Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 40-41 (1.10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 Nr. 40/41 DerIsraelit Nnx 'S Personen aus einer bestimmten Lehrergruppe der palästinensischen Schule nach Babel kommen, sich keine Erwähnung von einer Verfolgung oder Flucht findet und das xnx'S. die Ankunft palästinensischer Lehrer, ein gewöhnliches Ereignis scheint — wie läßt sich da die' Annahme G ätz festhalten? Die Auswanderung eines Gelehrten von der Bedeutung der hier genannten Männer ist dem Talmud keine solche Kleinigkeit, datz er sie stillschweigend unter einer Formel wie xnx 'S verstecken würde. Denke man an Raw, wie er die palästinensische Schule verlätzt. Ioma 87a erzürnt er sich mit R. CHanina, ohne daß jahrelang der Ausgleich gelingt und er gezwungen ist, nach Babel zu gehen. Und bei der Auswanderung N. Siras? (Kethübot 110b usw.) N. Juda bar Jecheskel will ihn durchaus in Babel behalten, es wird dort mit Schriftdeutungen für und wider die Berechtigung dieses Schritts gestritten. Ja, selbst bei nicht so einschneidenden Ereignissen sind die Nebenumstände erwähnt. Chullin 46a fliehen Rabbah und R. Joseph vor Kriegsschrecken,' ihnen begegnet R. Sira, und sie finden in ihrem Thoraeifer Zeit, miteinander über das mra der Leber zu verhandeln. An anderen Stellen wird über.'Tram'isno mib über munen ]'n unter ähnlichen Nebenumständen verhandelt. Und das sollte, wenn bei den xvx '3 von wirklichen Gefahren die Rede wäre und trotzdem die Worte der Halacha ertönen und dabei die Schulen Palästinas veröden, an all diesen Slellen ohne diese sprechenden Nebenzüge abgehen? Nun mutzten wir fragen: Wenn die Ansicht Gr ätz sich angesichts so vieler Gegenbeweise nicht festhalten lätzt und diese aus Palästina nach Babel kommenden Männer keine der Verfolgung ausweichenden Auswanderer sind — welche Ansicht setzen wir an deren Stelle? Was heitzt die ständige Formel XfiX 'S und weshalb haben die R. Dimi, Rabin usw. jedesmal Ha lach as mitzuteilen? Ich mutz da auf eine sprachliche Eigentünilichkeit der xnx"'S-sätze Hinweisen. Wenn die darin auftretenden Gelehrten nicht im eigenen Namen sprechen, wenn sie nicht auf eine direkte NVp» auf eine geschehene Entscheidung hinzuweisen haben, heitzt es nicht ]anv Y'x ps h im „Es sagte Rabin im Namen R. Jochanans", sondern pnr Y'X pan xnx 'S „Als Rabin kam, sagte R. Jochanan." Also nicht der anwesende, soeben eingetroffene Gelehrte spricht, sondern der in Palästina weilende R. Jochanan. Und das ist nicht der flüchtige Ausdruck eines Satzes, sondern einer grotzen. Anzahl dieser Aussprüche eigen. Und die fe.ngebliebenen Gewährsmänner, wie R. Jochanan, R. Jakob bar Jdi, R. Abahu usw., sind zumeist die Schuloberhäupter der palästinensischen Thoraanstcl en. Dieser Umstand kann wegen seines häufigen Eintretens, und zwar nur unter den xnx-'s-sätzen und nicht wo anders, nicht für zufällig angesehen werden. Das Rätsel löst sich folgendermatzen.: Nicht eigene Ansichten sprechen diese Gelehrten aus, sondern die ihrer Schuloberhäupter: sie sind keine Auswanderer, sondern Sendlinge hes palästinensischen Synhedriums, wie sie schon in alter Zeit unter der Formel dp» inW Vorkommen, während das xnx 'S einer späteren Zeit, wie wir. sehen, der Schule R. Jochanans und seiner Genossen und Schüler angehört. Sie können zur Bcsta igung einer Halacha bis auf R. Juda Hannafsi zu ückgreifen. Es sind Ueberlieferungen der palästinensischen Oberbehörde, die in dieser Weise ve breitet werden. Hier herrscht also kein Zufall, sondern eine Notwendigkeit., welche zu B:nach ich igungen, oft zu teilweisem Widerruf, auch zu Verschärfungen der gesetzlichen Bestimmungen fsthrtei. Diese halachischLN Llenderungm hätte dann der nächste- Sendling durchzusetzen. Rabin insbesondere scheint die Berichtigung früherer Entscheidungen übernommen zu haben, wie' Raschi zur Aboda-sara-stelle ihn. auch als den Bedeutenderen darstellt. Er streitet dort im Namen R. Jochanans gegen die von seinen Vorgängern gleichfalls im