Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1925)
- Date
- 1925-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 42 Seite 3 Oktober 1925 1826 ötomc in die rischen identgeben, i ver- ' Crdetherie die rchtig.! off in tngen. emeni Es ist lümp-;u erleben, nden, h sie Fauüben, g der seiner w«? m in l, im Woii! einer! Dnfür n erivitcd sie 5 har ’ die eine aust ervon I das rurch [öeu. Borehnracht Umrden wen!eitsrben uni) rische sinnacifson- I^^sch hat also alle Ursache, mit seiner Wissen- Ischaft von der Natur sehr bescheiden zu sein. Haben wir nun Grund, anzunehmen, daß Ineben der mit unseren erbärmlichen Sinnen lüiahrnehmbaren und durch .Naturgesetze geord- L*en Welt noch andere Kräfte von anderer Gesetzlichkeit wirken.? Universitäts-Professor Deslauer, Frankfurt, hat in seinem vor kurzem erschienenen Buch (Leben, Natur, Religion,) Ihierüber als Naturwissenschaftler gesprochen. kommt ZU dem Schluß, daß hinter den [{ne Welt beherrschenden Gesetzen von oer „Erhaltung der Materie" und der „Erhaltung Ider Kraft", wie sie Chemie und Physik lehren, eine tiefere Wirklichkeit vorhanden ist, zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Strikte matheinatische Beweise sind hier nicht möglich, weil unsere naturgesetzlich geordnete Welt nicht in Relation gebracht werden kann zu einer Welt an-! derer, eigener, nicht bekannter Gesetzlichkeit. Hier ,t es nur Schlüsse aus Analogien. So sieht ietrva hinter dem rein physikalischen Vorgang der Tchallerzeugung eines musikalischen Spiels auf! eiuem Instrument als höhere, zeitlich frühere MrMchkeit mit einer anderen Gesetzlichkeit (der kharmonie) die „Melodie" (welche durch die Folge der Töne, ihre Intervalle und ihre Lautstärke bedingt ist), die auch noch lebt und! wirkt, d. h. „wirklich" ist, wenn Instrument sund Musiker längst nicht mehr vorhanden jjinb. Und Einstein hat gezeigt, daß ein i in Bewegung gesetzter, d. h. mit Energie! beladener Körper eine größere physikalische Masse, nach allgemeinem Sprachgebrauch ein 'höheres Gewicht hat als derselbe Körper im Ruhe-!zustand. Darin liegt eine Andeutung dafür, daö Energie sich in Materie umsetzen kann. Jedenfalls ist in dem Einstein'schen Befunde die theoretische Möglichkeit einer Schöpsungder Materie durch Kraft angedeutet. Die Frage des Körper-Seelenproblems, die Frage, wie wird aus physikalisch-chemischer Sinnesemwirkung, Sinneswahrnehmung und Bewußtsein, wird nach wie vor mit du Bois Reymond mit „Jgnorabimus" d. h., „das werden wir niemals wissen", beantwortet. Auch der Hypothetische Laplac'sche Geist, der dre rnatbe- Wothetische Laplace'sche Weltgeschehens in Händen hätte, so daß er für einen gegebenen Augenblick den Stand auer Weltkörper, ihre Kraftladung und ihre Kraftwirkung aufeinander genauestens mathematisch fixieren könnte, stände vor der Welt wie vor einer Schachpartie und könnte nicht einmal seststellen, welchen von den vielen möglichen Zügen der Spieler als allernächsten Zug machen wird. In Gesetz alles „Animalischen" unterworfen ist; deshalb Höchstgrenze des Menschenalters zur Vollendung eines harmonischen Daseins: 120 Jahre! In der Tat finden wir von der Sündflut ab in der Genesis ein fortwährendes Sinken des Menschenalters, und der letzte hvchstvollendete Typ des Pentateuchs — unser großer Lehrer Mosche rabbenu trsbeschließt sein Dasein mit diesem harmonischen Alter! Bezeichnend sagt auch ’di z. St.: maa m mai w^ii m Dva ■»niHM w aa!>a »heute bin ich 120. Jahre alt geworden, erfüllt sind, vollendet sind meine Tage. An diesem Tage bin ich geboren und an diesem Tage muß ich sterben." Mein Menschendasein ist zum gottgewollten, vollendet-harmonischen Abschluß gelangt! . . . Legen wir nun den Hauptnachdruck beim Lesen und Uebesetzen des Verses Berelchith 6, V. 3 auf das Wort 'm. so ergibt sich folgende höchst verständliche Deutung: „Es kann nach den von mir (Gott) in die menschliche Natur gesenkten Gesetzen mein Geist im Menschen nicht ewig (relativ gemeint!) das Primäre bilden (: st-?' ), da auch er dem allgemeinen Gesetz des iva (Animalischen) unterworfen ist, i'»' wv deshalb sollen feine Tage, nämlich die Tage des rn in „in welchem er tatsächlich gegenüber dem iw (Animalischen) dominiert und das Primäre bildet,' nur auf einen Zeitraum von 120 Jahren begrenzt sein! Die leiblico-geuNne Existenz des Menschen kann schließlich auch noch über die 120 Jahre hinaus währen; dieselbe ist aber für die Zweckziele der göttlichen Vorsehung und Wallung im Menschen bedeutungslos, da das Geistige lrvn) mchl mehr das Primäre bildet, kommt also für die Zwecke der göttlichen Vorsehung auf Erden nicht mehr in betracht! Wunderbar schließt sich diesem die weitere Er- "ürung Raschis zur schon oben angeführten Stelle aus 1^' an: mioa paa lanaav mbh aaVi nrrxl> *73? ^2ia :rM2nr> 120jührgie Mosche rabbenu rrs? kennt nicht mehr Der Israelit das Wesendes Lebens hätte er keinen Einb..