Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1925)
- Date
- 1925-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 38 fefsionen aussprach und in nicht mißzuverstehender scharfer Weise die üblen Bestrebungen völkischer Kreise aus der Stadt Worms verwies. Lang anhaltender lauter Beifall der Tausende der Versammlung lohnte seine Ausführungen. Im Namen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde 'begrüßte Sanitätsrat Dr. N ick e l s b u r g den Reichsbund und gab einen historischen Ueberblick über die ereignisreiche Geschichte der Wormser Judenheit. Ihm folgte der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Leo Löwen st ein -Berlin, der im Namen seiner Kameraden für alle die herzlichen Begrüßungsworte und für die außerordentlich liebenswürdige Aufnahme dankte, mit der die Ortsgruppe Worms ihre Bundesfreunde empfangen hatte. Er gedachte — während die Versammelten sich von ihren Sitzen erhoben — der 12000 gefallenen Kameraden, die als immerwährende Ehrenmitglieder des Bundes geführt werden. Den eigentlichen Festvortrag hielt Prof. Dr. G o l d st e i n -Darmstadt, Mitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten.. Der Redner gab einen historisch-politischen und rassen-biologifchen Ueberblick über den Begriff deutsches Judentum und setzte sich in überzeugender Weise mit den Rassebesessenen auseinander, die in dem Juden, der seit fast zweitausend Jahren auf deutschem Boden wohnt und an deutscher Kultur und Geistesbildung mitarbeitet, den Fremden sehen wollen. Oefterreieh. Die neuen Männer in der Zionistischen Leitung. Wien, 8. September. Die Wahl der neuen zionistischen Exekutive, die der Kongreß dem Aktions-Komitee überantwortet hat, dürfte laut authentischen Mitteilungen nicht vor Mitte November erfolgen, da das Zusammentreten des Aktions-Komitees erst für Ende November oder Anfang Dezember in Aussicht genommen ist. Dagegen ist das neue Direktorium des Jüdischen Nationalsonds bereits gebildet. Die Herren Prof. Marburg und Adold Böhm sind nicht wiedergewählt worden. An deren Stelle wurden Berl Katzenelson (Achduth Haawoda) und Rabbi Meier Berlin (Misrachi) gewählt. Jlttgavtt. Jüdischer Gemeindebund in Ungarn. Budapest, 14. September. Die in Budapest tagende Konferenz des Landeskomitees der jüdischen Gemeinden Ungarns hat nach Annahme der Resolution gegen den Numerus lausus auch die Frage der Vertretung der ungarischen Judenschaft in dem zu schassenden Ungarischen Oberhaus erörtert. Man kam überein: für den Fall, daß nur ein Vertreter der Judenschaft für das Oberhaus zugelasfen würde, solle dieser alternierend aus der Reihe der Neologen bezw. der Orthodoxen heroorgehen. Sollten aber zwei Vertreter zugelassen werden, so sollen beide Fraktionen im Oberhaus vertreten sein. — Die Konferenz beriet dann über eine Deklaration, in welcher ausgedrückt wurde, daß die ungarischen Juden sich nur zur magyarischen Nationalität bekennen, gleichzeitig aber die zionistischen Kultureinrichtungen unterstützen. Die Deklaration wurde nach längerer Debatte abgelehnt mit der Begründung, eine Betonung des Ungartums der Juden sei überflüssig. Enttäuschung über die Resultate des polnischjüdischen Abkommens. Warfchau, 12. September. Am d. September traten die jüdischen Deputierten und Senatoren zu einer Beratung zusammen, um sich über die Politik der jüdischen parlamentarischen Vertretung in der demnächst beginnenden Session von Sejm und Senat klar zu werden. Die Stimmung war eine bedrückte. In den Reden kam die Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß sogar die bescheidenen Hoffnungen, die man an das Zustandekommen des Abkommens zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung gehegt hatte, sich nicht erfüllt haben. Entgegen ihren Zusicherungen setzt die Regierung den Wirtschaftskampf gegen das jüdische' Element fort, wofür Beispiele angeführt wurden. Insbesondere waren es der Führer der Agudah-Fraktion, Abg. Kirsch braun, und der Führer der Misrachi- Fraktion, Abg. Farbstein, die dieser Unzufriedenheit Ausdruck gaben. Angesichts des Planes des Klub- X X fl g . t t I _ Präsidenten Dr. Reich, nach Amerika zu reisen, müsse — so stellten die Redner fest — der Parlamentsklub ent-! scheküen, ob eine solche Reise angesichts dieser Situation überhaupt am Platze sei. Dr. Reich als der Schöpfer des Abkommens müsse darüber wachen, daß das Abkommen durchgeführt wird. Gegen die Verständigung sprachen der Wilnaer Deputierte Dr. Wygodfki und der Vertreter der Hitachduth Ab. Lewinsohn. Der Vorsitzende dos Parlamentsklubs, Abg. Dr. Leon Reich, trat manchen dieser'Ausführungen entgegen und! ersuchte den Klub, die Sitzung abzubrechen, da-er sich' zum Ministerpräsidenten und Bildungsminister begeben will, um mit ihnen die Lage zu besprechen. Am Abend wurde Präsident Dr. Reich vom Ministerpräsidenten W. Grab skr empfangen. