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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 20 Nr. 40/41 Der Israelit 1. Oktsber 1925 konfektionierten und unkonfektionierten Stoffen an, die sie entweder engros weitergeben oder im Hausierhandel an den Mann bringen. Nach wenigen Jahren verwandelt sich der fliegende Händler in einen Detaillisten, der seine _ Kunden im eigenen Laden bedient. Aus dem Detaillisten wird bald ein Grossist, welcher neuauftauchende Hausierer seinerseits mit Ware ausrüstet. Das erste Kapital erhalten die Anfänger von den oben erwähnten Darlehenskassen vorgestreckt. Ern weiterer Schritt vorwärts geschieht durch die Umwandlung des Grossisten in einen Industriellen, der fertige Kleider und Gamaschen konfektioniert oder Möbel fabriziert. Allmählich stellen sich im Orte jüdische Handwerker ein: Schmiede, Schlosser, Mechaniker, Stellmacher und Zimmerer. In Rio Grande haben sich schon 3 Dentisten und 2 Aerzte niedergelassen. Ein kommender Rechtsanwalt studiert einstweilen Juraauf der dortigen Universität. Im Staate Parena, der noch ganz aus Urwald besteht und dessen Bevölkerung von Holzfällen und Schweinezucht lebt, wohnen kaum fektionshäuser und 2 Bazare befinden sich in jüdischem Besitz. Endlich werden zahlreiche jüdische Ansiedlungen aus 4 weiteren Staaten Brasiliens geireuen , Palästina ausgesprochen und ist auch die Mäßigung, die sich zur Zeit noch die Jerusalemer Universität bei der voraussetzungslosen Bibelforschung auferlegt, auf sein direktes Ein- _ greifen zurückzuführen. Baron Edmund de Rothschild stand zusammen mit seinen Brüdern Alfons (starb 1905) und Gustav (starb 1900) dem Pariser Rothschildhause vor. 1877 heiratete er die Tochter des Barons Wilhelm Karl Rothschild in Frankfurt a. M. Der Ehe entstammen zwei» Söhne und eine Tochter. Der ältere Sohn setzt das philantropische Werk des Vaters in gleich grober Linie fort. Das Rolhfchild'sche Stammhaus in -er Frankfurter Budengasse. Edmund von Rothschild als Sechszigjähriger. erst 294 Juden, darunter 43 ohne Familie. 6 Familienväter sind Besitzer gutgehender Möbelgeschäfte, von denen 4 eigenes Fabrikat verkaufen. Ferner sind Juden Besitzer von Konfitürengeschäften, Bäckereien, Seifensiedereien, einer Fleischhandlung und einer — Schweineschlächterei. Unter den Alleinstehenden befinden sich einige Barbiere, Schuhmacher und Tischler. Endlich zählt die Provinz 8 jüdische Er- und Importeure. Der Staat Bahia eignet sich nicht gut für europäische Einwanderer, da er zwischen dem 38. und 35. südlichen Breitegrad liegt. Esspricht daher sehr für die unverwüstliche jüdische Lebenskraft, daß die meist aus Galizien und Betzarabien kommenden Juden sich in Bahia der besten Gesundheit erfreuen. Ihre Zahl beläuft sich auf 330, von denen 267 in der Hauptstadt Bahia selbst, der Rest in 9 anderen Plätzen der Provinz wohnen. Vier Familienväter betreiben Möbelgeschäfte, während 8 andere mit Stoffen engros handeln und die Hausierer damit versehen. Die Gemeinde von Bahia ist sehr gut organisiert und besitzt eine Synagoge, einen Festsaal und eine gutbesuchte Lesehalle. Arcaju, die Hauptstadt des nördlich von Bahia gelegenen Staates Sergipe, zählt erst 7 Familien mit 42 Seelen. Dagegen leben im Staate Pernambuco mit der Hauptstadt Recife bereits 700 Juden. Sie sind noch viel wohlhabender als ihre Brüder in Bahia. 