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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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l. Oktober 1925_ Korrespondenzen « kaeblicbien. Die staatliche Unterstützung für die jüdischen Gemeinden. Berlin, 29. September. In der gestern abend stattgehabten Sitzung des für alle vom Hauptausschuß beschlossenen Ausgaben-Erhöhungen zuständigen Landtagausschusses sprachen sich die Vertreter des Kultusministeriums und des Finanzministeriums aus rechtlichen Gründen gegen die vom Hauptausschuß mit großer Mehrheit angenommene Bewilligung von Mk. 510 000.— für die „geistliche Versorgung leistungsschwacher Synagogengemeinden" aus. Diese Unterstützungen dürften vielmehr, wie bei den christlichen Konfessionen, nur für die Besoldung von Geistlichen, nicht aber für die geistliche Versorgung i m a l l - gemeinen verwendet werden. Dagegen erklärte sich die Regierung bereit, den bereits im Jahre 1906 geschaffenen, sogenannten „Resolutionsfond" zur Subventionierung des jüdischen Religionsunterrichtes entsprechend zu erhöhen. Demgemäß beschloß der Ausschuß, in den Haushaltsplan Mk. 200 000 für die Besoldung von R a b b i n e n und ihren Hinterbliebenen, Mk. 200 000 für die Unterstützung leistungsschwacher Synagogengemeinden zur Aufrechterhaltung des Religionsunterrichtes einzustellen. Nachdem somit bedauerlicher Weiss der Beschluß des Hauptausschusses, der der besonderen Lage der jüdischen Gemeinden Rechnung trug, hinfällig geworden ist, wird alles darauf ankommen, in welcher Weise insbesondere die Gelder für den jüdischen Religionsunterricht verteilt werden. Man darf wohl erwarten, daß die Regierung bei der Feststellung der hierfür in Betracht kommenden allgemeinen Richtlinien die jüdischen Sachverständigen zuziehen und ihre Anregungen berücksichtigen wird. Das Frauenstimmrecht in der Berliner jüdischen Gemeinde. Berlin, 22. September. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur berichtet, hat das von der Repräfentanten-Verfammlung der Berliner jüdischen Gemeinde mit den Stimmen der liberalen und volksparteilichen Repräsentanten gegen die Konservativen angenommene aktive und passive Frauen- Wahlrecht nunmehr die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erhalten. Cs werden deshalb die für diesen Herbst in Aussicht genommenen Repräsentanten-Wahlen um einige Monate verschoben werden müssen, da nun neue Wählerlisten auszuflellen sind, die auch den gesamten weiblichen Teil der Berliner jüdischen Gemeinde umfassen werden. Kommerzienrat Sieamund Fraenkel München, 30. September. (Telegr.) Kommerzienrat Siegmund Fraenkel ist heute nach längerem Leiden sanft verschieden. (Wir tommen auf Lebensgang und Wirksamkeit des reich begabten, um die deutsche Orthodoxie hochverdienten Mannes in nächster Nummer zurück. Red.) frasan- Paieit. Die polnische Regierung annulliert ein Schächtverbot. Warschau, 22. September. Die Gemeindeverwaltung von Pudale, einer kleinen Stadt in der Provinz Posen, erließ eine Verordnung, wonach das Schächten laut jüdischem Ritus verboten sei. Der jüdische Parlamentsklub intervenierte bei der Regierung, woraufhin der Innenminister die lokalen Behörden von Pudale dahin instruierte, daß die Ver-' ordnung ungesetzlich und zu anullieren sei. Attacke auf die Warschauer Große Synagoge am Rosch-Haschonoh-Taae. Warschau, 24. September. Am Sonntag, den 20. September, dem zweiten Rosch- Haschonoh-Tage, wurde die Andacht in der Großen Warschauer Synagoge in der Tolmacki-Straße durch Huligans gestört. Während des Duchenens flogen einig', große Steine durch die Fenster in