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Der Israelit · 1925-10-22 · Heft 43 (22.10.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 43 (22.10.1925)
Date
1925-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 43_ Was kann, geschehen? Es mutz das Bestreben der gesetzes treuen Mitglieder, in .Oberrat, Synodalausschutz und Synode seinauch wenn es einmal hart auf hart geht, berechtigte Forderungen mit Schärfe zu vertreten und durchzusetzem Es mutz die Aufgabe der gleichen Vertreter und des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzesLreuen Judentums in Baden" sein, nicht nur 3 Wochen, ehe eine Synode für 2 Tage Zusammentritt, sondern jahraus, jahrein zusammenzutreten und zu beraten, was notlut. Klar müssen die Forderungen des thoratreuen Judentums gestellt werden. Lieber einmal ein Unterliegen, als zehnmal schwächliche Kompromisse. Klar müssen die Vertreter des gesetzestreuen Judentums sich sein über ihre Stellungnahme zu den ideellen und prinzipiellen Fragen der Gemeinschaft und der Gemeinde. Und mit einem klaren Programm müssen sie immer wieder, besonders aber jetzt, wo eine neue Synode im nächsten Jahr zu wählen sein wird, vor die Gemeinden der Bezirke und des Landes treten und den Leuten sagen, was von einer Gemeinschaft zu verlangen ist, deren ideelles Programm kein anderes sein kann als rmay mw> und rra * Aber wir klagen, wie überall, so auch hier: uns fehlen Menschen, junge Menschen, die in unserem Sinne arbeiten können und wollen. Was wir in unserem ersten, allgemein gehaltenen Aussatz gesagt haben, könnten wir nun auf unsere engere Gemeinschaft beziehen und wiederholen. So bleibt als weitere, grötzte und bedeutungsvollste Aufgabe des gesetzestreuen Judentums und seiner Vertreter in Baden, allen Mitzständen, Unte.lafsungen und Versündigungen entgegenzutreten, unter denen unsere Jugend zu leiden hat. Vieles liegt da im A gen. Und auch hier tut leider immer noch ein gut Stück Pessimismus not, weil das lähmende, erstarrende und beharrende Prinzip des Nun-e'.nmal-so-seins stärker ist als der frische Impuls des belebenden, scharf zufassenden Aenderns und Besserns. Aber wenn die rnin-Anhänger Badens, mögen sie — weil es in Deutschland ja nun elnmal nicht anders zu gehen scheint — organisiert sein, wo sie wollen, nicht verzagen, Kräfte wachrufen, die noch schlummern, die Alten aufrütteln und dem jungen Geschlecht eine von .Ilin-Luft durchtränkte Sphäre schaffen, dann mag auch der Blick in die Zukunft nicht gar so trostlos scheinen, wie wir manchmal glauben möchten. Wir möchten wünschen, datz alle Anregungen. die aus den Zei ungsveröffentlichungen der letzten Zeit sich ergeben, n'cht ganz fruchtlos >; :" 'D e fr.5-f r q gl t tf., f n rV seien. ELlegenheit^ an und von anderer^ SeitevufLezeigfen,.,Probleme mnzukuüpfen, wird wohl „nicht. feAley,. .wenn. npr. der Wille vorhanden, ist, sich .au^,.der Niederung polemischer Auseinandersetzung in die etwas höhere Region klarer, nüchteryer^ phrasenfreier Debatte zu begeben. Wenn gerade in Baden die Orthodoxie, .sich ^-etwas ünsanft angesatzt fühlt durch unseres und andere' 'Ausführungen — nun, es wird ihr nichts schaden: es wird sie s. E. w. nur aufrütteln und schlagfertiger machen. Denn es könnte ja auch wieder einmal ein Zeitpunkt kommen, wo die Gegner sich stark süZen und die Minorität wenn nicht gerade unterdrücken, so doch links liegen lassen möchten. Wach sein! und: Stark sein! heißt die Losung. Freilich nicht etwa deshalb, um in Leitartikeln und Sprechsaalartikeln sich gegenseitig mit schwerem Geschütz zu beschießen, sonde-n um zu verhindern, datz unser Gutes, unser Wahres, unsere min vernachlässigt, von den Alten vergessen, von den Jungen nicht mehr gekannt werde. Denn selbst diejenigen, die lahm und müde, träge und pflichtvergessen