3 Möbelfabriken, 8 Möbelgeschäfte, 3 Tuch Engros-Geschäfte, 3 Bijouterien, 2 Konmeldet, die inzwischen von den zu diesem Zweck von der Jca. angestellten Londoner Rabbiner Raffalowitsch in Gemeinden organisiert worden sein dürften. — Auster der Organisation von Gemeinden hat Rabbi Raffalowitsch noch die Aufgabe, die in Brasilien einwandernden Juden über das ganze Land zu verteilen und so die Bildung von Ghettos zu verhindern, da erfahrungsgemäst groste Ansammlungen jüdischer Massen mit den zahlreichen Luftmenschen an einem Platze früher oder später zu Einwanderungsverboten führen und so die Lösung der immer brennender werbenbett Frage: „Wo hinaus?" wesentlich erschweren. Baron Edmund de Rothschild 80 Iahre alt. Am 19. August wurde Baron Edmund de Rothschild in Paris 80 Jahre alt, und die jüdische Welt beging den Tag als Festtag. Von der Popularität, die sich Baron Edmund besonders durch seine Millionenspenden für die Kolonisation in Erez Jisroel in der Judenheit, insbesondere im Osten erworben hat. zeugt die Tatsache, dast er dort einfach unter dem Titel jnT>n (der bekannte Philantrop) bekannt ist. Die hebräische Presse in Rustland und in Palästina nennt ihn seit vierzig Jahren so, und alle Welt weist, wer gemeint ist. Er U Begründer der ersten Kolonien in Palästina und War Kolumbus jüdischer Abkunft? Der bekannte spanische Historiker Jose M. Erugo schreibt auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur: Ich habe alle nur zugänglichen Daten über Kolumbus Abstammung gesammelt; es sind untrügliche Beweise vorhanden, daß Kolumbus in dem spanischen Städtchen Pontevedra als Kind jüdischer Eltern geboren wurde. Erst nach seiner Die fünf Rtanffuttet. manche von ihnen werden bis auf den heutigen Tag von ihm zum Teile unterhalten. Wiederholt hat sich Baron Edmund v. Rothschild in letzterer Zeit gegen den antireligiösen Geist im -v-Ä'. -vv ^»1.;. r!‘ c Edmund von Rothschild als Achtzigjähriger. Geburt nahmen die Eltern, um den religiösen Verfolgungen zu entgehen und im Lande bleiben zu dürfen, zum Schein die christliche Religion an. Es ist nicht wahr, daß die fromme Königin Jfabella ihre Juwelen veräußert hat, um Kolumbus fleine Jndienfahrt zu ermöglichen. An dieses Märchen glaubt heute tein irgendwie historisch gebildeter Mensch mehr. Jüdisches Geld war es, das die Fahrt des Kolumbus ermöglichte, und jüdische Köpfe ermunterten und förderten Kolumbus' Pläne, und führten so zur Entdeckung der Neuen Welt. Der alte spnanische Historiker Oviedo bezeugte es, indem er schreibt: „Luis de Santangel brachte das Geld für die erste Fahrt auf, die zur Entdeckung Jdiens führte". Er war noch der Meinung, daß der amerikanische Kontinent Ostindien sei. Wer aber war Luis de Santangel? Kein anderer als der Sohn des Rabbi Azarias Ginillo. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien nahm der Sohn dieses Rabbii den Namen Santangel an und wurde einer der einflußreichsten Ratgeber des Königs. Er und andere Marannen gewährten Kolumbus eine ziesenlose Anleihe. Auch das geistige Gut dieses Projektes stammt von Juden. Niemand leugnet, daß die von Kolumbus benutzten Seekarten von seinem intimen Freund Abraham Zacuto, dem berühmten Astronomen und Seeforscher, dem letzten jüdischen Professor an der Salamanca-Universität, herrührten. Mit Kolumbus reisten fünf jüdische Seeleute, unter ihnen Rodrigo de Triana, der als erster das Land erblickte, und der Schiffsarzt Bernai. Der angesehene spanische Novellist Blasco Jlbanez, der einer der besten Kenner der spanischen Geschichte ist, erbrachte seinerseits ebenfalls den Beweis von Kolumbus' jdifcher Abkunft. Ein anderer Geschichtsschreiber, Enri.ue Maria de Arribas y Turul, brachte den Beweis, daß Kolumbus' Mutter die Jüdin Suzana Fonterosa war und daß er Verwandte namens Abraham, Alcazar, Benjamin und Jacob besaß. Kolumbus verbarg seine jüdische Abkunft ebenso wie alle anderen Marannen in Spanien ,die damals fast ein Drittel der spanischen Bevölkerung ausmachten. Die „Marannen" waren so zahlreich, daß nach der Judenaustreibung im Jahre 1492 in allen öffentlichen Dokumenten ein Unterschied zwischen „Christianos nueves" (Neuchristen) und „Christianos viejos" (Altchristen) gemacht worden ist.

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