Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1925)
- Date
- 1925-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 38 Seite 5 17 September 1925 D e r Israelit. Für Sieben Mk. 40 Pm liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohn^ Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird, Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sieh mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz» Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben Dr. Seligmann Baer. Zu seinem 100. Geburtstage. Von Lehrer Sulzbacher in Biebrich a. Rh. Am^ 18. September. — mvn vm m» - feiert die jüdische Kultusgememde in Biebrich ct, Nh. in ($emeinfd)dft mit der Stadtgemeinde und — so der Tag bekannt wird — die Iuden- [jcit und die Gelehrtenwelt weiter kreise den Tag, an dem vor 100 Iahren Dr. Seligmann Laer hier in B ebrich das Licht der Welt erblickte. Die in bescheidensten Verhältnissen lebenden Eltern, die wohl die selten gute Veranlagung des Knaben frühzeitig erkannten, ahnten nicht,' datz einst in ihrem Sohne der jüdischen Wissenschaft ein hervorragender Vertreter, dem Gebiete der Masorah wohl einer der bedeutendsten Kenner und Forscher erstehen sollte. Wie Baers Name bald jedem Gelehrten, der sich auch nur wenig für den masoretischen Bibeltext interessiert, geläufig wurde, so kennt Ihn aber auch jedes jüdische Kind, das seine Rödelheimer Tefilloh zur Hand nimmt, sowie jedes am jüdischen Gottesdienst teilnehmende Eemeindemi glied, das an den jüdischen Feiertagen sein Machsor aufschlägt. Haben wir doch kaum im Gotteshause oder in der Familie zum Verrichten unserer Andacht ein Buch in Händen, das nicht durch Baers Hände gegangen, bezw. durch ihn verbessert, geläutert und erläutert worden wäre, der seit dem Tode Wolf Heidenheims die Herausgabe der meisten unsrer Andachlsbücher im Aufträge des Lehrbergerschen Verlages Rödelheim übernommen hatte. Der Lebensweg Dr. Baers war ein schwerer und dornenvoller! Mutzte er sich doch alles auf fast autodidakiischem Wege erkämpfen. Was er erreichte, das verdankt er in erster Linie seiner seltenen Energie und seinem unermüdlichen Fleitze und in zweiter Linie — es mutet eigenartig an — seinem intimsten Freunde, dem christlichen Bibelforscher und BibelteXtkritiker F.anz Delitzsch-Leipzig, mit dem er bis zu seinem Tode in engstem Wissenschaftlichen Verkehr stand. Wir vernehmen darüber aus der eigenen Feder Baers folgendes: „Diese Schrift — nämlich die im Jahre 1852 herausgegebene, von Iost bevorwortete und mit Beigabe von S. D. Luzzatto versehene accentuologische Schrift ^13 nas min 'Tpa 'ü^nn ’östö mir> - war es, welche mir die Bekanntschaft mit Herrn Prof. Franz Delitzsch verschaffte, zu welchem ich seitdem in einem nie unterbrochenen und getrübten Wechselverhältnisse wissenschaftlichen Gebens und Nehmens stehe ... ich kann es Herrn Prof. Delitzsch nicht genug danken, datz er auf diese Weise mich aus meiner Verborgenheit hervorzog und meine Kenntnisse für christliche Kreise Mittelst christlicher Verleger verwertete." Dr. Seligmann Baer ist als Sohn unbemittelter Eltern hier in Biebrich-Mosbach a. Rh. am 18. September 1825 geboren, besuchte hierselbst 8 Jahre die Volksschule und wollte sich dem Studium widmen, wovon die unbemittelten Eltern aber nichts wissen wollten. Freunde der Familie sorgten dafür, datz der wissensdmstige Junge wenigstens Unterricht in fremden Sprachen erhielt, und so - besuchte er 2 Jahre lang — an 2 Nachmittagen jeder Woche zu Futz nach Wallus wandernd — das Privatmstiiut des Prof. Schipper dorten, ging mit