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung werde das, was sie einmal versprochen hat, auch loyal erfüllen. Er bat Dr. Reich, chm die weiteren jüdischen Forderungen in Form einer Denkschrift mitzuteilen. Der Ministerpräsident unterstrich die loyale Haltung der Juden während des Besuches des Außenministers Skrzynfki in Amerika. Abfchiedsversamnilung für den „Chofez Chajim". Wilna, 8. September. Im Hause von Rabbi Chajim Oser G r o z e n s k y versammelten sich Lehrer und Leiter der Jeschiwaus von Polen und Zentrallitauen und berieten über die Lage der Thoralehranstalten. Einberufen war die Versammlung vom „Chofez Chajim", der vor seiner Abreise nach Palästina noch einmal mit den berufenen Hütern der Thora die Richtlinien für die weitere Arbeit besprechen wollte. Der „Chofez Chajim" hielt eine flammende Rede, in der er vereinte Arbeit aller Jeschiwaus nach einem Arbeitsprogramm wünscht. Ein Jeschiwohkomitee soll 50 größere und kleinere Jeschiwaus umfassen. Die Jeschrwohabgabe im Mindestbetrag von 2 Dollars im Jahre muß jedem Juden als heilige Pflicht am Herzen liegen. Zu dem Zwecke sind Sammelbüchsen in allen jüdischen Häusern anzubringen. Der „Chofez Chajim" bringt den auf früheren Konferenzen angenommenen Beschluß nochmals in Erinnerung, wonach jeder Rabbiner die Pflicht hätte, mindestens zwei Wochen im Semester in der Provinz für die Jeschiwah tätig zu sein. Aus den nun folgenden Reden der Jeschiwohleiter war zu ersehen, daß die ökonomische Lage der Thöralehranstalten eine verzweifelte ist. Es fehlt oft an der täglichen kargen Brotration für die Schüler. Beständig stehen die Lehrer im bittersten Kampfe gegen die Not des Tages. Es ist nun eine großzügige Aktion mit Hilfe des „Chofez Chajim" eingeleitet worden. Die Abfchiedsrede des greisen Rabbi in der Schlußsitzung hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Der „Chofez Chajim" verläßt schon nach Sükkos Polen, um sich nach Palästina zu begeben. Seine Jeschiwah bleibt vorerst noch in Radin. Samuel Jakob Rabinowi sch V'ST- Moskau, 10. September. Am 3. September abends verstarb in Moskau im Alter von 67 Jahren das Oberhaupt des orthodoxen Rabbinats, Oberrabbiner Samuel Jakob Rahino - witsch. Rabbi Rabinowitsch, genannt der „Alexoter Raw", wurde im Jahre 1857 in der Stadt Cholm geboren. Im Jahre 1887 wurde er Rabbiner in Jewje (Litauen), im nächsten Jahre Rabbiner in Alexoty und von dort arbeitete er an der Seite des Rabbi Reines Vst eifrig im Misrachi. Er schrieb mehrere vielbeachtete Aufsätze in der hebräischen Tageszeitung „Ha-Meliz", die später unter dem Titel „Hadath Wehaleumiuth" in Buchform erschienen. Er verfaßte auch ein talmudisches Werk, das ihm in der jüdischen Gelehrtenwelt einen Namen machte. Seitdem er in Moskau als O^errabbiner wirkte, hielt er sich vom politischen Leben zurückgezogen und lebte nur m-rnn rrnnn by Die Bestattung fand am 4. September in Moskau unter Teilnahme fast der gesamten jüdischen Bevölkerung statt. rrasirv Sir Herbert Samüels muts Amt.;• London, 8. September. Am 4. September wurde die offizielle Mitteilung über die Konstituierung der K ö n i g l i ch e n K o m m i s s i o n? 17.WWMMMM Ms ist ausschließlich Sache der iLeser,: Me Itn Inseratenfeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren .oder sonstioe Angabeu reUgloussesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. 8ps2ls1>Ivstitut für moderne, optisch und technisch vollkommene Augengläser. , Telefon Hansa 2208 Kaiserplatz 17 Malheus'illiiÜec ELTVILlt Scfifesicfitf r]i ['< Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig iHiuiiiiiiiiiiDiiiiiiiiiiiimi/iiiiiiiiiimiiiiiiiitiiitfiffiiiiuiuiiiiiiiiiiiiii» Soeben erscheint in siebenter, neubearbeiteter Auflage: 12 Halblederbände Ober ISO 000 .Artikel auf 20000 Spalten Text, rund 5000 Abbildungen und Karten jm Text, fast 800 Z. T. •farblge ßlldertafeln und Karten, über 200 Textbellagen Oie Bände / und U kosten je 30 Merk Sie beziehen das Werk durch jede gute Buchhandlung und erhalten dort auch kostenfrei ausführliche Ankündigungen "|ny jnSytf .'■l’iSrp mit deulfcher Überfettung von Rabb. Dr. ML- KahnSiehe Insercitt Oehl er's Bibliothek. Die mehr als 100 000 Bände zählende Leihbibliothek gibt soeben einen Nachtragskatalog. heraus; derselbe enthält auf 52 ^Quavtseiten zirka 7000 Titel mit den .letzten, Neu-Erscheinungen der deutschen, französischen uüd englischen Literatur und wird an Abonnenten und Interessenten gratis abgegeben. Die feit zwei Jahren ohne Unterschied mit bedeutendem Erfolg tätige Bücher- und Zeitungsagentur „M i s r a ch"- Berlin, hat ihre Räume ab 1. September d. I. nach der Artilleriestraße 4 verlegt.