^ gewonnen. Unsere Besprechung über Naturwissenschaft, welche uns in Eilmärschen an die Grenzen der menschlichen Naturerkenntnis geführt hat, hat ] zu einer solchen über unsere Nichtwissen schuft von der Natur ausgewachsen. Dies zusammen mit einer auf Darwinschen Grundsätzen aufgebauten Ethik und deren Bankerott im Weltkrieg macht es verständlich, daß sich ernsterer und tiefer angelegter Naturen überall in der Welt eine religiöse Sehnsucht bemächtigt hat. lVochenrundschau. Verständigung und Enttäuschung. Die Lage der Juden in Polen war von Anfang an, seit Neugründung des polnischen Staates, nichts weniger als eine beneidenswerte. Das polnische Volk, wie alle über Nacht zu ungeahnter Selbständigkeit gelangten kleinen Völker, konnte nun den von einer langen Geschichte geknebelten Herrscherwillen zur vollen Auswirkung bringen und er entlud sich gegen die Minoritäten, gegen die größte und gefürchtetste Minorität: die Juden. Starker, durch Generationen der Unterdrückung gesteigerter polnischer Chauvinismus und nationalistische Spielereien einer an der Spitze sich haltenden und im Namen der Gesamtheit sprechenden jüdischen Partei schlugen hart aufeinander und erweiterten die Kluft, indes das ungebildete Volk, von bösen Instinkten geleitet, sich ohne weitere politische Berechnungen täglich zu Judenexzessen übelster Art verleiten ließ. Eine von orthodoxer Seite mit Hilfe der deutschen Agudavertreter schon früher vorbereitete Verständigungs- und Aussöhnungsaktion wurde in der unter nationaler Flagge segelnden Presse als Verrat am polnischen Judentum bezeichnet und mit allen Mitteln verhindert. Ein halbes Jahrzehnt später sind es aber die Führer der Zionisten und der anderen Parteien selbst, die den Weg der Verständigung einschlagen, ihn bahnen, aber kaum vorwärts kommen. Das Ziel ist, nach allem, was man aus der jüdischen Presse in Polen und direkten Berichten ersieht, nicht erreicht. Vielleicht liegt der Fehler in der Zeit zurück, da w i r auf die Verständigung hinarbeiteten und von denen, die sie heute so sehnlich wünschen, darob als Verräter bezeichnet wurden. die ^rln- und Ausgänge der Gotteslehre, denn die Ueberlieserungen und Quellen der Weisheit wurden ihm mit dem Tage, an welchem er sein 120. Lebensjahr vollendete, verschlossen, weil das Primäre des Geistes im Menschen nur 120 Jahre währt: na» Dnryi naa w vmi Nachdem ich diese Erklärung niedergeschrieben, finde ich dieselbe zu meiner großen Befriedigung in der Midraschrabbaftelle zu Bereschith (Parscha i"H voll und ganz bestätigt, und wird umgekehrt durch obige Ausführungen die doch sonst ziemlich dunkle und von den verschiedenen neueren Erklärern verschiedenartig ausgefaßte und kommentierte Stelle in Midraschrabba deutlich und klar! (Siehe dagegen S. R. Hirsch s. A. und Rabb. 2r. Wolf '"-) in seiner Pentateucherklärung zu Bereschith.) Die Midraschstelle lautet: -nss 12 man ’aa *aaa tw ntcaz; rran nsxff aVa '22 rnr> ai> ,ana -,"nvav na ^’sa rrv"» pan /p-nnaatnn pn naasnm ,nv» nraawa '12? ,aaaa Ti»5^ :rw Dwan na» mn vva-, •••naw wivsi naa iw -,'ni taana nV (Schluß folgt.) Kleines Feuilleton Ein Mißbrauch der heiligen Sprache. „Warum, mein Gott, gabst Du mir eine Zunge, die meine Seele tötet? Herr der Welt, nimm mir meine Zunge, daß meine Seele nicht durch glatte Worte vernichtet wird. Warum hast Du meiner Seele Stimmen gegeben, die die ihrige übertonen? Warum ist es mir nicht gegeben, mein Lied in Reinheit zu singen? Herr der Welt, lasse mich in meinem Alleinsein und ich will Dir doppelt dienen! —-" Mit diesem Gebete in schönem Hebräisch schließt Jakob Der Mißerfolg ist aber zu bedauerlich, um ihn etwa mit einer Genugtuung über das Scheitern einer