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Der Israelit · 1925-10-01 · Heft 40-41 (1.10.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 40-41 (1.10.1925)
Date
1925-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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l. Oktober 1925 Der Israeli: Nr. 40/41 Seite 3 An dieser Tendenz der Entgeistigung kann während einer noch sehr langen Zeit das jüdische Leben in Palästina nichts ändern. Denn das jüdische Leben in Palästina wird sich selbst, im geistigen Sinne, kaum ernähren können, geschweige denn für das Judentum der übrigen Welt maßgebend und bestimmend sein können. Das ganze Pathos der jüdischen Seele wird beim Bauen eines .Hauses, beim Bearbeiten eines Gartens, beim Austreiben, der Herde am frühen Morgen ’ ausgegeben. Solange diese Alltäglichkeiten für das Volk der ganzen übrigen Welt in Palästina als Heroismus, als Wand: lang, als Anbruch einer neuen Epoche angesehen werden — und angesehen werden müssen — wird der Traum von einem geistigen Zentrum nicht verwirklicht werden können. Ich glaube an die Verwirklichung vieler Träume in Palästina, aber nicht an eine geistige Hegemonie in absehbarer Zeit. Ich glaube an Hunderte von jüdischen Dörfern, an viele schöne Städte in Palästina, und daß unsere Bauern sich glücklich fühlen werden, und daß unsere städtische Jugend stärk, gesund und frei ausfehen wird, aber ich erwarte auch für die nächste Generation keinen bedeutenden Dichter, kein großes Büch aus Palästina. Vielleicht wird die natürliche, gesunde, berechtigte Freude an diesem Aufbau gerade das Hindernis fein für das Entstehen eines solchen großen Dichters, für das Erscheinen eines großen Buches. Wahrscheinlich wird auch für Palästina die Jeschibah noch mehr als die Universität der Zuflutchsort der Geistigkeit fein." Wir akzeptieren den letzten Satz, indem wir anstelle des „Wahrfcheiltlich" ein Hoffentl i ch setzen. Wir wissen, die Geistigkeit, die Goreli? wünscht, ist inhaltlich nicht von der Art, daß wir sie der materiellen „geistlosen" Aufbauarbeit Vorlieben könnten. Da könnte man sich schon fast - mit dem Wiener Kraftmeiertum als einer Ab-! lenkung befreunden. Aber die Feststellungen 1 Goreliks treffen im Ganzen zu. Der Kult des Fußes und des starken Arms geht überall auf Kosten des Kopfes. Ein paar Iahrtaufende I schon ringen wir mit den Mächten der Geschichte! um die Weltmeisterschaf 1 des jüdisch en Geistes, der auf Sinaiboden gewachsenen Moral. Wir werden siegen — ganz unabhängig davon, ob es dem Wiener „Hakoah" auf dem Weltsportplatze mehr oder weniger gegeben ist, die Kraft seiner Hände und Füße zu entfalten. Oer Strauß unserer Gotteshuldigung. Von Wolf S. Jakobson in Hamburg. Wenn die min fordert — ü3^2?» —03^ BnrrpVi : — daß die vier Arten, mit denen wir uns vor Gott freuen sollen, uns gehören, dann ver-! langt sie, daß wir uns die Lehren ganz zu eigen machen, die die NIL» uns nahebringen will. t Vielfache Deutung finden die cnz'» n im , jüdischen Schrifttum: Schicksal und Wirksamkeit . der drei Väter unseres Stammes und das Bild | des frommen Iosef sieht der Midrasch in ihnen r verlebendigt, der Erinnerung an das Leben ' bezeichnen? „Isoliertheit" drückten wir immer mit f aus, bei Klatzkin heißt sie Wie oft bei gegnet uns im jn»n iqö des Maimonides und anderswo