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Der Israelit · 1925-12-03 · Heft 49 (3.12.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 49 (3.12.1925)
Date
1925-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3. Dezember 1925 Der Israelit Nr. 49 Seite 5 läge segensei iger Achtung aufgebaut, wenn auch ßeibeifet 5 ziemlich reserviert. Dabei nehmen -re Juden am öffentlichen Leben starken, oft auch beherrschenden Anteil. Sie s'.nd im Handel und in der Finanzwelt von großer Bedeutung, an der Börse ist ihr Einfluß besonders stark. Viele große Exportfirmen sind in jüdischer Hand, über den eleganten Läden der Hauptstraßen sieht man häufig jüdische Namen. Levy, Cohen, Rosenthal, das kehrt immer wieder. Wie in Europa spielen sie eine große Rolle im Zeitungswesen: der Direktor der zionistenfreundlichen „Liberte", Avvocato Castro, ist Jude, und auch das oielgelesene „Journal du Caire" steht unter jüdischem Einfluß. (Fortsetzung folgt.) Mlttpoatleare« * ßacbrtctxen Bewegte Tage im Prozeß Steiger. Lemberg, 22. November. . Nachdem eine Reihe weniger wichtiger Zeugen absolviert worden war, wurde der Zeuge Bernard Fichmann vernommen, der zur Zeit des Attentats an der Seite Steigers sich befand und, als Steiger verhaftet worden war, dem Inspektor Lukomski zurief, daß ein Unschuldiger in Haft genommen wird. Fichmann schildert ausführlich die Vorgänge zur Zeit des Attentats und gibt genau die Stelle an, wo er und Steiger gestanden haben. Steiger habe sich ganz ruhig verhalten, er habe keinerlei Handgriffe vollführt, es sei ganz und gar ausgeschlossen, daß Steiger etwas hätte hinwerfen können, oyne daß der Zeuge es merkte. Als dann das Paket auf den Fahrdamm fiel, herrschte einige Selunden eine Art Lähmung unter den Anwesenden, pwglich setzte die allgemeine Flucht aus Furcht vor -er zu erwartenden Explosion ein. La wurde er von Steiger getrennt, wenige Minuten darauf sah er, wie Steiger von einem Polizisten angehalten rorude, während eine Frau hysterisch schrie; es mar die Pasternak. Er sah dann, wie Inspektor Lukomski im Auto herankam und Steiger, sowie uie Pasternak einpeigen ließ, ^er Zeuge habe Steiger gefragt, was mit ihm los sei, Steiger habe mit der Achsel geduckt, daß er es selbst nicht wüßte. Ueberhaupt habe sich Steiger wie ein Mensch benommen, der von einem plötzlichen Verhängnis betroffen worden ist, aber doch ruhigen 'Gewissens ist. Der Zeuge habe Inspektor Lukomski zu- «gerufen: „Sie haben einen Unschuldigen verhaftet." Später wurde auch der Zeuge verhaftet und einen Tag in Gewahrsam gehalten. Der aus dem Prozeß gegen die Lemberger jüdischen Bürger bekannte Mikietin wurde hierauf als Zeuge aus dem Gefängnis vorgeführt. Wie früher beschuldigt er auch tungen; 2. von einigen Anstalten: Modelle; 3. stakt st i s ch e s Material über die verschiedensten Gebiete <z. B. Ehrenamtliche Mitarbeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege, Zusammensetzung der Pfleglinge in den jüdischen Anstalten und die Gründe für deren Einweisung: Beteiligung der Juden an. interkonfessionellen Einrichtungen; Verpflegung von Nichtjuden in jüdischen Krankenhäusern, Tätigkeit der jüdischen Einrichtungen für Gesundheitsfürsorge in der offenen Fürsorge) u. a. m. Um dieses photographische und vor allem statistische Material zu erlangen, ist die Zentralwohlfahrtsstelle mit Rundschreiben und Fragebogen an die verschiedenen jüdischen Wöhlsahrtseinrichtungen herangetreten und sie um Mitarbeit und Materiallieferung ersucht. lvocbenkalender. vom 5 —'2. Dezember 1925. vom 18.-52. Kislew 5888 Samstag Dez. 5 nVsr’i; 18 lVD3 Sonntag 6 19 Montag 7 20 Dienstag § 21 Mittwoch 9 22 Donnerstag 10 23 > Freitag . 11 24 Moled Dienstag nachm. 