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Der Israelit · 1925-09-24 · Heft 39 (24.9.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 39 (24.9.1925)
Date
1925-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 Sette 3 24. September 1928 _ -_ unb Minister, im Grunde eine Spielerei, aber, der Verlauf zeigte, eine recht gefährliche Spielerei. Beim Üeberhandnehmen des Ältrauaiionalismus in Litauen und seiner Regierung muhten diese reichsnationalen Aspirationen der jüdischen Bevölkerung den' Anderen als willkommene Waffe gegen den besonders im wirtschaftlichen Kampfe gefährlichen jüdischen Konkurrenten dienen. Mit der Unterdrückung des nationalen Rechtes der Juden wurde da» jüdische Recht schlechthin zertreten, auch das religiöse, das in Wahrheit den Lebensnerv der jüdischen Bevölkerung bildet. Die wenigen religiösen Belange waren leider ein Teil des nationalen Rechtes, gehütet von einem Minister und Nationalräten, die solche „überlebte Dinge" für ihre Person längst nicht mehr ernst nahmen. So muhte sich die religiöse Unterdrückung ganz naturgemäß aus der nationalen ergeben. Hätte man in Litauen, das ist heute die Meinung aller Klarsehenden, von vornherein alle sich aus dem Minderheitsvertrag ergebenden Schutzvorrichtungen — ohne starke Betonung des nationalen Momentes — für die religiösen Angelegenheiten in Anspruch genommen, das jüdische Litauen hätte heute wohl keinen heimgeschickten Nationalrat und keinen EXminister als hübsche Erinnerungsstücke, aber auch keine Sonntagsruhe und auch manches andere nicht, was heute schwer auf der litauischen Iudenheit lastet. In Genf, vielleicht weniger durch die Klagen des Herrn Motzkin als die Interventionen des Herrn Lucien Wölff, muh aber Litauen an seine übernommene Pflicht erinnert werden, an die gleiche Pflicht, auf deren Erfüllung es in anderen Ländern den Litauern gegenüber so sehr bedacht ist. Das religiöse Leben der Juden in Litauen darf nicht im mindesten gestört werden, und keine Fehler von jüdischer Seite geben der litauischen Regierung ein Recht, sich ihren Verpflichtungen gegenüber den Juden zu entziehen. Alles, was der litauische Jude auf wirtschaftlichem wie auf religiösem und geistig-kulturellem Gebiete braucht, um sich nach seiner Art und seinen Traditionen auszuleben, muh, mit oder ohne Nationalrat, den weitgehendsten Schutz der litauischen Regierung finden. Steuerdruck und Zwangsruhetage sind keine Mittel, um eine große Minorität für die Interessen des Staates zu gewinnen und dem Lande die ihm so bitter nötige Ruhe zu verschaffen. Ein großer Prozeß wird in den nächsten Tagen in Kowno alle Gemüter in Spannung halten. Es geht gegen 200 Mitglieder einer Der Israeltt Jüdischen Klllturliga, die des Landesverrates bezichtigt werden. Was in den jüdischen Kulturligen in Litauen , geschieht, hat selten unsere Billigung gefunden. Aber daß sie keinen Landesverrat trieben, weiß alle Welt. Es soll mit diesem Prozeß der Welt ein Beweis von . der Unzuverlässigkeit der Juden erbracht werden, er wird nur beweisen, wie unzuverlässig die Männer der derzeitigen litauischen Regierung bei der Durchführung und Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen sind. Litauen erhält aus Gründen, die außerhalb der Iudenftage liegen ,ein neues Kabinett. Leider verspricht der Geist, aus dem dieser Wechsel geboren ist, keinen neuen Kurs, der die Interventionen in Genf entbehrlich machen könnte. Staatsunterstützungen. Der Hauptausschuß des preußischen Landtages hat auf Grund einer Eingabe der beiden Gemeindeverbände, des, gesetzestreuen und des neutralen — die vom Berliner Landesverband inspirierte offiziöse Mitteilung verschweigt natürlich, gemäß übler Gepflogenheit, die letztere Tatsache — beschlossen, Mk. 510.000 zur „geistlichen Versorgung" leistungsschwacher jüdischer Gemeinden in den Haushaltsplan 1925/26 einzustellen. Der Beschluß ist zwar noch kein rechtskräftiger, hat vielmehr noch zwei Instanzen zu durchlaufen, allein er besitzt doch Autorität genug, um wenigstens eine gewisse Aussicht auf nennenswerte Hilfe für die schwer notleidenden Gemeinden zu