i das Wort p'vi für „Vorstellung"! Klatzkin sagt s: Wir akzeptieren für „Vitalität", aber wieso ist mm '! „Identität", mio ,,Erlebnis"? Warum nennt sr! „Material" pn und nicht glatt *i»n, wie es alle vor ' ihm taten? „Elemente" hießen von jeher r.mov bei ' Klatzkin ö’jnu als willkürliche Pluralbildung von Er mindert das „Bewußtsein", indem er es statt nyr nur sn» kennt und beraubt die „Totalität"^ N1N2 ) um an > indem er sie M'>iZnennt. Wir lassen ihm das Vergnügen „Prämisse" mit und „Wahrnehmung" mit mirn» zu bezeichnen. Aber wer gibt ihm das Recht, statt des altgebräuchlichen mrio für „Kategorien" eigens für diesen Zweck umzudeuten? Wir lassen und mv»»i für „Kontinuität" gelten. Aber Wahnsinn ist es, „Dimension" pm zu nennen, „Abhängigkeit" mit ivfrn und „Bedingtheit" mit rmn zu bezeichnen; und wenn er gar n«r> im Sinne van „bejahen" gebraucht, so setzen wir dem, in d^r Sprache Klatzkins, eine entschiedene p'rr (Meinung!) ^"lgegen. Als Venjehuda vor Jahren in Palästina an eine 'Sprachreform heranging, hatte er wenigstens eine Kommission, bestehend aus erprobten Meistern des alten und neuen Hebräisch zur Seite. Klatzkin ist indessen '-rm p, gebt vollkommen souverän vor, um schwere Gedanken- Fange noch weiter zu erschweren und zu komplizieren, ueber diesen Gedankengehalt ein anderes Mal. Heute tragen wir nur: Ist das noch Hebräisch? S—tz. Ein Pfarrer als Hirsch-Verehrer. In Nr. 9 der „Hochkirche" (Monatschrift einer evangelischen orthodoxen Vereinigung) veröffentticht Stiftsunserer vier Urmütter sollen sie dienen, Sanhedrin und Talmidei Chachomim, Gelehrtenschüler und „Schreiber des Gerichts" deuten sie an, sie lehren, wie alle Juden in einer Aguda zusammen verknüpft.sein sollen, daß die, welche „Geschmack" und „Duft" haben, sühnen für jene, welche leer sind von Thora und frommen Werken. Sie legen so die ganze Vergangenheit des jüdischen Volkes, das Volk selbst in seiner Mannigfaltigkeit in unsere Hand, daß wir daraus lernen, für unsere Freude vor Gott die rechte Anregung empfangen. Zu besonders eindringlicher Mahnung mag uns aber eine Auslegung des Midrasch bringen, die auch das pnn isv als Wurzel unserer mxn bezeichnet, eine Lehre, die Rabbi Mani an das Wort knüpft: *ji»3 '» Ti nnaxn ’ntaxtf *73 „Jedes Glied an mir sagt: Gott, wer ist wie Du?" Es weist hin auf die h- Das Lulow erinnert an das Rückgrat des Menschen mit dem von,ihm sich abzweigenden Wirbeln, Esrog an das Herz, die Blätter der Myrte gleichen in ihrer Form dem Auge, die langen, schmalen Blätter der Bachweide ähneln der Form der Lippen. Sollen wir uns vor Gott, das heißt als Juden, freuen dürfen, dann müssen wir diese Vier gleichsam in unsere Hände nehmen, sie formen, und aus innerem, starkem Wollen heraus — 33*72?» - »3*? — so gestalten, daß sie der Huldigung Gottes: pi»3 '» 'N dienen. Rückgrat, Charakterstärke, Energie im Handeln ist erstes Erfordernis! Konseguenz in Tat und Gesinnung! Galt diese Forderung für alle Zeiten, so gebietet die Stunde sie besonders dringend, die Gegenwart, die die Aufklärung überwunden hat und doch zu ihrem Kind, einer Wissenschaft, die auch an das Heiligste die Sonde ungezügelter Kritik legt, vor aller Welt sich bekennt. Rückgrat fordert die Gegenwart von jedem Einzelnen, in einer Zeit, wo die- Pforte zum heiligen Land sich nur unter Schwierigkeiten