geworden sind draußen im Lande, in S'ädten und Dörfern — was müßten dies doch für seltsame, verhärtete, traurige jüdische Menschen sein, wenn sie nicht stolz und freudig einst wieder erleben wollten und dürften, datz aus der Starre einer Zeitperiode — hier im kleinen Ländchen, dort im großen Land und gar im herl'gen Land — eine rnin-freudige Iugend emporsteigt und jubelnd bewahrheitet des Psalmsängers Wort und das Jeschajohus 1211 j"2 V23 i'2n tw ry mb’ o’pai'i D'^iy 's» «nViyV mp' 'pVx Wochenryndschau. WM Unversöhnliches am Versöhnungstage vor der heiligen Mauer. Ein Vorgang, der sich am heiligsten der Tage vor de» Westmauer abgespielt hat, zeigt uns wieder einmal unsere ganze Armut in unserem sogenannten Nalionalheime. Von all den Heiligtümern in Stein und Mörtel sind uns allein noch die alten Quadern der Westmauer geblieben, in die seit bald zweitausend Jahren so viele irdische T änen emgeweint wurden, datz man meinen sollte, der Tränenkelch dürfte bald WH) bis zum . Randeunter an diesen Aten^Meiggn^ andeM-Hräne^ reinen würden, als. hieraus.:. tiefstem.., Wischen kpmm für die Wiederaufrichtung der heiligen 'Stätte seiner Schechina, datz. sie gar weinen würden aus Schmerz und tiefer Beschämung, dieisihneü von arabischen Rohlingen und englischen Bütteln angetan wurden, hätte man nach der Neuordnung der Dinge nicht erwarten sollen. Und dennoch ist es so. Am letzten Jom Kippur griff die englischarabische Polizei mit Kommando und Nagaika in die Andacht ein und verlangte kategorisch die Entfernung von Stühlen und Bänken aus dem Hofe der Tempelmauer. Anrufung der Vorgesetzten nützte nichts, und Beschwerden an höchster Stelle versagten. Man berief sich auf ein altes türkisches Gesetz, das mit Rücksicht auf den Verkehr die Aufstellung von Sitzgelegenheiten an der Mauer verbietet. Das Gesetz wurde zur Türkenzeit kaum beachtet. Die tück schen Behörden, die die Heiligkeit des Ortes und der Stunde kannten, hätten es auch nie gewagt, an solchem Tage auf seiner Einhaltung zu bestehen. Die Engländer bestanden aber gebieterisch auf der Respektierung des alten Türkengesetzes. Fünf Jahre nach dem Balfourmandate dürfen alte Juden am heiligsten Tage nicht in Ruhe und von ihrem Alter und ihrer Gebrechlichkeit gerechtfertigter Bequemlichkeit auf ihrem ureigenen Stückchen geweihter Erde beten. Wer, vom Fasten geschwächt, zwölf oder dreizehn Stunden nicht stehen kann, mag zusammenbrechen oder sich einen anderen Platz suchen. Das ist türkisch, geschützt von englischen Bajonetten. Eine veraltete Türkenverordnung steht höher als altgeheiligtes Gesetz und Anrecht der Juden. Ein Stückchen Ironie der Weltgeschichte liegt auch in diesem Vorgang. Zur Zeit, da der Vatikan und andere interessierte Stellen so etwas wie Garantien von den Zionisten für die „Respektierung der heiligen Stätten der verschiedenen Kirchen in ihrem Nationalstaate" verlangen, stehen wir im eigenen Heime so arm, mittel- und machtlos da, daß wir unsere einzige heilige S'ätte nicht vor alten Türkengesetzen, vor arabischen Rowdies und vor englischer Paragraphenstarre zu schützen vermögen, indes die heiligen Plätze der anderen Konfessionen sich .in der Tat der größten Freiheit und Integrität, der weitgehendsten Respektierung von allen Seiten erfreuen. Dies ist es, was den traurigen Zwischenfall über den verhältnismäßig geringfügigen Sachbestand hinausträgt und ins Tragische erhebt. Man hat vielleicht im großen Streben nach allerlei nationalen und wirtschaftlichen Rechten Bemerkungen zu einer schwierigen Stelle in Bereschith. Bereschikh: S. 6. U. 22. Von Al. Fuld, Lehrer in Butzbach (Hessen). (Schluß.) Konstruieren wir demnach die Uebersetzung des Verses in Bereschith K. 6 D. 3 nach der Erklärung des N22 12 rta'in '21, dann würde der Vers verständnisvoll lauten: Und es sprach der