Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1925)
- Date
- 1925-12-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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3. Dezömbtzr I8W Si'abt geben, wenn sie die Gewißheit haben, bah ihre Kinder Lort in guten, vorbildlichen Häusern restlosen Fanrillenanschlutz haben. Und Aufgabe der rmtf ist es, hier zu verrkitteln. Sie mutz über den betreffenden jungen Mann, das betreffende junge Mädchen genau unlerrich'et fein, die bisherigen Lebensbedingangen, Eigenjchaflen, Neigungen der jungen Leute ge-' nauest kennen und danach die in Betracht kom-' menden Familien beeinflussen, datz sie sich bcs; jungen Menschen in der Fremde annehnren. Das" jüdische Hans bietet in seinen Mauern mehr. Schutz als der beste Freundesverkehr, die edePe Lek ü.e. Das mutz schon ein starker, fester Charakler sein, der, aus kleinem Milieu kommend, in der Großstadt, ohne solchen Schütz, der das Elternhaus wohl nicht ersetzt, aber manche seiner Sicherungen doch bietet, gut und jüdisch bleibt. Nicht jeder, aus dem Elternhaus Gegangene spricht: nmn mm •'jiu pV a* datz ihm das schlechte Milieu der Großstadt nichts anhaben konnte. And wenn es auch gewiß lobenswert ist, .wenn die 112K E üppen Frellagabendveranstaltungen machen, viel besser ist es, wenn sle Vorrich ungen treffen, datz kein einziger junger Mensch am Freitagabend im Restaurant speist und wo die jungen Leute aus einem, wenn auch falschem, so doch in Betracht zu ziehenden rmty"3 heraus sich z>.n Essen nicht laden lassen wollen, da mutz man dafür Sorge tragen, daß sie wenigstens die langen Winterfreitagabende: und den Sommer 71217 Nachmittag, die sle sonst f.iller oder später dem Kaffee zuführen, Häuser finden, von denen sie spüren, datz sie sich ihnen ganz weit und ganz freudig öffnen. Und wo der Tr 2 V92 „lernen" kann, da soll er. auch wenn der junge Mann vom Land manchesmal an feine Geduld große Ansprüche stellt, ihm einen nsrv anbieten, und die Tochter des Hauses soll dem auswärtigen, jungen Mädchen weit ihr F.eundesherz öffnen. Es ist nur zu wahr: K2V2 •(K"0 s'211'p) 122 kV '217 2t7 K'712 Ki?2 „Der Hund am fremden Ort bellt sieben Iahre nicht". Der Hund zeichnet sich nicht durch zu große Bescheidenheit aus — und doch hat er sieben, d. h. viele Iahre nicht den Mut, zu bellen. A so, meine Verehrten, gebührt dem ortsfremden, jungen Menschen die ganz besondre, hingebungsool e Aufme.ksamk.ll der 112K-Kreise und neben irrer Stellenvermittlung, die dem jungen Menschen das äußere Iudssein sichert, sollle die ,TttK auch eine „Familienvermittlung" sich zulegen, die das innere Iudebleiben garaniie-ren hi ft. So sehr sollten die jüdischen Familien a'pimn riK 2ipa sein, den Ortsfremden ihre Häuser öffnen, datz wir, wenn wir von den jungen Leuten sprechen, wir kaum einen An e schied zu machen brauchten zwischen den iunren Leuten, die im Schutz ihres Elternhauses leben und zwischen jenen, die, fern dem Elternhaus, in der Fremde Häuser finden, die ihnen bas Ele.nhaus und seinen Schutz zu ersetzen trach'en. M. V. Wir haben bisher von der geistigen Beeinflussung gesprochen, die '*K auf den jungen Menschen von frühester Jugend ausüben sol; sie ist deshalb so wichtig, weil von keinem Wissen so sehr w'e vom nun Wissen das Wort gilt: Wissen ist Reichtum, Wissen' ist Machll Die nin oermi telt dem jungen Menschen so viel inneren Reichtum, stattet ihn mit so viel seelscher Macht aus. datz ein jüdisch gebilde'er Mensch ein im vollen Umfang jüdisches Leben füjren könnte und sollte: 'K2»a '2 ('i 'Vva) D"n Kxa Wir haben oben schon angedeillet, datz aus dem recht verstandenen p'ixi fprp 171J12K2 aus einer nur im Wege über jüdisches Wissen zu erlangenden, jüdischen Erziehung das Iudentum in se'nem breitesten, Tvnsa vnne nschllltzenden Strom fließt. Gewiß ist es so, datz jüdisches W'ssen die Voraussetzung für jüdisches Wesen ist. ay rrVi 'Kvi Kl' 112 )'K ron pxi gewitz ist es so, datz TiaV.i ipya ’tV K’2ai7 nur d i e jüdische Lehre groß ist, bei der aus Der I s r a e l i t Plätte r dem Wissen