den überfüllten Synagogensaal. Einige Personen wurden getroffen und leicht verletzt. Es entstand eine Panik, die sich aber bald legte, so daß die Andacht fortgesetzt werden konnte. Von den Tätern fehlt jede Spur. Der Israelit Nur tfteotetifäe Abschaffung des Numerus clausus. Warschau, 29. September. Der Minister für Unterricht der polnischen Regierung, Stanislaw Grabfki, empfing am 24. September eine Abordnung des jüdischen Parlamentsklubs, bestehend aus den Deputierten Rosmarin und Farbstein, die bei ihm wegen der Anwendung der ungesetzlichen Prozentnorm gegen Juden an den polnischen Universitäten Klage führte. Der Unterrichtsminister wies den Deputierten ein Zirkular vor, welches er soeben an sämtliche Hochschulen in Polen versendet und in welchem er die Professoren-Kollegien daraus aufmerksam macht, daß bei der Aufnahme von Hörern religiöse oder nationale Moments keine Rolle spielen dürfen. Im gleichen Atem erklärte der Minister, er sei bereit, sich dafür einzusetzen, daß denjenigen jüdischen Studenten, denen die Aufnahme an Hochschulen in Polen verweigert wird, Paßerlsichterungen zwecks Aufsuchung ausländischer Universitäten gewährt werden. Die Erklärung des Ministers hat in jüdischen Kreisen nicht befriedigt; man deutet dieselbe so, daß die Regierung theoretisch gegen den Numerus clausus vorgeht, praktisch aber das Bestehen dieser ungesetzlichen Uebung bis zu einem gewissen Grade dulden wolle. Eine Anzahl jüdischer Studierender erschien beim jüdischen Parlamentsklub und wies Zuschriften verschiedener Universitäten vor, in denen ausdrücklich gesagt wird, die Studierenden können nicht ausgenommen werden, weil die Prozentnorm für jüdische Hörer erschöpft sei. Prozeß Steiger am 12. Oktober. Lemberg, 22. September. Nunmehr steht es fest, daß der Prozeß gegen Stanislaw Steiger, den jüdischen Studenten, der des Attentatsversuches auf den Präsidenten der Republik, Wojciechowsky, beschuldigt wird, am 12. Oktober vor einem Lemberger Schwurgericht beginnen wird. Vorsitzender des Gerichtes wird derselbe Richter Franke sein, der den Prozeß gegen die Lemberger jüdischen Bürger und gegen Mikietin geleitet hat. Es ist bezeichnend, daß der Prozeß Steiger nicht vor den für die Oktober-Session des Schwurgerichtes normal ausgelosten Geschworenen, unter denen sich fünf Juden befinden, sich abwickeln wird, sondern daß eine besondere Geschworenenauslofung für den Steiger-Prozeß stattfindet. Begründet wird dies damit, daß der Prozeß Steiger mindestens vier Wochen dauern wird. Jlutuäuic«. Jnterniecuns von Flüchtlingen. K i s ch i n e w , 26. September. Dieser Tage begann die Evakuierung der ukrainischen Flüchtlinge aus Bessarabien nach Altrumänien. Evakuiert werden alle jene Flüchtlinge, die sich zur rumänischen Staatszugehörigkeit nicht bekannt haben, sowie jene, die zu den „nicht wünschenswerten Elementen" gehören. Die Flüchtlinge werden in den Bergdistrikten Altrümäniens in Internierungslagern untergebracht werden. Allrussische Konferenz der jüdischen Sektionen. Moskau, 22. September. Es steht nunmehr fest, daß die allrussische Konferenz der Jewsekztja (jüdische Sektionen -er kommunistischen Partei) gemeinsam mit der jüdischen Abteilung der Komssomol (kommunistischer Jugendverband) am 10. November d. I. in Moskau eröffnet werden wird. Das Programm der Konferenz schließt die folgenden Punkte ein: Jüdische Kolonisation in Rußland; berufliche Erziehung der jüdischen Jugend. Der Konferenz wird in Rußland große Bedeutung beigemessen. TSvk-r. Die Konstantinopelrr Jüdische Gemeinde gegen Sondergesetze. Konstantinopel, 23. September. Am 17. September fand in den