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Der Israelit · 1925-10-15 · Heft 42 (15.10.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 42 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 42 Der Israelit 15. Oktober 1925 Oer Ohnmacht der Naturzuchtwahl gegenüber stellen. Hat doch gerade der radikale Mechanist Weismann bekennen müssen, daß wir niemals durch Erfahrung den Vorgang der Naturzüchtung feststellen können. Und ein Mann wie Oskar Hertwg meint, auf keinem anderen Gebiete der Naturwissenschaften als dem der Biologie würde sich ein Forscher zur Begründung eines Naturgesetzes mit einem solchen Wahrscheinlichkeitsbeweis zufrieden geben. Zu welchen Schlüssen muß nun die Darwin- Haeckel-Weismannsche Entwicklungstheorie führen? Unentrinnbar zu folgenden: Entweder es müssen in den durch generatio aequivoca entstandenen Urschleimklümpchen schon alle Möglichkeiten der Variation potentiell begriffen sein, welche in der Entwicklung der gesamten Lebewelt zur Geltung kommen von der Urmonere bis zum Menschen und vom Hefepilz bis zur Blutenpflanze. Sie mußten dort schlummern nicht nur in irgend einer wie immer denkbaren „p r ä f 0 r m t e r t e n" Anlage der millionenfachen Gestaltung, sondern auch in Verankerung mit aller Bereitschaft physiologischer Reaktion und deren Gesetzlichkeit. Wir hätten es also mit einer echten Evolution, einem enthüllen, einem in die Erscheinungtreten von etwas Vorhandenem zu tun. Oder man muß sich denken, daß auf den tausendfältigen Entwicklungsstufen durch „Postformation" oder „Epigenese" jede Wesensart immer wieder neu derartige Gestaltungs- und Funktionsanlagen durch die eigenen Kräfte der lebendig wirkenden Natur unter dem Zusammenspie! physikalisch-chemischer Gesetze zufällig erworben hat. Wenn auch die experimentelle Biologie durch physikalisch-chemische Eingriffe in das in Entwicklung begriffene Individuum (etwa durch Störung der Gleichgewichtslage des Eies) schwerwiegende Aenoerung der Entwicklung künstlich erzeugen konnte, so hat weder Experiment noch Erfahrung in der ganzen Natur ein Beispiel von Neuschöpsung eines Organs und dessen Reaktionen gezeigt. Das geistvolle Zauberwort des französischen Modephilosophen B e r g s 0 n von der „schöpferischen Entwicklung" durch den „elan vital", eine ewige Lebensschwungtraft, bringt uns dem Verständnis des lebendigen Weltgeschehens nicht näher. Die Schöpferkraft der Darwinschen Entwicklungsfaktoren hat ihren Kredit verloren, wenn auch der Entwicklungsgedanke in der Biologie noch lebendig ist. Die Entwicklungstheoretiker haben eine schöpferische Intelligenz als unmögliche Zumutung an unseren gesunden Menschenverstand ablehnen . zu müssen geglaubt, muten uns aber den Glauben - zu an einen durch das Zufallsspiel physikalück-1 chemischer Kräfte entstandenen, durch das gleiche Spiel lebendig gewordenen Scheinklumpen, der die Fähigkeit umschließt, alle Pflanzen und Tiere stufenweise aus sich hervorgehen zu lasten, einen Bazillus und einen Elefanten, und zwar hervorgehen zu lasten durch millionenfachen Zufall. Der Glaube, d. h. das Fürwahrhalten, des Entwicklungstheoretikers kann sich als Zumutung an die Vernunft neben jedem religiösen Glauben sehen lassen, auch hinsichtlich des Fanatismus, mit dem er verfochten wird. ^>ie Haeckelsche generativ aequivvea basierte wohl vornehmlich auf dem Umstand, daß die analytische Chemie keine anderen Elemente in der lebendigen als in der anorganischen Materie Nachweisen konnte. Also ist eine Amöbe nichts anderes als eine chemische Verbindung der gefundenen chemischen Elementarstoffe? Der Schluß wäre ebenso verfehlt als wenn man eine Taschenuhr in Staub zerreiben, die oarin enthaltenen Metallsubstanzen nach Art und Gewicht seftzustellen und dann die Uhr als eine Verbindung dieser Metalle ansehen wollte. Aber die Taschenuhr ist ein System, ein Organismus, allerdings ein außerordentlich einfacher Organismus gegenüber dem vieltausendmal komplizierteren und lebendigen Organismus einer einzelligen Amöbe. Neuerdings glaubt man dem Geheimnis näher gekommen zu sein durch die neu gewonnenen Anschauungen von der Einheitlichkeit aller Materie und der Einheit aller Kraft. Diese Einheit wird repräsentiert durch den Weltäther und seiner Bewegung. Die alte Atomtheorie' mit ihren