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Der Israelit · 1925-09-24 · Heft 39 (24.9.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 39 (24.9.1925)
Date
1925-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 39 Vielmehr: Wenn es stimmt, daß die Gestalter der Gesellschaft und ihre Anzuredenden die Einzelpersonen in gemeinsamem Willen sind, — so mutz der Wille ihres Gottes von ihnen verlangen: daß alle Individuen zusammen aus den vielen möglichen Richtungsordnungen ihrer gesellschaftlichen Beziehungen denjenigen Zustand ihrer Gesellschaft zu schaffen sich bemühen, der allein dem Individualziel ihrer eignen Person gemäß ist! Iede einzelne Person also, die bewußt einer anderen Gesellschaftsordnung in ihren eignen Beziehungen Raum gibt, macht sich verantwortlich für den antijüdischen Einfluß, den diese andersgeartete Gesellschaftsordnung rückwirkend auf andere Individualitäten ausüben kann. Das Gewissen der Gesellschaft liegt in den Gewissen ihrer Individuen! Und in diesem Sinne setzte wirklich der Ruf vom Sinai unserer Gesellschaft ihr Ziel: ltwra roVan Daß die vielen Einzelnen in Gemeinsamkeit zwischen sich eine Gesellschaftsordnung schaffen, ein rwVaa, nur regiert vorn gemeinsamen ama* Individualitäten-Ideal! Praktischer Ausbau. Erst eine zwiefache Assimiliertheit, die des Individuums und der Gemeinschaft, hat das durch Samson Raphael Hirsch V"t wiedererweckte jüdische Eigenleben bisher zu überwinden vermocht. Hier schon einige Zeit stehend, haben wir den dritten Schritt noch nicht getan! Roch ist das Gesellschaftsleben, das tägliche Zusammensein der Vielen nicht in seinem Gesicht, in seine!.- Geselligkeit, geändert worden, geschweige denn in seiner Einstellung! Roch leben wir so, als ob nichts mehr zu geschehen hätte! Das ist nicht nur Stillstand — das ist Rückschritt! Denn alle Ansätze und Inselchen jüdischen Strebens in uns, die wir aus Lehrhaus und Synagogen mitbringen, müssen untergehn in dem Meer der Assimiliertheit zwischen uns, wenn wir sie nicht verbinden zu einer jüdischen Atmosphäre des Alltags draußen, des Gesellschaftslebens! Wir müssen uns eine neue Gesellschaftsform schaffen. Denn wo immer das jüdische Lebensgesetz herrschen mag, — in unserer jetzigen Gesellschaftsform herrscht ein anderes, ein ungeschriebenes Gesetz, das stärker ist als unsere Erkenntnis, stärker als unser Jezer Haiauw, stärker — und I Der Isr a e li t das ist das schlimmste — als unsere Verbundenheit, als das Zusammenfließen unseres gemeinsamen gleichen Willens: denn sonst hätten wir schon längst den gesellschaftlichen Abstand, den uns dieses fremde Gesetz auferlegt, durchbrochen und hätten zueinander gesprochen: „du und ich — wir wollen doch das Gleiche, so wollen wir zwischeneinander so leben, wie wir es für uns möchten — und darum soll dieser unjüdische Zwang zwischen uns verschwinden, 'der da befiehlt: „Es ist so Mode ... so verlangt es die gesellschaftliche Pflicht . . . —" denn mit Schönrednerei und Blendung, mit Oberflächlichkeit und Unwahrhaftigkeit umgibt unfern Kern dieses Schielen auf den Andern. Erst wenn wir diese fremde Hülle abgeworfen haben, und wenn "die Triebfeder unseres Tuns nicht mehr ist, was der Andere tut und was der Andere redet — erst dann kommen unser aller jüdische Seelen zum Vorschein und unser eigenes mina' Ziel zur Auswirkung zwischen uns-und dann erst ist Platz da für die nächste Tat: Wir wollen die Menschen anders beurteilen. Nicht nach dem äußeren Wert, sondern nach dem inneren Wert. Und dieser neue, alte Wertmaßstab soll sich in unserm Tun durchsetzen: Unsere Führer sollen die reinen Menschen sein. Unsere Gespräche sollen nicht mehr mit Kritik des Andern erfüllt sein. In unfern Salons gelte nicht mehr der