Namen R. Jochanans oorgetragenen Ansichten. Die Widerlegung gilt eigentlich nicht dem Sendboten, sondern der S y n e d ria lentsch eidun g. So verstehen wir auch die berühmte Stelle Sabbat 21b. Bei den Erörterungen über die Chanukälichter trägt R. Jirmija die Begründung einer Ansicht Raws vor, welche Abbaje, das derzeitige babylonische Schuloberhaupt, nicht annimmt. Ihm ward die Sache nur durch seine Schüler (dort pan genannt), übermittelt — pni' #yi pan .ninvx pan xnx 's „Als Rabin kam, sagten es die Schüler im Namen des R. Jochanan," nVa'pi „Da nahm Abbaje die vorher abgewiesene Halacha an." Der zuerst vorgetragene Satz stammle von N. Jirmiia s e l b st. Da bezweifelte Abbaje die Berechtigung dieser Halacha. Nun kam Rabin, der höher Geachtete. Warum trugen die Schüler dem Abbaje die Sache nicht im Namen N ab ins, des Ankömmlings, sondern im Namen R. Jochanans vor? Rabin, der Bote Palästinas, ist ja nicht der Träger der Ansicht, nur deren U e b e r b r i n g e r. Der in der Ferne waltende R. Jochanan, der vielleicht nicht mehr am Leben ist, er ist es, dessen Nennung den Satz beglaubigt. Jedenfalls ist es der in den xnx sätzen vielgenannte R. Jochanan. Datz diese Boten 'mm heitzen, spricht nicht gegen unsere Auffassung. Wer sind die 'mm* x»' welche Samuel Sabb. 21a befragt? Es sind die ü’n ’TVi' von Ps. 107, 23, wie es bei Jona heitzt. na nnn „er stieg in das Schiff hinab", also die dauernden Seefahrer. So müssen 'mm die Q'nnv sein, welche gewöhnlich von Palästina nach Babel kommen, und das sind die Boten des heiligen Landes. Grätz selbst hätte auf diese Deutung leicht kommen können, wenn ihm jene abenteuerliche Geschichisfolgerung nicht fesselnder erschienen wäre. Er selbst sucht (IV, Note 21) Nachweise für „Sendboten- und Patriarchensteuer". Er findet bei Eusebius und Epiphanias, datz die Patriarchen zu ihrer Zeit Sendboten (Apostel) mit Vüefen in die auswärtigen Gemeinden schickten, an Würde den Patriarchen am nächsten stehend und als Gesetzeslehrer anerkannt. Eusebius Pamphili, der Geschichtsschreiber, ist ungefähr 260 oder 270 geboren, würde also gerade dem Zeitalter der noch blühenden Jochananschule angehören. Grätz will sogar Männer wie R. Akiba und R. Meir als solche Boten ansehen, die auch in halachischer Weise in Vertretung der heimischen Schulbehörden gewirkt hätten. Von Ala weitz man genau, datz er kalendarische Nachrichten nach Babel brachte. (R. H. 20a.) Da Ulla' gewitz als Bote Palästinas auftritt, ebenso Rabba bar bar Ghana, da. auch s i e in denxnx-^-sätzen Vorkommen und dem heiligen Lande angehören, so ergibt sich schon daraus, datz von einer Auswanderung hier nicht die Rede ist. Bekannt sind uns aus Sanh. die Hirtenbriefe, durch welche schon die älteren Patriarchen, Gamaliel I u. 11 die Monatseinschaltung dem Auslände mitteilten. Grätz selbst weist auf die pax hin, auf drei Briese, welche R. an Chananja geschickt hat. Und gerade in dieser Zeit haben sich ja die Apostel, welche welche als Minäer einfach Boten der jerusalemischen Minäerschule waren, auch mit ihren Episteln an die Gemeinden gewandt. Es lätzt sich Nachweisen, datz diese Apostelbriefe erst diesen Zeiten, denen des R. Jochanan bar! Naphcha und seinen Nachfolgern angehören. Ist; nun die Epistel das . Kennzeichen eines ' solchen Boten, auch von Seiten der .Patriarchensendlinge, so mühte die Spur'Zitzes solchen auch in? dem von Uns behandelten ^Zeitalter der xnü' 'S; zu..entdecken fein... And merkwürdig genug, Hätz ie wirklich dä ist. Geradehei dein befo^dexs hervorgehobenen Rabin.' Chullin 101 sende i (rfiv) Rabin im Namen palästinensischer Schul- ’ oberhäupter, Mitteilungen über halachische 'Deutungen, wahrscheinlich in Form eines Briefes. Sabb. 115 a kommt mi' 'nn nwa nn»aa xnm'x vor, ganz im Sinne des von uns angegebenen ___ l. Oktober 1925 Zeitalters, worin erschwerende Halachot mitgeteilt werden. Und wenn dadurch auch nur der Gehorsam der Frauen den Beschränkungen gegenüber erzielt werden sollte (S. Raschi), so beweist das, wie