zahlreichen Elementarstoffen ist der Aethertheorie oder Elektronen-Theorie gewichen. Die Elektronentheorie kennt nur eine Materie, nämlich den Weltäther, der von Ewigkeit überall da sein soll, wo scheinbar nichts ist und nichts war. Dieser hypothetische Weltäther, den noch niemand gesehen und festgestellt hat, ohne den aber das Naturgeschehen bisher nicht erklärt werden kann, ist i n der R u h e nach unseren physikalischen Begriffen eigenschaftslos, also für unsere Sinne ein N i ch t s, er erlangt erst Körpereigenschaft, d. h. Ausdehnung, Gewicht, Undurchdringlichkeit, er wird ein Etwas, wenn er in Wirbelbewegung gerät, so wie vergleichsweise die Wolke sich aus scheinbarer Leere bildet. Man nennt diese Aetherwirbel U r a t 0 m e (chemisch gesprochen), Elektronen (physikalisch gesprochen). Aus solchen Aetherwirbeln setzen sich nun nach der Aethertheorie alle Körper auf der Welt zusammen, und zwar kreisen im Atom elektronegative Ladungen um einen elektropositiv geladenen Kern, wie die Planeten um die Sonne. Das Atom ist also ein Planetensystem von Uratomen. Je nach Zahl und Bahnverlauf der Aetherwirbeluratome im Planetensystem des Atoms tritt das in die Erscheinung, was wir die verschiedenen chemischen Stoffe nennen. Um eine Ahnung von der undenst baren Kleinheit der Uratome im Atom zu gebend hat man gesagt, ein Uratom oder Elektron ve^ hält sich zum Atom wie ein Kieselstein zur Erdkugel. Nach der Weltäthertheorie setzt das Aetherwirbeluratom als Einheitsstofs die tote wie dis lebende Welt zusammen. War diese Idee richtig, dann mußte es gelingen, einen Elementarstoff in einen anderen überzuführen. Und es i st gelungen. Miethe konnte Quecksilber durch Bombardement mit Strahlenenergie in Gold verwandeln. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, Eiweißklümpchen aus anderen Stoffen in der Retorte zu erzeugen. Aber diese Klümpchen werden nicht leben, d. h. sich nicht wollend bewegen, nicht empfinde^ nicht stoffwechseln, sich nicht fortpflanzen, sj» werden eben keine Organismen sein, das Faustische Homunculusproblem wird ungelöst bleiben Mit der theoretischen Feststellung der letzten Einheit, nämlich des Aethers und seiner Bewegung, ist für das Verständnis dessen, war wir Leben nennen und der Art wie Leben in die Welt gekommen ist, nichts gewonnen, im Gegenteil, die Frage wird nur schwieriger. Wo!i! oder übel kommen wir immer wieder zu einer Art „Lebenskraft", dem „Vitalismus", den Dubais Reymond verächtlich das „Mädchen für alles" genannt hat, mit neuen Erkenntnissen erfüllt, zurück, wir nennen uns jetzt aber Neuvita listen (Neovitalisten). Die Urfrage taucht neu auf, nur wird sie weiter zurückgeschoben: Woher alles? Was Hai in dem ruhenden Nichts des Weltäthers die Wirbelstürme verursacht und also ein Etwas, eine Materie, geschaffen? „Und weih, daß wir nichts wissen können, das will mir schier das Herz verbrennen". Was Wunder, sind wir doch mit Sinnen ausgestattet, die den minimalsten Teil der Welt er fallen können. Wir können Aetherwellen iM 1/20000 Millimeter bis 1/20 Millimeter durch das Auge als Farbe direkt sehen und durch die Haut . als Wärme direkt empfinden. Der Röntgenschirm aber beweist das Vorhandnfein von Aetherwellen von ein zehnmillionstel Millimeter, der Radioapparat macht Aetherwellen bis 4000 Meter durch Umwandlung in Schall Hörbar. Von den Milliarden Arten von Aetherwellen zwischen diesen Extremen können wir also nur ganz kleine Ausschnitte sinnlich wahrnehmen. („Wir haben von der Milliarde Aetherwellen-Mark in der Welt noch nicht einen Pfennig in unserer Tasche". Fritz Kahn:) Der Bemerkungen zu einer schwierigen Stelle in Bereschikh. Bereschiih. ü. 6. B. 22. Von M. Aiüd, Lehrer in Buhbach (Hessen). Die übliche Uebersetzung und Erklärung der Stelle K. 6, V. 22, v Diia ■’rrn ]rr kV kann nicht restlos befriedigen' Wie sehr in der Auslegung dieses Verses die Meinur-gen auseinandergehen, erhellt schon aus einzelnen Worterklärungen. pi' kV übersetzl Zunz mit: „nicht soll mehr walten", Hirsch: „nicht immer Richter sein", Onkelos vm kV nicht erhalten, bestehen, usw. — Ferner djm: Zunz: „in ihrem Wahn (oeb. uv)". Hirsch analog oAsra: „da dieser auch" ufm. Am auffälligsten erscheint mir jedoch die allgemein und anstandslos in sämtlichen Uebersetzungen als richtig