Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 40-41 (1.10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 24 Nr. 40/41 Der Israelit i. Oktober 1928 Die drückenden Nachkriegsjahre mit den Maßnahmen, welche das Judentum zu seiner Erhaltung vorzunehmen, gezwungen war, und mit den Schritten, die es in günstiger und in ungünstiger Weise vorwärts getan hat, treten, ohne daß Verfasser uns seine Beurteilungen aufdrängt, aus seiner deutlichen Kennzeichnung von selbst hervor. ' FW Manche Zahlen, z. B. die der Taufen, der Mischehen reden in ihrer Zunahme, die jüdische Veoölkerungsziffern in ihrer Abnahme, oft eine verhängnisvoll deutliche Sprache. Aber es sind Tatsachen, und als solche müssen sie erkannt werden. Der Ton dieser umfassenden Darstellungen ist dabei nicht der trockene Berichteten; vielmehr merken wir an den ansprechend geordneten Einzelheiten, daß Verfasser vieles aus eigener Anschauung kennt, so daß er sich auch in das ihm von außen her Mitgeteilte leicht hineindenken konnte. Dabei hat er sich aller Voreingenommenheit nach der einen oder der anderen Richtung sorgfältig ferngehalten. So stellt er die Bedenken, welche von orthodoxer Seite geäußert wurden und zu Maßnahmen geführt haben, durchaus als berechtigt dar, indem er auf die Gefahren und Schwierigkeiten hinweist, die nicht nur ihrer Richtung, sondern dem Bestände des ganzen Judentums sich entgegenstellen, und. kennzeichnet auch die Erfolge, welche ihre Festigkeit ihnen gesichert hat. So haben wir hier ein standard wort vor uns, das von den verschiedensten Seiten betrachtet, großen Nutzen bietet. Es wird eine Quelle ersten Ranges für den ernsten Geschichtsforscher, bleiben, es kann seiner Genauigkeit halber in vielen Fällen als Adreßbuch dienen; auch wer die Verhältnisse des Judentums an sich kennen lernen will, wird darin seine Befriedigung finden. Porträts unserer Zeitgenossen durchziehen das Buch, eine Bibliographie und Presseschau ist beigegeben, und der geistigen Seite jüdischer Bestrebungen ist viel Raum und große Sorgfalt gewidmet. L. A. R. Rußland und Asien. Bd. 1: Der große Jahrmarkt von Nifchni Nowgorod. Von Georg Cleinow. Erfurt 1925. Gebr. Richters Verlagsanstalt. Die Sowjet-Union nach dem Tode Lenins. Von Axel de V ries. Berlin 1925. Kurt Vowinkel Verlag. Die erste der angezeigten Schriften dient zunächst wirtschaftlichen Zwecken, und sie konzentriert sich zunärbtt auf das Sonderthema der Gestaltung und der Ausnmten der berühmten Messe unter der Sowjetmacht, aber E l e i n o w , einer der besten Kenner Rußlands, führt dennoch tief in die allgemein politischen Probleme des Sowjetstaates hinein, mit deren Lösung auch das zukünftige Schicksal unserer Brüder im ehemaligen Zarenreiche aufs innigste verknüpft ist. Das Buch ist glänzend ausgestattet und mit zahlreichen Originalausnahmen des Verfassers versehen. de V r i e s behandelt, von den historischen Voraussetzungen ausgehend, vor allem das Wesen des kommunistischen „Ordens", seinen Vernichtungskrieg gegen die gebildeten Stände,. die nationalen, militärischen, finanziellen tragen. Uns interessieren besonders die Feststellungen, die der Verfasser hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung macht. Er schreibt: „In Rußland sehen wir nun, daß durch die Politik der Sowjetregierung, vor allem die Aushebung der sogenannten Ansiedlungszone für die Juden, eine gewaltige Bewegung in die jüdischen großen Ansiedlungsrayons gekommen ist. Schon eben macht sich ein starker Zustrom der jüdischen Bevölkerung Rußlands in die