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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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1 1 [Israelit Ülluslrierfe Beil aqe zum „ \ r. d\q Die Scheunensynagoge in Bechhofen, Mittelfranken. (Mit sechs Bildern.) (Siehe Nr. 31 des „Israelit": Ein Sabbat in Bechhofen.) In Bechhofen, Mfr., nicht weit vom tradi- Itionsreichen Rothenburg ob der Tauber gelegen, jexistiert eine Gemeinde mit einer alten Vergangenheit. Sie besetzt heute noch zwei ehrj würdige Zeugen, den Friedhof und die Synagoge. Letztere ist in ihrer Art der einzige noch in Deutschland vorhandene Bau, der noch in Benutzung ist. Sie ist ein Solzban, bestehend aus einer inneren und einer äußeren (Holz)Wand. Das genaue Datum ihrer Erbauung steht bislang noch nicht fest. Jedenfalls hat sie im Jchre 1564 schon bestanden, und äußerlich auch wohl in ihrer heutigen Gestalt. Dagegen muß das Innere wohl Wandlungen unterworfen gewesen sein,' denn die heutige Ausmalung datiert nach Angaben des Künstlers aus dem Jahre 5488, d.i. 1728. Der Künstler gibt in einem Schriftsatz an der Rückwand an, daß er in diesem begonnen habe, und ein Jahr später sein Werk beendet habe. Er nennt sich auch mit seinem hebr. Namen: Elieser Bar Schlaumau. Es ist derselbe Name, den auch der Maler der im Würzburger Luitpoldmuseum aufgestellten kleinen Holzsynagoge führt, so daß anzunehmen ist, daß eine Identität der Personen vorliegt. Alan weiß aber bislang nichts Genaueres, weder über die Person noch über sein'Werk. Aber das eine;| weiß jeder Besucher, der nach dem f Anblick des so unscheinbaren Aeußeren^ die Synagoge betritt, daß er in der ' prächtigst ausgestattetsten Synagoge " der Gegenwart nicht im entferntesten Ä das an Kunstreichtum und Farben-W Pracht zu sehen bekommt, als in diesem, von außen einer Scheune gleichenden Gebäude. Es ist eine völlig entschwundene Welt, die wir betreten,- eine Stimmung umfängt uns, die selbst der stärkste Eindruck eines modernen Weltentreibens nicht hervorzubringen vermag. Und wer noch ein bißchen jüdisches Empfinden hat, muß sich unwillkürlich sagen, unsere Alten haben gewußt, daß nicht Orgel und nicht Chor zur Andachtsentwicklung notwendig sind, daß dies eine Angelegenheit ist, die aus dem Herzen, aus sich selber herauskommen muß, und hier nimmt das ganze Milieu jeden Einzelnen, Juden wie Nichtjuden, so gefangen, daß man es gar nicht wagt, laut zu sprechen. Man durchlebt eine Feierstunde, wenn man sich in die Feinheiten und - Schönheiten der „Bechhöfer Scheunensynagoge" vertieft, und es würde die Kunst der Feder übersteigen, wollte man alles und jedes ausmalen. Der Bau ist ein Segmentgewölbe mit Anklängen an den mitteldeutschen Renaissancestiel. Die Malerei ist eine Barockmalerei. Die Wände enthalten eine große Anzahl der im täglichen Gebete vorkommenden Psalmen, Vorschriften über die Gebetordnungen usw. Es ist auch eine Stelle schwarz gemalt auf weißem Phot. Evers, Bechhofen Scheunensynagoge zu Bechhofen (Mfr.) aus dem IS. Äahrh. (Außenansicht.) Untergründe, mit den Buchstaben 'V'T'Vsrweine Stelle, die viel Kopfzerbrechen verursacht hatte, da man sich den Sinn — es ist die einzige Stelle, wo der Künstler schwarze Farbe verwendet hat — lange nicht erklären konnte. Es lautet: Schochaur al Lowon Secher Lechurban. — Schwarz auf Weiß zum Andenken an das zerstörte Heiligtum in Jerusalem. Und so gibt es noch viele solcher Feinheiten. Die heilige Lade ist eine wunderbare Schnitzarbeit aus der schönsten Zeit des „Barock" mit eingebrannter Abbildung des Leuchters aus dem Tempel. Die Fenster bestanden ursprünglich aus bleigefaßten Butzenscheiben, die aber im Laufe des Jahres 1881 durch andere ersetzt wurden. Die Ost- sowie die Westwand enthält symbolische Darstellungen von Jerusalem, der heiligen Stadt, von Lulab und Ethrog, von der Thora, der heiligen Lehre und vom Schofar. Am prächtigsten ist die Decke. Tiergruppen mit Pflanzengebilden in einer überreichen Farbenzusammenstellung, jedes Tier gibt mit dem Anderen ein neues Bild, je nach der Zusammenstellung. Es ist vor allem ein herrliches Blau, das als Grundfarbe uns immer wieder entgegenleuchtet und in Genreinschaft mit den anderen Farben dem Ganzen eine wundersame Harmonie verleiht, kurz, man weiß so wirklich nicht, was das Auge zuerst bewundern soll. Das Merkwürdige an dem Bau ist die fehlende Frauensynagoge. Die jetzt vorhandene .Frauenabteilung ist ein fast zu schlichter Fachwerkanbau, liegt gleich der Männerabteilung zu ebner Erde, ist aber mit dichtem Holzgitter abgeteilt. So wird es zu verstehen sein, wenn der Gottesdienst in diesem Hause ein erhebender trotz seiner Schlichtheit und Einfachheit genannt werden darf. Und die leider nur recht kleine, aber in der alten Väterreligion fest wurzelnde Gemeinde kennt nichts Herrlicheres als einen Kol-Ridrei-Abend in ihrer Synagoge wo der wundersame Kerzenschein die frommen, in Sterbegewänder gehüllten Beter mit der Synagoge in gleich geheimnisvollem Lichte umschwebt. Denn klein ist die Gemeinde geworden. Roch vor 50 Jahren ca. 50 Familien zählend, sind es infolge Abwanderung und Tod nur noch 10; die aber kein Opfer scheuen, um die Denkmäler ihrer Vergangenheit, Friedhof (über den ein anderes Mal erzählt werden soll), und Synagoge, zu erhalten. Erst 1913 ist die Synagoge, allerdings unter Beihilfe der Regierung, mit einem Kostenaufwand von 10.000 — restauriert worden, denn die Farben drohten durch Staub und Schmutz der gänzlichen Zerstörung zu verfallen. Und heute ist das Interesse an der Erhaltung dieses einzigartigen Zeugen jüdischer Vergangenheit so stark, daß die berechtigte Hoffnung besteht, daß auch eine viel, viel spätere Zeit staunend vor dem Wunderwerk einer lang zurückliegenden Vergangenheit stehen wird.

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