Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-12-03 · Heft 49 (3.12.1925) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 49 (3.12.1925)
Date
1925-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450384--72711-2529961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gelte L fit. 49 Ordnungen Gottes Wahrheit find und allesamt zur Harmonie des Rechtes führen. Wilna, Mittwoch, den 1. Kislew 5686 Chajim Ofer Grodfenfki. Die besondere Aufmerksamk.lt möchten wir auf jenen Satz der ersten dieser Kundgebungen lenken, der aus die einzigartige Bedeutung dieser Stunde für die Zukunft des Thoragesetzes in Erez Jsroel hinweist. Es handelt sich für die gesetzestreue Judenheit jetzt in der Tat nicht darum, ob in irgend einer reformierten Großgemeinde Europas neben soundsoviel anderen sank ionierten Gesetzwidrigkeiten auch noch das F.auenwahlrecht mit oder ohne Protest in den Kauf genommen wird, es gilt auch nicht mitten in einer Periode staatlichen Umsturzes dem äußeren Druck und irgend einer vorüberrauschenden zei bedingten Wahnvorstellung schweigende Duldung entgegenzubringen — sondern es geht ja in Erez Jsroel um den völlig schöpferischen Neu-Aufbau jüdischen Gemeinschaftslebens auf dem geheiligten Boden des Gottesgesetzes! Hier waltet die ganze Strenge des "r6nr>2^, fragt es sich, ob in freiem Ermessen die Gesetzestreuen ihrer heiligsten historischen Pf icht genügen und das unverrückbare jüdische Ideal, wie es in der Halacha und Agada sich verkörpert, zur B e h e r r s ch e r i n des neuen Lebens erheben oder es bewußt preisgeben wollen. Wir haben das Verhalten des „Misrachi" in dieser Frage wiederholt als rätselhaft bezeichnet und Aufschluß verlangt. Die Antwort erteilt Herr Rabbiner Jacob Bermann vom „Misrachi" in einem in Rr. 41 des „Doar hajom" ve.öffentlichten offenen B.ief, der ziemlich umfangreich ist, im Grunde aber nur ein einziges A gument enthält, die Behauptung nämlich, daß im Jahre 5677 (1917/18) bei einer ganzen Reihe von jüdischen Keh.lloth- und Rationalrcttsroahten sowie auch in orthodoxen Organisationen in Rußland und der Ukraine die größten Gaonim der Zeit, Rabbi Jzchok Poniwescher, Rabbi Elieser Rabbinowitz sowie ‘Vna 'b* Rabbi Ehatim Oser Grodsenski und Rabbi M. M. Epstein sich an Wahlen beteiligt hätten, an denen Frauen teilnahmen und in Ve.sammlungen anwesend waren/an denen auch zwei oder drei gewählte Frauen sich beteiligten. Mit diesen Tatsachen — die wir ohne weitere P.üfung zunächst einmal als richtig unterstellen wolen — ist aber für die Frage, die hier zur Diskussion steht, aus den eben angeführten Gründen nicht das Ge ingste bewiesen. Wer sich die ungeheure poli ische und moralische Erschütterung Selbsthilfe und Gottverlrauen. Don Rablirer Dr. W. Lew'rn in Kamburg. apy XL'i Jakob wunderte aus, apy ribv^ Jakob sandte Boten, apjp awn Jakob besetzte sich, — diese dreiy-mv-Ansänge bedeuten auch dretHöhe- und Wendepunkte im Leben des dritten Patriarchen .. Der tödliche Hatz seines feindlichen Bruders macht aus dem v'bnx 2V' vn tP’X aus dem schlichten beschaulichen Zeltenbewohner einen ganzen vollen Mann. der allen Widerständen zu trotzen willens ist, mit dem Beistände Gottes getreu nach der Weisung von Vater und Mutter draußen fern von der Heimat sich ein Haus zu begründen, das da DiTOtf nana len abrahamilischen Geist und Segen in die Zukunft verpflanzen soll. Eine hohe entscheidungsreiche Aufgabe! So zog Jakob fort von Beer Scheba und ging nach Haran". Er kennt feine Bestimmung, das Ziel feiner Wanderung, er ahnt auch die schweren Kämpfe, die seiner warten. Ob er auch mit seinen Gedanken daheim weilt, voller Sehnsucht an sein Beer Scheba zu-ückdenkt und sich förmlich immer nur von ihm losrkitzen mutz, iür ihn gilbt es Kein zurück mehr. Vorwärts in die ungekannte Fremde! So treibt es ihn, und _ sti asitttut_ vor Augen hält, die damals weite Kreise der