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Der Israelit · 1925-12-03 · Heft 49 (3.12.1925) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 49 (3.12.1925)
Date
1925-12-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 24 Postscheck -Konto der Lamiesorganisatioii: Gruppenverband der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Halberstadl: Nr. 18901 Berlin. innerhalb einer Organisation, die den erhaltenden Charakter des jüdischen Volkes leugnet, den Vorschriften der Thora zu ihrem Rechte zu verhelfen und die Interessen der orthodoxen Judenheit sachgemäß zu wahren, gab sie sich der Hoffnung hin, daß der Misrachi im Laufe der Jahre seinen Irrtum und die Erfolglosigkeit dieses, wenn auch ehrlichen Bestrebens einsehen und sich der Aguda anschließen wered. Die das glaubten und hofften, erlebten eine große Enttäuschung. Der Misrachi mußte ohnmächtig dem unjüdischen Treiben in Erez Jisroel zusehen: Das Leben der Arbeiter in den Kwuzoth, die thoraentfremdende Erziehung in den zionistischen Schulen, die öffentliche, rechtlich geschützte Sabbatentweihung in Tel-Awiw, die Lehrfreiheit an der zionistischen Universität, die Subventionsverkürzung für die Tachkemonischule usw., Beispiele, die beliebig herausgegriffen und vermehrt werden können, all das hatte der Misrachi willig oder widerwillig zu akzeptieren. Und trotz alledem hatte er nicht den Mut, ehrlich und aufrichtig den Irrtum einzugestehen, wie man es von einer auf religiöser Grundlage aufgebauten Organisation erwartet hätte. Damit aber hatte der Misrachi seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Während die Agudas-Jisroel anhand dieses von anderen gewagten Experimentes den von ihr eingeschlagenen Weg als folgerichtig und zweckmäßig bezeichnen und so die Reihen in ihrem eigenen Lager bedeutend stärken konnte, erkannte die Zionistische Organisation in dem Misrachi längst einen glaubenstreuen Bruder, der zu allem Ja und Amen sagte, in das zionistische Halleluja miteinstimmte und so die Institutionen und die ganze Innen- und Außenpolitik der Zionistischen Organisation sanktionierte. Die orthodoxe Judenheit beschäftigte sich daher je länger je weniger mit dem Misrachi, den kaum noch wenige Gedankenstriche von der Zionistischen Organisation unterscheiden, selbst seine Führer sagten sich von ihm zum Teil los und so brach dieser nahezu in sich zusammen. So sehen wir den Misrachi auf dem Krankenlager. Seine ermatteten Glieder sagen uns, daß die Kraft des Kranken fast völlig erschöpft, daß seine Lebensdauer nur auf ganz kurze Zeit beschränkt ist. Entgegen allen Erwartungen, aber in natürlicher Folgerichtigkeit, rafft sich der Erschöpfte noch einmal auf, er sammelt alle' seine Kräfte, zu einem wuchtigen Schlag ausholend, um tot auf seinem Lager darniederzusinken: Einer, der mit dem Leben gerungen, hauchte seine letzten Züge aus. Auf heiligem Boden war es. Dort, wo Glaubenseiferer und Märtyrer für die Thora starben, wo noch Reste an das Heiligtum und an das Sanhedrin erinnern, das unumschränkte Vollstreckerin des Gottesthorawillens war, wo Propheten gegen den Abfall und für die Heilighaltung der Thoravorschriften geeifert hatten — auf diesem Boden mit dem Thorastirnschmuck bekleidet, treten Lerne die Thora mit Füßen, tragen den Abfall in das Heiligtum hinein und treiben so an heiligster Stätte mit dem Allerheiligsten frivoles Spiel. Der Misrachi wollte seine Prinzipien nicht aufgeben, wollte ihnen die Treue halten, die er ihnen zugeschworen, wie man sie nur Gott und seiner Thora schwören kann. Hatte er sich mit der Anerkennung der vom zionistischen Waad-Leumi oorgeschlagenen Gemeindeordnung, die eine unerhörte Gewissensbedrückung eines Teiles der palästinensischen Judenheit darstellte, schon außerhalb jedes demokratischen Rechtes gestellt, so