und Lernen das Tun harmonisch und selbstverständlich sich entwickelt, gewiß ist es, datz das Iudentum, die nun. alle Seiten des menschlichen Charakters, alle Phasen des menschlichen Lebens umfaßte. Weil *n mm Tia'an Gottes Lehre eben göttlich und darum vollkommen ist WB2 712'tfa gibt sie An wort auf jeden Zweifel der suchenden Seele. Das Zeugnis Gottes mit fe'ner erzieherifchen Tendenz macht ebenso den Einfälligen k ug 122K2 ',1 niiy '2N8 — Gottes gerade Satzungen erfreuen das Herz, bereichern unser Gefühl m 'Tips 2V 'rtatpa d'Mv' wie sie unser Auge erleuchten, unfern Verstand veredeln v'^VTii'Ka .112 m tvsa- Gollesfurcht, der Quell aller Reinheit und Sittlichkeit steht aTs fester Pol in der Erscheinungen Flucht ivV may iiiiv 'i nKi'- sowie Gottes Rech'sfatzungen, die wir nur begreifen, wenn wir die Welt in ihrer Gesamtheit beurteilen einu-andsfreie Iust'z find iii' ipur 7iaK M 'dsiva — und doch, m. D., zu einer Frage, obgleich sie theoretisch gew'tz durch die rmiv restlos bean'wortet ist, möchte ich gesondert Stellung nehmen: zur seXuellen Frage. Denn an diesem Problem kann eine ehrliche 112K-Arbeit in ed Stadt nicht vorübergehen, well sie ihm an unzähligen Stellen, in den mannigfachsten Formen begegnet. And wir glauben auch, datz ein in silllicher Bezielung einwandfreier Mensch dem Ideak, das Agüdas Iisroel für die Gesamtheit aufstellt, schon sehr nahe kommt. Die einfachste und schönste Lösung dieses Problems ist die Frühehe. Das sagt uns d'e xiax an vielen Stellen. In: 2"» 71122' heitzt es: 1S132 1711' 1122211 1S122 1N17K 71K 311K1 IPI'SV Psv JK'ffail 11 t7' *]112 VI1221 1'32 "s'11211 •('.1 21'K) iV.IK OIVt '2 71J7T1 121K 21712.1 1'Vjr „Wer feine Frau liebt w'e sich selbst, sie ehrt mehr als sich selbst, wer seine Kinder führt auf dem Weg^ des Guten, wer sie verheiratet nahe ihrer SJctte, von dem spricht Ijobi Du sollst wissen, datz in deinem Zelt der Frieden wohnt!" And wenn auch als Norm gilllliwy 12217 73 nsinV' so ist doch bekannt jenes Wort des 21 Klon in t?"2 f'VNp: K32'231 'K1212 K2Ö'1i71 'KN ioti'^2 „Was ich vor meinen Gefährten voraus habe ist. datz ich mit 16 wahren gelleiratet habe" nin lv'2i«2 -K22'v2 nin to T3,»2 rn'2 pwV K2'2K hätte ich aber zu 14 gel eira^ell dann hätte ih zum yii IL' gesprochen „ein Pfeil in deine Augen" d. h. er hätte den Sin 1^ lerousgefordert, ohne fürchten zu müssen,, von ihm besiegt zu werden. Und K21.1 21 sagt^ an der gleichen <&leVe: Kt72 k^i mt? ti’it2^ p Ka'K kVk psn KpVo mrnsm ni'2^2 w V2 w«; ili'237 'Iimn2 i'ar> Vd Zwanzigjähriger, der noch nicht verheiratet ist, verbringt al"e se'ne Tage in der Sünde, mcht in der Sünde selber, doch fn den Gedanken an die Sünde", was bekanntlich noch schlimmer ist: to"2 Kai') ii'2S?a mp 1T227 'Tim Die Früh ehe ist also das Ideal und doch gilt wieder, was wir oben schon sagten: ihre Realisierung ist in d'eser Zeit furchtbarer komplizierter wirtschaf llchrr Verkältuisie in den weitaus meisten Fäl en unmöglich. Also was tun? Was tun, diese n'2$? '11111 zu meistern. Vor allem gilt es, sich darüber klar zu sein, was dieseii'2^'iiiii sind. Ich möch'e Herr wörtlich anführen, was S. R. Hirsch in wunderbarer Begründung der Tallache, datz Vsn i^sr riixa Vy isaa iViv ii'2jr 'lim sag": (ii. S. 383 nanu). „Und wenn nach '"21m nVisr zugleich 2V1 ■»inm bx ungeregelte Herzensgedanken sühnt, so spricht sich da in die ll'efe psychologische Wahrheit aus, daß ündhafte Gedanken nicht sowohl als p 0 s illve geistige Verirrung, als vielmehr als negative, unterlassene Richtung des Geistes auf das Wahre zu begreifen fe'en. 2V1 'lim stellen sich sofort und von selbst ein, sobald den Geist die Energie der Crkenntnis und Anerkenntnis des gungen einem Mangel an praktischer Energie W a h r e n verlätz". Wie somit NV^-Versündienllpringen, so entspringen 2V.1 '11,11,1 aus einem Mangel an geistiger Energie und es ist Nr. 24 Seite 3 ir.nen ebenso wie den ,iw ’2"n das enecg.evolle Zusammennehmen des ganzen Wollens zum Heranklimmern zur geistigen Höhe der Vollkommen- ''eit zu zeigen." Die Energie der