eröffnen. Freilich wird man gut tun, der vielen Klippen und Fußangeln nicht zu vergessen, die — man denke an den sogen. „Resolutionsfonds" von Mk. 40.000 aus dem Jahre 1906 — die Juristen zu schaffen pflegen, sobald die Dinge aus dem Bereiche der Theorie in die Praris übergeführt werden sollen. Man möchte dem Landtag und der Regierung zurufen: Seid nicht kleinlich und formalistisch, wenn es gilt, ideale Güter zu retten, die letzten Endes der köstlichste Besitz jedes Volkes und Staates sind. Das sollte auch der Berliner Landesverband bedenken, der in den Beschluß die Formulierung hineingebracht hat, daß der Staatszuschuß unter die beiden Gemeindeverbände „nach der Seelenzahl der angeschlossenen Gemeinden" verteilt werden solle. Das würde bedeuten, daß der Berliner Verband, weil ihm die reichen Großgemeinden Berlin. Breslau, Frankfurt, Köln angehören, alles, der Halberstädter Verband mit seiner verhältnismäßig großen Anzahl ärmster Gemeinden Iisv' ’nV'nn 'V W ir oy Dieses Volk habe ich mir gebildet, damit es meinen Ruhm Kunde . . ." maV kV rraw irr rmdw mm »Vielleicht hast du es vergessen, oder gar nicht gelernt!?" Vielleicht hast du es im Kampfe des Daseins, im Getümmel des Lebens vergessen, daß die sittliche Weltordnung der. Schöpfung Ziel sei! 8ia2 kV ",21 8ia rvwmn iwm nKijW minn V'atpa rrVrr aViv.i, daß die Hingabe von Geist und Gemüt, von allem Streben und Wirken an die vom göttlichen Willen vorgezeichneten nun Richtlinien der Zweck. unseres Erdenlebens bleibt. NN2V 882? »Vielleicht hast du vergessen" die heilige welthistorische Mission, womit Gott das Volk, dessen Sproß du bist, betraut hatte. Die Mission: daß dein Volk Israel das Licht der Völker, der Bund der Nationen, der hohenpriefterliche Fackelträger der Lehre von dem Lebenspriestertume der gesamten Menschheit sei! pnav mm Vielleicht hast du es vergessen, daß deine Väter und Mütter, das Teuerste, was sie besaßen, beispiellose Opfer an Gut und Blut aus dem Altäre dieser welthistorischen Ausgabe darbrachten. nnpV mm Vielleicht hast du es vergessen, daß der Gott deiner Väter gewiß nicht zwecklos und vergebens dein Märtyrervolk bis zum heutigen Tage erhalten hat: naVia mm O'axi ori8 Gewiß aber nicht zu dem Zwecke erhalten hat, damit du später Nachfahre, Avkömmling solcher Mär-- tyrergeschlechter, staunender Zeuge solch erhabener Vergangenheit, diese Vergangenheit verleugnen, deine Väter und Ueberlteferungen vergessen, die Standarte deines ewigen Gottes und seiner ewigen Thora im vtiche lassen und verraten sollst, jinatp mm Vielleicht üast du das Rachsolgefchast heischende Beispiel der dreitausendjährigen Vergangenheit deines Volkes.;a das Beispiel deiner eigenen gottergebenen Eltern vergessen?! O, wache auf: Vrr DTiaxin Tis Vrr iv'an D7ii,?i2 lia Tiapa »Schauet hin aus den Felsen, aus dem ihr gehauen, und auf die gehöhlte Grube, aus der ihr gegraben seid!" •psa .1718 81p »Lies du mit dem eigenen Mund!" Nimm daher das von Gott dargereichte Buch deiner „Lebensordnung" in die Hand und schöpfe daraus wahre Kenntnis des Lebens und Kenntnis de-» wahren Lebens. Und wenn du auch im Lause des ganzen Jahres in der Tretmühle des harten Kampfes um die Existenz NV,7 miayai Nil I2pa nicht dazu gelangen zu können wähntest, um nV'Vi Dar» ia jr»am Tag für Tag oder Abend zu Abend das Buch der Lehre zu öffnen, um daraus immer wieder und wieder neue Lebensweisheit zu gewinnen. '2B 18181 838 '71Ö 'N V8V 0’j?V8V 'FS2 ,1882 .iV'Vi dal' dnV 'Twai 'V nnn d'pVrr diesen ergreifenden Psalmvers legt ein alter Rabbisolgendermatzen aus: Wie dürstet doch meine Seele nach Gott, nach dem lebendigen Gott! O, wann werde ich kommen und mitd'pV8 '29, mit dem v'pVn aVx, Abglanze göttlicher Herrlichkeit, der aus dem Antlitze des Gotteraebenen ersichtlich ist, der aber im hastigen irdischen Treiben des ganzen Jahres so leicht verloren geht — wann werde ich nun wieder mit dem aufs neue gewonnenend'pV8 aVs erscheinen können?! Sehnt sich doch die sündenbeschwerte Seele gar sehr nach Wiedergewinnung ihrer ursprünglichen Reinheit! — Hierauf ist die Antwort: aai' snV 'Tivai 'V nirn nV’Vv Dann, wenn