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Der Israelit · 1925-12-03 · Heft 49 (3.12.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 49 (3.12.1925)
Date
1925-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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3. Dezemver 1928_ Die positive Beantwortung dieser Frage Hängt im wesentlichen von der Stellung der Oegenseite ab. Solange diese die Hoffnung nicht aufgibt, die gesetzestreuen Organisationen durch alle Mittel des politischen Kampfes unter die eigene Botmäßigkeit, d. h. zur Aufgabe des Prinzips der organisatorischen Selbständigkeit zu zwingen, ist weder Friede, noch Einheit irgendwelcher Art möglich. ' Friede und Einheit (letztere in gewissen Grenzen) sind jedoch ohne allzugrobe Schwierigkeit herzustellen .sobald jener — insbesondere durch Dr. Ismar Freund und einzelne seiner gulen Freunde repräsentierte — Geist des babylonischen Turmbaus endgültig zu Grabe getragen und das Selbstbestimmungsrecht der selbständigen Orthodoxie aufrichtig und ehrlich anerkannt wird. Dann könnte gerade durch Zusammenfassung der bis zur Spitze durchorganisierten beiden Weltanschauungs-Kreise die für prat ische Bedürfnisse nach außen wünschenswerte Einheit erzielt und damit auch dem seelischen Einheitsbedürfnis in der deutschen Judenheit überhaupt eine für die Orthodoxie nicht geradezu lebensgefährliche Konzession gemacht werden. Nach dem Wahlkampf in der Tschecho-Slowakei. Die jüdische Presse der Tschechv-Slovakei und Wiens hallt wider von der leidenschaftlichen Erregung, in die der wilde Wahlkampf in Karpatyo-Rutzland die Eemü'er versetzt hat. Dabei bedienen sich die zionistischen Organe wieder jener genugsam bekannten vergifteten Waffen, die den politischen Gegner nicht sachlich bekämpfen, sondern ihm die Ehre abzuschneiden suchen. Das Gefühl des Ekels vor dieser spezifisch öst'.ich-zionistlschen Kampfesweise verbietet die Wiedergabe der Aeußerungen, mit denen „Selbstwehr", „Wiener Morgenzeitung" u. a. in ihrem lobenden Grimm über die verlorene Wahlschlacht die rabbinischen Führer der Orthodoxie beschimpfen und sie des „Verrats" und ähnlicher schöner Dinge zeihen. A s ob es sich um kleine Kinder handelte, wird die kühne Behauptung ausgestellt, die Orthodoxie habe, nachdem man von zionistischer Seite alle ihre Bedingungen als von vornherein genehmigt bezeichnete, die Verhandlungen überraschenderweise, also aus purer Bosheit, abgebrochen. Folglich treffe ganz allein die Orthodoxen die Verantwortung für die jüdische Niederlage. Die Herren vergessen zunächst, daß grade Mit diesem aus Gottvectrauen gegründeten Mannesmut zieht Jakob auch"Esau entgegen. In seinem Traume sieht Jakob sein Schicksal gezeichnet. — aber nicht nur sein persönliches Ringen und Kämpfen, Siegen und Triumphieren. Es ist auch des Jakobsvolkes Zukunft da verkündet, wie es nach seines dritten Ahns Beispiel und Vorbild mitten in einer feind ichen oder doch lieblosen Umgebung ringen und dulden soll, um es zu erfahren ganz wie Jakob: w*»xv»k*i kVi ’niPT dj 'w'.n nrrt> ffpa» lsnn aTSM jTHX- Jung war ich, bin auch alt geworden, und nicht habe ich den Gerechten verlassen gesehen und seinen Nochkommen Brot suchen." Ob darin nicht für fiir Jakobs Nachkommen die Hoffnung wurzeln kann, datz auch die materiellen Nöte der Zeit schwinden werden, — datz wir nicht dem Pessimismus verfallen dürfen. Nein, allen anderen ein Beispiel und