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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18 9h. 40141 Der Israelit Das Rothschild-Haus in Frankfurt a. M. (Mit vier Bildern.) Das Haus „Zum grünen Schild" in Frankfurt a. M., das im Jahre 1711 erbaute Stammhaus der Familie von Rothsch'Id verdient gewiß als eine der ersten Sehenswürdigkeiten Frankfurts verzeichnet zu werden. Nicht allein wegen feiner eigenartigen altertümlichen Bauart, sondern auch als S ätte. zu welcher der G.undstcin zur späteren G.öße des Welthauses gelegt wurde, an der Maier Amschel Roll sch.ld mit besch.änkten Mitteln beginnend, sich zur denkbar höchsten Höhe emporgeschwungen hat. Als vor 40 Jahren der bis dahin noch bestehende östliche Teil der alten Iudengassie niedergerissen wurde, gelang es dem pietätvollen Sinne der Glieder des Hauses Rothschild, die altehrwürdige Geburisstätte der Gründer des Hauses unter Vereinigung mit dem Nachbarhause vor dem Untergang zu bewahren. Durch die Ve brei erung der Straße fielen nur einige Meter, um welche das Haus eingerückt werden mußte, von desssen Flächeninhalt zum Opfer. Die Fassade wurde wieder ganz in der ursprünglichen Form hergestellt. Die Häuser der Iudengasse waren meist auf der Außenseite durch ein besonderes Emblem, wonach sie, entsprechend dem Namen des Besitzers benannt wurden, gekennzeichnet. So z. B. durch Schiff, Kanne usw. Das Rothschildsche Stammhaus war ursprünglich benannt „Zum grünen Schild" und ist noch jetzt ein in Stein gehauenes Schild, allerdings in rötlichem Anstrich, über dem Eingang zu sehen. Auch das Wappen der Familie von Rothsch ld ziert ein Schild nebst einer Hand, die ü Pfeile zusammenhält, wohl hindeutend auf die Liebe und Einigkeit, welcher die 5 Söhne ihre größten Erfolge zu verdanken haben. Das Haus in seiner äußeren Erscheinung gibt ein schönes Bild aus der damaligen Zeit. Die Fassade besteht aus einem Rahmen aus Eichenholz dessen inneres ebenso kleinere Felder, ausgefüllt mit farbigen Steinen, bilden. In kleinen Fensterscheiben sind wie in der alten Zeit ganz in Blei gefaßt. Dieser obere Teil ruht auf einem mit reichen Verzierungen versehenen Unterbau aus Stein. Zn diesen sind eingefügt vier, mit den nicht der Wunsch ihrer sämtlichen Kinder, konnte sie bewegen, die ihr so liebgewordenen einfachen Räume mit einer modernen, ihrem Range entsprechenden Wohnung zu vertauschen. „Wo ich reich und angesehen wurde, will ich auch sterben, ich will mich nicht erheben, damit ihr oben stehen bleibt". In ihrer gediegenen originellen Einfachheit macht diese ehemalige „gute Stubb" Maier Amschel Rothschilds einen gar anheimelnden Eindruck und gibt eine Ahnung von Phot. Eoers, Bechhofen Südrvanh mit einem Teil des „Mmemors". Mitte: Darstellung des „Lechem Haponim" (Schaubrode). der Gemütlichkeit und Innigkeit, von welcher das damalige Leben im Frankfurter Ghetto durchwoben war. Am Eckfenster steht auf dem originellen Tritt der Lehnsessel, auf welchem Frau Gedula saß, die Arme auf das Vankettpolster gestützt. Phot. Evers. Bechhofen Nordwand. Auf der Menorah-Abbildung find rechts und links vom Leuchterfchaft die kabbalistischen Embleme zu erkennen. Links vom Leuchter das Gebet für den Landesherrn mit dem Brandenburger Wappen. schönsten Schnitzereien verzierte Haustüren aus Eichenholz, über denselben sind schmiedeeiserne Verzierungen angebracht. Unsere Bitte, die inneren Räume des Hauses besich.igen zu