dem öffnet, der in brriV' px nur nmx» tnj?n im ^X32?' »p nur 'n 05? sieht. Rückgrat fordert die Gegenwart von jedem, den man Zerstörer der jüdischen Einheit nennt, weil ihm die natürliche Einheit der Idee kostbarer ist als die künstlich geschaffene der Menschen, Rückgrat, weil Menschenfurcht höher im Kurse steht als Gottesfurcht, weil das Gehen mit der Majorität bequemer ist und — chancenreicher! Als Josua Moses großes Erbe antrat, da wurde er wieder und immer wieder beschworen: „Sei stark und fest" — dann bringst du das Volt ins heilige Land, „sei stark und fest", weiche kernen Schritt ab von der vorgeschriebenen Bahn, psarrer Schorlemmer, Lich (Oberhessen), einen sehr beachtenswerten Aufsatz, in dem er im Rahmen einer Besprechung der Hermann Cohenschen „Jüdischen Schriften" von der unantastbaren Heiligkeit der sog. „Zeremonien" irr jeder Religion in ebenso schönen wie warmen Worten spricht. Hrer Pfarrer Schorlemmer übersendet uns das Heft mit einem Begleitschreiben, aus dem hier einiges wiedergegeben sei: „Ich beschäftige mich seit Jahren mit jüdischen Studien, aber weniger mit rein historischen Problemen als vielmehr mit dem religiösen Leben und besonders dem kultisch rituellen Leben des Judentums der Gegenwart, einem Gebiet, das auch den Orientalisten unter uns christlichen Theologen fast gänzlich unbekannt ist. Da haben besonders Samson Raphael Hirsch und neuerdings Dr. N. Birnbaum meine Liebe gewonnen. Bei ihnen, in so manchen anderen Schriften, in der Zeitschrift „Jeschurun" und in in so manchen Ausführungen Ihres geschätzten Blattes lese ich Ausführungen, wie das thoratreue Judentum der Gegenwart nicht nur für den Gottesglauben im allgemeinen kämpft gegen das Heidentum, die Jrreligiöfität der Gegenwart, sondern im besonderen sich an die der Offenbarung entflossenen Weisungen der Thora bindet und Leib, Seele und Geist durchdringen läßt von der „Heiligkeit" und dies besonders auch im Kultus darstellt. Da sage ich als offenbarungsgläubiger Theologe, obwohl ich mir der unüberbrückbaren inhaltlichen Gegensätze zwischen Judentum und Christentum bewußt bleibe und sie nicht ideenhast verwischen will, dennoch: '2 ri'vrri2) ■>wa» m?2i *>72x5?» nxy aysn nst Die inhaltlichen Gegensätze will ich hier nicht formulieren und diskutieren. Was uns beiden gemeinsam ist, ist dies: Nicht, daß wir uns Gedanken über Gott machen, ist das Entscheidende, wie es der rattonalistische Liberalisnicht nach rechts, noch nach links, nur dann werden deine Wege gelingen V’own rxi» dann wird dir das Glück blühen, das auch deinem menschlichen Erwägen und Begreifen sich als Glück darstellt. Stärke und Aufmunterung festigende Unterstützung braucht man, wenn es gilt, den Kampf für «min und gute Werke, Stärke, wenn man will, daß das Gebet wirklicher Gottesdienst wird, Stärke, wenn man im Kreise der Menschen, seinem px *|Yi nachgehen will, „sei es im Handwerk oder im Geschäft" und: xi.i nnnbn v'x dx n»n^»^- wenn die Zeit zum Kampf zwingt, entschlossenes und energisches Handeln! (mranx j?im pns,,0.. Diese Entschlossenheit im Handeln darf aber nie Formen annehmen, die geeignet sind, andere in ihrer persönlichen Ehre zu verunglimpfen. Der Kampf für eine Sache darf niemals zum Kampfe gegen Personen werden. Wahre Stärke kleidet sich nicht in das Gewand der Gewalt. Stark ist, wer