Vorbild, mögen wir auf bessere Zeiten hoffen und in weiser Seldstbeschränkung vertrauensvoll sprechen: bn rwn jnm D’aw rrcw n asm ntsr ■nty «2' pan nnnn Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: von wannen soll meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde geschaffen'. Schwierige Schriftsteller». Erwiderung auf den Artikel des Herrn Fuld in Nr. 42 und 43 des „Israelit", zu Genesis 6,3, zugleich ein Versuch zur Popularisierung des S. R. Hirfchfchen Kommentars für die Verse Gen. 6, 1—4 und 8, 20—22. Von Dr. Galewski in Posen. Auf den Artikel von Herrn Lehrer Fuld, dessen Ausführungen ich mit Interesse gefolgt bin, erlaube ich mir folgendes zu erwidern: Der Israelit diese Unterwerfung in Bausch und Bogen höchst begründeten Anlaß zum äußersten Mißtrauen gab; sie konnte nur aus maßloser Unterschätzung des Gegners und der festen Absicht, ihn zu täuschen, hervorgehen. In der Tat ergibt sich jetzt aus einer klaren und erschöpfenden Darstellung der Vorgänge, die Advokat Dr. Willem Welwarl in der „Jüdischen Presse" veröffentlicht, daß die Nationalen schon vier Tage vor Ablauf der Frist und mitten in den Verhandlungen die eigene Liste eingereicht und damit den Abschluß des Paktes unter entsprechenden Garantien unmöglich gemacht hatten. Der Hetze, die man jetzt von ziontstischer Sei'e treibt, ist es gelungen, eine kleine orthodoxe Gemeinde. Vanovce, die erst vor einigen Jahren in den orthodoxen Verband ausgenommen wurde, und keinerlei Bedeutung erlangt hat, zur Rebellion gegen die Landeskanzlei zu bringen, ein Ereignis, das die „Selbstwehr" in bombastischen Worten begrüßt. Der Spitzenkandidat der Orthodoxie, Oberrabbiner Horowitz in Hunstorf veröffentlicht ein längeres Man'fest an seine Wähler, dem wir folgende Stellen entnehmen: In unseren Reihen war ein jeder von der Ueberzeugung beseelt, datz die parlamentarische Vertretung der Judenschaft nimmermehr dazu dienen darf, Sprungbrett zu sein für einzelne Personen, die in ihr bloß die höchste Stufe zu Erfüllung ihrer persönlichen Ambitionen erblicken. Mit der ganzen Glut seines Herzens und aus vollster Ueberzeugung verwahrte sich ein jeder in unserer Mitte dagegen, daß mit der Vertretung der Judenschaft solche Kreise betraut werden sollen, die mit ihren Lebensgrundsätzen alle Lebensäußerungen des historischen Judentums verleugnen. Unser Lager kämpfte mit Entschlossenheit und Selbstverleugnung gegen diese Richtung an, weil es in ihr die Verkörperung der Katastrophenpolrtrk sah. Wo immer jene politische Richtung, die unter der Flagge des Nationaljudentums segelt, emporkommt, dort folgt Zerstörung und Verheerung ihren Spuren. Hat aber diese Richtung irgendwo und irgendwann vorübergehend einen momentanen Erfolg aufzuweisen, so erzeugt sie überall religiösen Nihilismus und vernichtet in den zarten jüdischen Herzen den Glauben an jenes Lebenselexir, an jene einzige Schutzwehr, welche unszum Am Olam, zum Volke der Ewigkeit, emporgehoben hat. Außerdem lehrt die Erfahrung in anderen Ländern (Polen, Litauen u. a.), in welch verhängnisvoller Weise die Einschaltung des Judentums in den politischen Nationalismus den antisemitischen Haß gegen uns herausfordert und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen unserer Massen gefährdet. Unsere kurze, aber mühselige und selbstlose aufklärende Arbeit hat Früchte getragen. Unsere Mühe war von Erfolg gesegnet. Wir haben der beschämenden Zu-- mutung, uns