gewandte Herr und die elegante Dame, sondern nur: der Mensch! Unsere Ehen werden auf jüdischen Grundlagen ausgebaut. Und die Erziehung unserer Kinder ist nicht mehr eine Erziehung für die Form/ sondern für den Inhalt. Dann werden wir am Andern viel Neues, Schönes entdecken, und dann tun wir gern die dritte Tat: Wir werden unsere Geselligkeit auf gesündere Basis stellen. Denn dann werden unsere Besuche nicht mehr der Förmlichkeit, sondern der Aussprache dienen. Dann werden unsere Häuser nicht der Leichtlebigkeit, sondern dem frohen Ernst geweiht sein. Dann wollen unsere Abende nicht mehr „heremgebracht", sondern ausgefüllt werden. Und in unfern Festen wird nicht mehr Erotik triumphieren — sie werden Feierslunden sein. In solchem Kreis wird dann selbst ein Bileam, der sich zu uns verirrt, um S i n n e n lust zu Hörer: und zu finden, vom Sinn erfaßt, sich selber Zurufen: »apsr i2iv na 24; September 192b Wochenrundschau. Minderheitsrecht und Judeufrage. Der politische Ausschuß des Völkerbundes beschäftigte sich just in den Tagen, da wir in unseren Gotteshäusern das tausendjährige nm* n*m« aVia wjh beteten, auch mit der Frage des Rechtes für die nationalen Minderheiten. Insbesondere in diesem Punkte will es nirgends stimmen, dieweil jedes Land und Ländchen dieses- Recht so wahrt, wie es die Männer, die gerade in seiner Regierung sitzen, auffassen. Daraus ergeben sich Unzufriedenheiten und Unzuträglichkeiten auf allen Seiten und Vater Völkerbund in Genf hat alle Hände voll zu tun, um zu richten und zu schlichten, ohne greifbaren Erfolg. Fast grotesk mutet es schon an, wenn die Führer kleiner Völker, wie beispielsweise Litauens, andauernd über die Behandlung ihrer Volksgenossen im Auslande Klage führen, zugleich aber als Angeklagte vor dem Völkerbunde dastehen, verklagt von den Minderheilsvertretern in ihrem eigenen Lande. Auch jetzt war es der Vertreter Litauens, Galvanauskas, der mit Anträgen die Diskussion über den Schutz der Minderheiten im Flusse hielt. Zur gleichen Zeit aber hat das „Komitee der jüdischen Delegationen" durch seinen Führer Leo Motzkin dem Völkerbunde ein Memorandum überreicht, in welchem gegen absolute Mißachtung der jüdisch-nationalen Rechte in Litauen bittere Klage erhoben wird. Von anderer Seite wird berichtet, daß Lucien W o l f f, der in Genf, statt den Klageweg zu beschreiten, auf dem Wege der Intervention viel für die jüdischen Minderheiten herausholen möchte, sowohl vom litauischen Ministerpräsidenten wie von dem Vertreter Rumäniens und Griechenlands vielverheißende Zusagen erhalten hätte. Die Sache ist etwas verwickelt. Wir müssen konstatieren, daß, soweit Litauen in Betracht kommt, die vom Völkerbund ausgesprochenen Minderheitsrechte der Juden weder auf der einen, noch auf der anderen Seite das richtige, beiden Teilen dienende Verständnis gefunden haben. Auf jüdischer Seite, d. h. in den zionistischen Kreisen, die sich sofort der Sache bemächtigen, konnte dieses Recht nicht anders verstanden werden als im Sinne einer nationalen Autonomie mit Nationalrat «Vielleicht hast da es vergessen?" Zu D'TIM M'- Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospatak (Ungarn). B-i*n "twa i»2sV pipi pt «»a 2V jinae? xö» /-pas nnx rr->j? V-m 7,12 ’epx iV d’-iöiki •jvuä nb ix „Man hatte dem Hohepriester Gerichtsälteste zur Seite gegeben, die ihm aus dem Gesetze die Tagesordnung vorlesen mutzten. Sie sagten auch zu ihm: . Mein Herr Hohepriester! Lies du selbst, vielleicht hast du es vergessen", oder vielleicht hast du es niemals gelernt'. Zu den Worten r -g im'-, Drrai? Ty nanpsm an trarpy »Es öffneten sich die Augen beider und sie erkannten, daß sie nackt sind", bemerken die Weisen: uaa iVanrnj a-ra nnw nnrr nixa iV’sk „Eine mxa