im Kampf alle egoistischen und persönlichen Regungen niederzwingt, nicht sich selber meint, wenn er für die Ehre der Thora sich einsetzt! „Die Schüler der Weisen gleichen den Frauen in ihrer zarten Milde, dann und besonders, wenn sie die Taten des starken Mannes vollbringen" (X3 x»r>) denn das fordern n ja zum zweiten: das Herz. Herz, jüdisches Herz, will Gott! Das jüdische Herz soll aber nicht nur das sein, was wir so als das „gute Herz" zu bezeichnen pflegen, jenes Herz, das uns zu milder Tat auffordert, das mitleidige Regung mit Anderer Rot spürt. Jüdisches Herz muß nicht nur 3iv 3*? sein; auch Tin» 3^: ein reines Herz, das die Sünde zu meistern weiß, müssen wir anstreben. J133 aV ein festes Herz, das sich nicht von seinem Ueberschwang in die Irre führen läßt, n»3n aa*? ein weises Herz, das die Menschen' und ihre Schwächen begreift, v»2? a^ das Salomo von Gott sich als einzigen Wunsch erbat. Er, der weise König, wußte, daß alle Weisheit sinnlos, alle Klugheit umsonst, wenn ein „r/ürstehendes Herz", das mitschwingende Untertöne erlauschen kann, sich nicht dazu gesellt. Dieses „verstehende Herz" trägt seinen Segen in sich: Glück und Ehre und langes Leben. Und bescheiden muß es dazu fein, das jüdische Herz: „Das gebrochene, gedrückte Herz verachtet Gott nicht." Jüdisches Herz, das befähigt ist msÄ .rn'annx,, Gottes Heiligtum zu bauen", muß sein »*72? andern ganzes Herz, das nicht nur auf die Stimme des Mitleids hört, sondern auch voll ist von Weisheit und Festigkeit, Reinheit und Bescheidenheit und tief spürendem Verstehen! — mus tut, sondern daß wir die Wege, die Gott uns offenbart und bestimmt hat, gehen unbeirrt durch irgendwelchen „Zeitgeist". Und das gilt besonders auch für Kultus und Ritus. Die heuttge Zeit scheint ja dafür wieder mehr Verständnis zu haben als die nun vergangene Epoche.-- —" Orthodoxe Monatsschriften. Eine Doppelnummer der „Moria h" (Monatsschrift für den Aufbau von Erez Jisroel, Habajis Heimstätten Gesellschaft m. b. H. Frankfurt a. M.), für Aw-Elul, ist sowohl im hebräischen wie im deutschen Teil reich ausgestattet mit publizistischem und literarischem Material, sowie Palästinarnformationen, letztere sozusagen aus erster Hand. Der eben aus Palästina zurückgekehrte Dr. S. Ehrmann bietet in einer Palästinaschau alles zur Stunde Wissenswerte. Ueber Kolonisation schreibt David Trietsch. Ueber Naturschätze in Erez Jisroel berichtet Rudolf Seiden und B. Freudenberg schildert das Kleinkreditwesen in Palästina. Rabbiner Dr. Frankl, Halberstadt, erzählt in einer historischen Skizze von früheren Palästina-Wanderungen. Eine große Reihe von Berichten und Mitteilungen geben Fingerzeige für Bodenerwerb, Personenverkehr und wirtschaftliche Betätigung in Erez Jisroel. Der hebräische Teil wird von einem kurzen Arttkel zum „Tage des Gedenkens" eingeleitet, dem Aufsätze über Fragen der Zeit folgen. Ein hübsches Gedicht von Schwarzmann hat die Sehnsucht der judäischen Berge nach den heimkehrenden Söhnen zum Motiv. Die Uebersetzung des Breuerschen „Nationalheimes" wird fortgesetzt und eine philosophisch juristische Arbeit des bekannten M. F. Götz über die „gesellschaftliche Ordnung im alten Judentum" nimmt ihren Anfang. Unter dem Strich ist ein empfindungstiefes Gedicht von Samuel

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