hingenommene Uebertragung des Nachsatzes — (auch für den biblischen Geschichtsunterricht allgemein akzeptiert) — nw w-ivsi nxn vn’ r>m und feine Jahre, (nämlich die „Schonfrist" für das verderbte Menschenge,chlecht,) sollen 120 Jahre sein!" (So Targum Onkelos, so Jonatan ben Usiel, so Raschi, so die deutschen Uebersetzer Zunz, Hirsch, so das biblische Geschichtswerk von Stern usf.) Ist diese Erklärung und Uebersetzung unumstößlich richtig? Wir wollen, unbeschadet des autoritativen Charakters dieser Uebersetzungsweise, unsere eigene bescheidene Meinung zur Stelle äußern. E r st e n s: ist der gedankliche Zusammenhang zwischen V. 3 und V. 5 durch den eingeschobenen V. 4 zerrissen, so daß V. 3 tatsächlich einen vollständig selbständigen Gedanken darzustellen scheint und mit '» jnw hi n nicht unbedingt etwas zu tun haben muß! Zweitens: Wenn der Nachsatz nx» vw wn nw □■’-ifrsn wirklich die „Schonfrist" für die verderbte Menschheit bedeuten sollte, dann hätte mindestens noch das Wörtchen iy „ferner" stehen müssen: "7 V" rn» vm na 7 D’itpyi nxa, analog: K. 8 V. 22. firm Drittens hat selbst ■>"en in seinem einschränkenden bk' den rein zahlenmäßigen Widerspruch erkannt, daß als „Schonfrist" gar keine 120 Jahre, sondern tatsächlich nur 100 Jahre seftzustellen seien, wenngleich er sich der Ausfassung von Onkelos und Jonatan ben Usiel anschließt. Viertens: Schwieriger noch als diese „Zahlenunstimmigkeit" erscheint mir jedoch der inhaltliche logische Zusammenhang des Vorder- und Nachsatzes in V. 3: Gott will seinen Geist nicht immer herrschen lassen (analog si'7X>, da er auch Fleisch ist. Hirsch übersetzt: Gott will seinen Geist nicht immer Richter bleiben lassen und deshalb sollen seine Tage 120 Jahre sein! .... Es ist logisi-ber Weise nicht einzufehen, inwiefern mit der Vernichtung des Menschengeschlechtes die rein „sinnliche" Natur des Menschen, die doch stets und immer im Menschen neben der „geistigen" Seite — also auch im noachidischen Menschen vorhanden sein würde, von Grund auf verändert werden könnte, da doch nun einmal diese Zwiespältigkeit, diese Doppelnatur des Menschen im Plane Gottes bei der Schöpfung bestand und in den Urmenschen dis eingesenkt wurde und auch unter das ix» altj fiel! Welch einen Zweck hätte da wohl die Vernichtung der Gesamtheit aehabt, wenn Gott nicht einen ganz „neuen" Typ von Menschen geschossen hätte, einen Typ ohne ohne den niederziehenden Sinnlichkeitstrieb im Menschen, der ihn zum Tiere lassen werden konnte? Logischer Weise hätte nach diesem Vers uni> seiner allgemein akzeptierten Erklärung der noachidische Mensch ein reingeistiges Wesen k1-.-’- ohne die sinnliche Natur sein müssen! In Wirklichkeit stellt der noacüdifche Mensch tatsächlich gar keinen neuen Typ dar, sondern nur ein höher entwickeltes Menschentum1 vr« ni- -nn rrn D'»n p'12. Aber auch da immer „nur Mensch", aus n*n und “ibsDas Sinnliche ist im neu:» Menschengeschlecht nicht ausgeschaltet und konnte auch gar nicht ausgeschaltet werden, da diese Doppelnatur zu.» Begriffe des „Odom" nun einmal gehört und V. 3 kann sich demnach logischer Weise nicht auf die Vernichtung des alten und Erschaffung eines neuen Menfchentypus beziehen! Verständlicher wird die Stelle, wenn wir sie überhai pt Nicht auf die „Schonfrist" beziehen. Gegen die Schonfrift sprechen die von mir unter 1, 2 und 3 aufgeführien Argumente. Es ist unseres Erachtens damit vielmehr eine göttliche Willensäußerung über die allgemeine Hö des Menschenalters (harmonischen) gegeben! 120 Jahr: so lange soll in Zukunft das normale Höchstalter des harmonisch-vollendeten Menschen sein, in welchem Zeitraum er unbeschadet seiner sinnlichen Natur (1172) seine Zweckbestimmung auf Erden durch rov und *>w zusammen vollenden kann. Das ungeheuer hohe Alter der ersten Menschen diente nicht, wie erhofft, zur fonwährend _ steigenden Vollendung und Erzielung dieser Zweckbestimmung des Menschen, sondern führte im Gegenteil zu seiner.Entartung! Mein Geiist kann im Menschen nicht DVyV ewig herrschen, loVyV hier, wie an vielen Stellen des -pn nicht auf „immer und ewig", sondern nur relativ, für eine sehr lange .Seit gemeint! Siehe auch Jkharim (Joseph Albo) zur Worterklärung von vVyV.'j, da er auch dem allgemeinen

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