterRabbinerMendel Baß und seinen Smyrnaer und sonstigen Gesinnungsgenossen? Nein, Sie werden, dessen bin ich sicher, jetzt selbst sehen, sich mit dem köstlichen Buch freuen und dankbar für den Hinweis fein Ihrem M. Sp. . 23. Oktober 1828 myng aller Menschen/ die/ menschMe: Persönlichkeit unserer Heroen und 'ihre Verantwortlichkeit für alles, was sie tun, ob Gutes oder Schlechtes, endlich die phantasievolle Bevölkerung der' Natur und Ausmalung der ganzen biblischen Geschichte. Haben wir so die Grundgedanken' skizziert, die diese Gattung der Iugendlektüre als brauchbar kennzeichnen, so können wir'uns die Begründung ersparen, wenn wir auf . Grund, derselben die Hagadasammlung von Gotis.ch a l k vorbehaltlos empfehlen. Es ist. eine bem| Midrasch entnommene Auswahl für die Jugend, die. sie durch Art und Weise der Darstellung z» begeistern und zu fesseln weiß. 1 Der Talmudschatz von S. Lohn haj! durch Dr. Bamberger eine schöne Bearbeitung gf] funden. Zur Unterhaltung der Linder schein er mir aber zu lebhaft und — man verzeih» — stellenweise zu pastoral zu sein. Für jüdisch! Lesebücher werden jedenfalls viele Lapitel gu! zu verwenden fein. I Für kleinere Linder, geschrieben sind di! schönen „Lleine Geschichten aus deil Bibel" von Schalom Asch, ebenso gehöre»! hierher die „Jüdischen Märchen" voiil Irma Singer, die zwar eigene Phantasie darül spielen, sich aber von den Flügeln des Midrasch-! geistes tragen läßt; der Midrasch kommt auch! zur Verwertung in dem für unsere LleiimI geschriebenen Büchlein von Frieda Weißmänn! „Mose" und „Schabbos". (Fortsetzung folgt.) Jüdische Krankenhilfe. Don Dr. Akeränder Ahikipsbor« in Merlin Dorf, des Bundes jüdischer Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands. In Nummer 36 des „Israelit" vom 3. September d. Äs. entwickelt Herr Otto May eine» interessanten und großzügigen Plan, die Veisprgung aller der Krankenhilfe bedürftiger Jude» durch eine zentrale Organisation'sicherzustellen! Die Probleme, um die es sich handelt, und jbil Vorschläge, die gemacht werden, rechtfertigen eirj eingehende Prüfung. Eine öffentliche Diskussiol rpird weitere wertvolle Anregungen zu Tage föfl dern. Gleichzeiig sollte ein Sachverständigen! Ausschuß sich mit der Angelegenheit beschäftigen! um die für die Praxis brauchbaren Ergebnisse der Erörterungen'in hie Tat ümzüsetzein Die, Aentralwohlsahrtsstelle der deutscheu Juden schemt mir berufen zu fein, einen solchen Ausschuß einzusetzen, ‘; Heute möchte ich mich auf folgende. Bemerkungen beschranken:' '' ’v: ' *'! 1. Ob der Plan eines lebensfähigen jüdischen! KrankeNversicherüngsvermns sich 'Mit Erfölg^ wir- Schicksal viel-'Interesse kund. ° Sogar die rässenantise-! mitische „Deutsche Zeitung" schreibt:. „Wie yrelen ist er| noch erinnerlich, wenn er mitten in der Menage stack! umflutet vom weißen Licht der Scheinwerfer, wenn er! seine Sehnen reckte und die gewaltigen Muskeln spiele« ließ. Ein Bild, das aller; gefiel, tdo jeder rückhaltlos Be» fall zollte. Dann-nahm-er'dt^ eiserne Hetttz 'Msch'eN bil Zähne .... und dann — knack — unter dem Klatsche« erdröhnte das Haus. — Oder das Auto — sekundenlang! stand es auf seiner Brust'/vollbesetzt, während im Zu-I schauerraum niemand zu atmen wägte. Wie Draht wickelte! er sich dicke-Eisenstangen um die Arme, so daß Spiralen daraus wurden. Abend für Abend immer neue Tausende begeisterte er — vorbei — vorbei. Niemand hätte sich an ihn gewagt, aber das schleichende Gift drang durch die Adern und zerstörte den gewaltigen Körper." Breitbart pflegte einen Teil feiner Riesen-Einnahmen zugunsten notleidender Ostjuden zü verwenden. (Dos tragische Ende eines jüdischen Athleten.) Am Dienstag, den 13. Oktober, nachmittags, wurden in Berlin auf dem Friedhof Falkenberger Chaussee die sterblichen Ueberreste des infolge einer Blutvergiftung als Vierziger verstorbenen weltberühmten Artisten Sigmund (Suhje) Breitbart der Erde übergehen. Breitbart stammte aus Polen und war gesetzestreuer Jude. Die Bestattung wurde daher von der Gemeinde A d a ß Jisroel übernommen. Unter den Trauergästen, die nach Tausenden zählten, bemerkte man viele hervorragende Künstler, sowie zahlreiche aus dem Osten stammende orthodoxe Juden. Am offenen Grabe hielt Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer dem unter tragischen Umständen jung verstorbenen großen Artisten, stolzen und aufrechten Juden, einen ergreifenden Nachruf. In Berlin, wo man den berühmten Artisten vor nicht langer Zeit noch in seinem Glanze sah, gibt sich für sein (Was gekaufte Juden nicht alles behaupten .....) Auf einer internationalen' Konferenz getaufter Juden in London (Iw so was gab es dieser Tage in Londons) verlas Mr. Neugewürz ein Schreiben des Bischofs von Montreal, in welchem es heißt, der Jude fei eine große Kraft in der Welt; wenn diese Kraft in den Dienst des Christentums gestellt würde, so würden die Resultate wundervoll sein ... | Wir hörten einmal etwas Aehnliches, was aber ungemein geistreicher klingt: Der Antisemitismus ist gar. nicht so übel. Wenn sich/einmal ein tüchtiger Jude dahinter stellte» dann könnte aus der Sache noch etwas werden . . . ,

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