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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1. Oktober 1925 Der Israelit Nr. 40/41 Seite 19 gen ihrerseits, wovon die nachstehende besonders in Erinnerung geblieben ist. Es war im Jahre 1848. Eine Nachbarin kam in größter Bestürzung zu Gedula und fragte sie, ob sie schon wisse, daß der Krieg erklärt sei. In der ganzen Iudengasse sei die Aufregung so groß. Mit einem stillen Lächeln antwortete sie: „Gehen Sie nur ruhig heim-, ich werde meinen Söhnen sagen, daß sie den Fü.sten kein Geld geben sollen, dann können sie auch keinen Krieg führen." Wie die Mutter den Kindern zugetan war, so hingen auch diese —18 an der Zahl, allein nur fünf Töchter und fünf Söhne erreichten ein hohes Alter — fortgesetzt in inniger Liebe und Verehrung an derselben. Baron Amschel, der älteste der fünf Söhne, der allein von allen in Frankfurt blieb und als Chef das Frankfurter Bankhaus vertrat, hatte sich auf der Zeil ein Haus gekauft, das, er bewohnte. Gegenwärtig ist dasselbe zu einem Altersheim für alleinstehende israelitische Damen hergerichtet. Er ließ jedoch keinen Tag vorübergehen, ohne der Mutter in der Iudengasse einen Besuch abzustatten; diese Zeit schätzte er als die glücklichsten Stunden seines Lebens. Wenn er da in seiner Equipage mit dem Jäger auf dem Bocksitz an dem Hause vorfuhr, so war dies immer ein Ereignis im ganzen Ghetto. Das Haus war umlagert von Neugierigen und solchen, welche die Hand aufhielten. Daß Baron Amschel da immer mit vollen Händen gab, ist selbstverständlich. Unter diesen Belagerern hatte sich einmal ein zerlumpter schmutziger Geselle befunden, bei dessen Anblick dem Baron übel wurde;, er wandte sich von ihm ab mit dem Bemerken, er möge sich schriftlich an ihn wenden. Andern Tages erkannte der Baron unter seinen großen Korrespondenz sofort das Gesuch des Bettlers heraus. Die Adresse lautete: „Herrn Baron Rothschild, zum persönlichen Erbrechen!" Baron Amschel trug einen blauen Frack, der mit gelben Knöpfen verziert war, und einen weißen großen Stehkragen, dessen Spitzen fast an den Mund reichten, dazu eine schwarze Kravatte. Baron Amschel besaß einen guten Fond von Mutterwitz; zahlreiche Anekdoten, welche man von ihm erzählt, sprechen hierfür. So ging er eines Tages im Jahre 1848 in seinem Garten spazieren. Da hörte er, wie sich zwei Arbeiter davon unterhielten, daß Rothschild zur Teilung seines Reichtums mit dem Volke ge¬ Phot. Evers, Bechhofen Ostwand mit heiliger Lade. Darüber symbolische Darstellungen der „Iomim Hanauroim" (Hohe Feiertage). zwungen werden müsse. Lächelnd ging der Baron auf die Arbeiter zu und meinte: „Wozu braucht ihr mich zu zwingen, ich tue es freiwillig und mache mit euch den Anfang. Hier hat jeder einen Gulden, mehr kommt auf euer Teil nicht!" sprachs und ging schweigend davon. Ein anderes Mal suchte ein Durchreisender, der die Mldtätigkeit des Barons in Anspruch nehmen wollte, denselben im Garten auf. Um den Baron recht freigebig zu stimmen, schilderte er in sehr eindrucksvoller Weise das Mühevolle seiner Reise. Der Baron erwiderte: „Nun, führt denn Euer Weg gerade durch meinen Garten?" Baron Amschel starb kinderlos. Bei Lebzeiten errichtete er eine große Stiftung, die „Amschel Maier von Rothschildsche Stiftung", deren segensreiches Wirken ihrem Stifter, für alle Zeiten ein gesegnetes Andenken erhalten wird. Das Haus „Zum grünen Schild" hat die Pietät der Familie v. Rothschild bis auf diesen Tag erhalten, und es wird wohl, wie es seit zwei Jahrhunderten dasteht, weiter bestehen und noch lange Jahre den Stürmen der Zeit, trotzen. Die Juden in Brasilien. Von 2. Turosf. Bis vor 20 Jahren gab es in Brasilien nur vereinzelte Juden, welche irgendwann irgendwie dahin versprengt worden sind. Im Jahre 1904 gründete die Ica. *) Aus dem Jahresbericht der Ica. pro 1923. in der Provinz Rio Grando de Sul die Kolonie Philippson und erwarb ein Jahr darauf in der gleichen Provinz die meist aus Urwald bestehende Domäne Quatro-Irmaos im Umfange von 92 000 Hektar. Die meisten Kolonisten verließen jedoch schon im ersten Jahre beide Ansiedelungen, um sich in den benachbarten Städten als Händler niederzulassen, und auch die aus dem fernen Rußland herbeigeholten Ersatzmänner machten es nicht anders. Die Leuts gingen in den beiden Kolonien ein und aus, bis sie durch sorgfältigere Auswahl schließlich eine seßhaftere Bevölkerung erhielten. Die zahlreichen Ausreißer aber, welche sich wohl als Kolonisten anwerben ließen, um auf Kosten der Ica. nach Brasilien^ zu kommen, blieben im Lande, ernährten sich da redlich als Hausierer und ließen nach und nach auch ihre Angehörigen Nachkommen. Gegenwärtig dürfte Brasilien etwa 10.000 Juden zählen, welche über 7 Staaten und 18 Ortschaften verstreut sind. Davon wohnen 600 Familien allein im Staate Sao-Paulo mit der Hauptstadt Rio de Janeiro. Es folgt Rio Grando de Sul mit 3500 Seelen, wobei allein in Porte Alegre 400 Familien leben und eine Gemeinde mit 2 Synagogen» einer Bibliothek, einem Frauenverein und 4 Darlehenskassen bilden. Peretas besitzt 35 Familien und 15 Alleinstehende, eine Synagoge und eine Bibliothek. Rion Grande selbst weist 17 Familien auf nebst einem Hilfskomitee für jüdische Einwanderer. Desgleichen läßt sich von C a ch o e i r a sagen, das nur 11 Familien aufweist, wie von St. Maria mit 62 Familien, einer Synagoge, einer Bibliothek und einem Hotel zur Beherbergung von Einwanderern. Auch Cruz Alta muß erwähnt werden mit 48 Familien und 7 Alleinstehenden. Endlich Passo-Fundo mit 18 Familien, die es schon zu einer Bibliothek und einer Darlehenskasse gebracht haben. Weitere 5 Ortschaften sind im Begriff, sich zu organisieren und ebensoviele Anziehungspunkte für weitere jüdische Einwanderer zu werden. Alle diese neugebackenen Brasilianer fangen im allgemeinen sehr bescheiden als Händler mit VJ/-. - J - -• (11 <;~2' WML r. Phot. Evers, Bechhofen Westwand (linke Hälfte) mit symbolischer Darstellung der Wallsahrtsseste. Unten links sog. Briß-Mtloh-Tür. Im Vordergrund „Almemor". "-'A . ,.v. ' ' '> d - V 4s, V . V'.>-V"> * V- «Ä.' . ' •***'•** r*i -- Phot. Evers, Bechhofen Mrstvand (rechte Hülste) mit Etngangstür (rechts unten). Oben symbolische Darstellung von Lnlaw und Etrog. Unten links Briß-Miloh-Etuhl.

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