dem 16. Jahre in die Talmudschule des Rabb. Jgstädter in Wiesbaden über, woselbst er sich gleichzeitig durch den dortigen Prediger Hochstädter in die für den Lehrerberuf — den er erkoren hatte — nötigen Wissenschaften einführen lietz. Im Jahre 1843 unterzog sich Baer bei der Herzog!. Nassauischen Regierungskommission dem Staatsexamen für Lehrer, das er rühmlich bestand. Hierauf wurde Baer von der Regierung als israelitischer Lehrer für die Gemeinden Niederhosheim und Soden angestelll, von da im Jahre 1850 nach Heddesheim versetzt, woselbst er sich vermählte, im Jahre 1856 an die Lehrerstelle seiner Vaterstadt Biebrich berufen, die er bis zu seiner erfolgten Pensionierung 1894 unter allseitiger Anerkennung seiner Tätigkeit inne hatte. Baers schriftstellerische Tätigkeit beginnt schon 1852, in welchem Jahre als erstes Produkt das liturgische Werk v"n nsv als nrririn neu bearbeitet und verbessert erschien. (Seitdem neu bearbeitet von Rabb. Josef Nobel). Schon in seiner ersten Lehrerstelle Niederhosheim fühlte sich Baer zu masoretischen Studien hingezogen, und diese Lieblingsneigung wurde mächtig angefacht, seitdem ihm seitens des Verlegers Lehrberger in Rödelheim, der Baers Bedeutung auf dem Gebiete der Masorah bald erkannte, Einsicht, in den, literarischen Nachlatz des berühmten Grammatikers und Bibelerklärers Wolf Heidenheim gewährt und ihm alsbald die Textrevision der von ihm (Lehrberger) herg^szugebenden jüdischen Werke übertragen wurde. Die erste Frucht dieser Studien war die bereits oben angeführte accentuologische Schriftn»K min» wodurch Prof. Franz Delitzsch auf Baer aufmerksam wurde (s. o.). Franz Delitzsch war es nun, der mehrere accentuologische und masoretische Arbeiten Baers seinen Delttzsch-Bibeltommentaren einverleibte, die Aufnahme einer Abhandlung Baers über die Gesetze des Metheg und dessen mannigfache Funkttonen in das Archiv des Prof. Merz vermittelte und den Baron v. Tauchnitz bestimmte, die von Baer revidierten, mit kritischen Anmerkungen und masoretischen Anhängen versehenen Ausgaben der Bücher iv'i&K'ial'irr'Jw unfc 2i'N in Verlag zu nehmen 1869—1875, denen alsbald das Hauptlebenswerk Baers, die te.rtkriüsche und masoretische Bearbeitung der ganzen Bibel im 58erein mit feinem Freunde Delitzsch in den Jahren 1878—1895 folgtehierbei wurden beide Forscher von der Tauchnitzschen Buchhandlung Leipzig unterstützt, die ohne Aussicht auf Absatz, nur im Interesse der Wissenschaft, den Verlag übernahm. „Als diese Bibel erschien," — so schreibt der „Israelit", Mainz anläßlich des Todes Dr. Baers im Jahre 1897 — „erregte sie in den jüdischen Gelehrtenkreisen das grötzte Aufsehen,- früher gedruckte Ausgaben waren höchst unvollkommen, so entbehrte ein Teil der Propheten die Bezeichnung der nimm und nivinv' die von den Verfassern durch das übliche 2 und v eingefügt wurden. Durch die Benutzung vorzüglicher, teils uralter, höchst seltener Ausgaben, sowie neu aufgefundener alter Manuskripte, von denen viele aus spanischmaurischer Zeit und aus dem Orient stammten, gelang es ihnen, Fehler, die sich im Laufe der Zeit in die heiligen Texte eingeschlichen halten, auszumerzen und die ursprünglich richtige Lesart wieder herzustellen: ganz besonders hatte Baer auf dem Gebiete der Neginoth grotze Erfolge zu verzeichnen, wo er durch seine Korrekturen oftmals überraschende Aufhellung der durch alte Notationen nur äutzerst schwer verständlichen Stellen erzielte." (Schlutz folgt.) Korrespondenzen vacdllcbierr Veirtsche» Reich. Die Eröffnung der Jo in -Ausstellung in Berlin. B e r l i n, 