gewöhnt man war, diese Briefe zu erwarten und welche Wichtigkeit man ihnen zuschrieb. Und ganz in derselben Zeit und im selben Kreise bewegt sich die. Nachricht, über Rabin B. M. 114 a rnnnaxa pan. nSizn und die Bezeichnungen der Peschitto über die Apostelbriefe lauten auch xnmx* Wir haben den Nachweis geführt, datz sichs hier um Boten des Synedriums zur Zeit R. Jochanans und seiner Nachfolger handelt, die sowohl Nachrichten über Synedrialbeschiüsse dem Auslände brachten, als sie wahrscheinlich auch Gaben füjr die Schulen des heiligen Landes sammelten, wie wir es ebenfalls in den Angaben der Episteln über die Apostel hören. Den Talmud gingen, seinen Hauptzielen gemätz, nur die halachischen Dinge etwas, an, während die Geldfragen in den Hintergrund traten. Datz in einem grotzen Werke, wie Grätz es vielfach erst schaffen mutzte, sich auch grotze Mißgriffe entdecken lassen, ist begreiflich: ebenso, datz sie sich sehr stärk auf dem talmudischen Gebiete finden. Es.ist keine Beschämung für den verstorbenen Verfasser, wenn Spätere sich bemühen, . das Verfehlte im Namen der Wissenschaft festzustellen und zu verbessern. Dazu braucht der Wortlaut des Werkes, der an sich durch seine Lebendigkeit ein Hauptschmuck des Buches ist, gar nicht geändert zu werden. Wie haben es unsere Alten gemacht? Sie haben ihre abweichenden Ansichten als Bemerkungen dem Werke beigeschrieben, und nun konnte der Leser zwischen den verschiedenen Ansichten wählen, und die späteste Zeit hatte noch den Einblick in die ganze Gedankenentwicklung. So müßten wir es auch machen. Das ist in der letzten Ausgabe bon Seiten der Herausgeber auch geschehen, aber zu schüchtern und zu sehr andeutend, und nicht da, wo grötzere Umwandlungen nötig gewesen wären. Mutz doch an vielen Stellen die Grundlage, die ganze Auffassung eine andere werden. Eine meisterlichere Geschichte in Ton und Anlage zu schreiben, wird nicht so leicht sein. Eingehende Untersuchungen einzelner Gegenstände, und seien es die Auffassung ganzer Zeitalter, sind eher möglich, da das ursprüngliche Werk dann immer zu Grunde gelegt wird. *) Eine Aamilienkorrespondenz.' Von> Rabbiner Dr. 3. Bonbi in Mainz. Eine sorgfältig bewahrte Schatulle wird geöffnet, um derselben Briefschaften zu entnehmen, die dem Träger eines hellklingenden Namens von Familienangehörigen im Laufe des Jahres zugogangen waren. Es finden sich darunter Briefe die an den Sammler von seinem weltberühmten Vater gerichtet sind; dann kommen Briefe von gelehrten Brüdern und sonstigen Verwandten um mit Zuschriften der dritten Generation abzuschließen, Briefe des Sohnes an den Vater. 'Es. wird immer mehr Gebrauch, den Briefwechsel von Zelebritäten, auch wenn er gleichgültige, persönliche Angelegenheiten betrifft, zu veröffentlichen, um daraus Charakter und. Denkweise von Männern zu erkennen, die wegen ihrer ragenden. Stellung auf wissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiet die Aufmerksamkeit auf sich richteten. Der schriftlich sestgehaltene Gedankenaustausch von Thoragelehrten, auch wenn derselbe nur private Angelegenheiten beträfe, hat Anspruch auf unsere Aufmerksamkeit; nicht wegen der bio- . *) Frankel sagt in der hebräischen „Einleitung in den Jer'.'fo'emrfchen Talmud" über Rabin (S. 60): „Er war gewöhnt, nach Babel zü reifen vor der Glaubensverfölgung durch Gallus. Dieser R. Abm .ist an vielen Stellend ich Babli erwähnt und dort Rabin genannt. Er überbrachte manche Ausspruche der Amvrqer Palästinas nach Babel. Daher heißt es ran mm »a, an ff üiijt) fö vielen Stellet!:" Was Frankel hier andeutet, haben .wir weiter Uusführen dürfen. Vielleicht ist ^rantel* Aeusterung gegen Grätz stillschweigend gerichtet: lirinwiHi'ai.«mi hiVsB? 'ynnni? Sa? *isp n»'^181 annawässüs Yakan Syanyääkafr?#*? p"j?a' •nasan "lyaiyansa rrnSx? »lSn an pns» •mma t\"vpp iaa »as miKV n’nsxin Ys? ps »aiaan niai«?n iwi ">vasi iw1'’-' -»2281?M3»irp p~p ns aa ayaayansa »i^n bpvr 'an iT>a^n L. Sänger Verlag, Frankfurt a. M. 6683. VIII unu 266 S. 237 Nummern.