hatten sie in Händen und auch derselben entblößten sie sich". ,So lange der Mensch im Dienste seines Gottes ganz sieht, hat er sich auch seines leiblichen Teiles nicht zu schämen. Auch die leiblichen Reize sind göttlich und rein, so lange sie sich als Mittel zu Gott heiligen Zwecken unterordnen. Sobald aber dieses Verhältnis sich umkehrt, haben wir uns allerdings ihrer zu schämen; es erwacht dann die Stimme in uns, die mit dem Gewissen in innigem Zusammenhänge steht und uns erinnert, daß wir eben nicht Tiere fein sollten". (S. R. Hirsch z. St.) Ja. früher oder später erwacht die Scham und die Reue ob begangener Fehler in unserem Innern. Dann erkennen wir, daß wir gefehlt und gesündigt haben, und daß wir -jeglicher Verdienste baar vor Gott stehen, an D’aiTs; w ijm- Zugleich aber erwacht die Sehnsucht in uns — die Sehnsucht nach der Wiedergewinnung unserer kindlichen Unschuld und Reinheit, nach der Befreiung unseres Geistes und Gemütes von allen Verunstaltungen, die sie im Kampfe des Daseins erhalten haben, die Sehnsucht nach geistiger und sittlicher Wiedergeburt, 'n *nm Ti «np'i •D’snn bv an'wpai a’pnx Vt? an'wva pa nV’V rrnp -srnVi a’p’nx Vt? an'wpa iVk ai' /mV cryizn Vv vn'Vva iVrr. ..Und Gott schied, dh. zwischen den Taten der Frommen und den Taten der Frevler. Und Gott nannte das Licht Tag, dies sind die Taten der Frommen. Die Finsternis aber nannte Er Nacht, dies sind die Taten der Frevler." Ja, ftüher oder später gelangt der Mensch zur Erkenntnis und Anerkenntnis der göttlichen Wahrheit, daß es einen Unterschied gibt zwischen den Taten und Handlungen der Frommen und denjenigen der Frevler. Daß jene Kinder des Lichtes, letztere aber Ausgeburten der Finsternis sind. Und dann erwacht die Sehnsucht in seinem Inneren, die Sehnsucht nach dem Reiche des Lichts! Wie einst aber die -pi n’a '’lp:, die Aeltesten des Gerichtes vor den Vm pna traten und denselben an den Pflichtenkreis des Tages, om yto, erinnerten, so tritt auch an uns heran von Jahr zu Jahr dieser seit altersgrauen Zetten geweihte Bote und Künder des göttlichen Gerichtes: dieser TIS3 ai'-Tag, um wachzurufen in uns jenes Sehnen nach dem Reiche des Lichts, oder wo es schon wach ist, es zu stärken und kräftigen, damit wir nicht aus halbem Wege stehen bleiben. Es kommen diese -»jpr pn y'2, diese pixn '8' und erinnern uns immer wieder und wieder an orn tto, an den ganzen, großen heiligen Pflichtenkreis unserer irdischen Lebensaufgabe. Sie erinnern uns daran, wie auch unser irdisches Dasein ein m'n tto, eine festgebundene und sestbindende Tagesordnung" haben muß. Wie dasselbe nicht fein darf die freie Beute launischer Willkür oder blinder Naturnotwendigkeiten, und auch nickt fein darf der freie Spielball blinder alternder Leidenschaften oder vergänglicher Tagesintereffen, sondern wie es in feinem vollen Umfange aus der mp nam aus dem heiligen Erdreiche des Gottesgesetzes, dieses uns von Gott gegebenen w am. hervorwachsen soll. Wie p*r n»a ’apT in alter Zeit dem Hohenpriester zugerusen habenp-o ’tsm Vrn „Mein Herr! Du bist ein Hoherpriester!" — so rust auch diese heilige Zeitperiode einem jeglichen von uns in die Seele hinein: Vvtä pp ■»Em Jüdischer Mann, jüdisches Weib! Sproß Israels! Du hast die Aufgabe: ein Hoherpriester Gottgeweihten jüdischen Lebens zu sein- Ein Lebenspriester der Tugend und Moral, der Religion und Sittlichkeit. Du bist zu etwas Höherem berufen als blos zu essen-und zu trinken — oder zu darben! O, sei ein Hoherpriester jüdischer Lebensweihe, *p»|Q nm „Lies du selber mit dem Munde!" Nimm das mit der Gnade Gottes dir dargereichte Buch der Lebenspflichten in die Hände und lerne daraus die Pflichten deiner Erdentage:

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