10. September. Am 9. September 11 Uhr vormittags fand unter Anwesenheit des amerikanischen Botschafters und des fast gesamten diplomatischen Korps, sowie der Spitzen der Behörden in den Räumen der American Joint Distribution Comittee zu Berlin die feierliche Eröffnung der vom europäischen Direktorium des Joint arrangierten Ausstellung von Arbeiten der Waisenkinder in den Joint-Fachschulen Europas statt. Der Direktor der Europa-Arbeit des American Joint Distribution Committee, Herr Dr. Bernhard Kahn,, eröffnete die Ausstellung durch eine Ansprache. Hierauf führte derselbe die Gäste durch die orei großen Ausstellungssäle, in denen mehr als 800 Arbeiten von etwa 700 bereits selbständig gewordenen Knaben und Mädchen aus den Fachschulen des Joint in Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei und Oesterreich zu sehen waren. Herr Dr. Kahn bedauerte, daß Arbeiten der Fachschulen in Rußland und Palästina wegen Transportschwierigkeiten fehlten. Konstituierung des „Hessischen Landesverbandes Metzestremr Synagogengememden". D a r m st a d t, 14. September. Am Sonntag, den 13. September, fand in Darmstadt die Konstituierung des Hessischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden statt. Die Tagung, die durch Worte der min und des Gedenkens an den verewigten Gründer des Verbandes, Rabb. Dr. M. Marx vom Vorsitzenden, Rabb. Dr. Merzbach, eröffnet wurde, nahm einen schönen Verlauf. Der oorgelegte Satzungsentwurf, der im wesentlichen den Satzungen der anderen Landesverbände gleicht, wurde angenommen. Sitz des Verbandes ist Darmstadt. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem jeweiligen Rabbiner des Hessischen Rabbinats Darmstadt 2 als Vorsitzenden, 2 Lehrern und 8 Gemeindevertretern, von welchen 3 ihren Wohnort am Sitz des Verbandes haben müssen. Eine Reihe von Anträgen, die monatliche mit Vortrag und Lernen verbundene Zusammenkünfte an wechselnden Orten Hessens und Beitritt des Verbandes zum Halber st ädter Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden fordern, sowie den Beitritt eines Mitgliedes zu anderen Gemeindeverbänden von der Genehmigung des Verbandsvorstandes abhängig machen, fanden einstimmige Annahme. Die Anerkennung des Verbandes, dem bereits über 50 Gemeinden beigetreten sind, als Körperschaft öffentlichen Rechts dürfte in nächster Zeit zu erwarten fein. Dir Rheinlansfeier der jüdischen Frontsoldaten. W o r m s, 8. September. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete seine diesjährige Hauptversammlung vom 5 bis 7. September 1925 in Worms und Köln, um im Jahre ver Jahrtausend-Feier auch seinerseits die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft mit dem deutschen.Volke feierlich zu bekunden. Rach einem Festgottesdienst in der Synagoge und einer Besichtigung des alten Friedhofes fand eine feierliche Kundgebung im reichgeschmückten Festhause statt. Der Staatspräsident von Hessen, Ullrich, mitsamt Vertretern aller Staats- und Stadtbehörden sowie der Geistlichkeit waren zugegen. Ein Orgelvorspiel leitete die Feier ein, worauf der Vorsitzende der Ortsgruppe Worms, Dr. Fried, die Erschienenen begrüßte. Ihm folgte als Redner Herr Oberbürgermeister R a h n - Worms, der im Namen der Stadtverwaltung den R tysbund in den Mauern der ehrwürdigen Stadt Worms willkommen hieß, sich für einen Frieden aller KonlVochenkcttender. vom 20 —27. Sevt. 1925. / 1 —8. Ti sehr i 3886. Samstag Sept. 20 1 '->VN nawn mn 'K Sonntag 21 2 iwn vktt '3 Montag 22 3 Dienstag 23 4 Mittwoch 24 5 Donnerstag 25 6 Freitag 26 6 Samstag 27 U’TXil 8 mit? na»