als willenlose Masse behandeln zu lassen, als Inventarobjekte, über die man bedingungslos verfügt, endgültig ein Ende bereitet. Wir haben gezeigt, daß das ewig junge xno ^x-iw gegen Vorurteile der fanatisierten, irregeführten Menge erfolgreich anzukämpsen vermag. Die aus dem gesunden jüdischen Instinkt quellende Abneigung gegen die jüdisch-nationalistische Politik besitzt heute schon eine solch durchdringende Kraft, Ich schicke voraus, daß es m. E. nicht möglich ist, zum Verständnis des einen, von Herrn Fuld mit Recht als Quintessenz des ganzen herausgegriffenen Satzes 1, 6 3 zu gelangen, ohne hierbei einige andere Sätze zugleich zur Besprechung heranzuziehen. Herr Fuld zitiert die Hirschsche Uebersetzung 1, 6,3: „Gott will seinen Geist nicht immer Richter bleiben lassen und deshalb sollen seine Tage 120 Jahre sein." — Mir liegt in der 3. Auflage v. I. 1899 folgende Uebersetzung vor: „Mein Geist in dem Menschen (01x2 vm die auch dem Akzente nach zusammen gehören, bilden das Subjekt) wird nicht immer Richter bleiben, da dieser ja auch Fleisch ist; so sollen denn seine Tage 120 Jahre sein." Der Sinn dieses Satzes ist folgender: Der göttliche Geist des Menschen, der dessen y>'i sein, den Menschen selber als sein Gewissen richten sollte, wird leider sein Richteramt nicht stets ausüben; durch das 1, 6, 1—2 geschilderte Verhalten selbst der besseren sethitischen Menschenschicht die 0 h n e W a h l kaim'tische Töchter zu.Frauen nahmen, nur von ihren Sinnen hierbei sich leiten ließen, droht mit vorauszusehender Gewißheit ein fortschreitender Niedergang des göttlichen Geistes bis zu seiner völligen Begrabung durch das Leiblich-Sinnliche im Menschen. Aus der großen, aber noch nicht allgemeinen Verderbnis wird in bezeichnender Weise als letzte Ursache des Hineintaumelns in unrettbare Gesunkenheit die leichtsinnige Art des Eingehens der Ehe von sittlich hochstehenden Männern mit unwürdigen Frauen geschildert; ist doch die Eheschließung das wichtigste, weil folgenreichste Begebnis im Menschendasein: erst durch die gegenseitige harmonische Ergänzung, die neue Elternwürde und Elternliebe, die gemeinsame Erziehungsaufgabe bei den Kindern, gelangen Mann und Frau, ein jeder für sich und beide zusammen, zum Vollreifen Menschentum. Heißt es doch 1, 5,2 oav nx xip'i mx nicht uw nx „Er nannte ihrer beider Namen Nr. 49 Sel^e 3 daß selbst unsere Gegner diese von ihnen bisher als heilig verkündeten Prinzipien als Wahltrick zu verleugnen versuchen. Diese Seite unserer Wahlbilanz können wir stolzerfüllt mit Genugtuung betrachten. Mit Bedauern müssen wir jedoch konstatieren, daß wir diesmal einen positiven Erfolg nicht erreicht haben. Das Judentum blieb vorläufig ohne parlamentarische Vertretung: auch unsere Scharen vermochten das erhoffte Mandat nicht zu erlangen. Ich bin jedoch überzeugt, daß, wenn unsere Agitation sich besser hätte entfalten können, es dem historischen Judentum wohl beschieden gewesen wäre, eine Vertretung zu erringen, die Fleisch von seinem Fleisch und Blut von seinem Blute ist. Bis zur Ausschreibung etwaiger neuer Wahlen dürfen wir jedoch nicht mit verschränkten Armen dasitzen. Die jüdischen Massen in Podkarpatska-Rußland haben eine ganze Reihe solcher besonderer Wünsche, um deren Erfüllung wir unbedingt bemüht sein müssen. Es wird natürlich einer zäyen und systematischen Erziehungsarbeit bedürfen, um die höchst unpoli ischen orthodoxen Kreise im