Großstädte bemerkbar. Das jüdische Ghetto ist heute auf dem Wege, in Rußland gesprengt zu werden. Dieser Umstand bedeutet für die jüdische Rasse in Rußland sicher eine große Gefahr, denn sowie die Angehörigen der jüdischen Rasse in die Großstädte kommen, werden sie > einer erbitterten und schonungslosen Propaganda der Kommunistischen Partei, die gegen jede Religion, aber vor allem die jüoische gerichtet ist, ausgese^t. Besonders den Kampf gegen die jüdische Religion führt heute der Kommunistische Orden mit den unglaublichsten Mitteln, mit einem Zynismus, der jedem Menschen, der für Ehrfurcht empfänglich sil, schaudern macyt. Die Söwjetregierung gibt ein besonderes Witzblatt zum Kamvf gegen die Religion heraus/ den sogenannten ,;Gotlosen" ^Besboshnik). Dieser „Gotlose" kämpft nun vor allem gegen die jüdische Religion. Die Folge dieser Provaganda ist natürlich eine rasche Zersetzung der festen iüdn^en Glaubensform. Wenn wir in Betracht ziehen, daß der jüdischen Rasse jetzt in der Sowjetunion ein gewaltiger Impuls zum Zug in die Großstadt eingeimpft worden ist, und daß der Zersetzungsprozeß ihrer Rasseangehörigen in der Großstadt durch die bolschewistische Propaganda unheimliche Fortschritte macht, so kann man es verstehen, wenn in jüdischen Kreisen dieser Frage eine ernste Beachtung geschenkt wird. Es ist ein unheimlicher Vernichtungsprozeß, der sich im Judentum in der heutigen Sowjetunion bemerkbar macht, und wenn man diesen Prozeß im Auge behält, wird man Spengler vielleicht recht geben können, wenn ec von einem bevorstehenden Untregang der jüdischen Rasse spricht." Umso verwunderlicher ist es, daß de Vries — offenbar aus sekundären Quellen — die falsche Behauptung aufstellt, 90 Prozent der bolschewistischen Führer seien jüdischer Rasse. Zufällig liegt dem Referenten jetzt j eine Statistik des wirklichen Anteils der Juden an der Führung der kommunistischen Partei in Rußland vor. Sie besagt: Von den 192 Mitgliedern des Zentralkomitees und der Zentral-Kontrollkommifsion der russischen kommunistischen Partei sind 166 Russen, 10 Ukrainer, 2 Weißrussen Und 2 4 Juden, also 13 Prozent, Von den 58 Mitgliedern des Präsidiums des Zentral-Cxekutiv-Komitees der Sowjet-Union sind 47 Russen, 6 Ukrainer und 5 Juden, d. h. nicht ganz 10 Prozent. Dem Rat der Volkskommissars gehören an: 18 Russen, 1 Ukrainer und 3 Juden. Die Gesamtpartei zählt 28 900 Juden, das heißt 4 Prozent der gesamten Mitgliedschaft, ixv^yiry» inan ivs ta apy’ ns» -'ivxa aao vay’ JniHPJa Remark (Amerika) 1925. Selbstverlag. Das Buch des gelehrten Verfassers bringt zunächst einen gründlichen Kommentar zur oiran-ux-r xmna, alsdann crcmn auf eine große Zahl von Stellen in v"V, die von großem w.i'pa und scharfem Denken zeugen und alsdann mawn über viele aus dem modernen Leben, insbesondere Amerikas, sich ergebende praktische Fragen. Die meisten dieser manwi zeichnen sich durch Kürze und Klarheit aus. Daß der Verfasser in ^ovon den x’onnsa naw ohne weiteres erklärt: oavni> px v'iwv ^aa mit der Begründung: arnyo 'wv woiM sm’E?" nipn nasn nva» ms p'ai .nana man b^xs am» "none mann xbv iV>S8 wVlsi an?m scheint höchst bedenklich und dürfte wohl kaum die Billigung der zeitgenössischen min ^vu finden. Den Schluß des Buches bildet eine Auseinandersetzung unter dem Titel nnn nan mwi? über die Kämpfe, die der Verfasser in seiner Gemeinde zu führen hatte. Wettanschauungskrisis und Wege zu ihrer Lösung. I. Von Prof. Dr. Georg Burkhardt. Geb. Mk. 7.