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Der Israelit · 1925-09-10 · Heft 37 (10.9.1925) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 37 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
– (sequence 23)
Language
German
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10. September 1925 Der Israelit Blätter Nr. 18 Seite 3 Neue Menschen und ein neues System. Ein Versuch. Werden die Kräfte ausreichen, den Versuch zu einem guten, glücklichen Ende zu führen? Darauf mag die Palästina-Zentrale der Aguda in Frankfurt die Antwort geben. „Machnej Jisroel", sei mir gesegnet! Gäbe Gott, daß es dir gelinge, daß du in deiner heutigen Reinheit und Bescheidenheit immer bleibst. . Siehe, ich goß Licht über dich und suchte die Schatten zu verbergen. Mögen sich die Schatten mindern und die Lichter mehren. Sei uns gegrüßt, unsere junge Schwester, mit tausend Segenswünschen. Der 14. Ziomstenkongreß für Bibelkritik an der hebräischen Universität. Von Dr. P. in Wien. Der Ziomstenkongreß hat folgende Resolution gefaßt: Der Kongreß fordert: Die hebräische Universität in Jerusalem soll in allen ihren Abteilungen und Instituten auf dem Prinzip der unbeschränkten Lehrfreiheit aufgebaut werden, wobei die verschiedenen geistigen Strömungen im jüdischen Volt ihren vollen Ausdruck finden müssen. Auf der Basis dieses Prinzips soll der Ausbau des judaistischen Instituts, welches die Gesamtheit des jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart zu umfassen hat, entscheidend bestimmt sein von dem Bestreben, das Institut unter Wahrung seines wissenschaftlichen Charakters zu einem vollen Ausdruck des jüdischen Geistes zu gestalten, wie er sich in den großen Kulturbüchern der jüdischen Vergangenheit und den schöpferischen Kräften der Gegenwart manifestiert. Jedes Wort dieser Resolution, die vom Kongreß mit. großer Majorität beschlossen wurde, spricht dem thoratreuen Juden Hohn. Jedes Wort dieser Resolution wird bei jedem thoratreuen Juden maßlose Erbitterung Hervorrufen. Die trübseligsten Schwarzseher haben es sich nicht träumen lassen, daß ihre Befürchtungen in bezug auf die hebräische Universität so rasch sich bestätigen werden. Es liegt uns angesichts dieses furchtbaren Schlages gegen das thoratreue Judentum ferne, uns in die bequeme Positur des Voraussagers zu werfen und überlegen auf die Richtigkeit der Stellungnahme anläßlich der Eröffnung diöser Universität hinzmveisen. Vielmehr fühlen wir uns nach dem Kongreßbeschlusse tief niedergeschlagen ,daß nunmehr das judaistische Institut der hebräischen Universität in Jerusalem der schrankenlosen Bibelkritit eine Heimstätte auf dem Berge Zion in der heiligen Stadt Jerusalem bieten soll. Das judaistische Institut wird somit die Quelle einer furchtbaren Gefahr für die Wahrheit und Einzigartigkeit des Judentums. Ohne Glauben an die Göttlichkeit der Thora ist das historische Judentum unmöglich. Im Namen dieses historischen Judentums lehnen wir hiermit nochmals und nachdrücklichst vor dem jüdischen Volke und vor allen Völkern der Welt jede geistige Gemeinschaft mit jenen ab, die das jüdische Volk ,das jüdische Land, die heilige Stadt Jerusalem mit zielbewußter Entschlossenheit in Verfolgung eines öden, heidnischen Kulturideals säkularisieren, seiner Göttlichkeit entweihen und seiner Heiligkeit berauben wollen. Es genügt selbstverständlich nicht, wenn wir laut verkünden, daß uns, die rechtzeitig gewarnt haben, die Verantwortung hierfür nicht trifft. Die thoratreue Iudenheit, ihre Gemeinden und Organisationen, besonders aber Agudas Jisroe l als deren erste Vertreterin müssen unbedingt Rat schaffen, wie diese Quelle der drohenden Gefahr für das religiöse Judentum unwirksam zu machen ist. Heute, wo jedermann klar erkennen kann, was für eine Gefahr die zionistische Kulturarbeit in Palästina, und die hebräische Universität in Jerusalem für die Göttlichkeit der Thora, für die jüdische Religion bedeuten, darf keine Uneinigkeit mehr unter jenen herrschen, die an Thora min haschomajim glauben. Ein ge m einsamer Abweh rkampf muß alle Thoragläubigen vereinen. Nebst dieser religiösen besteht auch eine politische Gefahr. Die Errichtung der hebräischen Universität in Jerusalem wurde einmütig von allen Rednern des 14. Zionistenkongresses als einziger politischer Erfolg der zionistischen Exekutive in den letzten zwei Jahren dahingestellt. Kein ge- Postscheck - Konto der Laadesorpisatian: Gruppenverband der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Halberstadt Nr. 18901 Berlin. rmgerer als Jean Fischer hat behauptet, daß dieser Erfolg selbstverständlich nicht im Sinne des Herzlichen