versetzte er sich mit dem Vorschlag des Volksreferendums den erlösenden Todesstoß. Vorgang: Palästina, das nach zionistischer Auffassung ja nicht ein ausgesprochen jüdischer Staat im Sinne des überlieferten Judentums, sondern gerade ein Staat w i e andere unter anderen sein soll, dieses Palästina muß den Frauen in Anerkennung ihrer sozialen und menschlichen Gleichberechtigung, die sie bis jetzt anscheinend nicht voll genossen, das aktive und passive Wahlrecht gewähren — weil es ja Staaten gibt, die das auch eingeführt haben. Sonst fände der Judenstaat ja gar keine Beachtung. Sonst verlöre er sich im Gemenge und wäre ein Judenviertel statt eines modernen Staates. Da hat die Thora auch gar nichts dreinzureden. Dafür hat schon Herzl vorgesorgt. Wenn die Thora sich rühren sollte, so wird sie in die Synagogen eingesperrt, die der gütige Schöpfer des Zionismus in dankenswerter Weise stehen ließ. Vernünftigerweise muß nun eine auf religiöser Grundlage sich aufbauende Organisation auf diese Gefahr Hinweisen, sie äbzuwenden suchen, sie muß gegen dieses skan- Der Israelit Blätter dalöse, von den Anhängern selbst eines Großteilsder Zionistischen Organisation nicht gebilligte unverantwortliche Treiben ihr Veto einlegen. Statt dessen tut der Misrachi, was in der Geschichte des jüdischen Volkes einzig dasteht: Er entthront die Thauro und stellt an den Ort der Gottessouveränität die menschliche Gewalt und Vernunft hin, verübt, vom Standpunkt der Religion, ein unverzeihliches Verbrechen. In maßloser eigener Ueberschätzung und in Verkennung jeder jüdischen Tradition fordert er eine öffentliche Abstimmung über die religiöse Frage des Frauenrechtes. Nicht die berufenen Männer der Thora, die Interpreten des Gesetzes, das Volk selbst, soll über Sein oder Nichtsein, über Bestand oder Nichtbestand einer halachischen Frage entscheiden. War die Auffassung, innerhalb der Zionistischen Organisation das Mehrheitsprinzip zur Geltung zu bringen, eine unerfüllbare irrige Idee im Großen, so bringt nun die Forderung des Volksentscheides denselben Gedanken im Kleinen züm Ausdruck. Aber damit noch nicht genug. Autoritäten, Geaunim, misrächistische Rabbinen, das von jeher als Zeuge angerufene Kuksche-Beth-Din, sie alle erklären ausdrücklich, daß nicht nur passives, sondern auch aktives Wahlrecht den Frauen von Thora wegen nicht gegeben fei. Und nun —' man höre und staune — unter der Wucht dieses kraftvollen Protestes zog der Misracbi seine Forderung zwar zurück, eklärte es aber als Pflicht, selbst jeder Frau — denn diese hat mithin schon das Stimmrecht über sich selbst —, hier den Entscheid zu fällen, ob sie dem Thoragebot das Gehör versagen will oder nicht. War die dreiste Forderung des Volksreferendums ohnehin schon eine Auflehnung gegen elementarste Begriffe des jüdischen Rechts, so steigert sich diese Verirrung bis zur vollständigen Rebellion gegen das unzweideutige Verbot der Rabbinen. Zum erstenmal erlebt das jüdische Volk eine solche Entehrung. Es ist gewöhnt, daß seine Heiligtümer in den Staub gezogen werden, aber das sind Schläge Außenstehender michuz lamachaneh, Schläge von solchen, die mit der wahren Judenheit nichts gemein haben. Diese vermochten dem echten Judentum auch nichts anzuhaben, sie konnten es höchstens stärken und festigen. Anders die Wunden, die von denjenigen uns zugefügt werden, die die Thauro hochzuhalten wünschen und die wahre Juden sein wollen. Diese wirken verheerend und vernichtend. Diese bittere Erfahrung gewinnt das jüdische Volk aus geweihtem Boden. Aber sie darf nicht nutz- und wertlos fein. Sie muß dem Misrachi die Augen öffnen. Sie muß auch alle diejenigen aufrütteln, die der Aguda aus Energielosigkeit oder aus Jndifferentismus fernstanden. Die Erkenntnis muß vorherrschen, daß sich das jüdische Volk