Gesetzestreuen in Rußland bis zur völligen Fassungslosigkeit ergriff, wird sich hüten, aus der vielfach erzwungenen Duldung „zeitgemäßer" Neuerungen in jenen Tagen Schlüsse auf die Gesinnung der beteiligten großen Rabbinen zu zielten, geschweige denn ihr Verhalten in Rußland von 1918 für die heute in Erez Isroel zur Entscheidung stehende Frage als Beweismittel heranzuziehen. Sollte aber Rabb. Bermann sich mit seiner historischen Darstellung nur formal gegen den in de- Jerusalemer Kundgebung enthaltenen Ausdruck nninn fv m»a nivx wenden woben, der vielleicht der Erläuterung bedürftig scheint, so möchten wir grade den „Msrachi" mit atter Schärfe darauf Hinweisen, baß seine Haltung auch dann eine beispiellose Selbstenthauptung darstellte, wenn das aktive und passive F.auenwahlrecht „nur" die Preisgabe tradierter nationaler Grundsätze, die im Gottesworte wurzeln, bedeutete. Es ist leider heute schon aus psychologischen G ünden kaum mehr zu hoffen, daß der „Misrachi" selber der Wahrheit die Ehre gibt und angesichts des einmütigen Votums der '»Vm bxnv seine auf Willkür beruhende Stellungnahme zur Wahlrech'sfrage revidiert. Wohl aber darf man erwarten, daß keine irgendwie nennenswerte Anzahl wahrhaft thoralreuer Juden in E ez Jsroel den Mahnruf ihrer geistigen Führer mißachsn und in offenem Gegensatz zu ihnen zur Wahlurne schreiten werden. Möge der sogenann'e „Waad leumi" und seine Delegiertenversammlung diejenigen vertreten, die von ihm vertreten sein wollen: den Teil des jüdischen Volkes in Erez Jsroel nämlich, dem das Gottesgesetz fürs erste aufgehört hat, einzige Rich'schnür für das öffentliche Leben Israels zu sein. Die jüdische Gesamtheit, die geschichtliche jüdische Nation hat an dieser „Vertretung" keinen Anteil. Wochenrundschau. Ein Reichsverband jüdischerGemeinden? Noch ist der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden n'cht über seine ersten, von fortgesetzten inneren K.isen und äußeren Mße folgen gekennzeichneten Entwick ungsstadien nicht Mut fließt ihm aus seinem Ausblick zu Gott. Er verzagt auch nicht, als ihn auf verlassener Stätte dunkle Nacht umfangen hält. Enge! Gottes steigen hinauf und steigen hinab.Hinauf und hinab? Und nicht vielmehr umgekehrt? iniibp nntz\n 'ax^a ibx lVsn *?xntP’ pnxa Das waren die Engel, die ihn aus der Heimat geleiteten, die hinaufstieaen, — irm nnro innbb wnnx und dann stiegen andere Engel hernieder, um ihn außerhalb des Landes zu b'fchützen Gute Engel nahm Jakob aus dem Elternhause mit sich, — naan rrrn jpaa iniar- Dies fein Verdienst kam vor den Thron des Herrn und zeigte idn würdig des besonderen göttlichen Schutz s — Q’Trr — da kamen sie herunter des Himmels Engel und bewachten den stillen Schläfer auf einsamer E'de und mehr noch ..mmann ibx itznp n.na mW das sind die Zusicherungen, die er aus des Himmels Höhen für sich berabaminat“ nsm naX'N rVif axj Siehe da, Gott steht bei ihm und spricht. . Alles, nach dem sich fein Herz nur sehnt, verbeißt ihm Gott. Schutz und Beistand in den bevorstehenden Kämpfen, Dauer und Zukunft in einer reichgesegneten Nachkommenschaft und aleicksam als Höhepunkt seiner Wünsche glückliche Rückkehr ins Elternhaus. Was er dann, als die Schatten der Nacht gewichen, im heißen innigen Flehen von Gott ersehnt, wofür er feine ganze ferne Zukunft förmlich als Pfand einsetzt für die zuverlässige Verwendung der ihm zugesicberten Güter, das hat ihm der Herr bereits in Erfüllung offenbart. Das ist auch die Meinung der Allen n"apn p npjp vnnv na baa' 12'LM, Alles, was Jakob erfleht hat, das hat ihm zuvor Gott zugefagt". Eines, weinen jedoch die Lebr r, ließ der Heilige in seinen Zusicherungen unberührt. .noansn bv iawn xbi onV ■>*? jmi nax 3. Dezember 1925 hinaus, und schon ertönt aus dem Lager der O.ganisationsf.eunde erneut der Ruf nach noch mehr Einheit und Zentralisation im deutschen Judentum. Es soll ein „Reichsverband" jüdischer Gemeinden. besser gesagt ein „Verband der Gemeindeoerbände" geschaffen werden^ dem zunächst die Vertretung nach außen, <x^^ mählich aber auch dies und jenes aus dem bisherigen A.bettsgebiet der Landesverbände (kulturelle Institutionen, Wohltätigkeitsanstalten> zufal en könnte. Die inneren Beweggründe dieser und ähnlicher Bestrebungen haben wir wiederholt bloßgelegt. Das Gefühl der inneren Unsicherheit und Schutzlosigkeit gegenüber dem Judenhaß drängt zum Zusammenschluß, und das bei den Zionisten bewußte, den Zentralvereins*euten unbewußte stammesmäßige Einheitsgefühl ringt auch positiv nach Ausdruck. Um dieser Stammeseinheit willen geht man über die Gegensätze der religiösen Weltanschauung hinweg, löst den uralten Kampf zwischen fest umrissenem, überliefertem Offenbarungsglauben und freischwebenden religiös-nationalen Stimmungen in bloße Richtungsunterschiede innerhalb eines angeblich einheitlichen „Judentums" auf und ist glücklich, dank der Mithilfe der in Misrachi-Achduth organisierten Gruppen von Gesetzestreuen, diesem Siege der nationalen Einheit über die bis auf weiteres unvermeidliche geistige Zerspaltenheit fortgesetzt neuen organisatorischen Ausdruck geben zu können. Die klare E.kenntnis dieser Zusammenhänge darf die Orthodoxie nicht hindern, die neuerdings von liberal-mittelparteilicher Seite — allerdings in recht überheblichem und ungebührlichenr Tone —- aufgeworfene Frage nach einer etwaigen Beteiligung orthodoxer Verbände an dem geplanten Reichsverbande nüchtern zu prüfen. Vor altem sei betont, daß die orthodoxen Gemeinden in Deutschland ihren Reichsverband bereits besitzen, die „Befürchtung", es könnte sich neben dem neuen neutralen Verband der Landesverbände ein gesetzestreuer Reichsverband erst bilden atso in mangelnder Kemttnis der tatsächlichen Verhältnisse wurzelt. Es könnte sich vielmehr nur um die Frage handeln, ob der seit Jahren bestehende Hatberstädter (Reichs)-„Bund ge setz es treu er jüdischer Gemeinden Deutschlands" zu dem künf.igen Reichsoerband der religiös neutralen Gemeinden in ein engeres oder lockeres Verhältnis gebracht und dadurch eine gewisse Einheit hergestellt werden kann. Jakob hat wohl um das tägliche Brot zu Gott gebetet. — aber mit keinem Worte wurde ihm hier ein Versprechen zuteil, in'vaa •’ix ox n"ipn narr Yiy '2aa Vpaa wa an*?n Der Heilige sirach: ..Wollte ich da ihm Gewährung zusogen, was hätte er noch von mir zu erbitten-. Das Brot, des Lebens tägliche B dürfniffe soll der Mensch immer neu sich erringen und im harrten Kamps ums Dasein den Blick zum Himmel mit jedem Tage neu erheben. Das sollte Stammvater Jakob zur Weisung an alle künftigen Geschlechter beherzigen, und er hat diese Lehre voll beherzigt, als er dann nach vierzehn harten Dienstjahren als Familienvater im Haufe Labans wohl beherzigend die Lehre txjn bv paia p, man dürfe sich niemals auf ein Wunder verlassen, fleißig die Hände bewegt, um zu einem gewissen Besitzstandzu gelangen; als er später dem Bruder ent gegenzieht und alle gebotenen Vorsichtsmaßnahmen zw feinem <5c&u£e trifft nanba^i n^sn^ Freilich meint ein anderer: „vj uaxjp la'V.n nonsn by ptyx xb. Auch in seiner Bitte um die tägliche- Nahrung vernahm er das beruhigende Wort-. „Ich werde dich nicht verlassen". Diese Zusicherung hat der Patriarch tausendfach bestätigt gesunden. Alle Schliche und Künste, die Laban anwandte, um Jakob um feinen Lohn, um den Erfolg seines Fleißes zu bringen, e> weisen sich als nichtig So konnte Jakob jubelnd zu Laban sprechen: „'p*>x •unn^tp öpn nnx? 'a 'b n\n pnr» nnai annnx 'pVx nx nsi 3p:p nxi »w nx- Wäre nicht der Gott meiner Vaters, der Gott Abrahams und der von Jizchok Gefürchtete mit mir, du hättest mich leer fortgefchickt! Mein Elend und meiner Hände Mühe hat Gott gesehen und gestern die Entscheidung getroffen.*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.