jüdischen Zionismus, sondern nur im Sinne Achad Haams als politischer Erfolg hingestellt werden kann, der in Palästina bloß ein Kulturzentrum des jüdischen Volkes erblickt. Der ganze Kongreß, mit Ausnahme einer kleinen Opposition, rückte ja überhaupt weit von dem staatspolitischen Zionismus Herzls ab. Nicht der Iudenstaat Herzls, sondern ein zweinationales Palästina des Churchillschen Weißbuches stand als, wenn auch nicht ideales, so praktisch allein erreichbares Ziel vor der Kongreßmajorität. Weizmann glaubte, daß dieses für die politischen Anhänger Herzls schwarzumränderte Weißbuch durch zionistische Arbeit in ein Weiß-Blaubuch umgewandelt werden kann. Diese zionistische Arbeit hat nun angesichts der politischen Unmöglichkeit des Iudenstaates, angesichts der Aussichtslosigkeit einer hinreichenden Kolonisation ohne Staatsländereien ausschließlich nur auf kulturellem Gebiete vollkommene Freiheit. Wir glauben aber nicht, daß der Mißbrauch dieser Freiheit, und das ist die Proklamierung des Prinzips der unbeschränkten Lehrfreiheit am judaistischen Institut in Jerusalem, je das englische Weißbuch in ein weißblaues Buch umwandeln könnte. Herr Weizmann hat in seiner Eröffnungsrede. dem englischen Gesandten zugewandt, hervorgehoben, daß bis zum heutigen Tage England von keiner anderen geistigen Potenz so tief und dauernd beeinflußt wurde, als von der Bibel. Was soll nun England, dessen stärkste Tradition noch immer die Bibel ist, dazu sagen, wenn die neue hebräische Universität in Jerusalem, der geistige Ausdruck der Renaissance des jüdischen Volkes im Lande seiner Väter, die Autorität der Bibel untergräbt und vernichtet? Was soll dieses England sagen, das nebst den eigenen Traditionen gezwungen ist, auch mit jenen seiner zahlreichen Dominions zu rechnen? Der ganze Orient, besonders aber die Araber, die sich bisher in ihrer politischen und sozialen Sicherheit durch den Zustrom der Juden, die radikale soziale und politische Theorien in Palästina verwirklichen möchten, bedroht fühlten, was werden die dazu sagen, wenn nun auf der hebräischen Universität in Jerusalem die auch ihnen heilige Bibel angetastet und nach Art der modernen Bibelkritit als ein, nicht einmal gelungenes, menschliches Machwerk behandelt wird? Und dabei glaubt Herr Weizmann, daß gerade die Universität das große Versöhnungswerk Zwischen Juden und Arabern stiften wird. Was auf sozialem und politischem Gebiete nicht gelungen ist. soll auf kulturellem Gebiete gelingen. Nein, Herr Weizmann! Die hebräische Universität, deren judaistisches Institut der Bibelkritik Tor und Tür öffnet, schafft eine tiefe Kluft zwischen dem gläubigen Arabertum und jenen Juden, die Sie als Präsident vertreten, die nicht ruhen und rasten, bis sie die Leugnung der Göttlichkeit der Thora unter dem Mantel des europäischen Prinzips der unbeschränkten Lehrfreiheit nicht nur nach dem heiligen Lande aller Religionen hineingeschmuggelt, sondern ihr offiziell in Form eines feierlichen Kongreßbeschlusses einen Thron in der heiligen Stadt Jerusalem errichtet haben. Wir haben vor Jahren, als Sie noch stolz von Volksgunst umiudelt verkündet baden, bah Palästina so jüdisch sein muß, wie England englisch ist, behauptet, daß auf die von Ihnen propagierte Weise die Araber nie zu einer friedlichen Mitarbeit, nie zu einer erträglichen Nachbarschaft zu haben sein werden und Sie haben nun endlich klugerweise das unmögliche nur jüdische Palästina zugunsten eines möglichen zweinationalen, jüdisch-arabischen Palästina aufgegeben. Es bleibt nur fraglich, ob und wann die böse Wirkung Ihres so viel bejubelten, aber kurzsichtigen Wortes, das das arabisch-jüdische Verhältnis so vergiftet hat, aus der Welt geschafft wird. Wir warnen nochmals! Ihre hebräische Universität, die den Unglauben, den Abfall von Gott, die Entheiligung der Bibel, dem Orient als Geschenk des heimkehrenden jüdischen Volkes bringt, ist kein Friedensinstrument. Sie wird vielmehr ein Stein des Anstoßes werden, für alle Kinder des Orients, die in den Enkeln Abrahams auch die Träger der am Sinai offenbarten Zehn-Worte, zu ehen gewohnt sind. Die bibelkritische hebräische Universität in Jerusaletn i,st nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Gefahr. Hingegen hoffen wir. daß dieser Beschluß des Kongresses nicht ohne tiefgreifende Folgen innerhalb der zionistischen Organisation bleiben wird. Wir können es nicht glauben, daß die Ablösung von Äofek fiafcfionO'Sfücftwün/cfien nimmt an und veröffentlicht das Landesdirektorium des Keren Batorab ln Deutschland, Hamburg Är. 24735 ,:L!

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