—. Leipzig 1925. Robert Noske. Das Buch des Frankfurter Ordinarius für Philosophie ist für religiös denkende Menschen eine erfreuliche Erscheinung. Aus reicher Belesenheit und einer besonderen Fähigkeit anfgebaut, den Kern fremder Anschauungen zu erfassen und ln vergleichende Beleuchtung zu rücken, sucht es die überall sich regenden Erneuerungsbewegungen, das RlNZen nach einer tieferen Frömmigkeit, zusammenzufassen, um — ba& soll in einem zweiten Teile geschehen — zu einem philosophisch einwandfreien und doch religiös befriedigendem Weltbild zu gelangen. Die Sprache ist von einer gewissen Schwere, die aber als Ausdruck gedanklicher Originalität empfunden wird. fiwrri pbn ■htt iss Von Rabbi Schalom Jifchok L e w i t a n, Rabbiner in Christian ia. Der durch feine soziale und literarische Arbeit bekannte Verfasser des eman nr*' bietet in dies em neuesten Werke, dessen erster Teil uns vorliegt, geistreiche halachische Abhandlungen, sowie eine Reihe köstlicher Erklärungen zu agadischen Talmudstellen, die ihr Ziel, jüdischen Geist zu wecken, erreichen werden. Es spricht, wie beispielsweise aus der Dröscho zu Purim auf Seite 16, auch großes Verständnis für alle jüdischen Fragen der Zeit aus diesen Ausführungen. Möge es Rabbi Lewitan gegönnt fein, diesem ersten Teile recht bald die anderen folgen zu lassen. Zeitschriften. The Jewish Quarterly Review. Edited by Cyrus Adler. Vol, XVI. July 1925. Nr. 1. Philadelphia. Dropsie College. Eine größere, fesselnde, aber recht hypothesenreiche Arbeit von Dr. Louis Finkelstein über die Entwicklung >.er rnvy Fortsetzung der Abhandlung von Rabb. Dr. Leo Jung über die „gefallenen Engel", sowie kritische Artikel zur Literatur. The. Menorah Journal. Juni 1925. New P o r k - Scranton. Vortrag von Philipp Guedella über Napoleon und Palästina (siehe „Israelit" Nr. 23); Herford über DhgrisäiSMUS Und Christentum- Moderne Synagogen- Architektur von Minnsörd. Belletristik. Illustrationen. „Jeschurun", Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgegeben von Dr. Wohlgemuth, Berlin N. 24. Jahrgang 12, Heft 7/8. Die Nummer zeichnet sich durch bekannte Reichhaltigkeit aus. Heroorzuheben ist der Aufsatz von Dr. Ernst Ehrentreu;,Die religiöse Tat". (Forts.) Der hebräische Teil bringt die dritte Fortsetzung der halachischen Abhandlung von Rabbiner I. Weinberg über „Die Exhumierung von Leichen". ISO JT>-n Heft 1, und mahn ■’jnaV pa»n rnyi' Heft 2. Jerusalem, Meah Scheörim 36. Beides Mitteilungen der jüdischen Universität, bezw. der Nationalbbliothek in Jerusalem. In ihren bibliographischen Teilen eine Fundgrübe für Forscher, unabhängig davon, wie sie sich zur. Universität stellen.' In entern Eintreten für eine kritische Ausgabe der N i f ch n a geht I. N- Epstein entschieden zu weit. Lesenswert ist der Aufsatz von A h a r o n i, der in Studien und Beobachtungen vielbelachte naturgeschichtliche Angaben des Talmuds bis ins letzte Detail bestätigt findet. . - pnn. Monatsschrift für Wissenschaft, Literatur und Zionismus. Heräusgegeben vonMuben'Bräinin/'New York 114—116 Fisch Avenüe. Runstne^^ ünd' 5;:! . ■ - Ss3 ’j'oä ■ In ersterer Nummer kommt zunächst wieder der verstorbene Prof. David N e u m a r k mit seinen vernichtenden Kritiken an Hermann Cohen und dann Reuben B r a i - n i n über „Neumark und seine Methoden" zu Worte. Aus Nummer 5 sind besonders heroorzuheben ein Aussatz von Dr. M i r k i n über „Die Grenzen zwischen Recht und Moral in Israel" und von Prof. Samuel Kraus über „den Ursprung der Kirchenglocken und ihre Spuren in der Geschichte, des jüdischen Ritus". In beiden Nummern setzt Dr. K