im Golus nicht nach Schauspielen und Tragödien sehnt, sondern nach dem mit demütiger Treue zu Gott erkämpften Lande der endlichen Erlösung. Lin Aufruf. Die Misrachi-Jugendgruppe Breslau sendet uns folgenden Aufruf an die gesetzestreue Jugend in Deutschland zur Veröffentlichung zu: Euch alle, denen der Ausbau Erez-Jisroels als eine unbedingte Pflicht erscheint, betrifft dieser Aufruf. Uns allen bereitet die unheilvolle Zersplitterung der Orthodoxie große Sorge. Das gegenseitige Mißtrauen, das die einzelnen Gruppen und Parteien einander entgegenbringen, machen ein geschlossenes und zielbewußtes Auftreten aller gesetzestreu eingestellten Kreise in der Palästinafräge unmöglich. Bei den unendlich schwierigen Anforderungen, die allein Hachscharah und Alijah stellen, ist es ein unmöglicher Zustand, daß die an sich schon schwachen Kräfte durch das Gegeneinander-Arbeiten gleichlaufender Palästina-Aemter und Institutionen vergeudet werden. Es ist unsinnig, daß Ausbildungsgüter und Lehrstätten von jeder Organisation oder Partei gesondert unterhalten werden. Dadurch werden einerseits die Unterhaltungskosten erhöht, und andererseits wird die Ausbildung oft nicht von praktischen Erfordernissen, sondern von Partei- bzw. von Bundesrücksichten geleitet. Die Jugend muß ihre Stimme erheben und von sich aus den unhaltbaren Zuständen ein Ende machen. Daher fordern wir Euch auf, alle unsere nicht organisierten Freunds, gesetzestreue Blauweiße, palästina-zentrisch eingestellte Kreise des Esra und der Agudas-Jisroel sofort einen Zusammenschluß der in Frage kommenden Institutionen, (Pal. Aemter, Lehrgüter usw.) in die Wege zu leiten. Wir schlagen vor, in allernächster Zeit eine Zusammenkunft der verantwortlichen Leiter der verschiedenen Gruppen festzusetzen, die iherseits ermächtigt sind, eine derartige Instanz zu schaffen. Anschriften sind zunächst an die Misrachi-Jugendjruppe, Breslau, z. H. Herrn Ludwig Löwenberg, Walltraße 3 zu richten. (Die letzten Vorgänge in Erez Jisroel stimmen hinsichtlich der Aussichten einer Verständigung nicht gerade hoffnungsfreudig; man vergleiche den symptomatischen Artikel von Sternbuch, der ja auch als ein Ausdruck der Stimmung in der agudistischen Jugend gelten darf. Red.) Aus der Bewegung. Frankfurt a. Der Schwiegersohn des Gerer Rebben I. M. L e w i n hat dem Geschäftsführenden Anschuß der Agudas Jisroel in Frankfurt über seine llmerikatour Bericht erstattete. In zweistündiger Rede schilderte er die derzeitigen Verhältnisse in Amerika und zeichnete die Voraussetzungen, unter denen die Aguda in Amerika Resonanzboden finden könnte. Die Juden- 3 Dezember -ISA» heit- Amerikas erwartet in - gespannter Sehnsucht'-eine große Delegation der europäischen Rabbinen. Sie erhofft von dieser in erster Reihe eine, ungeheure Hebung des religiösen Niveaus und die Lösung mancher schwebenden Erziehungs- und Gemeindefragen. Sie verspricht aber auch finänzielle Erfolge zugunsten der verschiedenen agüdlstlschen Fonds für Europa und Erez Jisroel. Hermannsiadt. Auch in Hermannstadt erntete Rabb. Dr. Joel P o l l a k große Erfolge. Er hielt in der Synagoge der orthodoxen sephardischen Gemeinde in Anwesenheit des Rabbiners Herfch Künstlicher ein mit größtem Beifall aufgenommenes Referat über die Aufgaben der Aguda. Sofort nach seiner Rede bezahlten die Anwesenden ihren Trumas Chower und konstituierten eine Ortsgruppe. Für die nächsten Tage ist eine Versammlung in Maros-Ludas und in Szas -regen vorgesehen. Wien. Die Aktion, sämtliche Kultusgemeinden zum Anschluß an den Keren Hathoa zu bewegen, macht günstige Fortschritte. Eine Reihe von Kultusgemeinden von Oesterreich, Böhmen, Deutschland und Frankreich hat bereits den Anschluß an den Keren Hathora kundgegeben und ihre Sympathie für dieses wichtige Institut durch Subventionen