können, wurde bereitwilligst entsprochen: es lohnt sich wohl, dieselben in Augenschein zu nehmen. Da ist zunächst das nach der Straße gelegene, im ehemaligen Stile hergerichtete Familienzimmer, in welchem Frau Gedula bis an ihr Lebensende waltete. Nichts, auch durch den noch vor dem Fenster befindlichen „Spion" die Vorgänge in der engen Iudengasse beobachtend. Hinter dem Sessel befindet sich das Bild Frau Gedulas. In dem traditionellen Spitzenhäubchen und Spitzenschal macht sie den Eindruck einer echten Patriarchin. Zur Zeit der Aufnahme dieses Bildes wird sie wohl die älteste und verehrteste Frau des Ghettos gewesen sein. An der Wano gegenüber befinden sich die sehr 1. Oktober 1926 schönen, künstlerisch ausgeführten Pastelle der fünf Söhne; außer diesen noch dasjenige eines Enkels, des 1879 verstorbenen .Baron Lionel und das Kinderporträt einer Urenkelin, der späteren Baronin Alphons. Auf einem der beiden Klapptische steht eine sehr schöne gut erhaltene Empirependule, die zeigt, daß damals auch Kunstgeschmack zu seinem Rechte kam. Auf dem zweiten stehen zwei Buketts künstlicher Blumen, pietätvoll von Glasglocken umhüllt, die wohl noch das Gedächtnis an fest.iche Famiiientage erhalten sollen. Die Tapete,.womit die Wände bekleidet sind mit dem dunkelroten Untergrund, ist genau nach dem alten O.iginalmuster angeferligt. So atmet alles den Charakter der damaligen Zeit. Das Sofa, seinerzeit Ottomane benannt, war in der damaligen Zeit ein Lurusgegenstand ersten Ranges. Cs wird erzählt, daß, als sich Maier Amschel die Anschaffung eines solchen gestaltete, das ganze Ghetto in Erregung geriet und viele in das Haus kamen, um, auf Fußspitzen stehend, durch das Oberlicht in das Zimmer zu schauen und das Möbelstück anzustaunen. Die Holztäfelung der Wände ist ebenfalls ganz wie früher erhalten. In der Ecke neben der Zimmerlüre ist ein im Barockstil erhaltener Wandschrank, der seinerzeit als Büffet diente; in demselben bewahrte Frau Gedula neben anderem den Kuchen, mit welchem sie die Kinder bewirtete. Unter dem Balkon ist der Hof, daselbst ein kleiner düsterer Raum, mit Sandsteinplatten gedeckt: dieser wurde von Maier Amschel als die erste Wechselstube benutzt. Diesem Raum gegenüber war das eigentliche Wohnzimmer: dasselbe ist jetzt zu einer Haussynagoge eingerichtet: aus diesem gelangt man in den Vorplatz, dessen einer durch ein Verschlag ab gegrenzte Teil die E innerung an die ehemalige Küche mit der Pumpe birgt: ein Brunnen in der Küche war jedenfalls in der damaligen Zeit ein außergewöhnlicher Lurus. Die Wände des Vorplatzes sind noch ganz wie früher in blauen und weißen Streifen gehalten. Wie schon erwähnt, wohnte Frau Gedula in dem alten Hause bis an ihr Lebensende: nichts konnte ihren schlichten, pietätvollen Sinn bewegen, die liebgcwonnenen Räume zu verlassen, auch nicht, als die Söhne längst eine sozial hohe Stelle einnahmen und ihnen der Adels sitel verliehen war. Diesem ihrem.einfachen Wesen entsprach es auch, daß sie, wie gesagt wird, häufig ihre Söhne ermahnte, in ihrem Glücke sich nicht zu erheben, und ihnen immer das Bild ihres Vaters vor Augen hielt. Nichtsdestoweniger empfand sie auch hohe Freude wegen der hohen Rangstufe, die ihre Söhne einnehmen und erfüllte sie dies mit einem gewissen Selbstgefühl, dem Ausdruck zu verleihen sie sich nicht zurückhielt. Hierfür sprechen mannigfache Aeußerun-

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