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Der Israelit · 1925-09-17 · Heft 38 (17.9.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 38 (17.9.1925)
Date
1925-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17. September 1828 D e r Israelit Nr. 38 Seite 3 mit. radikalen Mitteln arbeitende konservative Richtung, die zur Aufrechterhaltung der bestehenden Staatsordnung gegebenenfalls auch vor Gewaltpolilik nicht zurückschrickt. Mit Rassentampf und konfessioneller Verhetzung hat diese Richtung nicht das Geringste zu tun. Nur in Deutschland herrscht die Wahnvorstellung von der umstürzlerischen Einstellung des Juden, die ihn unfähig machte, am positiven Aufbau im konservativen. Sinne mitzuarbeiten. In England zählt die konservative Partei von altersher Juden zu ihren prominentesten Führern. In Italien, wo der Konservativismus die radikale Form des Faszismus erreicht hat, kann man sich zu ihm freundlich oder ablehnend stellen. Wenn italienische Juden sich in den Dienst der Bewegung stellen, so leitet sie ihre politische Anschauung, die eben in diesem Falle nach der konservativen Seite geht. Der deutsche Antisemitismus hat jedenfalls keinen Grund, sich Faszismus zu nennen. Eher trifft es zu. wenn schon der Luxus fremder Namen unentbehrlich ist, daß sich die 'deutschen Hetzapostel den wunderschönen Namen Ku-Klux-Klan zulegen, der seit einigen Jahren jenseits des Atlantus das Sammelbecken für alle konfessionellen Haßströmungen ist. Tatsächlich ist dieser Tage der Berliner Kriminalpolizei gelungen, eine antisemitische Organisation aufzudecken, die auf diesen' englischen Namen (ober auf „Ritter vom feurigen Kreuz") hört und das ganze Mordprogramm von dieser Blutliga, die die amerikanische Gesellschaft in Schrecken ssetzt, übernommen hat. Es steckten drei Amerikaner dahinter, die auch äußerlich die seelischen Zusammenhänge zwischen den Dunkelmänner hüben und drüben dartun. Also nicht Faszismus, sondern K u - K l u X - Klan. Der Name ist so schön wie die Sache selbst. Einiges über die Entstehung und Bedeutung der nzvn tPKY’üi’s. Von Rabbiner Dr. ph. Frankl in Halberskadk. Auch nach der Festsetzung und Textierung der Gebete durch die nVioio nöia ’tPiK ist die Ordnung der Gebete noch sehr einfach geblieben. An Sabbaten und Festtagen kamen zu den oV?sr» noch die Thoravorlesung mit der sich anschließenden Erklärung des Wochenabschnittes hinzu. Später schlossen sich hieran die regelmäßigen Agadavorträge, bestimmt einerseits, um die sabbatliche und festtägliche Arbeitsruhe zur geistigen Belehrung zu benutzen, aber auch, besonders in noch späterer Zeit, um die gedrückten Kleines Feuilleton. Antisemitismus im Konversationslexikon. Zu diesem Thema erhaben wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: In Nr. 36 des „Israelit" lenken Sie die Aufmerksamkeit auf antisemitische Wendungen in der neuesten Ausgabe des Meyer'fchen Konversationslexikon vom Jahre 1924. Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, daß schon in der Ausgabe vom Jahre 1893 nicht nur »antisemitische Wendungen" Vorkommen. sondern direkt falsche Behauptungen ausgestellt sind, die auf die Verunglimpfung des Judentums abzielen, mindestens aber dazu geeignet sind, irrige Ansichten und falsche Vorstellungen inbezug iwf das Judentum und feine Lehre zu verbreiten. Der Artikel Blutaberglaube (im II. Band der genannten Ausgabe) behandelt die Entstehungsgeschichte dieses sonderbaren Aberglaubens, erwähnt auch die Tatsache, daß dieser Aberglaube heidnischen Ursprungs sei, der häufig zur Verfolgung des damals noch jungen Christentums führte, und kommt auch auf das wahnsinnige Märchen der Blutbeschuldigung zu sprechen. Der Schluß dieses Artikels lautet aber wörtlich: „Sicherlich mag der Blutaberglaube auch zuweilen bei Juden zu Morden geführt Habens!) Aber dieselben der Religionsgemeinschaft als