dokumentiert. Die Landeskanzlei der orthordoxen Gemeinden in Ungarn dürfte dieser Tage ihren Anschluß offiziell bekannt machen. Warschau. Am Montag, den 30. November, begann in Warschau die Tagung des polnischen Zentralrates der Agudas Jisroel. Jerusalem. Am 26. Cheschwan fand die Einweihung der Schule und die Gründungsfeierlichkeit für das rituelle Bad in der Aguda-Kolonie „M a ch a ne Jisroel" statt. Dieses Fest gestaltete sich zu einer großartigen Demonstration der palästinensischen Agudisten. Aus Jerusalem hatten sich folgende Herren eingefunden: Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld, Oberrabbiner Elistthü K l a tz k i n aus Lublin, Rabbiner M. L. Rubin, Rabbiner Moses Blau, der Direktor der palästinensischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, Michael Rosenstrauch, Mitglied des Gefchäftsfühenden Ausschusses. Gleichzeitig kamen die neuinstallierten Lehrer her Kolonie Rabbi Elkono Weißen st ern und Jechiei Heber. Unter einem Triumphbogen erwarteten bte Kolonisten die illustrer, Gäste. Mit dem Gruße: „Baruch maziw gwul, almana" betrat Rabbi Chaim Sonnenf e l d den Agudaboden. Die Festversammlung begab sich, vermehrt durch Kolonisten aus den Nachbargemeinden, in das neuerrichtete Vethaus. Nach den Begrüßungsreden und Festgesängen wurden die Schulkinder zu Tisch gesetzt und der Unterricht mit dem Bibelabschnitt „Breischith" begonnen. # Hernach fand die Grundsteinlegung für das rituelle Bad statt. Besonders interessant war es, als sich die Delegation aufs freie Feld hinausbegab und Rabbi Chaim Sonnenfeld persönlich eine Strecke weit den Pflug führte, um den jungen Arbeitern zu zeigen, wie hoch er die Arbeit schätze. Nach der Besichtigung der Brunnen versammelten sich die Festteilnehmer zu einem Bankett, das bis in die späte Nachtstunde dauerte. Dr. Robert Weiß und der Kolonieleiter Hermann hielten.feierliche Ansprachen. Auf einem Berge wurde ein Feuer entzündet, das im ganzen Emek sichtbar war. Am selben Abend wurde noch der Dafjomi vorgetragen und außerdem auch eine Delegation empfangen, die die Grüße der Nachbärkolonien überbrachte, und sich mit den anwesenden Rabbinern in religiösen, diese Kolonien betreffenden Arwelegenheten, berieten. Die begeisterte und überaus fröhliche Stimmung sämtlicher Anwesenden ließ diese bis in die Morgenstunden bei Gesang und Tänzen verweilen. Nach Sonnenaufgang wurde das Morgengebet verrichtet. Die Gäste bestiegen die Automobile und verabschiedeten sich in herzlicher Weise von den Kolonisten. Sakumare. In der Synagoge Machsike Thora fand eine große Volksversammlung statt, um den Keren Hathora für Satumare (Szatmar) und Umgebung zu konstituieren. Das Oberrallbinat war durch Oberrrabb. L. D. Grünwald und Rabb. A. Ch. Friedmann vertreten. Ferner waren anwesend: Oberrabb. We i n - berger mit einer Delegation aus Regestri, Oberrabb. Jakob Klein aus Halmie, Rabb. M. W. Nadler aus Felsöbanya und eine illustre Delegation der Aguda aus Oradea-Mare. Eine Delegation unter Führung des Gemeindeoorstandes Salamon überreichte das Begrüßungsschreiben des Oberrabbiners aus Baiamare. Die aus allen Kreisen massenhaft besuchte Versammlung wurde vom Oberrabb. G r ü n w a l d eröffnet. Der gefeierte Gaon, welcher Leiter einer der größten Jeschiwoth mit 350 Vachurim ist, kennzeichnete in markanten Worten die Bedeutung des Keren Hathora, der von der Kenessio Gedaulv gegründet worden ist. Mit großem Beifall referierte Rabb. Dr. Joel P o l l a k in zweistündiger Rede über Ziele und Aufgaben des Keren Hathora. Unter dem Eindrücke der Referate wurde in begeisterter Stimmung eine Sammlung für Keren Hathora eingeleitet und ein Permanenzkomitee gegründet. Devtaendef $lguda~01tai*feen * Lvkaltliek In allen Ortsgpuppen.

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