E.kenntnis des Wahren kräftigen, das ist das wichtigste Mittel in diesen schweren Ringen. Oder modern ausgedrückt: es gilt, das Gehirn mit positiven Gedanken und Ingressen derart auszufüllen, datz die sinnlichen Reizungen dadurch in den Hintergrund gedrängt werden. Der junge Mann, dem ein allabendlicher mehrstündiger iiw zur festen Lebensgewohnheit und Notwendigkeit geworden ist, wird den Kampf, weil sein Geist immer und immer wieder die Richtung auf das Wahre hin sucht, viel, viel leichter bestehen. Das ist das posillve Mittel. (Fortsetzung folgt.) Ein neues Heft der Keren-Halhora-Vlätter. Die Keren Hathora-Zenträle in Wien hat soeben ein neues Heft ihrer Blätter herausgegeben, welches im wesentlichen Fragen der Erziehung und des Ünterrrichtes behandelt. Es enthält zwei allgemeine Aufsätze über jüdische Erziehung von Gottfried G 0ld schm id t und Dx. W. Halbe r st a d t, methodische Vorschläge über das hebräische Diktat sowie einen Aufsatz „Sypnotische Tabellen für jüdischen Geschichts- und Literaturunterricht" von B. S. Jacobson, Sekretär des Merkas Hachinuch, ferner eine Darstellung der Lehrziele des hebräischen Unterrichts an der Nealschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main. Das Vorwort des Herausgebers sowie das ausführliche Protokoll der Hamburger Erziehungskonferenz wollen ebenso wie die anderen Beiträge des Heftes die Diskussion über die jüdisch-pädagogifchen Probleme eröffnen. Schließlich enthält das Heft die Berichte der Keren Hathora-Zentrale, aus welchen ersichtlich ist, daß die Erhaltung der Thora und ihrer Lehrftätten ebenso wie die Erziehung der Jugend im wahren jüdischen Geiste durch den Keren Hathora in der Berichtsperiode in fast allen Ländern große Fortschritte gemacht hat. EineTragödie auf heiligemDoden. Von Elias Sternbuch in Bafel. Gerechter ist das abgefallene Israel als das treulose Juda (Jerem. 3,11). Agudas-Jisroel, die durch die bedrohliche Ausbreitung thorafeindlicher Institutionen in Erez Iisroel, welche sie von Anbeginn mit Wehmut verfolgte, auf den Kampfptatz gerufen wurde, stand den gegnerischen Zusicherungen über die anzuerkennerrde und rechtlich durchzuführende öffentliche Beobachtung der jüdischen Vorschriften in Crez Iisroel stets mißtrauisch gegenüber. In zionistischen Versammlungen sprach man wohl vom jüdischen Gemeinschaftsleben, das sich „zu Haufe" im eigenen Heim besser entwickeln könnte, man schilderte dieses Leben in den herrlichsten Farben und fing damit eine ganze Schar , LsichtgläublZüt-, aber Agudas-Jisroel wußte, daß die zionistischen Führer, so wenig wie der Begründer der zionistischen Lrganisation, je daran dachten, die Schulen, das Leben der Arbeiter in den Kwuzoth und das öffentliche Leben in Erez Iisroel dem strikten Thoragesetz als souveränem Herrscher zu unterordnen: sie wußte und weiß, daß für die zionistischen Führer wie für die Organisation der Grundsatz „Religion ist Privatsache" eine von Herzl tradierte und heilig gehaltene Norm ist. Anders der Misrachi. Dieser unterschied sich im Grunde nur durch eine prinzipielle Anschauung von der Aguda. Kann nach agudistischer Auffassung die Idee des reinen und unverfälschten Judentums nur selbständig bis zur äußersten Konsequenz verfolgt und nur außerhalb einer Organisation, die durch Poklamation der Jndividual-Religion den Bestand der spezifischen Glaudensnation erschüttert, gesichert und verbürgt werden, ö glaubt der Misrachi, daß diese Abgeschlossenheit nicht eine unbedingte Notwendigkeit, daß es vielmehr Pflicht der Orthodoxie fei, innerhalb des Zionismus dem Judentum zum Siege zu verhelfen. Nur diese beiden Auffassungen standen sich kontradiktorisch gegenüber, im Grunde genommen aber wollten Aguda und Misrachi. oweit Erez Iisroel in Betracht kommt, ohne jeden Unterschied dasselbe. Den unbedingten Glauben und blinden Gehorsam brachte die Aguda nur Gott und seiner Thora entgegen; dem Glauben des Misrachi an die zionistische Organiätion stand sie höchstem Maße skeptisch gegenüber. Davonüberzeugt, daß es niemals möglich sein wird,