Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 40-41 (1.10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26 Nr. 40/41 Der Israelit 1. Oktober 1928 Im Rahmen der Berichte über die Mandate referierte Dr. Frithjoff Nansen (Norwegen) über Palästina. In sachlicher und objektiver Weise legte er vor den Mitgliedern der Kommission die Fortschritte in der Entwicklung Palästinas dar. Der Aufbau Palästinas, sagte er, geht in raschem Tempo vor sich; die Erfolge in kultureller, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht sind bedeutend. Man müsse bedenken, daß das Palästina-Mandat viele zum Teil sehr komplizierte Fragen gezeitigt hat, die die Ursachen entgegengesetzter Meinungen sind. Was aber feststeht, ist Folgendes: Die Anstrengungen der Zionistischen Organisation sind lobenswert, und die Mandatarmacht ist bestrebt, das von dem Völkerbund übernommene Mandat in gerechter Weise zu erfüllen. Prof. Rappard, Mitglied der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, hatte Gelegenheit, sich während seines Aufenthaltes in Palästina als Augenzeuge von den raschen Fortschritten im Aufbau des Landes zu überzeugen. Die Mandatskommission hatte die Genugtuung, aus dem Berichte des früheren Oberkommissars für Palästtna, Sir Herbert Samuel, die Ueberzeugung zu schöpfen, daß^die Palästina- Verwaltung, indem sie ein jüdisches Nationalheim schaffen hilft, im Geiste des Mandates handelt. Der Palästina-Bericht Dr. Nansens wurde von der Kommission ohne Diskussion zur Kenntnis genommen. Tasiiirg des orthodoren Raddmerverbandes in Amerika. schlossen^ Abkommen zu verwirklichen. Dem stehen innerpolitische Rücksichten der Regierung entgegen. Die Juden, setzte Dr. Reich fort, waren aber dennoch gezwungen, ein solches Abkommen zu treffen, um ihre Friedenswilligkeit und ihre positive staatliche Einstellung zu bezeugen. Das Cafehaus in der Nähe des Rahel-Grabes entfernt. Jerusalem, 25. September. Wie die Pal. Tel.-Ag. erfährt, hat der Distriktskommissar die Entfernung des Cafehauses in der Nähe des Grabes Rahel veranlaßt, weil es zur Stimmung des Ortes nicht paßte. — Wie jedes Jahr haben auch im diesjährigen Monat Tifchri die Massenwanderungen von Juden zum Grabe Rahel eingesetzt. (I. T. A.) 20000 Palästina-Zertifikate für das nächste Halbjahr verlangt. Jerusalem, 21. September. Wie der Palästinensischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, hat die Zionistische Exekutive in Palästina der Palästina-Regierung ein wohlbegründetes Gesuch um Zuweisung von 20 000 Einreise-Zertifikate für jüdische Immigranten, die in den sechs Monaten von Oktober 1925 bis März 1926 in das Land kommen sollen, überreicht. Die Eingabe der Zionistischen Exekuttve gründet sich aus die jetzige Gestaltung des Arbeitsmarktes in Palästina, die eine weitere Zuwanderung von Arbeitern unbedingt erforderlich macht. Gegenwärtig ist in Palästina Platz für mehrere Tausende geschulter Arbeiter. Dieser Tage wurde in Lackwaxen, Pensylvania, die Jahresversammlung des Verbandes orthoorthodoxer Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas abgehalten. Erschienen waren mehrere hundert Rabbiner aus allen Staaten. Die Konferenz erörterte nach Erledigung der üblichen Formalitäten und Absendung von Begrüßungsschreiben die Fragen des Kaschruth, der Sabbatruhe und des Religionswesens. Es kam die Besorgnis zum Ausdruck, daß die Nächste Generatton der amerikanischen Judenhert ohne das nötige religiöse Fundament aufwachsen könnte; es wurde beschlossen, allerlei Maßnahmen zu ergreifen, um die religiöse Erziehung zu befestigen und zu vertiefen. Angenommen wurde der Vorschlag des Rabbi L e w i n-Cincinnati, eine neue Jeschiwah für Erziehung von Rabbinern und anderen Kultusbeamten zu gründen. An die gesamte amerikanische Judenheit wurde ein Aufruf erlassen, die religiösen Institutionen in Amerika und in Palästina nach Kräften zu stützen. Das Ejnwanderunasproblem in Amerika wieder aktuell. Washington, 24. September. Der kommenden Session des Kongresses der Vereinigten Staaten wird ein Vorschlag vorliegen, ein Komitee zum Studium des Einwanderungsproblems und zur Ausarbeitung von Verbesserungen einzusetzen. Es sollen Bestimmungen ausgenommen werden, die eine wesentliche Milderung der bisherigen Vorschriften, besonders im Hinblick auf die Nichttrennung von Familienmitgliedern usw., bedeuten werden. Es sind einflußreiche