falschen Politik zu registrieren. Damals war die Verständigung gedacht aus der Grundlage der unabweislichen Zusammenfassung aller Kräfte für den Aufbau des neu entstandenen Landes und auch eingedenk der Bande, die eine lange gemeinsame Geschichte des Druckes um Polen und Juden an den Ufern der Weichsel geschmiedet haben. Die Verständigung von 1925 ist auf einem anderen, reichlich schwankenden Hintergrund aufgebaut, auf der Voraussetzung der amerikanischen Anleihe nämlich und der Mitwirkung jüdischer Parlamentarier an dieser Anleihe (Dr. Leon Reich, der Präsident des jüdischen Klubes, weilt als Mitglied der Anleihekommission in Amerika), und mit dem Erfolg dieser Anleihe steht, wächst oder fällt die Verständigung. Es yt, wie es unsere Mischnaweisen bezeichnen würden, eine mnx und wir fürchten, daß nana nbva nm bva- Es geht nicht im gewünschten Tempo vorwärts mit der amerikanischen Anleihe, darum stagniert auch die Verständigung. Der Jüdische Klub in Warschau hat seit Wochen keinen anderen Punkt mehr auf seiner Tagesordnung als „die Nichteinhaltung der Versprechungen der polnischen Regierung an die Juden." Man geht zum Minister und kommt wieder, und es bleibt alles beim alten. Dem glatten Wortlaute der Verständigung zum Trotze ist der numerus clausus auf der Warschauer Universität konsequent durchgeführt. Hier, so sagt Unterrichtsminister Grabski, höre die Kompetenz der Regierung aus, es sei lediglich Sache der Universitäten, die völlige Autonomie haben und sich nicht dareinreden lassen. Das haben die Herren Minister freilich früher auch gewußt. Aber man versprach mit dem Blick nach Amerika und man verschanzt sich hinter der akademischen Autonomie, da Amerika sich nicht übereilt und der Dollarregen für die polnische Jnnenwirtschaft ausbleibt. Es gibt aber Leute, die klarer und tiefer in die Zusammenhänge schauen, und diese sehen das Zögern Amerikas nicht als Ursache, sondern als Wirkung an. Die Politik, die mit Steuerdruck und immer neuen Währungsexperimenten aus der Wirtschaft und Industrie in den von Juden bevölkerten Städten ein großes Armenhaus gemacht hat, sie hat auch nach außen in jeglicher Beziehung Polen um den moralischen Kredit gebracht, und die Kluft zwischen Theorie und Praxis in der Judenfrage hat vollends dazu geführt, daß die praktischen Amerikaner fürs erste ihre Taschen schließen. In diesem Sinne hat Leon Reich den polnischen Gesandten in Washington verständigt, K l a tz k i n sein soeben vom Eschkol-Verlag, Berlin, in schönster Ausmachung zusammengestelltes Buch unter dem Tirel mvn. ßlatzkins Gebet ist, zum großen Nachteil für ihn selbst, für uns alle, und nicht zuletzt der hebräischen Literatur, von: Herrn der Welt nicht erhört worden. So führt er eben eine Zunge und eine Feder, die seine Seele ver Nichten. Jeder Mensch, man muß nicht erst von der sensiblen Geistigkeit eines Klatzkin fein, hat nachdenkliche Momente, eines Jeden Seele wird zuweilen von Reflexen, Einfällen, Blitzgedanken und Empfindungen gestreichelt. Aber nicht jeder notiert sie, diese Augenblickseingebungen. Und wer sie notiert, muß sie nicht gleich an die Zeitungsredaktion schicken. Und sind sie in der Zeitung, einer Geburt des Tages für den Tag, erschienen, so müssen sie noch nicht in schönen großen Büchern als ewige Weisheiten und „neue Richtlinien des Denkens" der Welt erhalten werden. Klatzkin gehört, im Gegensätze zu einem bekannten Philosophen, der von zehn guten Gedanken nur drei wiedergeben will, zu den SchriWellern, die von drei guten Einfällen zehn wiedergeben. Alles, was in beschaulicher, nachdenklicher Tages- und Nachtstunde sein Herz beschwert, notiert er gewissenhaft. Und was er notiert, erscheint in Form von Aphorismen (nvn) in den wenigen hebräischen Zeitungen, die ihm zur Verfügung stehen. Und was sich in zwanzig Jahren von dieser Art in Zeitungen aufgehäuft l'at, wird von ihm liebevoll gesammelt und in schönen Büchern der Nachwelt erhalten. So ist auch das hier in Rede stehende Buch Klatzkins, new entstanden, hübsch und modern ausgestattet, und 256 Seiten stark. Cs sind ein paar hübsche Sätze darin enthalten. Um diese zu finden, muß man sich aber durch eine beträchtliche Auslese von aufgeblasenen, sehr protzig aufgemachten Banalitäten hindurcharbeiten, wie sie sicherlich auch durch