solcher aufzubürden, widerspricht aller historischen und religiösen Kritik". Gemüter zu trösten, sie über das Ungemach des Jvto zu erheben. Die agadischen D’ffooa gehen von dem Bestreben aus, der Allgemeinheit in leichtbegreiflicher Weise zu zeigen^ was das Verhältnis des Menschen, besonders des jüdischen Menschen zu Gott betrifft. Alle Fragen, die höchsten wie die einfachsten wurden in diesen Vorträgen behandelt, in Beziehung gebracht zur oaiaN, alles von diesem zentralen Gesichtspunkte aus betrachtet und beleuchtet. Einen großen Raum nahmen'in diesen Vorträgen die hohe Bedeutung des na»' der einzelnen ausgezeichneten mnaip des Jahres, wie auch die Bedeutung der v'3iv &»»'> ein. Man suchte in diesen Vorträgen die von ii’no ow» her geübte Gepflogenheit zu erfüllen i?r»w ins ino JVDbn oos3 oos jvd^O' einem größeren Kreise Sinn und Jdeeninhalt des jeweiligen Festtages zu erklären. Dies geschah aber alles außerhalb des Rahmens des eigentlichen Gottesdienstes oioV nVsn f»s3i noi? ooin jara* Diese Vorträge sind nicht direkt mit der.ooso des Tages verbunden gewesen, es sei denn, daß sich aus Zweckmäßigkeiisgründen eine zeitliche Verbindung ergeben hat, eine Vereinigung, die jedoch nicht organisch gewesen ist. Man hatte sich in großem Kreise zusammengefunden, um die nVsn des 0132 O’Vw zu hören, darunter auch Viele, die nicht imstande gewesen sind, ihr Gebet selber zu verrichten. Es ergab sich so von selbst, daß die a»»30 diese Zusammenkünfte zu 01323 n^an dazu benützt haben, um größeren Kreisen Belehrung angedeihen zu lassen. Außer der Belehrung kam noch ein wichtiges Moment hinzu, das die Notwendigkeit und die Wichtigkeit dieser Vorträge ganz besonders hervortreten ließ. Die vielen Leiden, die das immer zunehmende m^i' die immer größere Dimensionen annehmende Zerstreuung mit sich brachten, hatten das Gemüt des Volkes vollkommen niedergedrückt. oVu ons oVu» Ein Exil nach dem anderen kam, die Leiden lösten sich in rascher Aufeinanderfolge ab. das Volk ist der Verzweiflung nahe gewesen und sah hoffnungslos in die trübe Zukunft. Die Besseren im Volke, selber unter dem schweren Drucke seufzend, litten seelisch noch mehr, weil sie die Hoffnungslosigkeit des Volkes sehen Mußten, die für die Zukunft, für den Fortbestand des Volkes das Schlimmste befürchten ließ. Die 010100 'von suchten daher das Volk seelisch aufrecht zu erhalten, suchten ihm Trost zuzusprechen und ihm die hohe Bedeutung seiner jüdischen Aufgabe, die ohne Schmerzen nicht gelöst werden konnte, vor Augen zu halten. Ihr Verdienst ist es, daß das Volk vor Verzweiflung bewahrt werden tonnte, das dieses bedrückte, gepeinigte und verachtete Volk in moralischer Hinsicht turmhoch über seinen Peinigern stand. Sie, die 010100 '»30§ haben es in dieser Weise verstanden, das Volk nicht bloß zu belehren, sondern auch über die Nöte der Zeiten zu erheben. Nach und nach kam es dazu, daß diese Belehrung in die Liturgie Aufnahme fand. Es kam auch dies nicht von ungefähr,' vielmehr hat die Entwicklung der Verhältnisse, die Lage der Judenheit dazu geführt. Die Zerstreuung des jüdischen Volkes nach allen Weltgegenden nahm immer mehr zu. Viele kamen in Städte und Gegenden, die kein größeres jüdisches Gemeinwesen aufzuweisen hatten. Es war ihnen dadurch die Gelegenheit benommen. Belehrung und Erhebung aus berufenem Munde zu hören. Diesen in allen Gegenden sich zerstreuenden Juden sollte doch etwas in die Hand gegeben werden, das sie überallhin mitnehmen konnten, um sich daran zu erheben, um sich auch in der Zerstreuung Über die hohe Bedeutung der Festtage und der gehobenen Tage des Jahres belehren zu können. So kam es, daß durch die Ausgestaltung der Liturgie dieses Moment immer mehr in dem Gottesdienste Aufnahme fand, in der 01323 0^80' die die Gemeinde zu gemeinschaftlichem Gebete zusammenführte. Vieles von dem, was früher in den Vorträgen