l a tz k i n seine Aphorismen - die zur Zeit auch in Buchform vom Efchkol-Berlage herausgeaeben werden, fort. „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Herausgegeben von I. Heinemann. Heft 5/6 (Mai-Juni) und Heft 7/8 (Juli-August). * Das zweite Heft ist Eduard B a n e t h zu seinem 70. Geburtstag gewidmet und enthält Beitrage von Julius Guttmann, Ellbogen, Baeck, Eschelbacher (Die Willenserklärung in der Halacha) u. a. m. Mhos. Vierteljahresjchrift für Soziologie, Geschichts- und Kulturphilosophis. Jahrgang 1, Heft 1. Verlag G. Braun, Karlsruhe. Eine neue Zeitschrift des jüdischen Philosophen Koigen. Das Heft ist 182 Seiten stark und enthält Aufsätze von Dav. Koigen über „Geschichte und Kultur", F. Tönnies über.„Die Tendenzen des heutigen sozialen Lebens", F. Hilker über „Soziale Vererbung und Sozialpädagogik" u. o. m. E. Bernstein schreibt über „Idee und Interesse in der Geschichte" und F. Schneersohn über „Völker und Massenpsychopathologie". Lesenswert ist auch ein Aufsatz von S. Kaverau „Zur Soziologie der Jugendbewegung". Eingegangene Bücher. Lewin, Dr. B., wb» aso mp Preis 2 Dollar. Haifa 1925. Mendelsohn, Rabbi I., rav mvv aso, Newark N. I. 27 Avon Street. Selbstverlag. Swemer, Samuel. Vollständige Chronologie der jüd. Geschichte (jiddisch). Jassy 1923. A. Grünberg. Sergejew, Wladimir, Talmud (jiddisch). Lodz. I. M. _ Grubsztain, Verlag „Masora". Sonnenfeld. H.. Tagesprobleme. Berlin. Philo-Verlag. G. m. b. H. Skein, Dr. L., Gegen Spengler. Berlin. Philo-Verlag- G. m. b. H. kaatz, Dr. S., Talmudifch-rabbinische Sätze über Rechtsbeziehungen zu Nichtjuden. Berlin. Philo-Vercag G. m. b. H. Levy, Dr. Hrch., Karl Marx und Hegel. Berlin. Philo- Verlag G. m. b. H. Rofenzweig, Fr., Die Bauleute. Berlin. Philo-Verlag G. m. b. H. Foecder, Rechtsanwalt. Ludwig, Anklagerede. Berlin. Philo-Verlag G. m. b. H. Lehmann, Dr, TU., Rabbi Joselmann von Rosheim, zwei Bände geb. Mk. 12.—. Frankfurt a. M. I. Kauffman t Verlag. Brod, Max u. Wellsch Felix, Zionismus als Welte - anschauung, geb. Mähr. Ostrau. Dr. R. Färber, ürrjath, Sefer, Organ der Nationalbibl. in Jerusalem^ Jerusalem. “pjn '"ISV natn der Nationalbibiliothek Jerusalem. Meyer. Eduard, Die ältere Chronologie Babyloniens, Assyriens und Aegyptens. Stuttgart. I. G. Cotta. Cohn, Emil Bernh., Legenden. München. Georg Müller. Bruhkus, Lestschinsky-Segall, Blätter für Demographie usw. der Juden. Berlin. Selbstverlag. Rosenbaum, Rabbiner Moses Ehajim, by aa mb aso n^ann ano Kleinwardein. A. I. Klein, klein, Rabb. Dr. Hermann, v'pi-n W ni>m asr n»an aao Berlin. Sänger und Friedberg, klahkin, Jacob, v"nn nsr-pw Berlin. Eschkol. Landsberger, Arthur, Berlin ohne Juden. Hannover, - Paul Steegemann Verlag. ' kollenfcher, Max, Jüdisches aus der deutsch-polnischen Uebergangszeit Posen 1918—1920. Berlin. Ewer Buchhandlung. ' •> Bericht der Thora Lehranstatt (Jeschiwa) zu Frankfurt a. M. Taubes, Zwi, nVmn paannoa X'vn. (Veröffentl. der D. A. S. Bettelheim Memorial Foundation). Wien. M. Nach. Krämer, Isaak, Volk und Heimland in Palästina. Wien. Selbstverlag. Jahresbericht des Rabbiner-Seminars zu Berlin für 56S4 mit wissenschaftlicher Abhandlung. Grünberg, Exeget Beiträge 2. Berlin. Selbstverlag. Dierkes. Johannes. Kultur und Religion. Paderborn. Junfermann'fche Buchhandlung. Pappenheim, Bertha, Sisyphüs-Arbeit. Leipzig. P. E. Lindner. Schweriner, Arthur, Heiteres aus dem Tagebuch eines Unentwegten. Berlin. Verlag „Der silberne Leuchter". Golding, Louis, Day of Atonement, geb. New York. ' Alfred A. Knopf. '