Evipe: ^Mein Geist kann nicht ewig vorherrschen im Menschen, da auch du (Zahlenwert 343) — ,iD» der höchstvollendete Typ eines Menschen auch irdischer Natur sein wttd; deshalb sollen seine Tage, (nämlich die höchste Lebensgrenze eines aus iw2 und nil harmonisch zusammengesetzten Menschentypus) 120 Jahre fetn! Konstruieren wir dagegen die Uebersetzunq nach der Erklärung der pa> io würde die Uebersetzung etwa lauten: ..Und es sprach der Ewige: ..Mein Geist kann nicht ewig' im Menschen vorherrschen, da auch derjenige irdnscher Natur sein wird, dessen Tage 120 Jahre sein werden" (d. i. Mosche rabbenu.i v. Dql. zu beiden Erklärungen!) Diese Erklärungen einschließlich meiner eioenen decken sich mit der von Eben Esra z. St. angesührten Meinung einzelner Gelehrten: :"tnxrr *72 22p nt» ü'iaix w» und es ist verwunderlich, baß Eben Esra dennoch selbst diele Erklärung ablehm! Begreiflicher wird seine ablehnende Haltung, wenn wir uns s gen, datz dieser qrotze Gelehrte einen Unte-sckied zwischen .gewöhnlichem und harmonischem Menschenalter nicht anerkannte. Auch die Er'läruug des }"2»l 3- St. neigt sich erst zur obiaen Erklärung hin, um dennoch zum Schlüsse in unerwarteter Wenduug „die Sckonsrist' zu akzeptieren. Eine Verbindung des ersten Teiles der Rambanerklärung mit der Meinung der d'ivm V' als Schlutzsatz, würde sich inhaltlich säst mit meiner obigen Erklärung decken! Die Rambanstelle lautet unter Ablehnung der Raschierklärung z.St. vn'^v inn n»n iv2 '2 »vr 'narrt nayt^ 1112 n»i »’j'sn piini -iiwn isv ^rri.inrr isv '2 rnrr.i natfr ii2v2 'öVisrb 01x2 *mi 11»»' x^ :i»X' nvn ,10.1221 rsiv2 pxn brr wvn.i ib>2 V22 1^2 xin 'im^ pasrni 'i2ip2 D’p^x mi ni'.ib 1x1 rurin nism *2xV»2 nrnV iw Qixn nx nm ö'p^xn '2 ni'asian nnxnni nzrnri 'inx •jtpaa nam 12 fnatrr 37532 :l»l3 ni»,l22 Vüroa Der aeebrte Lesermag zu meinen obiaen Ausführungen Stellung nehmen, wie er will. — eins kann er nicht bestreiten: die übliche Uebersedung und Auflassung der Dentateuchstelle Bereschith K. 6 D. 22 ist wie selbst Romban im Gegensatz zu Raschis Erklärung ausdrücklich bemerkt, unlogisch und kann niemals restlos befriedigen. Mit welchem Reckte man nun solche ungeklärte Pentateuckstellen dem Scküler im Pentateuch- und auch säst allgemein im biblischen Geschichtsunterricht darbieten kann. selbst wenn ihre Fassung, den Gesetzen der Logik widerspricht, ist mir und wohl jedem gewissenhaften, logisch denkenden Pädagogen nicht recht einleuchtend. kleines Feuilleton. n&iTHbtp- Zur Jubiläumsausgabe der Rödelheimer Tefilloh.*) Ein kurzer, warmer Gruß Dir zum Geleit,, Du Erbstück aus der Urgroßväter Zeit, Du Mahner an die alte Herrlichkeit, Da noch die Welt nicht lag in Hast und Streit,' Da noch die Seele friedlich und befreit Sich ihrem Gott in allem halt' geweiht. — Potztausend, bist Du heute stattlich aufgeputzt Fein dekoriert und sorgsam zugestutzt! Dein gelbes Aussehn ist verschwunden ganz, Die dünnen Wangen auch. In weißem Glanz Erstrahlst Du, und ein rosenroter Kranz Umschlingt Dein Haupt und ladet wie zum Tanz. Und ganz in Leinen bist Du eingehüllt. — Und all', der Jubel, der in Dir stets quillt, *) Im Verlag von M. Lehrberger & Co., Frankfurt a. M. (Rödelheim), erscheint soeben in 150. Auflage als Jubiläumsausgabe der nöK nsv m Die durch die Exaktheit und Korrektheit ihres Druckes, die übersichtliche Anordnung, das handliche Format altberühmte und allbeliebte Tefilloh ist zu Ehren ihres Jubelfestes ohne Preiserhöhung auf feinem, weißen, holzfreien Papier gedruckt, in Ganzleinen gebunden und mit zweifarbigem Titelblatt versehen. Für Liebhaber erscheint eine Ausgabe in feinstem Geschenkband. Die schöne und dauerhafte Ausgabe wird sicherlich ihren Siegeszug in viele Tausende von jüdischen Häusern antreten.

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