Räumen des Rabbinats eine Sitzung des Rates der Jüdischen Gemeinde statt. Cs wurde eine Resolution angenommen, in welcher ausgedrückt wird, daß nach der Durchführung der Tren- _ Nr. 40/41 Seite 25 nung zwischen Kirche und Staat in der Türkei die Behörden kein Recht mehr haben, irgendwelche Sonderbestimmungen auf jüdische Familien und Personen anzuwenden. Cs wurde ein Komitee gewählt, welches die Resolution der Regierung zu überreichen haben wird. (I. T. A.) Jdjttieijj. Vom Völkerbünde. Genf, 25. September. Der syrisch-palästinensische Araberkongreß hat an die sechste Völkerbundsoersammlung eine umfangreiche Eingabe gerichtet, worin nach eingehender Darstellung der Lage in Syrien vor allem fünf Forderungen erhoben werden, nämlich: 1. Anerkennung der Unabhängigkeit und Souveränität Syriens, des Libanon und Palästinas. 2. Das Recht dieser Länder, sich unter sich zu einigen, eine zivile parlamentarische Regierung einzusetzen und sich mit anderen arabischen Staaten zu verbünden. 3. Sofortige Aushebung des Mandats. 4. Räumung Syriens, des Libanon und Palästinas durch die französischen und britischen Truppen. 5. Zulassung des Staates Syrien und des Staates Groß-Libanon als Mitglieder des Völkerbundes, zugleich mit der Proklamierung der völligen und integralen Unabhängigkeit dieser beiden Länder. In der Vollsitzung der Völkerbundsversammlung am 22. September wurde zu dem Gegenstände „Schutz der Minderheiten" die folgende Entschließung angenommen: „Die Versammlung billigt den Teil des Berichtes über das Werk des Rates, über die Arbeiten des Sekretariats und über die Maßnahmen, welche ergriffen wurden, um die Beschlüsse der Versammlung durchzuführen, welche auf das in der Frage des Minderheitsschutzes anzuwendende Verfahren Bezug nehmen. Da der Vertreter Litauens den von ihm am 14. September eingereichten Antrag zurückgezogen hat, ersucht die Versammlung den Generalsekretär, dem Rate die Diskussion, welche in dieser Frage in der fünften Kommission stattgefunden hat, mitzuteilen. In der Sitzung der Vollversammlung des Völkerbundes am 22. September hielt Herr Galvanausk a s , der Chef der litauischen Delegation beim Völkerbund, zum zweiten Male eine längere Rede über den Charakter der Minderheiten. Er bekämpfte sehr scharf die Forderung nach absoluten Minderheitsrechten, indem er ausführte, man müsse zwischen Minderheiten und Minderheiten einen großen Unterschied machen. Es gibt Minderheiten, sagte er, deren Art und Geist der bodenständigen Bevölkerung fremd sind. Es genüge, wenn man solchen Minderheiten nur in einem beschränkten Maße Rechte gewährt. Die Zukunft mag einen befriedigenden Ausgleich in den Minoritätsrechten bringen, gegenwärtig aber kann nur eine allmähliche evolutionsfähige Minderheitskonvention Nutzen bringen. Die Ausführungen Galvanauskas wurden von mehreren Redner, so insbesondere und am entschiedensten von Lord Cecil, scharf bekämpft. Es wurde beschlossen, den Bericht über die Debatten der sechsten Kommission des Völkerbundrates zu unterbreiten. Nansens Palästinabericht von der Völkerbundkommiffion. Genf, 27. September. Ueber den Palästina-Bericht Dr. Frithjoss Nansens in der Sitzung der sechsten Kommission des Völkerbundes wird dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Genf von zuständiger Seite mitgeteilt: Wochenkalender. vom 3. bis 10. Ott. 1323. ' 15.-22. Tisckri 5686. Samstag Ott. 3 15 n rnDDTnv Sonntag 4 16 // a // Montag 5 17 •man i>ini x oi» Dienstag 6 18 " - 'i - Mittwoch 7 19 „ » -3 ,/ rmipn Donnerstag 8 20 " " '7 " Freitag 9 21 nan rrasvin Samstag 10 22

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