6° Samstag 12 25 'Nosch-Chau)eich benschen 'k mun na» letzt die ukrainischen Kommunisten Panczyszin sind Fydek der Täterschaft. In der Sitzung von Sonnabend, den 21. November, faßte das Gericht den folgenden Aufsehen erregenden Beschluß: Der Antrag der Verteidigung, Dr. Israel Waldmann und Dr. Rand aus Wien als Zeugen zu laden in Verbindung mit ihren vor der Wiener Polizei gemachten Angaben wird abgelehnt. Begründung: Die Angelegenheit Olszanski.hat keine Bedeutungfürden Prozeß. Deshalb wird auch die Ladung der Eltern Olszanski abgelehnt, ebenso die Ladung von Persecki und Konovalez. Der Zeuge Sejmabgeordneter Dr. Insler spricht ausführlich über die polnisch-jüdischen Beziehungen und schildert Steiger als einen in jeder Beziehung, auch in politischer, mäßigen Menschen. Die amtliche Mittet unq des Berliner Polizeipräsidiums. Berlin, 27. November. Der amtliche polizeiliche Bericht in Sachen Olszanski hat folgenden Wortlaut: Wie erinnerlich, hat seinerzeit der preußische Minister des Innern in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im Landtag mitgeteilt, daß der Ukrainer Olszanski bei seinem unerlaubten Grenzübertritt im Oktober 1924 sowohl vor den zuständigen Polizeibehörden in Beuthen als auch vor dem Beuthener Amtsgericht ein glaubhaftes Geständnis des Inhalts abgegeben hat. er selbst fei der Attentäter, der am 5. September 1924 in Lemberg die Bombe gegen den polnischen Staatspräsidenten Wojciechowfki geschleudert habe. Olszanski, der bis zum 2. September dieses Jahres in Berlin und später in Marienburg ordnungsmäßig an- und abgemeldet war, war seitdem hier nicht mehr zur polizeilichen Anmeldung gelangt. Nunmehr hat sich Olszanski freiwillig bei der Berliner Polizei gemeldet. In einer ausführlichen Darstellung legte Olszanski ein eingehendes Geständnis ab und schilderte auf das genaueste die Vorgeschichte des Attentats, feine Beweggründe, sowie alle Einzelheiten der Ausführung. Bemerkenswert find besonders die Gründe, die den Olszanski nach seiner Darstellung veranlaßt haben, erst jetzt mit diesen Angaben hervorzutreten. Wie er bereits bei seiner ersten Vernehmung angegeben hat, habe er das Attentat seinerzeit aus Befehl der Geheimen Ukrainischen Militärorganisation (Ukrainska Wischkowa Organisazia) ausgeführt. Diese Organisation habe ihm, als er sich nach der Tat in Sicherheit gebracht hatte, versichert, daß sie selbst entsprechende Mitteilungen an die polnischen Behörden machen würde, durch die verhindert würde, daß an seiner Stelle ein völlig Unschuldiger, nämlich der nach der Tat als angeblicher Attentäter verhaftete Student Steiger» verurteilt würde. Er habe auch später erfahren, daß in diesem Sinne alles geschehen sei, und er habe daher bis jetzt angenommen, daß es genügen würde, um eine Verurteilung des Steiger, der mit dem Attentat nicht das n ' beste zu tun habe, zu verhindern. Nachdem aber trotz dieser Mitteilungen die Verhandlung gegen Steiger schon sechs Wochen lang durchgeführt werde, habe ihn der Oberste Revolutionäre Rat dieser Organisation veranlaßt, den preußischen Polizeibehörden gegenüber sein früheres Geständnis in allen Punkten zu ergänzen, die etwa von der Polizei als wesentlich erachtet würden. Abgesehen davon, daß es es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne, einen Unschuldigen für seine Tat büßen zu lassen, leitete ihn auch der Wunsch, den Preusischen Behörden, die ihm bisher als politischen Flüchtling Asylrecht gewährt hätten, zu beweisen, daß es sich bei seinem damaligen Geständnis nicht etwa um die Angaben eine^ Abenteurers gehandelt habe, der sich dieses Asylrecht durch falsche Bekundungen habe erschwindeln wollen. (Siehe Wochenrundschau.) Der Prozeß in Lemberg geht weiter. Lemberg, 26. November. Gegen den Antrag des Staatsanwalts hat der Gerichtshof beschlossen, den Zeugen Abraham Pinel zu vereidigen. Der Staatsanwalt machte geltend, daß Pinel wegen Nervenkrankheit vom Militär entlassen worden ist, das Gericht war jedoch der Ansicht, daß man es mit einem vollsinnigen Menschen zu tun habe. Der Zeuge erzählt, er war Zeuge dessen, wie die Polizisten Steiger aus Veranlassung der Pasternak verhaftet haben. Steiger zog sofort seine Papiere hervor, um sich zu legitimieren und beteuerte, daß er hier ganz unbeteiligt sei. Die Pasternak aber sagte: „Mir scheint es, daß er es gewesen ist." Es sammelten sich gleich Menschen an, eine Frau fragte die Pasternak, was geschehen fei. Diese erwiderte: „Was soll , geschehen sein, ein Jude hat eine Bombe gegen den. Präsidenten