Kräfte am Werk, die eine Aenderung des jetzt geltenden Ouotengesetzes in einer Weife herbeigeführt sehen möchten, daß die Bevorzugung der nordischen und die Benachteiligung der östlichen Rassen aufhören. Das Quotensystem soll nicht mehr auf dem Zensus 1890, da noch die Einwanderung aus Osteuropa in den Anfängen lag, sondern es soll auf dem Zensus 1920 basieren; und zwar soll ein Durchschnittszensus der letzten Jahre als Basis für die Jahresquote genommen werden. Drei Mitglieder des Kabinetts sind gegenwärtig mit der Ausarbeitung der neuen Regeln beschäftigt. (I. T. A.) Dr. Reich glaubt nicht, daß die polnische Regierung das jüdisch-polnische Abkommen verwirklichen wird. New Uork, 28. September. Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs in Polen, Dr. Leon Reich, erklärte bei seinem Eintreffen in New Bork dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur, er halte es nicht für wahrscheinlich, daß die polnische Regierung in der Lage sein wird, das zwischen ihr und den jüdischen parlamentarischen Vertretern ge- Proookatorische Sabbateutweihung im heiligen Lande. Jerusalem, 24. September. Die allgemeine Arbeiterorganisation organisierte durch öffentliche Aufforderungen Gruppen zur V e - reisung des Landes am Roschhaschono, Jom Kippur und dem dazwischen liegenden Sabbat. Diese Herausforderung, die alle bisher dagewesenen Provokationen der links gerichteten Arbeiterkreise in den Schatten stellt, ries in ganz Erez Jisroel flammende Entrüstung hervor. In Jerusalem fand eine Protestoersammlung statt, an der Tausende teilnahmen. Personalien. 75. Geburtstag Dr. Arthur Kahns. Berlin, 25. September. Am 26. September begeht der als Arzt, Schriftsteller und Menschenfreund weithin bekannte Dr. Arthur Kahn, Schöpfer der „Chewra Kadischa", der jüdischen Arbeitslosenfürsorge „Esras Sekenim" und vieler anderer humanitärer Institutionen, seinen 7 5. Geburtstag. Der Jubilar wurde in der uralten jüdischen Gemeinde Bingen geboren. Viel gelesen werden seine literarischen und Erinnerungsbücher „Sabbatstunden", „Entschwindende Gestalten", „Dämon und Phintas in der Judengasse" (zuerst im „Israelit" erschienen) u. a. m. Auf eine Initiative und unter Mitwirkung des Hamburgers Gustav Tuch entstand der „Verein zur Verbreitung von Bodenkultur unter den preußischen Juden", für dessen Zwecke und Ziele er noch heute als Generalsekretär tätig ist. Zu gleicher Zeit gründete Kahn die seit längerer Zeit erloschen gewesene „Chewra Kadischa Groß-Berlin", die either eine segensreiche soziale Tätigkeit entfaltet. — Der Jubilar hat gebeten, von allen offiziellen Ehrungen abzusehen. Frankfurt a. IN., 22. September. Zu unserem Artikel in Nr. 38 des „Israelit" über den Tod von Rabbiner R a b i n o w i tz ^"xt Moskau, schreibt uns Herr Samuel Josseliowsky, Memel, ein Freund des verstorbenen Rabbi: Der Verschiedene ist absolut nicht identisch mit dem „Alexoter-Raw" (im übrigen ist dieser bereits von vier Jahren in England verstorben). Der verstorbene Moskauer Raw hies Samuel Rabinowitz und war ein Enkel des bekannten Gaon Rabbi Elie Ragoler. Er war bekannt als „Godaul hatauro" und ist niemals Misrachist gewesen. Amsterdam, 27. September. Am Jom-Kippur-Tage 5686 (28. September 1925) begeht der Rektor des Amsterdamer Seminars, Louis Wagenaar, seinen 70. Geburtstag. Louis Wagenaar ist am Jom-Kippur-Tage 5616 (22. September 1855) im Amsterdamer Judenviertel geboren. Mit 25 Jahren erhielt er den Rabbiner-Titel und wurde einige Monate später zum stellvertretenden Rektor des Seminars ernannt, an dem er selbst seine Ausbildung vollendet hatte. Im November 1886 wurde.er zum Oberrabbiner von Friesland, im Mai 1891 zum Oberrabbiner von Gelderland gewählt. In Gelderland wirkte er 23 Jahre lang und wurde 1918 wieder an das Seminar zu Amsterdam, diesmal als Rektor, berufen. Wagenaar hat mehrere wissenschaftliche Schriften über Talmud, Judentum und jüdische Gebräuche veröffentlicht. Als Oberrabbiner von Friesland veröffentlichte er eine Verteidigung der jüdisch-rituellen Schächtmethode, die in der ganzen Welt sehr viel beamtet würbe. Qn Holland ist seither keine Aktion der Tierschutzvereme gegen das Schächten bemerkbar, geworden. Er veröffentlichte auch ein Lehrbuch für Religionsunterricht und übersetzte das Buch der Propheten ins Holländische. — Wagenaar ist der Begründer der „Oberrabbiner-Versammlung Hollands". Dis holländische Regierung verlieh ihm den Ritterorden des Niederländischen Löwen. — Aus Anlaß des 70. Geburtstages des Rektors Wagenaar erscheint eine Festschrift mit wissenschaftlichen Beiträgen prominenter holländischer Gelehrter. Vermischtes. Frankfurt a. IR., 14. September. Gesucht wird von seinen Eltern Herzl Kokisch, Schriftsetzer von Berus. Kokisch kämpfte als russischer Soldat bei Minsk und kam 1918 in deutsche Gefangenschaft. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Sachdienliche Mitteilungen erbeten an M. Kukeh, Kletzk (Polen)./ Berlin, 16. September. Von der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden wird uns mitgeteilt, daß die Begünstigungen f ü r d e n Liebesgabenverkehr vom 1. Oktober ab für ein weiteres halbes Jahr aufrecht erhalten werden. Die Begünstigungen stehen seit dem 1. Juli d. I. nur noch 8 gemeinnützigen Gesellschaften, zu denen die Zentralwoylfahrtsstelle der deutschen Juden gehört, zu. Diesen hat die Reichsregierung ausschließlich das Recht zuerkannt, ausländische Liebesgaben zollfrei in Empfang zu nehmen. Die Bedingungen, unter denen der zollfreie Empfang der Liebesgaben in Frage kommt, teilt die Geschäftsstelle der Zentralwohlsahrtsstelle Interessenten gerne mit. Besondere Begünstigungen für die an das Optantenlager in Schneidemühl gelangenden Liebesgaben sind nicht in Aussicht genommen. Liebesgaben für Optanten sind daher im Rahmen der allgemeinen Bestimmungen an den Provinzialverein vom Roten Kreuz für die Grenzmarken in Schneidemühl zu leiten. Wiit bem Provinzialverein kann der Spender vereinbaren, in welcher Weise die Liebesgaben verteilt werden sollen. Bad Nauheim, 26. September. Man schreibt uns: Wer die Rausch-haschonoh-Tage im israelitischen Männerheim in Bad Nauheim miterlebt hat, wird alles daransetzen, dem Heim Gönner und Freunde zu gewinnen. Ist auch sonst die Verwaltung jederzeit bemüht, ihren Patienten den Aufenthalt im Hause durch liebevolle Behandlung und gute Verpflegung zu einem wesentlichen Heilfaktor zu gestalten, so war Rausch-haschonoh in jeder Beziehung ein Festtag in des Wortes eigenster Bedeutung. In geradezu rührender Weise hatte der Vorstand durch einen ausgezeichneten Vorbeter und einen tüchügen Baaltokea für einen wahrhaft erhebenden Gottesdienst gesorgt, an dem auch die Frauen des israelitischen Frauenheims und Kinder aus dem Kinderheim teilnahmen. Die mit Blumen reich geschmückte Tafel, auf der auch der Wein nicht fehlte, wies Gerichte auf, deren Vorzüglichkeit mit denen erster Hotels wetteifern konnte und die wiederum für die fürsorgende Liebesarbeit der verehrten Oberin beredetes Zeugnis ablegten. Die von ärztlicher Seite in der Presse vielfach erörterte Frage, ob eine Berücksichtigung auch des religiösen Bedürfnisses im Rahmen eines Kurheims für Kranke angebracht ist, darf nach unserem hiesigen Erlebnis entschieden bejaht werden, besonders in einem jüdischen Heim. Der Gottesdienst ist eben vielen Kranken ein seelisches Bedürfnis. Mein Erlebnis, für das ich, selbst ein Gast des Hauses, n^c schwache Worte des Dankes zu geben vermag, verpflichtet mich, darauf Hinzuwersen, daß es die Pflicht eines jeden ist, der ein jüdisches Herz hat, zur Erhaltung rrnd weiteren Entwicklung des Heims tatkräftig mitzuhelfen. Bietet es doch in einzigartiger Weife den kranken, hilfsbedürftigen Glaubensgenossen, die nur in diesem Bade Besserung suchen können, die Möglichkeit der Gesundung und Wiedererlangung ihrer Arbeitskraft. Gar viele von ihnen müßten sonst bei den heuttgen hohen Kost'-.n von der notwendigen Kur absehen. Möge es doch in diesen schweren Zeiten dem Heim nie an Männern und Frauen fehlen, die mit warmem Herzen dieses wahre Werk der Liebe zu fördern bereit ind. I. S. Briefkasten. I. M. B l. in B. Wir haben die Novelle erhalten und beabsichtigen sie zu bringen, wenn es der Raum gestattet. Zohar, Litauen. 2 Dollar empfangen, Abonnement beglichen bis 1. August 1925. Reo. W. H. in G. Die bei uns eingegangenen sh. 21 haben wir wie folgt verbucht: Konto E . . . sh. 16 und Eigenes Konto sh. 5, so daß sie uns noch sh. 11 bis 31. Dezember 1925 schulden. I. L. in H. Der Verfasser der Notiz Wer »um ninnvli in den ö’flR ^-Gebeten in jüngster Nummer ist Herr Isak Lubinski, Hamburg. St. Gallen, ntfö p. Frs. 25 für Aufruf Schapira übelwiesen. Familiennachrichken. Geburten. Einen Sohn (Joseh). Naphti Erlanger-Wolff, Luzern.