Osten der Slovakei derart zu organisieren, daß sie sich dem nationalistischen Gegner gewachsen zeigen. Olszanski bekennt. Dex Staatsanwalt in der Prozeßkomödie gegen Steiger in Lemberg erklärte, der Fall Olszanski habe mit dem Prozesse nichts zu tun, und er muß mithin weiter und zu Ende geführt werden. Inzwischen kommt eine amtl'che Mitteilung des Berliner Po izeipräsidiums, datz der Ukrainer Theophil Olszanski freiwillig im Berliner Polizeipräsidium erschienen ist und nochmals ein Geständnis abgelegt hat, daß er am 5. September 1924 in Lemberg die Bombe gegen den Wagendes Präsidenten Wojciechowsti geschleudert hat. Oiszanski wiederholte nicht nur seine vor dem Beuthener Gericht gemachten Angaben, sondern er ergänzte diese durch nähere Einzelheiten, aus denen seine Täterschaft unzweifelhaft hervorgeht. Als Grund seines neuerlichen Geständnisses gab er an, er könne es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, länger zu schweigen, wo das Lemberger Gericht seit mehr als 6 Wochen gegen einen Unschuldigen verhandelt. Außerdem habe il'n das ukrainische Militärkomitee, in dessen Auftrag er gehandelt habe, zu diesem zweiten Geständnis veranlaßt. Wird sich der Staatsanwalt von Lemberg auch über diese gewiß lückenlosen Protokolle hinwegsetzen und der Gerichisvorsitzende darüber zur Tagesordnung des Prozesses übergehen? Wäre es nicht an der Zeit, daß die neue Regierung von Warschau aus in die Lemberger Adam an dem Tage, als sie erschaffen wurden." Gott hat von vornherein die Menschen männlich und weiblich geschaffen, beide gleich göttlich, gleichwertig, gleich gesegnet, beide vereint erst den Begriff aix bildend. Diese Ehe der Söhne des göttlichen, d. h. sethitischen Geschlechts mit den Töchtern der „Menschen", d. h. des kainitischen Geschlechts 1, 6,2, hätte auch zum einem guten Ende führen können, zum Ueberwiegen der göttlichen Anlage in den dieser Verbindung entsprossenen Kindern und somit zu einer Veredlung der kainitischen Generation: denn die Eheschließung, die der Frauen war rechtmäßig und gesetzlich in der Form erfolgt. Es wären dann zwar keine a-^w mehr erzeugt worden, denn der Geist verbraucht zu seiner Tätigkeit auch viel körperliche Kraft, dafür wären aber geistige Heroen diesen Chen entsprungen. Es kam anders. Schon waren auch die sethitischen Söhne von der Fäulnis der Zeit angekränkelt. „An der Frau, die der Mann sich erwählet, läßt sich erkennen, welches Geistes er ist und ob er den eigenen Wert fühlt." (Goethe) So dürfte denn ihre Sünde, die wir in dem ehelichen Verhältnis an sich nicht haben finden können, nur in dem -nnn bin „sie nahmen sich die Frauen, woher es ihnen gefiel", zu suchen sein. Diese rein sinnliche Einstellung der Männer bei ihrer Gattinwahl, ohne Rücksicht auf den Adel ihrer Sinnesart und Herkunft, zeitigte ihre Folge. Die Thorä schildert kurz und plastisch 1, 6,4, ’inx am ann dto pxn vn vHwn an? vtV’i aixri nun ^x 'pxn Pa ixa’ -ivrr p Die Schwierigkeiten, die dieser Satz bietet, werden von Hirsch durch folgende Auslegung in einfacher Weise beseitigt. Die jetzt, d. h. zur Zeit, da die Thora gegeben wurde, als Angestaunten waren, in jenen Tagen, d. h. zur Zeit des geistig entarteten, dafür aber körperlich riesengroßen kainitischen Geschlechts, nichts Ungewöhnliches auf Erden. Aber, fo heißt es weiter, „und auch nachher, als schon die Söhne des göttlichen Ge-

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