geworfen. Wer sonst schleudert Bomben, wenn nicht die Juden!" Der Zeuge schildert dann seine peinlichen Erlebnisse bei der Polizei, wohin er gekommen war, um freiwillig seine Aussagen zu machen. Der Kommissar Lukomski rief ihm Schimpfworte zu, die nicht wiederzugeben seien und schlug ihm zweimal ins Gesicht. Später begann eine ganze Serie von Verfolgungen, Haussuchungen usw. gegen den Zeugen und alle seine Angehörigen. Bei der Haussuchung wurde das Kind des Zeugen, ein Säugling, brutal aus dem Bettchen geworfen. Die Familie war so eingeschüchtert worden, daß sie, um von der Sache loszukommen, der Polizei mitteuie, er, der Zeuge, sei nicht als vollsinnig zu betrachten. Trotzdem kam wieder Polizei ins Haus, sagte, der Zeuge sei ein Komplice des Kommunisten Botwin und habe Steiger die Bomben für das Auentat geliefert. _ Die neue Regierung. > Warschau, 29. November. S k r z y n s k i hat das Kabinett gebildet. Wie „Kurjer Lwowski" mitteilt, hat er dem agudistischen Senator Raphael Schereschewski, einem Mitglied des Kcuos der jüdischen Deputierten und Senatoren, das jetzt in Polen wichtigste Portefeuille des F i n a n z m i n i st e r s angeboten. Senator Schereschewski hat aber, da er an die Politik des Jüdischen Parlamentsklubs sich gebunden fühlt, das Angebot bisher nicht annehmen können. Senator Schereschewski, ein führender Bankier, gilt als erste Autorität in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Er wurde aus der Liste des Minoritätenblocks als einer der Kandidaten des Vereins der jüdischen Kausleute in den Senat gewählt. Am 25. November hielt der neue polnische Ministerpräsident Graf Skrzynski vor dem Sejm seine Programmrede, in der er sich zu einer Politik des Friedens nach außen und der wirtschaftlichen Konsolidierung nach innen bekannte. Auch gegen die nationalen Minderheiten im Lande wolle die Regierung eine weitherzige liberale Politik treiben und insbesondere den vom früheren Kabinett Grabski befchrittenen Weg der Verständigung mit der jüdischen Minderheit fortsetzen. Tags vorher empfing Ministerpräsident Skrzynski den Präsidenten des Jüdischen Klubs Dr. Leon Reich und informierte ihn über die Richtlinien seines für den Sejm vorbereiteten Exposes. In dem Expose, sagte der Minister, werde er aus die vollzogene jüdisch-polnische Verständigung Hinweisen, zu welchem er, Skrzynski, die Initiative gegeben hat. Darüber hinaus werde sich die neue Regierung bemühen, die gerechten jüdischen Postulate zu erfüllen. Dr. Reich erklärte, der Jüdische Klub werde nach der Regierungserklärung sich über feine Stellung zur Regierung schlüssig werden. , £nglatt&» Sitzung des Board of Deputies. London, 23. November. Am 22. November hielt der Jewish Board os Deputies unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten, Lord Rothschild, eine Sitzung ab, die zunächst dem Gedächtnis des vor einigen Tagen verstorbenen Präsidenten des Board, Mr. H. S. Q. H e n r i q u e s galt. Den ersten Nachruf hielt Lord Rothschild, dann sprachen der Präsident der Anglo Jewish Association Mr. Rose, im Namen des juristischen und Parlamentskomitees Sir Stuart Samuel, Rabbi Dr. Samuel Daiches u. a. m. Nach Schluß der Trauerfeier wurden die Beratungen ausgenommen. Mr. B. S. Strauß beantragte, das Mitglied des Board, Mr. S. F i n b u r g h , der vor einigen Tagen im Unterhause dem Innenminister Sir William Johnson Hicks wegen dessen fremdenfeindlichen Politik scharf entgegentrat, offiziell zu beglückwünschen. Ebenso soll dem Unterhausmitglied Scurr der Dank ausgesprochen werden, weil er in seiner Rede gegen Johnson Hicks die East End-Juden in Schutz nahm. Mr. Finbugh hat sich bekanntlich im Unterhaus erboten, dem Innenminister Johnson Hicks Beweise dafür zu erbringen, daß er sich in seiner Fremden- und Naturalisationspolitik > von judenfeindlichen Erwägungen leiten lasse. Hierauf ergriff Mr. F r n b u r g h das Wort, um seinen Standpunkt in der Fremdenfrage zu skizzieren. Er appellierte an die übrigen Board-Mitglieder, ihm bei der Aufbringung von Beweisen gegen Johnson Hicks judenfeind-

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