behandelt ward, ist nun dem Gebete einverleibt worden, alles aus dem Bestreben heraus, einem großen Kreise des Volkes Belehrung, Trost und Erhebung angedeihen zu lassen. Es entspricht nun der Bedeutung dieser Tage, daß bei der liturgischen Ausgestaltung des Gottesdienstes die trioiio v'»' ganz besonders bedacht worden sind. Die ll'^10 haben in erster Reihe historische Bedeutung, sie sollen an wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes erinnern. Demgemäß ist auch die Liturgie dieser tritt? tra* auf das historische Ereignis des Tages abgestimmt. Ungleich universeller in ihrer Bedeutung und in ihrem Gedankeninhalt sind jedoch die v'trilio OttT' was ttf den v'vi's dieser Tage auch zum Ausdruck kommen sollte. Und es ist ein zwiefaches, das in der Liturgie dieser Tage, besonders aber in 'vra .01V0 Vrro behandelt wird. Es wird da in erster Reihe die Bedeutung des Tages als pn ai' gefeiert, an dem ganz besonders sich das oia^a des *^a offenbart. Es ist dies der Grundgedanke, der Gedanke des Q’atp ma^a, der besonders dieOiVO NNO 'vi'S durchzieht. Gott ist Dem Artikelschreiber, der Strack und Cassel zitiert, dürste es zur Genüge bekannt fein, daß der Blutaberglaube bei Juden sicherlich nie zu Morden geführt hat", wenn er es trotzdem mit apodiktischer Sicherheit behauptet, dann verbindet er damit eine Absicht, die leicht durchsichtig ist. Ob dieser Passus, auf den ich schon vor Jahren in einem ausländischen Wochenblatte aufmerksam machte, auch in der neuen Ausgabe vorkommt, entzieht sich meiner Beurteilung, da sie mir nicht zugänglich ist. Sollte es der Fall fein, dann verdient eine solche unwahre Behauptung die schärfste Zurückweisung. Dr. Felix Kanter. Zwittau (Mähren). Unter obiger Spitzmarke wird in Nr. 36 des »Israelit" im Anschluß an einen Artikel der Wiener »Wahrheit" die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf antisemische Wendungen im Meyer'fchen Konversationslexikon gelenkt. Während aber die dabei in Frage kommenden Sätze nach meinem Empfinden eine immerhin indirekte, vielleicht nicht einmal bewußt unternommene Spitze gegen die Juden enthalten, findet sich im „Politischen Handwörterbuch", Ausgabe 1923 — erschienen im Verlag von K. F. Köhler, Leipzig, herausgegeben von Paul Herre — eine Stelle, die sich geradezu wie ein Auszug aus dem »Völkischen Kurier" oder dem ..Fridericus" liest. Unter dem Stichwort »Deutschoölkische Beweaung" heißt es da nämlich (wörtl): »Nach dem Kriege erlebte die völkische Bewegung einen neuen großen Aufschwung, der bedingt war durch das Verhalten einer großen Anzahl jüdischer Mitbürger während des Kriegs, die es verstanden hatten, die Posten hinter der Front und in der Heimat zu besetzen Eine so unverhüllt judenseindlich eingestellte Bemerkung, die zu den simpelsten und blödesten antisemitischen Argumenten unserer an blöden Phrasen wahrhaft nicht armen Zeit gehört, leistet sich ein Werk, das in wissenschaftlichen Kreisen als streng objektiver Nachschlagekatalog gilt und als solcher von allen Akademikern (Juden wie Nichtjuden) vielfach benützt wird. Auffallend ist, daß weitere antisemitische Wendungen in diesem .Politischen Handwörterbuch" nicht enthalten zu sein scheinen — wenigstens konnte ich bei meinen mehrfachen Durchsichten des Werkes keine weiteren entdecken — fodaß man es vielleicht hier lediglich mit einer allerdings groben Entgleisung des betreffenden Artikelschreibers zu tun hat. die ev. durch Vorstellungen von maßgebender jüdischer Seite beim Verlag behoben werden könnte. Willy Niederl and,stuck, med.etrer.pol., Würzburg. ßevmon ~ Cuacfi für das 3ahv 5686. Der Gesamtauflage der heutigen Nummer ist als Festgabe für unsere Abonnenten ein ficrmon-Cuach für das Jahr 5686 beigegeben. Allen Lesern des „Israelit" wünschen Schristleitung und Verlag herzlichst V"M2.

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