meine Träne mir zur Nahrung wird bei Tag und Nacht. Wenn ich den Tag und die Nacht nV'V aai' des USD Dl' dazu benutze, um mich mit den Tränen der Reue zu reiniaen von den Fehlern der Vergangen-, heit und mich für eine neue Zukunft zu weihen. gar nichts erhalten solle! Eine solche Verhöhnung des Rechtes und der Billigkeit, die der Prinzipientreue den Brotkorb höher hängen und zugleich den Kapitalismus durch steuerliche Entlastung belohnen will, kann natürlich nicht ernst gemeint sein. Das einzig denkbare Verteilungsprinzip ist die Zahl — nicht die Seelenzahl — der jedem Verbände angehörigen leistungsschwachen Gemeinden, wobei die Doppelmitglieder bei Ermittlung der Proportion jedem Verbände oder keinem der beiden Verbände zugezählt werden. Wir hoffen, daß eine Einigung auf dieser Grundlage zustandekommt, damit zu den ohnedies vorhandenen Schwierigkeiten nicht auch noch der Gegensatz der Verbände den Enderfolg gefährdet. Die Verantwortung für eine solche Gefährdung würde die führende Persönlichkeit des Berliner Verbandes treffen, der bei vielen sonstigen recht schätzenswerten Eigenschaften das Empfinden für politische Loyalität leider oft ab geht. ♦n n 1 w n Von Willy Wolf in Köln. (.'*? "’yw’) •■pyt&m firm naira „In Ruhe und Behaglichkeit wird Euch geholfen werden. Es gibt in den Prophetenbüchern gar viele Sprüche, die uns in flammenden Worten zur mitstti ermuntern. Allein es findet sich wohl kaum ein Vers, der wie der unsrige an dienaiwn erinnert, obzwar er eigentlich etwas ganz anderes bedeutet. Die Worte, die wir an die Spitze unsrer Betrachtung gestellt, haben in der Tat mitnaiVtt nichts zu tun — und gleichwohl ruft R. Elieser in Sanhedrin 97, 2 aus: Uebt Israel .laitwv so wird es erlöst-, heißt es doch: •jwin 7imi nauza R. Elieser schwebte wohl dabei der Gedanke vor, in den angeführten Worten sei eine solch außergewöhnliche Erlösungsweise ausgesprochen, daß sie nur durch voraufgegangene naiwn einzutreten vermöge und er hat diesen Zusammenhang in dem sprachlichen' Antlange der Wortbildungen nawund naiiMi festgehalten. * Die Worte: pswin nnai nawa enthalten in Wirklichkeit eine einzigartige Verheißung für das in Rot und Elend befindliche Volk. Sie verkünden nicht allein die Hilfe als Pforte einer bessern Zukunft, lassen vielmehr schon die Hilfe selber, die Zeit des Uebergangs vom Galuth zur Freiheit, im Lichte des Friedens und Glückes erstrahlen. Wo nur die Gesetze der Natur und die Regeln der Geschichte walten, sind die Um- Zum Versöhnungstage. Von Rabbiner Dr. M. Tervin in Kamöurg. Als ein Himmelsbote erscheint uns alljährlich der l0. Tischri mit seinen reichen Gaben. Versöhnung und Frieden sind die Zeichen seines göttlichen Ursprungs und zwingen alle vom Stamme Israel in seinen Bann. Da hadert nicht mehr der Bruder mit dem Bruder, und jeder Streit ist geschlichtet und aller Hatz gettlgt. Und des Tages Sorgen schwinden und des Lebens Forderungen schweigen. Das Göttliche triumphiert, das Ewige herrscht, die Seele schwelgt. Das ist das Werk des o’iisan or, die freie Bahn schafft zum Aufstieg, daß wieder das Erdenkind rein wird und lauter, um sich seines göttlichen Ursprungs bewußt zu werden... Es ist dieser Tag. wie er nur rwa nn8 uns kommt und Heilung uns brmgt und Erlösung, die Perle in der Krone unserer, religiösen Uebungen. — An die Jugendsünde unseres Volkes erinnernd, ist er Denkmal der verzeihenden Gnade Gottes, der den Tod des Sünders nicht will, der sich selber bezwingt, um D'am.i ma walten zu lassen, und mit der Liebe die Schuld und Sünde zu tilgen. In seiner sinnigen.Art und bilderreichen Sprache zeichnet der Midrasch den bedeutsamen, ereignisreichen Augenblick. da Gott schließlich spricht:^-paia -»nnVo Ich verzeihe nach deinem Worte". Moses leistet Fürbitte für Israel. Allen Einwänden Gottes begegnet er. So mächtig brennt in ihm die Liebe für sein Volk. '7ipaV2 laa mr?a 'j?V8,i ia8 der himmlische Richter.spricht: »Wie kann ichs wenden, wie meinen Schwur zurücknehmen? jfti öViyn ]iai .1212 lau du Vt? ,112,1 'V 11712 da antwortet Mojes: „Hast

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